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Die Wahrheit · 1936-02-07 · Heft 6 (7.2.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 6 (7.2.1936)
Date
1936-02-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 6 — 7. Februar 1936 Seite 3 &as Publikum ist hocherfreut . daß es aucfi Heuer wieder ewfhütt 3u Sessadk ftfimidf~ JKazzoth £in Vasuift iviscl Mt fificnentai! Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlatfian &wodetxGy Zcntrafc: Wien, 2. ütasirft, Xeonoldsgasse *3 Telephone: AAbl-90, A 48-4-48, A 60-2-63. Die StfkmiM-JMaMXOtlh und das Fabrikat 3fT<irfte Schmidt Jl. dB." (Mazzoth, Grieß und Farvel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. Abstimmung gegen Anträge der „Union" geschlossenen jüdischnationalen Majorität abgelehnt, obwohl einsichtige Mitglieder der Majorität das Unrecht, welches den Wiener Juden dadurch zugefügt wird, zugaben. Als Gegenargument wurde bezeichnenderweise vorgebracht, daß, falls der längere Aufenthalt entscheiden sollte, die im Jahre 1914 und später mach Wien gekommenen Bewerber gegenüber den Wiener Juden die Aufnahme ins Altersheim nicht so leicht erlangen könnten. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Spital, vielleicht sind sie hier noch schlimmer. Auch hier können die Wiener Juden nicht ohne weiteres unentgeltlich aufgenommen werden, sondern man trachtet, sie an die öffentlichen Krankenanstalten des Bundes und der Gemeinde Wien abzuschieben. Unentgeltliche Aufnahme in das Spital der Israelitischen Kultusgemeinde Wien finden in der Regel nur nicht in Wien heimatherechtigte Juden oder solche, die der jüdischnationalen Partei nahestehen, bzw. deren Protektion genießen. Der Großteil der Einnahmen der Kultusgemeinde wird selbstredend bei den nichtnational eingestellten israelitischen Bevölkerungskreisen erzielt, die Verteilung und Verwaltung dieser Gelder erfolgt aber zufolge eines unzeitgemäßen Wahlrechtes, das den ausländischen Juden die gleichen Rechte in der Kultusgemeinde einräumt wie den österreichischen Glaubensgenossen, durch die Jüdischnationalen. Nur beispielsweise sei erwähnt, daß nach der letalen Volkszählung ca. 35.000 Polen in Wien wohnen. Aus diesem Kreise rekrutierten sich daher bei den letzten Wahlen ca. 10.000 Stimmen von den 17.000, die im ganzen auf die Jüdischnationalen entfielen. Daß unter dem Vizepräsidenten und Finanzreierenten Dr. Löwenherz die Verteilung der Subventionen, die nahezu eine halbe Million Schilling im Jahre betragen, hauptsächlich an jüdischnational-zionistisch eingestellte Organisation erfolgte, braucht nicht besonders betont zu werden. So bekommen zum Beispiel die jücuschnational-zionistischen Organisationen unter dem Titel der Unterstützung hebräischer Sprachkurse, die oft erst eingerichtet werden (Teilnehmerzahl zwei bis drei Personen), verhältnismäßig hohe Subventionen. So wird mit dem Geld gewirtschaftet1, das zum allergrößten Teil von Wiener Steuerträgern herstammt, die nicht der jüdischnationaien Richtung angehören. So macht sich in allen Zweigen der Verwaltung, wir denken z. B. an Schule, Seelsorge und Lieferungswesen, seit der Machtergreifung der Jüdischnationalen im Jahre 1932 die rücksichtsloseste Parteiherrschaft breit. Der Fall Dr. Löwenherz. Seit dem Bestände der Wiener Kultusgemeinde hat kein Vorkommnis die Wiener Judenschaft so aufgewühlt wie der Fall