Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064610--20531-3085785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 7 Sch'ma Israel. Zu allen Zeiten spricht Den Glaubenssatz ein Volk Als Ruf der Freude Und des Schreckens. Zerrissen von den Feinden Und von eig'nen Brüdern Sagt dieses Volk, Getreu dem Wort Des hehren Buches: „Wenn du aufstehst", Sch'ma Israel. Und kämpft um bitt'res Brot. Vergebens ist Dein Kummer, deine Freude Und eitel ist N Dein ganzes Leben Wenn du wachst..... Das Buch gebietet weiter: „So du schlafen gehst, Sag' wieder Sch'ma Israel!" Alis Ruf der Freude Sprich den Satz Eh' man dich trägt dahin, Wo dir zum erstenmal Gerechtigkeit und Ruhe wird. Oskar Rosenzweig. Wahrer „nordischer" Geist. Von Deutschland lier ermutigt, entfaltet das dänische Nazisten-Häuflein in der letzten Zeit eine hohe Aktivität; die beiden nazistischen Wochenblätter „Nationalsocialisten" und „Stormen" sprechen fortwährend von einer „jüdischen Gefahr" für Dänemark, judenhetzerische Schriften werden gratis versandt und verteilt. Diese Tatsachen haben den Bischof von Kopenhagen, Fuglsang-Damgaard, die Professoren Aage Bentzon, Johannes Pedersen, Frederik Torrn und Flemming Hvidberg veranlaßt, durch die offiziöse dänische Telegraphen-Agentur „Ritzau" eine Erklärung zu veröffentlichen, die von fast .sämtlichen dänischen Zeitungen gebracht wird und in der das damische Volk ermahnt wird, den lügnerischen Legenden gegen die Juden, die sich auf notorische Fälschungen wie die berüchti'gten „Protokolle der Weisen von Zion" stützen, keinen Glauben zu schenken und sich nicht zu Haß gegen einen Teil der Mitbürger aufstacheln zu lassein'. In der Erklärung wird die Regierung aufgefordert. Maßnahmen gegen die Verbreitung judenhetzerischer Schriften zu ergreifen. Mehrere Zeitungen veröffentlichen ein Interview mit Prof. Torrn, der auf die raffinierten Fälschungen der Nazj-Literatur hinweist und ausführt, es sei: eine Schande, daß solche Schriften auch in dänischer Spra c h e erscheinen, Haß gegen schutzlose Mitbürger säen widerspreche dem dänischen wie überhaupt dem nordischen Geist. Hingesendet. Wir erhalten folgende Zuschrift: Auf unsere sachliche Richtigstellung der in der „Wahrheit" erschienenen Notiz betreffend die Ernennung des Herrn Rabbiner Dr. Weiß zum Religionsinspektor für Niederösterreich hat es dieser für richtig "befunden, in der letzten Nummer Ihres geschätzte.- Blattes einen den Kern der Sache nicht treffenden, ungenauen und unsachlichen Bericht zu veröffentlichen. So peinlich es uns auch ist, fühlen wir uns im Dienste der Wahrheit verpflichtet, die Genesis der Bestellung des Herrn Dr. Weiß sachlich zu schildern: Herr Dr. Weiß besuchte im Frühjahr 1935 alle Kultusgemeinden Niederösterreichs und erbat sich von den Kultusvorständen die schriftliche Zustimmung zur Schaffung einer konfessionellen Zentralbehörde im Landesschulrat für Niederösterreich. Auf Grund dieser von den Vorständen der Kultusgemeinden erwirkten . Zustimmung erfolgte keine Schaffung einer Zentralbehörde, sondern die Gemeinden erhielten einen Erlaß vom 11. Oktober 1935, inhaltlich dessen Rabbiner Dr. Weiß zum Religiopsinspektor von der Behörde ernannt wurde und die Kultusgemeinden um die Leistung eines Spesenbeitrages für den ernannten Inspektor ersucht wurden. Als wir Kollegen hievon erfuhren, haben wir Herrn Dr. Weiß wiederholt schriftlich und mündlich Vorstellungen gemacht, daß er durch sein Verhalten einen schweren Eingriff in den uns vertraglich zugesicherten Wirkungskreis begebe, und forderten ihn auf, schon um einer Zweigeleisigkeit und Unklarheit in der Kompetenz vorzubeugen, in den Gemeinden mit einem Ortsrabbiner von einer tatsächlichen Inspizierung abzusehen und sich auf eine informative Fühlungnahme mit dem Rabbiner zu beschränken. Dr. Weiß lehnte dieses berechtigte Verlangenab. Erst jetzt wurde der Niederösterreichische Landesschulrat darauf aufmerksam gemacht, daß die behördliche Bestellung des Herrn Dr. Weiß auf einem Irrtum beruhen müsse, da nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes Sache der autonomen Kultusgemeinde ist. Gleichzeitig wurde das Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde Wien ersucht, die Angelegenheit vom r e 1 ig i o n s g e s e t z 1 i c h e n Standpunkte aus zu behandeln. Nun erfloß eine Verfügung des Niederösterreichischen Landesschuirates