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Die Wahrheit · 1936-01-31 · Heft 5 (31.1.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 5 (31.1.1936)
Date
1936-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 5 — 31. Jänner 1936 Seite 3 $)m§ Publikum ist hodkettweut . . . daß es audk heuern wieder ewtkütt %u (Fessaih ftämidl- JKazzoth £in Venucfi wtxtwd fiAeneu(cnf Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlatham (&wodet*6y Zentrale litten, 2. äSesirfc, Jtcopofdsgasse 43 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63. Die Sdlanidi-OniwMotlk und das Fabrikat JflTarfte 3*a\wnt*t3H. (Mazzoth, Qrieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften, iiniinii und. spricht im verschwiegenen Kämmerlein mit einem Beamten. Was, das weiß nur er; dann kommt er in die Gemeinde und erzählt Schauermärchen. Die Regierung verlange, daß die Mandate der vier Poale-Zionisten und von wegen der Parität auch die der vier „Werktätigen Juden" für erloschen erklärt werden, sonst bestünde die Gefahr, daß auch die elf Unionisten ihre Mandate verlieren! Niemand wagte in den traurigen Februartagen des Jahres 1934 an den Worten des Präsidenten zu zweifeln. Wenige Tage später erieß der autoritäre Präsident, der mit seiner Partei nicht lange vorher für die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes auch in der Kultusgemeinde, sogar für das passive Wahlrecht der Frauen eingetreten war, einen Ukas, in dem er die Mandate der über Vorschlag der Vereinigung Werktätiger Juden" und die der über die Nominierung der „Sozialistischen Liste" gewählten Kultusvorsteher für erloschen erklärte. Die Darstellung, die der Präsident von seiner Rücksprache mit der „zuständigen staatlichen Behörde" gegeben hatte, klang so überzeugend, daß ihm einhellig der Dank des Kultus Vorstandes für seine De mühungen ausgesprochen wurde. Aber diese Darstellung —sie war erfunden. Schon wenige Wochen später sprach ein Führer der „Werktätigen Juden", Herr Doktor lösef L ö w y, mit der „zuständigen staatlichen Behörde" und erfuhr, daß von all dem keine Rede war. Keine staatliche und stadtliche Stelle hat die Voraussetzung für das Erlöschen der Mandate der auf der Liste der ..Union" gewählten vier „Werktätigen Juden für gegeben gesehen und ein Einschreiten des Präsidenten in dieser Richtung gefordert; schon gar nicht und von keiner Seite wurden die Mandate der Unionisten für gefährdet erklärt. Es war nur ein gelungener politischer Coup des Herrn Präside n t e n, der ihm in der allgemeinen Aufregung der Februarereignisse geglückt ist. Wie könnte es auch anders sein? Die Verordnung vom 16. Februar 1934, B.-G>B1. Nr. 100, womit der Sozial dein okratischenArbeiterparteiOeste rreichs jede Betätigung verboten wird, spricht im § 2 nur vom Erlöschen der Mandate jener Mitglieder der allgemeinen Vertretungskörper, die auf Grund von W a h I vor'sch 1 äge n der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs in diese Vertretungskörper gewählt wurden. Nichts davon trifft für die Kultusgemeinde und die Unionisten zu. Weder ist die Kultusgemeinde „ein allgemeiner Vertretungskörper" noch war die Liste der „Union" ein Wahlvorschlag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs. „Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt endlich an die Sonnen." Herr Dr. Josef Löwy erzählt urbi et orbi, wie er um sein Kultusratsmandat kam, und der Herr Kultuspräsident hat sich um die ..Union", die er auf diese feine Art um die vier Mandate der unionistischen Nachmänner der Leset den Morgen Verbreitet den Morgen Inseriert im Morgen 6s ist euer Watt es füfjft mit eud) es denkt mit eudj es kämpft für eudfJ „Werktätigen Juden" gebracht hat, womit wir uns, wie oben erwähnt, noch eingehend beschäftigen werden, keine Rettungsmedaille verdient. Und nun kommt wieder das heuchlerische Gejammer um die Autonomie. Die Autonomie Ist nicht gefährdet, von einem Regierungskommissär ist keine Rede, wenn Herr Dr. Löwenherz seinen Parteigenossen ihr Ehrenwort zurückgibt und sie das tun können, was sie jetzt schon gerne tun möchten, nämlich Löwenherz nicht zum Amtsdirekter bestellen. Nur wenn die Jüdischnationalen die Kühnheit haben, mit 15 Stimmen von ursprünglich 36 Stimmen Löwenherz zum Amtsdirektor zu bestellen, dann besteht natürlich die von den Jüdischnationalen herbeigeführte Gefahr, daß die Regierung die „unentwegten Fünfzehn" nicht allein über das Wohl der Wiener Judenschaft wird schalten und walten lassen und daß sie zur Durchführung reiner Wahlen einen Regierungskommissär bestellen wird. Sie sollen niemand andern anjammern als Herrn KMn Tut» 3 —SO Orot» Tuto 1-4© Dr. Löwenherz. „Gib uns" — nicht unsere Legionen, denn die sind verloren — „gib uns