Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-02-14 · Heft 8 (14.2.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 8 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064614--20557-3085815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Preis dieser Nummer 40 Groschen In Deutschland verboten I Die tbahrheif mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag Redaktion und Administration: Wien II., HeineslraPe 13 — Telephon R46 2-16 nnsitunnitiiinntBanintnnsnitnHU Postsparkassenkonto Wien: A 100 918 52. Jahrgang: Wien, 14. Februar 1936 Nummer 8 Entschlossene Abwehr! In einer am \2. d. M. unter dem Vorsitz des Präsidenten Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim abgehaltenen, massenhaft besuchten Vertrauensmännerversamnilung der „Union" wurde nach einem ausgezeichneten Referate des Herrn Vizepräsidenten Dr. J. Tic ho und einer lebhaften Diskussion, aus der die temperamentvollen Ausführungen des Herrn Kom.-Rat Alexius Salz er hervorzuheben sind, folgende Resolution auf Vorschlag des Herrn Dr. Julius Oriinwald einstimmig angenommen: Die am 12. Februar 1936 versammelten Vertrauensmänner der „Union österreichischer Juden" haben nach Anhörung des vom Herrn Vizepräsidenten Dr. JoseS T i c h o erstatteten Berichtes über 'die Vorgänge, die zur Niederleg-ungder Mandate der unionistischen Kultusvorsteher geführt haben, einstimmig folgende Entschließung gefaßt: Die Vertrauensinännerversatumlung spricht der Leitung der „Union" und im besonderen ihren bisherigen Vertretern in der Kultusgemeinde für die entschlossene und besonnene Verteidigung des Ansehens und der Reinheit der altehrwürdigen Kulttisgeraeinde ihre aufrichtigste Billigung und den wärmsten Dank aus. Sie erneuert ihre bisherige Anschauung, daß die vom politischen Zionismus angestrebte Politisierung und Nationalisierung der Kultusgemeinde, das ist die Umwandlung der Kultusgemeinde in eine Volksgemeinde die Absonderungstendenzeil der antisemitischen Gegner bestärke. Sie erkennt, daß die jüdischnationale Forderung nach verbrieften Minderheitsrechten in der Praxis zu einer Beeinträchtigung, der durch die gegenwärtige Bundesverfassung gewährleisteten Gleichberechtigung aller Staatsbürger führen müßte. Sie stellt — was überflüssig wäre, wenn es nicht gegnerische demagogische Einflüsterungen gäbe — ausdrücklich fest, daß sie, von ihren religiösen Grundsätzen ausgehend, heute wie immer in jedem Juden, woher immer er auch stamme, den Glaubensbruder erblickt. Der politische Zionismus, der die bereits abbröckelnden Scheidemauern zwischen Juden und Nichtjuden wieder aufgerichtet und die Gegensätze zwischen Juden und Juden verschuldet hat, sucht sich der Kultusgemeinde zu bemächtigen, um diese — ohne Rücksichtnahme auf die Gefährdung der staatsbürgerlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stellung der Juden in Stadt und Staat in den Dienst ihrer Judenstaats-Politik zu stellen. Für die mit ihrem'Vater lande aufs allerengste und bedingungslos verbundenen österreichischen Juden ist es daher unerträglich, daß in einer österreichischen Kultusgemeinde eine jüdischnationale Politik gemacht wird. Dieser Politik gilt unser Kampf, nicht aber irgendeiner Schichte von Glaubensgenossen. Sie sichert der Leitung der „Union" die hingebungsvollste und tatkräftigste Unterstützung in ihren zielbewußten energischen Bemühungen zu, die autonome Institution der Kultusgemeinde ihrer ausschließlichen gesetzmäßigen Aufgabe der Befriedigung der religiösen Bedürfnisse aller jüdischen Schiebten Wiens unversehrt zu erhalten, und folgt mit Begeisterung und in hingebungsvollem Vertrauen ihrem verehrten Führer, dem Präsidenten Reg.