vom 18. Dezember 193o, daß der Landesschulrat bloß genehmigend zur Kenntnis genommen habe, daß alle Kultusgemeinden von Niederösterreich Herrn Dr. Weiß mit der-Inspektion des Religionsunterrichtes betraut haben. Die Kultusgemeinden Tulln mit dem Amtssitz in Klosterneuburg und Stockerau hatten seinerzeit nur aus Achtung vor der Behörde keinen Einspruch gegen die von dieser vorgenommene Bestellung (mitgeteilt in dem Erlaß vom 11. Oktober 1935) erhoben. Als aber der Erlaß vom 18. Dezember 1935 herabkam, daß nicht die Behörde, sondern die Kultusgemeinden (also auch Tulln und Stockerau) Herrn Dr. Weiß zum Religionsinspektor bestellt hatten, was nach dem Gesagten den Tatsachen nicht entsprach, sahen sich die genannten Kultusgemeinde bemüßigt, die unter anderen Voraussetzungen erteilte Zustimmung z nrückzunehmen. Wir fragen nun: 1. War das Vorgehen des Herrn Dr. Weiß kollegial, hinter dem Rücken der zuständigen Rabbiner mit den Kultusvorständen zu verhandeln? 2. Wäre es nicht Pflicht des Herrn Dr. Weiß gewesen, die Kultusvorstände, die ihm ihre Zustimmung zur Schaffung einer konfessionellen Zentralbehörde gegeben haben, nachdem er erfahren, daß dieser Plan undurchführbar sei, zu fragen, ob diese Zustimmung auch zur Schaffung eines Zentral- Inspektorates gelte? 3. Hat uns eine Prestigefrage geleitet oder hat nicht vielmehr Dr. Weiß aus besonderer persönlicher Ambition gehandelt? Oberrabbiner Dr. H. Carlebach, Rabbiner Prof. Dr. Arnold Frankfurter, Rabbiner Prof. Dr. A. Schweiger. Wien II., Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinriditungen Semeindednonitz. Eine Heeres-Synagoge In Warschau. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, haben die Militärbehörden dank der Bemühungen des Feldoberrabb'uiers der polnischer. Armee Major Steinberg dem Heeresrabbinat ein Gebäude überlassen, das als Synagoge der jüdischen Soldaten der Warschauer Garnison eingerichtet werden soll. Die Instandsetzung und innere Einrichtung des Gebäudes für seinen neuen Zweck wird aus Mitteln der Heeresverwaltung bestritten. Aui ihre Kosten wird auch ein Kantor iür die Garnisonssynagoge engagiert. Der Synagogenchor wird aus Soldaten gebildet. Streik in der Warschauer und in der Wilnaer Gemeinde. Wegen Nichtauszahlung rückständiger Gehälter sind die Angestellten der Warschauer jüdischen Gemeinde und die Lehrer der Gemeindeschulen in den Streik getreten. Die Gemeindeämter und -Schulen sind geschlossen. Nur die Friedhofsabteilung führt ihre Tätigkeit fort. Seit einigen Wochen stehen die Angestellten der Wilnaer jüdischen Gemeinde, die rückständige Gehälter für einige Monate zu fordern haben, itn Streik. An die Mitglieder der Chewra Kadischa wurde die Aufforderung gerichtet, die Toten nicht zu bestatten, da dies als Streikbruch angesehen werden würde. Die Chewra Kadischa antwortete, die Betätigung ihrer Mitglieder sei nicht als eine Arbeit aufzufassen, aui die Streikparolen angewendet werden können, sondern als Erfüllung einer Mizwa. Der Friedhof wurde zwecks Hintanhaltung von Zusammenstößen unter polizeiliche Bewachung gestellt. Tel Aviv. In Tel Aviv fand die feierliche Amtseinführung des r. e-u gewählten Oberrabbiners Amiel, früher Antwerpen, statt. Zu dem Festakt waren über hundert Rabbiner aus Tel Aviv und den Kolonien der Umgebung erschienen. Die Rabbiner der jüdischen Gemeinde Jaffa-Tel Aviv übergaben dem neuen Oberrabbiner die Ernennungsurkunde und ein Manifest, das die Aufgaben seines neuen Wirkungskreises umreißt. Der Ausspeisungsverein „Ohel Rachel" veranstaltete am 11. d. M. zu Gunsten seiner Schützlinge im Festsaale des Hotel Kontinental eine Akademie mit Tanz. Präsident Herr Heinrich Kessler begrüßte im Namen des Vereines, die Präsidentin Frau Henriette Fuchs, der durch ihre besonders rührige Tätigkeit bei der artistischen Leitung das Gelingen und der Erfolg _ _^ GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM, KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE > XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen der Akademie zu verdanken ist, im Namen des Damenkomitees, ferner auch Herr O e s u n cl, die zahlreich erschienenen Festgäste. sowie die vielen von anderen humanitären Institutionen entsandten Delegierten. Schriftführer Willy S c h u I h o f sprach über die Tätigkeit und Opferwilligkeit des Vereinsvorstamies für die Erhaltung der