Dr. Löwenherz. Wie sehr auch seit dem Auftreten der Jüdischnationalen in der Wiener Kultusstube die Gegensätze aufeinandergeprallt sind: an diesen Fall reicht kein Geschehnis heran. Die jüdischnationalen Presseorgane, die „Stimme" sowohl wie „Die Neue W e 11", sonst einander spinnefeind, stoßen diesmal in dasselbe Horn. Und es ist ihnen glücklich gelungen, die Atmosphäre derart zu vergiften, daß die Entfremdung zwischen Unionisten und Jüdischnationalen auf das Aeußerste gestiegen ist und sich sogar schon auf den rein persönlichen Verkehr zu erstrecken begonnen hat. Es droht die Gefahr der Sprengung der KuUusgemeinde. Das ficht Herrn Dr. Löwen herz nicht an; er besteht auf seinem Schein, der Zusage, die gewisse Herren ihm gemacht haben, auf die Gefahr hin, daß die Kultusgemeinde gesprengt wird, daß ein Riß sich in der Judenschaft Wiens vollzieht, der vielleicht nie wieder wird geschlossen werden können. Nur gewisse Herren aus der jüdischnationalen Kultusratsmehrheit denken so. Beileibe nicht alle. Und von den Jüdischnationalen außerhalb der Kultusstube denken gerade die Prominentesten anders. Mehr, sie äußern ihre Meinung vielfach ganz freimütig: im schärfsten Sinne und zum Teile auch mit den schärfsten Worten gegen Dr. Löwen- Ii e r z und gegen die Haltung, zu der er die Jüdischnationalen in der Kultusstube zu bringen und in der er sie zu halten verstanden hat. Was liegt denn eigentlich vor? Dr. L ö w e nh e r z ist erst nach dem Umsturz nach Wien gekommen, erlangte 1921 die Bundesbürgerschaft und ■A'urde bereits 1924 Vizepräsident der Kultusgeineinde. Er ist der tüchtigste jüdischnationale Agitator und ein vorzüglicher Volksredner und hat durch diese Eigenschaften die jiidischnationale Bewegung in Wien mächtig gefördert. Die Jüdischnationalen haben es zum größten Teil ihm zu verdanken, daß sie bei den Wahlen im Jahre 1932 die Majorität in der Kultusstube erlangt haben. Die Jüdischnationalen in Wien sind ihm also zweifellos Dank schuldig. Und nun soll die Bezahlung, die bare Bezahlung dieser Dankesschuld kommen: Er will bezahlter Amtsdirektor werden, hoch bezahlter, mit der höchsten Gehaltsstufe bezahlter, und gegen Bezahlung jene Kenntnisse und Erfahrungen ausnützen, die er sich als ehrenamtlicher Vizepräsident erworben hat. Er wirft das Ehrenamt des nicht bezahlten Vizepräsidenten der Kultusgemeinde hin, um deren höchstbezahlter Beamter zu werden: eine nie wiederkehrende Gelegenheit, der Tod des bisherigen Amtsdirektors Regierungsrates Fuchsgelb muß ausgenützt werden. Dieser Mortimer starb sehr gelegen und der Gehalt des Amtsdirektors beträgt rund 18.000 S jährlich, ein Ministergehalt! Welch ein Ausblick: Dr. Löwenherz ist Rechtsanwalt und steht im 53. Lebensjahre. Die Rechtsanwaltschaft liegt in Wien allgemein darnieder. Das ist ein offenes Geheimnis. Ungezählte haben überhaupt nichts mehr zu tun. Also weg von der Advokatur und hin zum Amtsdirektor mit dem Ministergehalt. 