-Rat Dr. Oppenheim. Bärenhäuterei. In der Umgebung von Mährisch-Ostrau hat der 15jährige Bauernjunge Vitos Michalski seinen 13jährigen Bruder Stefan erwürgt, weil dieser in der Schule besser lernte und deshalb belobt wurde. Wirkt diese Meldung tschechoslowakischer Blätter nicht wie ein Symbol für den Brudermord, der seit drei Jahren im Deutschen Reiche von den Neidern .des jüdischen Intellektualismus an dessen Trägern verübt wird? Der 15jährige Kain wird sich vor dem Jugendgerichtshof zu -.verantworten haben und obwohl ihn seine Minderjährigkeit vor der" ganzen Schwere des Gesetzes schützt, wird er doch auf keinen Fall so glimpflich davonkommen wie die „nordischen" Bärenhäuter und Nichtskönner, die im Dritten Reiche den größeren Fleiß und die besseren Fähigkeiten der jüdischen Künstler und Wissenschaftler mit Arbeitsverboten aus der Konkurrenz ausschalten und zum Lohn dafür auch noch die materiellen Früchte der jüdischen Geistesüberlegenheit in die eigene Tasche stecken dürfen. Unbeschäftigte Juristen annektieren die Klientel, deren Vertrauen sich jüdische Rechtsanwälte in angestrengter Arbeit erworben hatten, und verhalfen so dem Rechtsprinzip des Dritten Reiches zum Siege: „Recht ist, was dem Führer ge- KOHLE'KOKS AN YHR AZIT Three Stars BÄSCH IV-ArÄ6ntInler8lraßTe2? D 47-5-40 Alleinige Lieferantin «er „Äsca" Bund jüd. Frontsoldaten Jüdische Kulturstelle ' Keren Kajemeth Rasiere Dich gut und billig OesterreicMsches Qualiläls Fabrikat Ueberau erhältlich fällt." (Und diesem gefällt es zu sagen, daß die Nazis den Juden „niemals auch nur im geringsten entgegengetreten sind"!) Arische Mediziner drängen sich gewaltsam in die Praxis jüdischer Aerzte, deren überlegenes Wissen durcli den nationalsozialistischen Grundsatz überflüssig wurde: .,Alles Kranke und Schwächliche ist nicht zu erhalten, sondern auszurotten." Die Patienten dürften zwar anderer Meinung gewesen sein, aber maßgebend ist auch auf diesem Gebiet ausschließlich die Ansicht des Führers. Was aus den jüdischen Aerzten geworden ist, die sich in straflicliem Gegensatz zu der zitierten Hakenkreuz-These die Heilung der Kranken angelegen sein ließen, zeigt real und symbolisch die Meldung, daß dieser Tage ein hervorragender Bekämpfer der Rauschgiftseuche, der ab solcher sogar vom Völkerbund als Fxperte herangezogen worden war, moralisch und physisch vollständig herabgekommen, Selbstmord verübte. Als Jude nach Hitlers Machtergreifung in ein Konzentrationslager verschleppt, hat er, durch physische und psychische Mißhandlung dort in seiner Menschenwürde unheilbar verletzt, nach seiner Freilassung Betäubung durch Anwendung gerade jener Rauschmittel gesucht, von denen er einst die Menschheit hatte erlösen wollen ein wahrhaft triumphales Symptom für das Dritte Reich, in welch glorioser Weise dein Nationalsozialismus die viel wichtigere Erlösung des Germanentums von der Vergiftung durch den jüdischen Intellektualismus gelingt ... Und doch ist dieser nach dem sachverständigen Gutachten des Herrn Julius Streicher noch nicht ganz tot. Denn sogar die Nürnberger Gesetze, die ihm endgültig den Garaus hätten machen sollen, erweisen sich als ohnmächtig gegenüber der jüdischen List . . . Trotzdem braucht Herr Streicher nicht zu verzagen. Denn nicht von der jüdischen List, sondern von der Dummheit hat Schiller konstatiert, daß selbst Götter gegen sie vergeblich kämpfen. Die besseren Chancen hat also unleugbar der Nationalsozialismus wenigstens in Deutschland. Im Ausland liegen die Dinge wesentlich ungünstiger. In England hat, wie wir an anderer Stelle berichten, der Bischof von Durham, Doktor Henson, nachdem er schon vorher in einer jüdischen Synagoge ein Verdammung«- urteil über den Nazismus, dessen Greueltaten das finsterste Mittelalter übertreffen, gesprochen, in einem offenen Brief die akademischen Kreise vor der Teilnahme an dem Jubiläum der Universität Heidelberg gewarnt, weil ..der Ras-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.