Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 8 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. S — 14. Februar 1936 Seite ö ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■—■■■ I S>as (Beste vom Guten: ■ mm—m—Mm—.m<mM—mm-*mm*—M*mmmmm^^^m^^—m~m^^^^^—^—^—^^^^^^^— m ■■■■■»■■■■■■■■■»■■■^^^■i^^^^^^^^m^^bbbbbh^mmb^^bb m ) %u SessaA fdimidl- Jtiazzoth ■ £tn 17ersiicft mitdl Sic fi6ciMuäcnf ■ Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Ober- ■ rabbiner Babad m 5 Jtattkan (SrodeteJiy 5 Zentratc. Wien, 2. Giezirtk, Xeopoftisgasse *3 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die fcfanidl-jnfazxofA und das Fabrikat JttarCte: Schmidt Jfc. (Mazzoth,. Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. „Das Mittelalter an Brutalität übertroffen". Der Bischof von Durham spricht in der West London Synagogue über „Die Juden Deutschlands". Der Bischof von Durham, Doktor H. Honsley He n s o n, hielt am Abend des 6. Februar in de# Stern Hall der West London Synagogue Association. Seymour Place, einen Vortrag über „Die Juden Deutschlands'\ Den Vorsitz führte Leonurd ü. Monteiiore. Gern, sagte der Bischof, habe ich die Einladung angenommen, heute zu Ihnen zu sprechen, weil ich die Tragik der Lage eurer Brüder in Deutschland tief fühle. Ich will hier die tiefe und herzliche Sympathie zum Ausdruck bringen-, die ich und meine geistlichen Kollegen Tür unsere jüdischen Mitmenschen hegen, die in QeutscIi 1 and grausamem Unrecht und unwürdiger Demütigung ausgesetzt sind. Die anti jüdischen Maßnahmen der Ii eutigen deutschen R egierung erscheinen uns nicht nur abstoßend wegen ihrer barbarischen Grausamkeit, sondern fast unglaubhaft in ihrer sinnlosen Torheit. Wir in England kennen unsere j ü d i s c!i e n Mitbürger als gute Patrioten, die in den öffentlichen Diensten mit in der vordersten Front stehen und ihren vollen Anteil an den bürgerlichen Lasten würdig tragen. Uns ist es ganz und gar unverständlich, wie es in Deutschland zu einer Gesetzgebung wie der von Nürnberg kommen konnte. Aus irgendwelchen dunklen Gründen gab es ja in Deutschland immer eine antijüdische Stimmung, was aber heute geschieht, ist eine W i ederholung des Mittelalters, ja das Mittelalter wird an Brutalität sogar übertroffen. Der Brief des Hochkommissars für die Flüchtlinge aus Deutschland, James G. M a c D o n a 1 d, war eine furchtbare An - klage gegen das Hitler-Regime, dieser Brief sollte in die Hände aller Völker und Bekenntnisse kommen, die an Zivilisation und an die Geltung moralischer Gesetze glauben. Wir täten dem deutschen Volke selbst einen schlechten Dienst, wenn wir nicht den Abscheu, den wir angesichts solcher Taten empfinden, in d i e W e 11 h i n a u s s c h r e i e n würden. Die unaufhörlich geübten Diskriminationen und Degradationen der Juden sind die grausamste Beleidigung, die einer der sensitivsten Rassen, die je auf Erden gelebt haben, zugefügt wird. Die nazistische Rassentheorie ist ein Gespött; sie ist derart albern, daß man an der intellektuellen Selbstachtung unserer deutschen Zeitgenossen zweifeln könnte. Die deutschen Juden haben für ihr Land und Volk Leistungen vollbracht, die dem deutschen Namen Ehre einbrachten. Und eben diese Juden werden stigmatisiert, aller Rechte beraubt und schließlich aus dem Lande getrieben. Gedenket Winterhilfe der B u Bidesreg ieru ng! Der Bischof kam auch auf den Mord in Davos zu sprechen und sagte: Die Tat war eine unheilvolle Torheit, die einen bösen Einfluß auf die ganze Situation haben wird. Der jüdische Mörder geriet in eine traurige Verwirrung, jedoch unserer Meinung nach sind letzten Endes die Urheber dieser Tat die gegenwärtigen Herrscher in Deutschland, ich bin überzeugt, daß die Geschichte, wenn sie über das, was heute in Deutschland vor sich geht, ihr Urteil sprechen wird, vorerst die heutigen Herrscher für die Gewalttätigkeit verantwortlich mnc h e n wird. Der Bischof wies auf die solenne Ehrung des Marquis of R e a d i n g im englischen Oberhaus hin und stellte die Verehrung, die einem verdienstvollen Juden in England zuteil wird, der schrecklichen Behandlung der Juden in Deutschland gegenüber. Der Tribut hoher Achtung, sagte er. der Lord Reading gezollt wird, ist eine wirksame Wien IL, Praterstraße 30 das Haus l für elegante Wohnungseinrichtungen Antwort auf ii e Verleumdungen, denen Lord Readings Volk in verschiedenen Teilen Europas, vor allem in Deutschland, ausgesetzt ist. Der Bischof schloß mit einem Appell zur Fortführung der Rettungsaktion für die deutschen Juden. Der Bischof von Durham gegen die Teilnahme der