Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 6 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 6 — 7. Februar 1936 DIE WAHRHEIT w -ii: * t> I: W* f.;Sj PENSIONS-VEREIN w™w-n.n^-jwä. WIEN I., SCHELLINGGASSE 1 Invaliditäts-, Alters- Telephon: R 22-1-10 und Hinterbliebenen-Renten Bodenverkaufsverbot in Palästina. Der High Commissioner Sir Arthur W a uchope hat am Mittwoch, den 29. Jänner, die Führer der arabischen Parteien empfangen und ihnen die Antwort des Ministeriums für die Kolonien auf das arabische Memorandum vom 26. November v. J., in dem die Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina gefordert wurde, mitgeteilt. In der Antwort des Kolonienministeriums wird die Forderung nach Einstellung der jüdischen Einwanderung abgelehnt und die Erklärung abgegeben, daß für die Einwanderungspolitik derRegierungdasPrinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes auch weiterhin maßgebend sein werde. Weiter wird darauf hingewiesen, daß die Vorschläge über die Einsetzung eines Legislative Council die Antwort auf die Forderung nach Einführung einer demokratischen Selbstverwaltung darstelle. Gleichzeitig wird erklärt, daß die Regierung grundsätzlich ein Gesetz gutgeheißen habe, durch das Bodentransaktionen nur dann genehmigt werden, wenn der Verkäufer ein für seine Existenz erforderliches Minimum an Grund und Boden behält. Bodentransaktionen werden nach diesem Gesetze nicht genehmigt, wenn der Teile seines Bodens verkaufende Araber nicht mindestens 120, bzw. 85, bzw. 50 Dunam Boden in seinem Besitz zurückbehält; der Umfang des Bodenbesitzes des Arabers ist abhängig von der Lage des Bodens, nämlich ob er in einem Hügelgelände oder in der Ebene gelegen und wie weit der Boden von einem Stadtzentrum entfernt ist In einer Unterredung des Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation Dr. Chaim Weizmann mit dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope über das geplante Gesetz zur Einschränkung des Bodenverkaufs hat Dr. Weizmann den High Commissioner darauf aufmerksam gemacht, daß die ganze von der Regierung in letzter Zeit befolgte politische Linie die Grundlagen des Jüdischen Nationalheims zu zerstören drohe. Es heißt, Dr. Weizmann habe hinzugefügt, die Jewish Agency würde sich genötigt sehen, den Internationalen Gerichtshof im Haag anzurufen, falls die Palästinaregierung bei ihrer gegenwärtigen Politik verharren sollte. Der High Commissioner Sir Arthur W a uchope hat die Antwort des Kolonienministers Thomas auf das Memorandum der arabischen Führer auch der Exekutive der Jewish Agency, und zwar in hebräischer Sprache, übermittelt. Der Text war von einem Schreiben des High Commissioner an die Exekutive begleitet, in welchem ausgeführt wird: Die Förderung des jüdischen Nationalheims und die Rücksicht auf die Wohlfahrt der arabischen Bevölkerung machen es erforderlich, daß die Araber in Palästina für ihre Existenz hinreichende Bodenflächen besitzen. Dieses Gebot wurde in der letzten Periode von den jüdischen Bodenkäufern nicht berücksichtigt. In den letzten fünf Jahren hat sich der jüdische Bodenbesitz in Palästina vervielfacht. Die britische Regierung Ii ä 11 es darum für nötig, ein Gesetz zu schaffen, welches den Bodenverk a u f im Lande innerhalb eines s e w i ss e n Rahmens begrenzt. Zum Schluß betont der High Commissioner, Jaß er sich vor der Verlautbarung des Gesetzes mit der Exekutive der Jewish Agency ins Einvernehmen setzen werde. Die Exekutive der Jewish Agency veröffentlicht eine Erklärung, in der betont wird, daß das angekündigte Gesetz über Verbot des Verkaufs kleinerer Bodenflächen den Bestimmungen des Palästina-Mandates und des Briefes des früheren Premiers Ramsay MacDonald