18.000 Schilling jährlich! Dabei richtet sich die Dienstpragmatik der Beamten der Wiener Kultusgemeinde nach der der öffentlichen Beamten. Juristisch gebildete Beamte können daher gemeiniglich mit 65 Lebensjahren in Pension gehen. Da Dr. Löwenherz bereits 53 Jahre alt ist, seine Dienstzeit also nur eine relativ kurze sein wird, werden seine Parteigenossen ihm selbstverständlich eine ganze Reihe von Jahren im Voraus als in die Pensionsbemessung anrechenbar zusichern. Die Rechnung ist also leicht gemacht. Werden 13 Dienstjahre angenommen, etwa bis zum 66. Lebensjahre, so bedeutet dies einen Gesamtgehaltsbezug von 234.000 S während der Aktivität; hiezu kommt dann die eigene Pension, die mindestens mit der Hälfte, also mit 117.000 S angenommen werden kann; dazu dann die eventuelle Witwenpension. Die Niederlegung des Ehrenamtes des nicht bezahlten Vizepräsidenten, richtiger der Tausch mit der Stelle des höchstbezahlten Amfcsdirektors der Kultusgemeinde bedeutet also für Dr. Löwenherz eine Einnahme, für die Kultusgemeinde aber eine Ausgabe von zusammen approximativ rund vierhunderttausend Schilling gegen etwa hundert Schilling monatliche Gehaltsaufbesserung bei bloßem Avancement eines der vielen Beamten auf diesen Posten. Da lohnt es sich schon, heute die Ehrenstelle des ehrenamtlich tätigen, unbezahlten Vizepräsidenten hinzuwerfen, um morgen als höchst bezahlter Beamter wieder aufzutauchen, in eben demselben Amte. Da lohnt es sich schon, die ganze Beamtenschaft vor den Kopf zu stoßen, die um ihr wohlerworbenes Recht auf Avancement gebracht wird durch einen Außenseiter, der bis nun der allmächtige Herr Vizepräsident war. Da lohnt es sich schon, die gesamte Judenschaft Wieras in Aufruhr zu bringen und die Gefahr heraufzubeschwören der Sprengung der Kultusgemeinde, ja vielleicht auch der Zerstörung der Autonomie und der bisherigen Rechtsgrundlagen der Kultusgemeinde. Alles um dieses einen Mannes willen. Alles, um ihn auf einen sicheren Postenzubringen. Alles, weil einige Jüdischnationale ihm in einem unbesonnenen Augenblick zugesagt haben, ihn zum Amtsdirektor zu machen, d. h. für alle Zeiten zu versorgen. Und darum mußte Herr Oberbaurat S t r i kker Vizepräsident der Kultus-gemein d e werden, derselbe Herr Stricker, der als erster in einem Artikel auf diesen Fall, freilich in für Dr. Löwenherz günstigem Sinne, das Wort Korruption geprägt hat. Darum mußte vielleicht auch ein Buchhändler, der Leihbibliotheksbesitzer Moses Rath, zum Bibliotheksdirektor der unschätzbaren Bibliothek der Kultusgemeinde bestellt werden. Also ein Schrittmacher für derlei Umschichtungen aus Ehrenamt in bezahltes Amt. Denn auch Herr Moses Rath tauchte eines Tages als Kultusrat unter, um tags darauf als hochbezahlter Bibliotheksdirektor fröhlich wieder aufzutauchen, versorgt für alle Zeiten. Es sollte da wohl ein Präjudiz geschaffen werden für die bequemste Methode, wie aus einem unbezahlten Träger eines Ehrenamtes der Kultusgemeinde ein hochbezahlter Beamter eben derselben Kultusgemeinde gemacht wird. Man sieht, die jüdischnationalen Machthaber haben das schwierige Problem der Umschichtung glänzend gelöst. Nur Geduld! Nicht drängen! Es kommt jeder, der es braucht, an die Reihe. Wir sind doch die Majorität und es ist schon ..das Schicksal der Minorität, überstimmt zu werden". Und darum Räuber und Mörder gegen die Union österreichischer Juden, welche für die von Theodor H e r z 1 in seinen Schriften wortwörtlich gepredigte Reinheit und Sauberkeit in der Verwaltung der Kultusgemeinde eintritt. Darum die von Haß lodernden Beschimpfungen und Besudelungen in der „Stimme" und der „Neuen Welt". Darum das herostratische Beginnen der bewußten Demolierung des stolzen Gebäudes der Wiener Kultusgemeinde.

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