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Die Wahrheit · 1936-02-14 · Heft 8 (14.2.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 8 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Besorgt Eure SÜCher durch die Buchhandlung Wien IL, Ecke Taborsfraße 52 Mäßige Preise! Große Auswahl! Moderne Leihbuchere Gebühr 10 Grosch. per Tag sonst nichts Anfrag.: Tel.R41 -4-20 Kataloge gratis! senfanatismus, der ganz Deutschland überschwemmt, auch die Universitäten und in besonderem Maße die Universität Heidelberg ergriffen hat." Leider darf man die Größe des Kreises solcher Freunde der Freiheit nicht überschätzen. Erlebt man doch seine blauen Wunder bei der Beobachtung, was für Persönlichkeiten, die man kraft ihres geistigen Ranges für Zierden dieses Kreises halten müßte, dem ungeistigen und antiintellektuellen Nationalsozialismus unerwartete Huldigungen darbringen. Um nur zwei Beispiele aus den letzten Tagen zu bringen: Niemand Geringerer als Knut Hamsun hat den Vorschlag schweizerischer und norwegischer Parlamentarier, einem — übrigens arischen — Pazifisten, der seit drei Jahren in einem deutschen Konzentrationslager malträtiert wird, den Friedensnobelpreis zuzuerkennen, in einer Art verhöhnt, die eine unerwartete Waffenhilfe für den Hitlerismus bildet. Und der Literaturkritiker d^r „Neuen Zürcher Zeitung", Dr. K o r r o d i, hat einen gehässigen Angriff gegen die Literatur der deutschen Emigranten unternommen, wobei er besonders auf den jüdischen Einfluß in dieser Literatur hinwies. Dem großen Norweger Knut Hamsun sind seine landsmännischen Kollegen mit der Nobelpreisträgerin Sigrid Undset an der Spitze entgegengetreten, dem Beckmesser aus Zürich hat Thomas Mann eine Antwort erteilt, die ein sensationelles Verdammungsurteil über den deutschen Hakenkreuzfanatismus darstellt. Zunächst führt Mann ein Dutzend arischer Repräsentanten der Emigrantenliteratur, natürlich auch sich selbst und seinen Bruder Heinrich, zum Beweis dafür an, daß von einem auch nur vorwiegend jüdischen Gepräge der literarischen Emigration nicht gesprochen werden kann. Sodann beantwortet er die von Dr. Korrodi aufgeworfene Frage, ihm auch nur einen ausgewanderten Lyriker zu nennen, mit dem Hinweis auf Else L a sk e r - S c h ü 1 e r. die große jüdische Dichterin, die am! 1. Februar'ihren 60. Geburtstag feierte. Der Züricher Kritikus sprach von der Veränderung im Typus des deutschen Romanciers, der durch eine Begabung, wie die Jakob Wassermanns, gezeigt worden sei, und bemerkte. Kraft der internationalen Komponente des Juden sei der deutsche Roman international geworden. Darauf entgegnet Thomas Mann: „An dieser Veränderung, dieser .Internationalisierung' haben mein Bmder und icii nicht weniger Anteil gehabt als Wassermann, und wir waren keine Juden. Die internationale' Komponente des Juden, das ist seine mittellä nd.i sc heuropäische Komponente — und diese ist zugleich deutsch; ohne sie wäre Deutschtum nicht Deutschtum, sondern eine weltunbrauchbare Bären h äuterei. Man ist nicht deutsch, indem man völkisch ist. Der deutsche Judenhaß aber, oder derjenige der deutschen Machthaber, gilt, geistig gesehen, gar nicht den Juden oder nicht ihnen aHein, er gilt Europa und jedem höheren Deutschtum selbst; er gilt, wie sich immer deutlicher erweist, den christlich-antiken Fundamenten der abendländischen Gesittung: er ist der (im Austritt aus dem Völkerbund symbolisierte) Versuch einer Abschüttelung zivilisatorischer Bindungen, die eine furchtbare, eine unheilschwangere Entfremdung zwischen dem Lande Goethes und der übrigen Welt zu bewirken droht." Schließlich begründet Thomas Mann seine Emigration aus Deutschland mit seiner tiefen, aus tausend menschlichen, moralischen und ästhetischen Einzelbeobachtungen täglich genährten Ueberzeugung, daß aus der gegenwärtigen deutschen Herrschaft nichts Gutes kommen könne — für Deutschland nicht und für die Welt nicht . . . Wird die Welt sich endlich zu dieser Ueberzeugung bekehren lassen? Die oben zitierten Irrungen und Wirrungen in geistigen Bezirken, die sicherlich nicht der