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Die Wahrheit · 1936-02-09 · Heft 7 (9.2.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 7 (9.2.1936)
Date
1936-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 7 — 9. Februar 1936 DIE WAHRHEIT sensciiaft und Kultur sprechen, haben ihren Partei- Ränger und Klubgenossen Moses Rath, der sich .sicherlich um die jüdischnationale Agitationstätigkeit Verdienste erworben hat, sonst aber nichts im Dienste der jüdischen OefientHchkeit geleistet hat, freigebig aus den Taschen der Steuerträger belohnt, indem sie ihn mit Nachsicht der für Stellen an öffentlichen Bibliotheken vorgeschriebenen Prüfungen zum Bibliotheksdirektor bestellten. Damit aber auch der künftige Kultusvorstand nicht mehr in die Lage komme, das Unrecht, das der Kultusgemeinde durch die Bestellung des Herrn Rath geschehen ist, gutzumachen, wird Herr Rath unkündbar und pensionsberechtigt angestellt. Das Dienstverhältnis soll lediglich bei Verstößen gegen die Disziplin lösbar sein. Der Fall Rath hat die Wiener jüdische Oefient¬ Hchkeit aufgewühlt, aber aucli der Magistrat hat als Aufsichtsbehörde der Kultusgemeinde Anfragen wegen dieser merkwürdigen Bestellung an das Kultuspräsidium gerichtet und Aufklärungen verlangt. Das Präsidium hat sich hinter die Autonomie der Kultusgemeinde verschanzt, als ob Autonomie bedeuten würde, daß man innerhalb derselben von jedem moralischen Skrupel befreit wäre und die Majorität eine Parteiwillkürherrschaft etablieren könnte. Autonomie, d. h. Selbstverwaltung kann nur jenen juristischen Personen verliehen werden, von denen die strengste Einhaltung der Grundsätze der Gerechtigkeit und Objektivität erwartet werden darf und die sich der Verantwortung, die mit diesem Privilegium verbunden ist, bewußt bleiben. Damals haben die unionistischen Kultus vorsteh er und das Organ der „Union österreichischer Juden", „D i e W a h r h e i t", der jüdischnationalen Majorität das Unmoralische und Unzulässige ihres Vorgehens vorgehalten und sie für die von ihr verschuldete schwere Schädigung des Ansehens der Kultusgemeinde verantwortlich gemacht. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß gerade die Kultusgemeinde, weil sie allein von Juden verwaltet wird, besonders rein und einwandfrei vorgehen muß und allen Anforderungen weitestgehender Objektivität und Gerechtigkeit zu entsprechen hat. Wir predigten tauben Ohren. Obwohl die jüdischnationalen Mandatare nicht nur innerlich die Berechtigung unserer Vorwürfe anerkannten, sondern auch — allerdings nur unter vier Augen — erklärten, daß ein solches Vorgehen, wie die Bestellung des Herrn Mosas Rath, für die Gemeinde ruinös sei, wurde doch lediglich aus Parteirücksichten, die den H e r r e n h ö h e r s t e Ii e n a 1 s R e i n Ii e i t, S a uberkeit. Moral und öffentliches Ansehen, Herr Moses Rath z u m B i b 1 i otheksdirektor der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde bestellt. Parteiwirtschaff in den Institutionen der Kultusgemeinde. Wir führen einen Kampf um der Sache willen gegen die systematische Politisierung und Nationalisierung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. deren einzige gesetzliche Aufgabe darin besteht, für die religiösen Bedürfnisse der Wiener israelitischen Bevölkerung Vorsorge zu treffen und die großen sozialen Institutionen, welche unsere Vorgänger, nicht die derzeitige jüdischnationale Majorität, für die Juden Wiens geschaffen haben, objektiv und ohne jedes Parteiinteresse gerecht zum Wohle der