Ausspeisung und ersuchte die anwesenden Gäste und Gönner, auch bei den weiteren Veranstaltungen und bei anderen Anlässen des Vereines zu gedenken. Die Conference besorgte humorvoll Herr Erwin Engel; es wirkten ausgezeichnete Kunstkräfte v/ie Grete Landau, der kleine Mundi Horowitz, Doktor J. Kapperl, Gina Lederer, Ilse Popper, Max Lichtegg, Kramer-Königsmark, Sevilla Pastor und am Klavier Frau Heller mit. Die durchaus gelungenen Vorträge fanden beim Publikum rauschenden Beifall und in animiertester Stimmung begann in später Stunde unter den Klängen der Jazzkapelle der Tanz, nachdem noen vorher den Künstlern für ihre Mitwirkung von der Vizepräsidentin Frau Med.-Rat Dr. Stark der herzlichste Dank ausgesprochen wurde. Das von den Vereinsdamen unentgeltlich beigestellte Büffet trug unter Führung der Frau Redakteur Hirschfeld und der Komiteedamen Frau K n e p p e 1 und Tochter, Frau Schmerz, Frau Apotheker Weiser und Fräulein W i 1 h e i m sehr viel zum erfolgreichen Ertrag des Abends bei, Russischer Ball. Der schon traditionelle Konzertball des H i 1 i s v e r e i n e s für russische Juden iand am 18. Jänner in allen Sälen des Militärkasinos statt. Die Räume konnten kaum die zahlreichen Gäste fassen, die gekommen waren, um an diesem eleganten Wohltätigkeitstest teilzunehmen, dessen [^'"ertrag durchwegs den Annen zufließt. Der wohlgelungene Abend wurde durch eine Akademie eingeleitet, die von Hans K o I i s c h e r mit launigem Humor konferiert wurde. Die Pianistin Nadja Eitingon brachte Stücke von Mendelssohn, Prokofieif und Chopin meisterhaft zum Vortrag, der bekannte Tenor Igo Guttmann sang populäre Leharlieder. Ella F i r b a s trug, von Professor Erich Meiler begleitet, deutsche, französische und englische Chansons vor. Den Höhepunkt des Abends bildete das Auftreten der Staatsopernsängerin Zdenka Zika. die mit zwei Arien das Publikum begeisterte. Auch diese Künstlerin wurde in bewährter Weise von Prof. Erich Meiler begleitet. Zum Abschluß tanzte Frau Prof. Grete Groß ganz bezaubernd einen spanischen Tanz und den Künstlerlebenwalzer von Strauß. Die heitere Note des Abends wurde von Hans K o I ischcr und Christi Giampetro vertreten. Aui die ausgezeichnete Akademie folgte der Tanz, zu dein die ..Melody Players" aufspielten. In der Bar konzertierte ein Balalaika-Orchester. Eine reich ausgestattete Tombola, ein Jux-Bazar und eine Juxpost sorgten für die gemütliche Bailstimmung. Das Haiiptverdieust am Gelingen des Abends gebührt unstreitig dem Ehrensekretär des Hilfsvereines, Herrn Jacob P e r s k y. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk speist täglich zu Mittag Schulkinder und alte Männer und Frauen aus und versieht dieselben mit schmackhafter und nahrhafter Kost. Da die Mittel gering und alle Reserven aufgebraucht sind, bittet die Vereinsleitung, um das karitative Werk weiter ausüben zu können, um gütige Zuwendung von Spenden. Geldspenden wollen auf das Postsparkassen-Konto des Vereines, Nr. A-54.288, überwiesen, Naturalspenden an Frau Regina Ungvary, XVI., Friedrich Kaisergasse 100, oder in das Vereinsheini, XVI., Wurlitzergasse 11, gesendet werden. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U-27-0-65, sucht d r i ngen'd st Stellen für: a) Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Inkassanten, Verkäufer, Auslagenarrangeure, Kellner, Krankenpflegerinnen, Masseure, Bademeister, Nachhilfelehrer una Lehrerinnen für Mittelschulfächer, Musiker für Konzert-, Jazz- und Stimmungskapellen; b) Arbeit für gewerbliche Hilfskräfte aller Art, darunter auch Chemiker, Elektrotechniker, Installateure, Bau- und Maschineningenieure, Gas-, Feuer- und Wärmetechniker mit Dampfkesselpraxis, Chauffeure, sowie ungelernte Arbeiter; c) Handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen für Knaben und Mädchen. Im selben Verein sind derzeit offene Stellen für: Kinderfräulein mit und ohne Sprachkenntnisse für In- und Ausland, Erzieherinnen mit Mittelschulnachhilfe und Fremdsprachen, gut eingearbeitete Konfektionsnäherinnen (Werkstätten- und Heimarbeit), geschultes Hauspersonal jeder Art. Diverse Auslandsstellen für deutsche Emigranten. Gesangspädagogin Elsa Funk-Freund veranstaltet am 28. d. M., 19 Uhr, im Thaliasaal des Hotel Post. I., Fleischmarkt, eine Opern- und Operettenvorstellung. Regie Dr. Hans Wohlmuth, musikalische Leitung Hans H a t s c h e k.