Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 5 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 5 — 31. Jänner 1936 DIE WAHKHE1T Die „Stimme" der Verleumdung. 99 Je verzweifelter die Situation der Jüdischnationalen in ihrer „Sache Löwenherz" wird, den sie zur Krönung der Korruption ihrer Parteiwirtschaft in der Kuitusgemeinde zum Amtsdirektor machen wollen, um so wütender und besinnungsloser, gemeiner, niederträchtiger und infamer werden ihre Angriffe gegen die „U n i o n" und deren Präsidenten Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim, die im Interesse des Ansehens und der Reinheit der Gemeinde diesen Schmutz wenigstens bisher — die Bestellung Löwenherz sollte bereits am 10. Dezember 1935 erfolgen — von de r S ch w e 11 e d e r K u 1tusgemeinde fernzuhalten in der Lage waren. Wie man weiß, hat die „Stimme" nur von uns gezwungen ihre Sprache gefunden, warum sie jetzt gerade spontan erpresserische Worte findet, das zu sagen, sind wir iselbst diesem verachtungswürdigen Gegner gegenüber zu vornehm. In einem Artikel der „Stimme" „Oppenheim wünscht einen Regierungskommissär" ergießt sich ein Strom von Kot über die „Union" und Doktor Oppenheim. Aber beide haben immer mit der Qualität ihrer jüdischnationalen Gegner gerechnet, dje — wir haben es schon oft gesagt — sich sehr täuschen, wenn sie glauben, mit den ihnen so vertrauten Mitteln der Drohung, der Verleumdung, der Lüge, der Einschüchterung aufuns wirken zu können. Reg.-Rat Dr. Oppenheim hatte sich mit der gemeinen Art der Jüdischnationalen in dem Augenblick abgefunden, als er den Vorsitz im Zentralvorstande der „Union" übernahm. Er wird nicht ruhen und nicht rasten, bevor nicht die Korruption, der Nepotismus, die Parteiherrschaft der Jüdischnationalen aus der Kultusgemeinde verschwunden ist und die Führung der österreichischen und Wiener Juden (nicht von den ausländischen ist die Rede), wieder in die Hand der Organisation zurückgekehrt ist, in die sie gehört, in die der durch fünfzig Jahre in der politischen Führung der österreichischen Juden bewährten „Union österreichischer Juden". Von dem, wovon die „Stimme" sprechen sottte, ist auch in diesem Artikel keine Rede. Vom Vizepräsidenten Stricker, vom Amtsdirektor Löwenherz, dem ehrenwörtlich, in einem Falle isogar offiziersehrenwörtlich diese Stellung versprochen wurde, bevor sie zur öffentlichen Ausschreibung gelangte, von dem großen Korruptionsfall Moses Rath und den zahlreichen kleinen Korruptionsfällen, die wir wiederholt den Jüdischnationalen vorgehalten haben, wird natürlich nicht gesprochen. Blödes Geschwätz über die Wahlen in die Kultusgemeinde vom Jahre 1928 und 1932 wird aufgetischt. Dr. Oppenheim hat schon 1928 eine eigene K u 11 u s g e m e i n d e „für Unionist en begründen wollen" und ähnliches wird serviert, nur vom eigentlichen Thema „Löwenherz muß Amtsdirektor werden, auch wenn die Kultusgemeinde draufgeht", wird nicht gesprochen. Diese Ablenkungsmanöver kennt man. „Reden wir von was anderem." Zum Beispiel statt von der Korruption der Jüdischnationalen sagen wir von der Niederösterreichischen Eskompte-Gesellschait, das, was erpresserische Spekulanten sagen, die „ihr Geld in Aktien der Bank angelegt hatten und um ihre sauer ersparten Groschen" kamen. Aber davon, daß das Geld unserer Glaubensgenossen in die Säckel der jüdischnationalen Mandatare ä la Rath, Löwenherz e tatti quanti — die anderen kommen noch daran — fließen soll, was in