Allgemeinheit zu verwalten. Diesem Programm haben die unionistischen Kultusvorsiehe: seit vielen Jahrzehnten entsprochen und es war ein unumstößliches Axiom ihrer Tätigkeit; daß alle Einrichtungen der Gemeinde allen Juden Wiens ohne jeden Unterschied zugute kommen sollen. Das ist nun, wie im folgenden erwiesen werden soll, unter der Herrschaft der Jüdischii atiüiialen ganz anders geworden. Es ist eine bekannte und auch von den jüdischnatiniKilen Mitgliedern des Kultusvorstandes zugegebene Tatsache, daß die nach Wien zuständ i g e n Juden, für die doch das Altersheim (Versorgungshaus) von seinen unionistischen Gründern in erster Linie geschaffen wurde, wenn sie Jim Aufnahme in das Altersheim der Kultusgemeinde ansuchen, sich gegenüber den in Wien nicht Heimat berechtigten im wesentlichen Nachteile befinden. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die nach Wien zuständigen Bewerber viel länger warten müssen, bis sie in das Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde einberufen werden. Der Antrag der Unionisten, diese schwere Schädigung der in Wien heimatberechtigten Juden, an die die Gründer des Altersheimes nie denken konnten, dadurch abzuwehren, daß denjenigen, welche einen längeren Aufenthalt in Wien nachweisen können, der Vorzug gebühre, wurde von der stets bei der Abstimmung gegen Anträge der „Union" geschlossenen jüdischnationalen Majorität abgelehnt, obwohl einsichtige Mitglieder der Majorität das Unrecht, welches den Wiener Juden dadurch zugefügt wi r d, zugaben. Als Gegenargument wurde bezeichnenderweise vorgebracht, daß, falls der längere Aufenthalt entscheiden sollte, die im Jahre 1914 und später nach Wien gekommenen Bewerber gegenüber den Wiener Juden die Aufnahme ins Altersheim nicht so leicht erlangen könnten. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Spital, vielleicht sind sie hier noch schlimmer. Auch hier können die Wiener Juden nicht ohne weiteres unentgeltlich aufgenommen werden, sondern man trachtet, sie an die öffentlichen Krankenanstalten des Bundes und der Gemeinde Wien abzuschieben. Unentgeltliche Aufnahme in das Spital der Israelitischen Kultusgemeinde Wien finden in der Regel nur nicht in Wien heimatberechtigte Juden oder solche, die der jüdisch nationalen Partei nahestehen, bzw. dere'n Protektion genießen. Der Großteil der Einnahmen der Kultusge- Wiener Juden! In einem ernsten, vielleicht für die Zukunft der österreichischen Juden entscheidenden Augenblicke, wenden wir uns an Euch mit dem dringenden Aufruf, die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der jüdisch-religiös und vaterländischösterreichisch fühlenden Juden zu erkennen und daher unserer um die Wahrung der Gleichberechtigung der Juden durch nun fünf Jahrzehnte bewährten Vereinigung als Mitglieder beizutreten. Gerade jetzt hat unser langjähriger Kamp! gegen die jüdisch - nationale Absonderungspolitik, die im Endeffekt mit dem unserer antisemitischen Gegner übereinstimmt, seinen Höhepunkt erreicht: die rücksichts- und hemmungslose Nationalisierungspolitik und Parteiherrschaft der jüdischen Nationalisten haben unsere Mandatare in der Kultusstube im Interesse der Erhaltung des Ansehens und der Reinheit derselben zur Niederlegung ihrer Ehrenämter gezwungen. Wiener, österreichische Juden, hellt uns in diesem schweren, entscheidungsvollen Kampfe, den wir ja für Euch führen, in unserem Kampfe um die Bewahrung und Festigung unserer politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stellung im neuen österreichischen Staate; in