an Dr. Weizman widerspricht. Die Exekutive der Jewish Agency erklärt, daß die wichtigste zionistische Bemühung in der Erwerbung von Boden besteht, und unterstreicht, daß das angekündigte neue Gesetz entmutigend auf das Judentum wirken wird. Das Zusammenfallen der Pläne zur Einschränkung dea Bodenverkaufs mit dem Plan der Schaffung des Legislative Council und mit gleichzeitigen einschränkenden Maßnahmen gegenüber der Einwanderung bedeutet eine ernstliche Hemmung der progressiven Entwicklung des Jüdischen Nationalheims. Die Jewish Agency drückt zum Schluß ihrer Erklärung die tiefste Enttäuschung über die Politik der Mandatsregierung aus, die den Bodenverkauf einschränken will und ihre Verpflichtung, aktiv an. der jüdischen Landkolonisation mitzuwirken, unberücksichtigt läßt. Die Jewish Agency ist entschlossen, ihren Kampf gegen diese das jüdische Nationalheim schädigende Beschränkungen aufzunehmen. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß sich Dr. Weizmann in kurzem nach Europa begibt, um die persönliche Führung des Kampfes gegen die den Aufbau des Nationalheims hemmende Politik der Mandatsregierurtg zu übernehmen. ■litis Sdimni-Miit WIEN II.. Pralersfroße ss feiepllM ■ 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Kabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Die jüdischen Gewerbetreibenden Oesterreichs fühlen sich zurückgesetzt. Das Organ des Verbandes der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden Oesterreichs. „D i e Wirtschaft", führt erbittert Klage über die antisemitische Haltung des Gewerbebundes, der neugeschaffenen Ständevertretung des Gewerbes. Unter dem Titel: „Ein offenes Wort!" führt die Zeitung u. a. aus: In der Ständevertretung des Gewerbes, deren Wirken und Geist für das Wohl und Wehe jedes einzelnen von uns bestimmend sein kann, sind Juden nicht zu i i n d e n; ja mehr noch, an der Spitze derselben stehen Persönlichkeiten, von denen wir glauben, daß sie Objek tivität und Verständnis für unsere Lage kaum werden aufbringen können. Das Blatt erklärt, daß die jüdischen Gewerbetreibenden es nicht begrüßen können, daß als Träger des Gewerbestandes gerade jene Organisation (der Gewerbebund) bestimmt wurde, die seit je den Arierparagraph in ihrem Statut aufwies und antisemitischen Tendenzen huldigte. Aber es hätte den Stachel verloren, wenn mit dem erweiterten Wirkungskreis auch ein erweiterter Gesichtspunkt dieser Organisation zuteil geworden wäre. Das sei jedoch nicht der Fall und deshalb müsse nüchtern und ohne jedes Sentiment festgestellt werden, daß die jüdischen Gewerbetreibenden im Gewerbestand nicht als gleichberechtigt anzusehen seien. Jüdische Aufnahmebewerber werden im Gewerbebund nach wie vor abgelehnt, nur in wenigen Fällen wird eine Ausnahme gemacht, wobei es "in diesen Ausnahmefällen besonderer Protektion bedarr. Soweit es sich um das für den Export arbeitende Gewerbe handelt, sind es vorwiegend Betriebe, die von Juden geführt und geleitet werden (Strickereigewerbe, Wäscüeerzeugung, Konfektion usw.). Eine gewaltige Stimme von Erfahrung und ein weiter, nicht in engen Grenzen haften bleibender Blick eignet den Trägern dieser Betriebe. Der Gesamtwirtschaft werden die Fähigkeiten jedoch nicht mehr zugutekommen, so wollen es der antisemitische Gewerbebund und seine Führer. Es verstoße nachgerade gegen die verfassungsmäßig festgelegte Gleichberechtigung, wenn eine als alleinige Interessenvertretung anerkannt öffentlich-rechtliche Körperschaft, in diesem Falle der Gewerbebund, Standesangehörige wegen ihrer verschiedenen Religionszugehörigkeit verschieden behandelt Da könne nicht von Zufällen die Rede sein, es liege ein System darin, allerdings ein System, das mit den wiederholten Erklärungen der obersten Führer des Staates nicht in Einklang gebracht werden kann. Drei Fragen an die „Stimme" „Die Zionisten haben im Interesse der Kultusgemeinde ihr eigenes Parteiinteresse immer zurückgestellt" („Die Stimme" vom 28. Jänner 1936, Nr. 518.) 