unmittelbarem Zusammenhang mit der Kuitusgemeinde steht, darüber wird kein Wort verloren. Es steht ja nicht dafür, die jüdische Oeffentlichkeit darüber aufzuklären, daß es 50.000 mittellose Juden in Wien gibt, deren Elend und Not die Jüdischnationalen kalt läßt, wenn es gilt, Herrn Dr. Löwenherz mit einem Aufwand, der inklusive Pension usw. mit mehr als 400.000 S errechnet wurde, zu versorgen und so nebenbei, wie es in ihrem politischen Jargon heißt, „den Wahlapparat in die Hand zu bekommen", d. i. die Herrschaft der Jüdischnationalen dauernd und unabhängig von Wahlrisken zu begründen. Um dieses sein Vorhaben auszuführen, geht Herr Amtsdirektor in spe, Dr. Josef Löwenherz, Wege, die man zumindest als recht merkwürdig bezeichnen muß. Kann man es noch verstehen, wenn er seinen langjährigen Mitarbeiter im Präsidium der Kultusgemeinde, den Ehrenpräsidenten der „Union" und vormaligen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Jakob O r n s t e i n, in langen Gesprächen von „seinem Rechte auf Bestellung zum Amtsdirektor der Wiener Kultusgemeinde" zu überzeugen versucht, so wird man es ganz unbegreiflich finden, daß er gleiche Methoden auch gegenüber prominenten Mitgliedern des Zentralvonstandes der „Union" anwendet. Jeder Unbefangene kann über die Würdelosigkeit eines solchen Vorgehens nur eine Meinung haben. „Aber in den Gemäuern des jüdischnationalen Zwinguri rieselt es." sie reden nicht mehr vom jüdischnationalen und politischen Zionismus, sie nennen sich nur mehr Zionisten schlechtweg, ihr Bekenntnis zur jüdischen Nation, ihre phantastische Idee der Gründung eines souveränen Judenstaates in Palästina für alle Juden, die sie früher so gerne in alle Welt hinausposaunten, halten sie still bei sich. Sie möchten auch gerne glauben machen, daß nur sie den Zionismus gepachtet haben und daß, wer für den Wiederaufbau Palästinas sich einsetzt und Geld dafür opfert, zu ihnen gezählt werden muß. Dieses Spiel haben sie endgültig verloren. Zionismus hat mit jüdischem Nationalismus nichts zu tun und seit Adolf Hitler auf dem Nürnberger Reichstag sich auf die jüdischnationalen Phantasten berufen hat, weiß man, daß der Nationalsozialismus und jüdische Nationalismus sich im Endziel treffen: Ausbürgerung der Juden aus ihren alten Heimatländern und Einbürgerung In Palästina. Das ist es, was wir verwerfen und bekämpfen, gleichgültig ob es von Nationalsozialisten oder Jüdischnationalen gepredigt wird. Cafe Pension Echsfein Semmering Das hat aber mit der Schaffung einer Hei m- Stätte für heimatlose Glaubensgenossen in Palästina nichts zu tun. Diese Bestrebungen werden wir immer unterstützen, wie alles, was der Linderung des Elends unserer leidenden Glaubensgenossen wo immer dient. Wir halten die Irrlehren des jüdischen Nationalismus und politischen Zio- Herrenkleidersalon S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die jetzige Saison die schönsten Smoking- und Frack-Anzüge für den eleganten Herrn Billigste Preise Feinste Maßarbeit Garantierte Paßform nismus für gefährlich für die politische Stellung unserer Glaubensgenossen in Oesterreich und insbesondere für unsere leicht entflammbare Jugend. Deshalb werden wir nie aufhören, unserer Ueberzeugung und unserem Empfinden entsprechend unsere unlösbare seelische Verbundenheit mit unserer Heimat, mit unserem Vaterland Oesterreich, wie mit unserem Glauben zu betonen, gleichgültig wie die Jüdischnationalen das auslegen wollen. Nun kommt