unserem Kampfe gegen den verstärkten antisemitischen Ansturm; in unserem Kampfe gegen die jüdisch - nationale Minderheitspolitik, die uns Juden zu einem geduldeten, stets bedrohten Gastvolk stempelt, die, wie der eben veröffentlichte Kunschak'sche Gesetzentwurf zeigt, zu Entrechtung und P r o 1 e t a r 3 s i emng führen muß; in unserem Kampfe gegen die Entfremdung und Entwurzelung unserer jüdischen Jugend durch die gewissenlose Propagierung eines souveränen Judenstaates, dieses politischen Phantoms, das nur geeignet ist, den — auch von uns lange vor den jüdisch - nationalen Zionisten geförderten — SriedlichenAufbau Palästinas als Heimstätte für heimat- oder von der Gefahr der Heimatlosigkeit bedrohte Glaubensgenossen oder für jene, deren religiöse Sehnsucht sie hinführt, zu beeinträchtigen und die Lage der Juden in ihren Heimatländern zu schädigen. Wiener, österreichische Juden t Heute, angesichts der schweren Nachteile im wirtschaftlichen Leben, welche die jüdisch - nationale Absonderungspolitik bereits bisher verschuldet hat; angesichts der Korrumpierung und Besudelung unser altehrwürdigen, von Freund und Feind hochgeachteten Kultusgemeinde, könnt Ihr nicht mehr im Zweifel darüber sein, wohin Ihr gehört, wo Euer Platz ist, dürft Ihr nicht weiter in Indolenz beiseite stehen, müßt Ihr begreifen, daß die Union österreichischer Juden Eure Organisation ist, der Ihr beitreten, die Ihr moralisch und materiell fördern müßt, wenn Ihr für Euch, Eure Kinder und Kindeskinder nicht alles aufs Spiel setzen, verlieren wollt, was Eure Väter und Großväter aufgebaut, unter unsäglichen Opfern errungen, erkämpft haben! Ihr dürft nicht z a u d e r n, nicht z ö g e r n! Erfüllet Eure Pflicht! Für den Zentral-Vorstand der Union österreichischer Juden: Reg.-Rat Dr. Max Lenk, Schriftführer. Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Präsident. Mitgliedsanmeldungen an das Sekretariat der Union, IX., Berggasse 4 (Tel. A 19-2-77) erbeten. meinde wird selbstredend bei den nichtnational eingestellten israelitischen Bevölkerungskreisen erzielt, die Verteilung und Verwaltung dieser Gelder erfolgt aber zufolge eines unzeitgemäßen Wahlrechtes., das den ausländischen Juden die gleichen Rechte in der Kultusgemeinde einräumt wie den österreichischen Glaubensgenossen, durch die Jüdischnationalen. Nur beispielsweise sei erwähnt, daß nach der letzten Volkszählung ca. 35.000 Polen in Wien wohnen. Aus diesem Kreise rekrutierten sich daher bei den letzten Wahlen ca. 10.000 Stimmen von den 17.000, die im ganzen auf die Jüdischnationalen entfielen. Daß unter dem Vizepräsidenten und" Finanzrefereuten Dr. Löwenherz die Verteilung der Subventionen, die nahezu eine halbe Million Schilling im Jahre betragen, hauptsächlich an jüdischnational-zionistisch eingestellte Organisation erfolgte, braucht nicht .besonders betont zu werden. So bekommen zum Beispiel die jüdischnational-zionistischen Organisationen unter dem Titel der Unterstützung hebräischer Sprachkurse, die oft erst eingerichtet werden (Teiluehmerzahl zwei bis drei Personen), verhältnismäßig hohe Subventionen. So wird mit dem Geld gewirtschaftet, das zum allergrößten Teil von Wiener Steuerträgern herstammt, die nicht der jüdischnationalen Richtung angehören. So macht sich in allen Zweigen der Verwaltung, wir denken z. B. an Schule, Seelsorge und Lieferungsv/esen, seit der Machtergreifung der Jüdischnationalen im Jahre 1932 die rücksichtsloseste Parteiherrschaft breit.

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