Bierbankpolitikersphäre ange- (■■■■■■■■■■■■■■■■■■bhhhdmmhmm Cafe Pension Echsfein Semmering iBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBaBBBBBBBEBa hören, in der die Hakenkreuz-Mentalität, diese ..weltunbrauchbare Bärenhäuterei" dominiert, geben ein trostloses Bild von der Unfähigkeit selbst höherer und höchster intellektueller Schichten, die Unterminierung aller sittlichen und kulturellen Fundamente durch den deutschen Nationalsozialismus richtig einzuschätzen. Die tote Moral. Den Schreibern der Hetzartikel gegen die „Union" in der „Stimme" scheint es noch immer nicht bekannt zu sein, daß ihre Artikel die beste Propaganda für die „Union" sind. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man die krassen Unwahrheiten, Verleumdungen und Lügenmeldungen der „Stimme" in ihrer Nummer vom 11. Februar 1936 unter dem Titel „Sterbende Union" widerlegen. Es sei einfür allemal festgestellt, daß die „Union österreichischer Juden" in ihrem derzeitigen Kampfe gegen die verbliebene jüdischnationaie Mehrheit im Kultusvorstande nichts anderes bezweckt, als der herrschenden Korruptionswirtschaft, Freunderl- und Parteiwirtschaft, sowie dem Mißbrauch der Steuergelder ein Ende zu machen. Es wird kein Kampf gegen das Aufbauwerk in Palästina, es wird kein Kampf um die Person des Herrn Dr. Löwenherz geführt, die allen vollkommen gleichgültig ist, sondern es wird einzig und aHein um das Recht der Wiener Judenschaft gekämpft, eine Gewähr zu haben, daß ihre Kultusgemeinde in objektiver Weise zum Nutzen aller Wiener Juden verwaltet wird. Der Kampf geht gegen die Parteiwirtschaft und gegen den Mißbrauch der finanziellen Mittel der Kultusgemeinde für parteipolitische Zwecke. Es ist richtig, daß die Wählerschaft die sparsame Verwaltung der Kultusgemeinde kennt aber nur auf jenen Gebieten, die mit jüdischnationaler Parteipolitik nichts zu tun haben. Auf allen anderen Gebieten gibt es k e i n e Sparsamkeit, dort wird mit vollen Händen gegeben, um die Zellen zu erhalten, die den derzeitigen Machthabern es ermöglichen, auf ihren Sesseln kleben zu bleiben. Mit den in der „Stimme" allwöchentlich, oder besser gesagt, dreitägig wiederkehrenden Beschimpfungen der „Union", mit den Herabsetzungen der Mitglieder derselben werden wir uns nicht mehr befassen. Ueber einen Punkt des oben erwähnten Artikels der „Stimme" aber müssen wir, so leid es uns tut und im Gegensätze zu den Gewohnheiten der Schreiber in der „Stimme", eine Richtigstellung vornehmen. Die „Stimme" wirft uns vor, daß wir der Majorität angeboten hätten, Herrn Dr. Löwe n h e r z zum Syndikus mit dem Gehalte eines Amtsdirektors zu bestellen. Vorerst sei festgestellt, daß von der Stelle eines Syndikus niemals die Rede war; weiters sei festgestellt, daß das Gehalt eines Amtsdirektors niemals in Frage gezogen wurde. Die „Union österreichischer Juden" hat sich lediglich bereit erklärt, den einzigen Weg zu gehen, der vom Standpunkte der Kultusgemeinde als reinlich und sauber bezeichnet werden darf. Die „Union österreichischer Juden" hat sich bereit erklärt, und dies nur im Interesse der Erhaltung des Friedens in der Kultusgemeinde, keine Schwierigkeiten zu machen, wenn Herr Dr. Löwenherz als pauschalierter Anwalt der Kultusgemeinde bestellt werde. Dr. Löwenherz sollte sämtliche Rechtsangelegenheiten der Kultusgemeinde gegen ein monatliches Pauschale in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt führen. Zur Zulassung dieses Weges hat sich die „Union österreichischer Juden" deshalb entschlossen, weil von Seiten der Mehrheit erklärt wurde, daß die finanzielle Situation des Herrn Dr. Löwenherz leider eine solche sei, daß man ihm unbedingt helfen müsse. Die „Union" hat die Gegenseite darüber nicht im Unklaren lassen, daß es Angelegenheit der Partei ist, ihren prominenten Parteimann im Bedarfsfälle zu versorgen. Keinesfalls aber dürfen für solche Zwecke die Mittel der Kultusge^ ineinde, also jene Mittel herangezogen werden, die nach dem Gesetze nur für ganz bestimmte Zwecke verwendet werden dürfen. Trotzdem, und dais möge am besten den guten Willen der