der Hauptschlager, das Märchen von der Rettung der elf Mandate der Unionisten durch den jüdischnationalen Kultuspräsidenten, Dr. Desider Friedmann. Den Theatercoup, durch den die auf der Kandidatenliste der „Union" unter dem Untertitel „Vereinigung Werktätiger Juden" gewählten vier Kultusvorsteher ihrer Mandate verlustig erklärt wurden, hätte die „Stimme" nicht ans Tageslicht, das es nicht verträgt, zerren sollen. Mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Gesundheitszustand des Herrn Doktor Friedmann beschränken wir uns heute darauf, übet diesen Coup nur das Allernotwendigste zu sagen, wir kommen aber auf dieses Thema, das sehr interessant ist, nach der hoffentlich baldigen Genesung des Präsidenten noch eingehend zurück. Dr. Friedmann wünschte sich im Februar 1934 von seinen Parteifreunden und Bundesgenossen, die der jüdischnationalen Mehrheit angehörten, von den vier Poale-Zionisten, den marxistischen Jüdischnationalen, die unter der Bezeichnung „Verband sozialistischer Juden" kandidiert hatten, zu befreien. Da geht der Herr Kultuspräsident allein zur Regierung Aufruf an die österreichischen Juden! Ein schon langgehegter Wunsch geht in Erfüllung: In wenigen Wochen wird das neue Klubheim der „Union" im Jahre des Jubiläums des 50jährigen Bestandes derselben In feierlicher Weise eröffnet und seiner Benützung Ubergeben werden. Die vornehm ausgestatteten und zweckentsprechenden Räume des neuen Heimes befinden sich im Goldschmidt-Stiffungshause L, Schottenring 25. also in einer zentralen, für unsere Mitglieder und Freunde in allen Bezirken Wiens bequem erreichbaren Lage. Eine besondere Feststiege führt in die im ersten Stock gelegenen ausgedehnten Räumlichkeiten. Durch eine schöne Vorhalle gelangt man in einen neuadaptierten prächtigen Saal, der zur Veranstaltung von großen Versammlungen, Festlichkeiten und geselligen Zusammenkünften dienen wird. Kleinere Räume stehen als Beratungs-, Spie!- und Lesezimmer zur Verfügung. Das neue Klubheim soll und wird die Zentralstelle der vaterländisch gesinnten österreichischen Juden werden. Der „Jugend-Union", die außer der Möglichkeit der Benützung aller Teile der Einrichtungen des Helmes noch einen besonders schön ausgestatteten Raum für ihre eigenen Zwecke erhält, wird nun Gelegenheit zu reicher Entfaltung geboten. Wiener Juden! Tretet bei dem „Union-Klub", der neugegründeten Vereinigung der Mitglieder und Freunde der „Union"! Alle Einrichtungen des Klubheimes werden seinen Mitgliedern gegen einen monatlichen Beitrag von S 5— zur freien Verfügung stehen; die Familienangehörigen der Klubmitglieder haben nur einen kleinen Anschiußbeitrag zu entrichten. Jeder Unionist oder Freund der Ziele der „Union" wird sogleich, dessen sind wir sicher, seinen Beitritt zum „Union-Klub" erklären und so in seinem eigenen Interesse das Seine dazu beitragen, daß das neugeschaffene Heim seine hohe Aufgabe im Dienste der österreichischen Judenschaft erfüllen könne. Werbet, bitte, im Kreise Eurer Freunde für den „Union-Klub" und fördert dessen Ausgestaltung durch Unterstützung unserer Baustein-Aktion! Für das Klubheim-Komitee: Dir. Jacques Weiger, Obmann. Friedrich Feuer, Obmann-Stellvertreter. Für den Zentralvorstand der „Union": Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Präsident. Reg.-Rat Dr. Max Lenk, Schriftführer. Anmeldungen sind zu richten an den Obmann des Heim-Komitees Dir. Jacques Weiser, IL, Praterstraße 70. Telephon U 13-3-21.