1. Ist die Ausschreibung der Stelle eines Direktors der Gemeindebibliothek im Interesse der Kultusgemeinde unterblieben? 2. Ist die Besetzung dieser Stelle durch Moses Rath im Interesse der Kultusgemeinde erfolgt? 3. Ist das Beharren, mit 15 Stimmen von ursprünglich 36 Stimmen den Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor bestellen zu wollen, im Interesse der Kultusgemeinde gelegen? Jüdischnationale Berichterstattung In den letzten Tagen machte durch die jüdischnationalen Blätter Mitteleuropas eine Falschmeldung die Runde, die zwar von Anbeginn sehr unglaubwürdig (schien, aber immerhin geeignet war, eine gewisse Verwunderung auszulösen. Man wußte nicht mehr und nicht weniger zu melden, als daß auf einer jüngst stattgefundenen Tagung in Berlin die jüdischen Jugendverbände Deutschlands ein Bekenntnis zum Zionismus abgelegt hätten und somit ins zionistische Lager übergegangen wären. Die jiidischnationalen Blätter ließen schon die Siegesfanfaren erschallen und Jubel herrschte ob dieses gewaltigen Siegeszuges der jüdischnationalen Idee in Deutschland. Die „Neue Welt", die „Stimme" und alle anderen jüdischnationalen Blätter würdigten des langen und des breiten dieses große Ereignis und ergingen sich in überschwenglichen Betrachtungen über die Zugkraft dieses Ereignisses auf die jüdische Jugend in den anderen Ländern. Nun informiert man uns von autoritativer Seite aus Berlin, daß hier ein ganz plumper Schwindel jüdischnationaler Berichterstattung vorliegt. Auf der letzten Tagung des „Verbandes der deutsch-jüdischen Jugendvereine Deutschlands" wurde tatsächlich mit Zweidrittel-Majorität eine Resolution angenommen, mit der sich dieser Verein zum Zionismus als gesamtjüdischer Haltung bekennt. Die ahnungslosen jüdischen Blätter haben daraus geschlossen, daß es sich hier tatsächlich um die Gesamtrepräsentanz der jüdischen Jugend Deutschlands handle. Nun eröffnet man uns, daß diese Vereinigung, die den hochstaplerischen Namen „Verband der jüdischen J.ugendvereine Deutschlands" führt, eine ganz kleine Gruppe von kaum dreitausend Mitgliedern darstellt, daß dieser Verein schon früher als verkappt jüdischnational galt und mit dieser Entschließung eigentlich nur die Konsequenzen aus dem tatsächlichen Stand der Dinge gezogen hat. Die jüdischen Verbände Deutschlands umfassen insgesamt etwa 60.000 Mitglieder, die sich zu ungefähr 50 Prozent auf das jüdischnationale und auf das assimilatorische Lager verteilen. Aus gesamtjüdischen Gründen haben sich vor einiger Zeit sämtliche Jugendvereine zum „Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände" zusammengeschlossen, in welchem sowohl die assimilatorische C. V.-Jugend und die Jugendsportvereine des gleichfalls assimilatorischen „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", als auch die jüdischnationalen Bünde, der „Makkabi" und die Chaluzzim vereinigt sind. Der „Verband der Jugendvereine Deutschlands" mit seinen ungefähr 3000 Mitgliedern ist ebenso wie alle anderen jüdischen Organisationen im „Reichsausschuß"" vertreten. Wenn nun dieser winzige Verein jetzt seine schon früher jüdisclmationale Haltung in Form einer Resolution der Oeffentlichkeit bekanntgegeben hat, so liegt hier ein Ereignis von ganz untergeordneter Bedeutung vor, welches die deutschen Juden gar nicht beachteten. Dazu kommt noch, dal! sich auch noch innerhalb dieses Verbandes eine starke Opposition von mindestens einem Drittel