unionistischen Mandatare beweisen, haben dieselben einer Subventionierung des Herrn Dr. Löwenherz durch seine Bestellung zum pauschalierten Anwalt keine Schwierigkeiten machen wollen. Die Herren Jüdischnationalen aber waren mit dieser Lösung nicht zufrieden, weil diese Lösung keine Versorgung des Dr. Löwenherz für alle Zukunft war. Sie wußten ganz genau, daß es vielleicht möglich wäre, daß eine künftige Majorität, die nicht dieselben „moralischen" Ansichten über die Verwaltung der Gemeindegelder besitzt wie die derzeitigen Machthaber in der Kultusgemeinde, sich entschließen könnte, auf die rechtsanwaltliche Betätigung des Herrn Dr. Löwenherz zu verzichten. Es sollte aber bedingungslos ihrem prominenten Parteimann der Gegenwert dafür gezahlt werden, daß er im Jahre 1932 gegenüber dem derzeitigen Präsidenten, Herrn Dr. Desider F r i e d m a n n, zurücktrat und auf seine eigene Wahl als Präsident der Kultusgemeinde verzichtete. Die nach dem Austritt der unionistischen Mandatare zurückgebliebene jüdischnationale Mehrheit mit Ausnahme des Herrn Kultusvonstehers Dr. Leopold P1 a s c h k e s, der immer in diesem Kampfe gegen die durch die Bestellung des Herrn Dr. Löwenherz zutage tretende Korruption in der Kultusgemeinde aufgetreten ist, beeilte sich, Herrn Dr. Löwenherz zum provisorischen Amtsdirektor zu bestellen. Eine noch für Donnerstag, den 6. d. M. abends einberufene Plenarsitzung wurde, um ja keine Zeit zu versäumen, auf Freitag, den 7. d. M., 1 Uhr mittags vertagt, gleichzeitig wurde bereits mit der Herrichtung des Büros begonnen und der bisherige Vertreter des Amtsdirektors in sein früheres Büro zurückversetzt. Am Sonntag erschien bereits Herr Dr. Löwenherz als Amtsdirektor in der Kultusgemeinde, allerdings als provisorischer. Ihn zum definitiven Amtsdirektor zu bestellen, haben die Jüdischnationalen nicht gewagt. Jedenfalls hat der Austritt der unionistischen Mandatare aus dem Kultusvorstande bereits den einen Erfolg zu verzeichnen, daß die Kultusgemeinde bisher vor der dauernden Belastung mit der Person des Herrn Dr. Löwenherz verschont geblieben ist. Diesen Erfolg können die Jüdischnationalen nicht abstreiten, auch wenn sie noch so sehr die „Union" und ihre Mitglieder beschimpfen werden. Die Jüdischnationalen haben auch in alle Welt hinausposaunt, daß sie Neuwahlen heute lieber als morgen hätten. Aber am 7.' d. M., in der ersten Nummer nach der Mandatsniederlegung der unionistischen Kultusvorsteher schrieb Herr Oberbaurat Stricker in seiner „Neue n W e 11", gestützt auf die rabulistische Behauptung, daß die Zahl der Kultusvorsteher — 28 sei, daß die 17 zurückgebliebenen Jüdischnationalen laut Statut berechtigt seien, die Verwaltung der Gemeinde bis zu den im heurigen Jahre (d. h. im Dezember, D. Red.) fähigen Neuwahlen fortzuführen. Am gleichen Tage, da diese unwahre Behauptung veröffentlicht wurde, deren Schreiber wohl sogar noch an einen späteren Termin als Dezember dachte, faßte der Rumpfvorstand aus Furcht vor den unliebsamen Folgen einer Statutenverletzung den Beschluß, die Wahleu „ehestens" auszuschreiben, nachdem ein Antrag des Herrn Dr. P1 a s c h k e s, sie für den 17. Mai d. J. anzusetzen, abgelehnt worden war. Die „Union" wird sehr darauf achten, daß dieses „ehestens" wirklich ein ehestens ist, damit der Wiener jüdischen Bevölkerung Gelegenheit gegeben wird, ihren wahren Willen über die Führung der Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Ob die prophetischen Ankündigungen der „Stimme" über den Ausgang der Wahlen eintreffen werden, das wollen wir ruhig der Zeit überlasseh. Die „Union" lebt und wird leben. Sie wird kämpfen und weiterstreiten. Die Moral der Nationaljuden im Kultusvorstande aber ist tot und kann nicht mehr zum Leben erweckt werden. Der Papst — ein holländischer Jude. In einer Predigt vor 8000 Andächtigen in der Münchener Michaelskirche erklärte Kardinal Faulhaber, die Behauptung eines Naziblattes, daß der Papst ein holländischer Jude sei, sei sine Lüge. Dem Kardinal wurden große Ovationen bereitet.

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