unser Ehrenwort zurück." Noch eines sei ein für allemal gesagt, die es angeht, werden es verstehen: Die „Union" geht nicht über die Hintertreppen mit einem Nagelstock; sie geht über die Freitreppen zu den zuständigen Behörden und verlangt die Wahrung der Rechte der österreichischen und Wiener Juden auch Glaubensgenosssen gegenüber. Dafür treten wir ein und von diesem aufrechten Hauptes beschrittenen Wege werden ums journalistische Gemeinheiten der Jüdischnationalen nicht abbringen. Wir hätten ja auch, wie uns dies von vielen Seiten, ja gerade aus zionistischen Kreisen nahegelegt wurde, wegen des verleumderischen Artikels der „Stimme" die zuständigen Gerichte anrufen und Beschlagnahme des Schmutzblattes verlangen können. Wir taten dies nicht, denn wir halten uns an das Wort Friedrichs 11.: „Pasquillen hängt man niedriger!" Jüdische Trauer um König Georg V. Im Namen der jüdischen '^Gemeinden des britischen Weltreichs hat Oberrabbitier Dr. .1. H. Hertz an die Königin-Witwe Mary toigendes Telegramm gerichtet: Die jüdischen Gemeinden des British Empire teilen mit ihren Mitbürgern aller anderen Rassen den großen Schmerz um das Hinscheiden unseres erhabenen Herrschers König Georg: ihre Seelen strömen über von Dankbarkeit an den Allmächtigen, daß er uns in König Georg ein edles Beispiel der Pflichttreue und der Hin- Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen üabe an das Wohl seines Volkes, das Wohl der Völker des British Empire, gegeben hat. Möge unser himmlischer Vater Eurer Majestät Trost und Beistand leisten. Königin-Witwe Mary hat daraufhin an den Oberrabbiner folgendes Danktelegramm gesandt: „Ich weiß Ihre freundliche Botschaft des Mitgefühls bei meinem schweren Verlust tief zu schätzen. Bitte übermitteln Sie nieinen aufrichtigen Dank an alle Ihre Gemeinden." Am Sonntag, den 26. Jänner, hielt der Board oi D e p u t i e s (Vertreterschaft der englisch-jüdischen Gemeinden) eine außerordentliche Sitzung ab, die dem Gedenken an den verstorbenen König Georg V. gewidmet war. Es wurde eine entsprechende Gedenk- Resolution angenommen, der sich die Anglo-Jewish Association, die zweite repräsentative Körperschaft der englischen Judfenheit, anschloß. An König Eduard VIII. und an die Königin-Witwe Mary wurden Kondolenz- Adressen gerichtet, ferner eine Glückwunsch-Adresse an König Eduard VIII. anläßlich seiner Thronbesteigung. Der Präsident des Board of Deputies, Nevillc L a s k i, schilderte das Leben und das Regime König Georgs V.. der in einer Welt von Despoten und Diktatoren an den Ideen der Konstitution, der Demokratie und der persönlichen Freiheit unentwegt festgehalten und sie gestärkt hat Kein Mensch, welcher Farbe. Rasse oder Konfession immer, wurde der Rechte und Pflichten der englischen Bürgerschaft für verlustig erklärt. Am Dienstag, den 28. Jänner, nachmittags, wurden die sterblichen Reste von König Georg V. von England in Windsor beigesetzt. Zeitlich mit der Beisetzungsfeier zusammenfallend fanden Gedenkkundgebungen und Gottesdienste der englischen Judenheit statt. Den Gottesdienst in der Londoner Großen Synagoge, der um 3.30 Uhr nachmittags begann, leitete der Chief Rabbi des britischen Reiches Dr. J. H. Hertz, der ein von ihm selbstverfaßtes Gebet sprach, welches auch in den übrigen Synagogen Englands zitiert wurde. Vor den Nachmittags-Gottesdiensten wurde in der Großen Synagoge eine Sondertagung des Rates der United Synagogue abgehalten. Der Präsident der United Synagogue Lionel de Rothschild brachte die folgende Resolution ein, die einstimmig angenommen wurde: Ssiner Majestät König Eduard VIII. wird eine ehrerbietige Adresse überreicht, in der der Rat und die Mitglieder der United Synagosue ihr tiefgefühltes Beileid zu dem unersetzlichen Verlust, von dem der König und das ganze Volk durch den Tod des von uns allen geliebten Königs Georg gesegneten und ruhmreichen Angedenkens, betroffen wurden, aussprechen und in der weiterhin der Rae und die Mitglieder deT United Synagogue Seiner Majestät König Eduard VIII. ihre ehrerbietigen und loyalen Glückwünsche anläßlich seiner Thronbesteigung, sowie den innigen Wunsch für eine lange Glück und Segen bringende Regierung übermitteln. Eine Beileidsadresse wurde der Königin-Witwe Mary überreicht. (Z. T. A.) König Georg V. und die Juden. Zur Bibel hatte der verstorbene König eine tiefe Beziehung und nannte das Alte Testament die größte Schöpfung in der Geschichte der Menschheit. Bekannt sind seine freundschaftlichen Beziehungen mi einzelnen jüdischen Persönlichkeiten des British Empire. Mit James de Rothschild verband ihn eine herzliche'Freundschaft, der Baron war sein häufiger Besucher. Er pflog auch Umgang

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