englischen Universitäten an der Feier der Heidelberger Universitäten. In einem von den „Times" veröffentlichten AppeM fordert der Bischof von Durham, Dr. M. Hensley Henson, die;englische n Universitäten auf, der Einladung der Heidelberger Universität zur Teilnahme an der Feier ihres 550jähr:gen Bestehens nicht Folge zu leisten. Als im Jahre 1386, schreibt er weiter, die Universität Heidelberg gegründet wurde, wurde das erste weltliche Kolleg in den Juden weggenommenen Häusern untergebracht. Das 14. Jahrhundert war von Judenverfolgungen durchtobt, jedoch kein " Boden in Europa war .so sehr für einen antisemitischen Kreuzzug vorbereite; wie der Boden in Deutschend. Bevor die verantwortlichen Universitätsstellen beschließen, ob sie die I i11«— ladung der Univers:tät Heidelberg annehmen sollen ( der nicht, mögen sie sich gesagt sein lassen, daß die nichtakademischen Kreise der gebildeten OeffenÜichkeit diesem Beschluß mit Besorgnis entgegensieht. Unter normalen Verhältnissen wäre einer solchen Einladung freudig Folge zu leisten. Heute aber ist es anders. Die Postulate der Solidarität akademischer Zielsetzung, der Suprematie der Wahrheit usw. beherrschen die zivilisierten Universitäten. Beherrschen sie auch die Universität Heidelberg? Der Rassenfanatismus hat die deutschen Universitäten und besonders die Universität Heidelberg ergrift e n. Die jüdischen Professoren, unter ihnen solche von Weltruf, wurden ihrer Aemter enthoben und in die Verbannung getrieben. Als am 13. Dezember 1935 der U n t e r r i c ii t s m i n i s t e r Dr. W a c k e r das neue Gebäude des Physikalischen Instituts, jetzt Philipp-Lenard-Institut, eröffnete, sagte er offen heraus, es sei oberflächlich zu behaupten, die Wissenschaft sei Gemeingut der Menschheit, der Neger oder der Jude sehen die Welt anders als der deutsche Forscher. Nach ihm sprach Prof. J. Stark, der Präsident der Physikalischen Reichsanstalt, und griff heftig die Anhänger des Juden Einstein an. Diese unwürdige Zeremonie schloß würdig ab mit Sieg-Heil und dem Horst-Wessel-Lied. Der Brief schließt: Der wahnwitzige Nationalismus der Nazis gefährdet den Frieden der Welt und bedroht die letzten Freiheiten der sich selbst achtenden Menschheit. Man kann es sich nicht vorstellen, daß die Universitäten Großbritanniens, Wächter unvoreingenommenen Studiums und geistiger Freiheit, mit den erklärten und schamlosen Feinden dieser beiden Prinzipien offen sich verbrüdern. Dies käme einer öffentlichen Billigung der Intoleranz gleich, die es bewirkt hat, daß sich die deutschen Universitäten von ihren hervorragendsten Lehrern geleert haben und daß sich Europa mit den Opfern zynischer und herzloser Unterdrückung füllt. Heinrich Heine. Zum 80. Todestag. Am 17. Februar sind achtzig Jahre verflossen, seit Heinrich Heine seine „Matratzengruft" mit der Montmartre-Gruft vertauschte. Der Name Heinrich Heine steht an der Spitze aller Aechtungs- und Ausbürgerungslisten des „Dritten Reichs". Weil er sie alle in ihrer seelischen Schmierigkeit vorausahnte, hassen ihn die Braunhemden tödlich. Für einen nordischen Edeling wie Julius Streicher ist der Dichter „einer der grollten jüdischen Schweinekerle des vergangenen Jahrhunderts". Ihn in ßraundeutschland zu zitieren, ist fast mit Gefahr für Leib und Leben verbunden: die Kühnsten lesen ihn noch im stillen Kämmerlein, aber sie grüßen ihn nicht unter den Linden. Als unlängst ein großes Blatt mit einer Vergangenheit, nämlich einer anständigen — sein Name soll nicht gerannt sein, es war die „Frankfurter Zeitung" — im Feuilleton ein Wort aus dem „Atta Troll" anführte, verschwieg es den Autor ganz und gar und berief sich lediglich auf „einen Dichter". Aber daß sich die Burschen mit den Hakenkreuzarmbinden dem unholden Zug derer anschließen, die Heine iehend und tot gehetzt haben, den Naderern Metternichs, den Spitzeln Friedrich Wilhelms IV., den Achtgroschenjungen Bismarcks, ist ein beträchtlicher Aktivposten für alle Feinde der braunen Schmach. Denn da von Hammerfest bis zur Südspitze Siziliens, von den Säulen des Herkules bis zu der. Süßen Wassern von Ejub dieser Dichter zu den ganz wenigen beglaubigten Vertretern des deutschen Geistes gehört, stellt sich, wer ihn mit Unflätigkeiten überschüttet, von selbst außerhalb der europäischen Gesittung. Heine, „die Judensau auf dem Montmartre"? Recht so. Pg. Streicher! Damit stempelt ihr euch ab! Wenn ihr hundert Juden schindet, regt sich die Welt leider nicht sonderlich auf. Aber wenn ihr das Marmorstandbild Heines mit eurer braunen Jauche besudelt gibt es nur ein Eöho: Barbaren!