Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4 (24.1.1936)
- Date
- 1936-01-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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m Seite 4 Nr. 4 — 24. Jänner 1936 DIE WAHRHEIT Im Herrenkleidersalon S. FROST HL, Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die jetzige Saison die schönsten Smoking- und Fradc-Anzüge für den eleganten Herrn Billigste Preise Feinste Maßarbeit Garantierte Paßform nationalen Unterliegens meidet, an die Stelle nationaler Gewalt den nationalen Vertrag setzt. Bei der Gestaltung der palästinensischen Verfassung sollte man an diesen Gedanken, die sich in Theorie und Praxis aus schwersten nationalen Kämpfen im alten Oesterreich emporgerungen haben, nicht vorübergehen. Vor allem darum, weil, wie wir gleichfalls aus der Geschichte des letzten österreichischen Jahrhunderts wissen, der Kampf der Nationen um die Macht alle Kräfte in Anspruch nimmt. Der nationale Kleinkrieg v e rn i c h t e t den Sinn für ruhige, wirtschaftliche Entwicklung, lähmt die Kräfte für den Ausbau der nationalen Kultureinrichtungen und schädigt nicht nur die gegnerische, sondern vor allem die eigene Nation. Der Kampf ist zudem aber auch z w e c klos; schon längst hat sich herausgestellt, daß auf die Dauer ein national bewußtes Volk nicht niedergehalten werden kann. Die Zeiten, in denen es einen Sinn hatte darüber zu streiten, ob man berechtigt sei, einem besiegten Volke den Gebrauch seiner Sprache zu verbieten — B o d i n, der Gründer der modernen Souveränitätslehre hat einmal diese Frage bejaht — sind längst vorüber. Nationaler Druck schärft nur das nationale Empfinden und ebensowenig wie religiöse Verfolgungen, zeitigen nationale auf die Dauer Erfolge. Und die Aussichten für die Verdrängung von Nationen müssen in einer Zeit, die der nationalen Agitation immer mehr und immer wirksamere Mittel zur Verfügung stellt, immer kleiner werden. Aber nationaler Kampf ist auf die Dauer nicht nur wirkungslos, sondern der eigenen Nation immer wieder sehr, sehr schädlich. Denn selbst eine Nation, die wegen ihrer Zahl in ihrem engeren Territorium bedenkenlos gegen die kleine Minderheit auftreten kann, muß anderwärts außerhalb des engeren nationalen Siedlungsgebietes die Bitterkeiten der Minorität empfinden. Alle diese Erwägungen, die hier nur g estreift und nicht näher ausgeführt werden können, mahnen zu vorsichtiger Behandlung des nationalen Problems und rufen uns auf zur möglichsten Ausgestaltung der nationalen Autonomie; denn sie verbürgt, auf je weitere Gebiete des istaatlichen Zusammenlebens sie sich erstreckt, nicht nur die friedliche, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung in diesen Bereichen und vermindert die Gefahr der nationalen Reibungen und Hemmungen. Die möglichste Anwendung des Personalitätsprinzips schafft auch ohne Kampf, im friedlichen Wettbewerb, die Voraussetzungen für eine allmähliche, dafür aber umso wirksamere nationale Durchdringung des Landes, indem sie die nationalen Kräfte vereinigt zu fruchtbringender wirtschaftlicher und kultureller Zusammenarbeit, die sich schließlich auch national und staatlich auswirken muß! Man sollte bei der Gestaltung der verfassungsmäßigen Einrichtungen in Palästina an diesen aus den schwersten nationalen Kämpfen geborenen Gedankengängen nicht vorübergehen! Die Araber akzeptieren den Council In seiner Antwort auf die Vorschläge des High Commissioner Sir Arthur Wauchope betreffend Schaffung des Legislative Council: weist der Großmufti von Jerusalem die Vorschläge an sich nicht zurück, erklärt aber, daß die Araber aus dem Council keinen Nutzen ziehen werden. Der Führer der Partei deir Nationalen Verteidigung und frühere Bürgermeister von Jerusalem Ragheb Bey Nashashibi erklärte seine Zu- Stimmung zu den Vorschlägen des High Commissioner, stellte aber zwei Bedingungen': 1. Der Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Council soll im Verhältnis zu der Zahl der: einzelnen Bevölkerungsteiite zusammengesetzt sein; 2. Dem Council sollen auch die Fragen der Einwanderung und der Bodentransaktionen unterstellt sein. Der Redakteur der gemäßigten arabischen Zeitung „Meraat-el-Mustakim", Abdalla Khalidi, erklärte einem Vertreter des „Haalrez", die M e h rheit der arabischen P a rt eilen hat in den Antworten an den High Commissioner eine p o s itive Haltung in der Frage des Legislative Council eingenommen, aber Erhöhung der' Autorität und Ausdehnung der Kompetenzen des Coundil auf Fragen der Einwanderung und des Bodenkaufes, sowie das Recht verlangt, Botschaften an die Bevölkerung des Landes zu erlassen. Um die katholischen Rechte in Palästina. Resolution des Exekutivkomitees der „Union österreichischer Juden". Das Exekutivkomitee der „Union österreichischer Juden" hat in seiner letzten Sitzung zu dem von maßgebender österreichischer katholischer Seite in letzter Zeit wiederholt in Wort und Schrift ausgesprochenen Wunsch nach völkerrechtlicher Sicherung der den Katholiken in Palästina traditionell zustehenden Rechte durch eine beim Völkerbund zu hinterlegende Erklärung der palästinensischen Mandatsmacht Großbritanniens Stellung genommen. Das Exekutivkomitee sieht es als selbstverständlich an, daß diesem Wunsche von jüdischer Seite nicht entgegengetreten, werde. Eine Erklärung des Herrn Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang.; Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang erklärte anläßlich des letzten Sabbath-Abendgottesdienstes im Seitenstettentempel: Es ist vollkommen ausgeschlossen und mit den religiösen Gesetzen des Judentums unvereinbar, daß das Judentum irgendetwas gegen eine ander© Konfession in Palästina, geschweige denn gegen die katholische Kirche, zu unternehmen versucht härte. Dies gilt für die Judenschaft in der ganzen Wiek und insbesondere für die Juden in Palästina. Die Judenschaft in Palästina hat nichts anderes vor, als Aufbauarbeit zu leisten, die dem jüdischen Volke ebenso zum Segen gereichen soll wie der gesamten Menschheit. Sie ist weit davon entfernt, irgendeine Konfession — nicht zu sprechen von der katholischen Kirche — in irgendeiner Wense zu hemmen oder gar zii schädigen. Es wurde in der betreffenden Versammlung gesagt, das Judentum sei reich, mächtig und offensiv. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß das Judentum arm und schwach und daß das jüdische Aufbauwerk in Palästina ein Werk der Defensive ist. Es soli den bedrängten jüdischen Menschen eine 'Heimstätte' schaffen, wo sie vor Verfolgungen geschützt sein werden. Ich gebe diese Erklärung an dieser heiligen Stätte nicht nur als religiöses Oberhaupt der Wiener jüdischen Gemeinde ab, sondern ich fühle mich verpflichtet, die ungerechten Beschuldigun«- gen, wefche die gesamte Judenheit und namentlich die Palästina bauenden Juden, die Blut und Schweiß für den heiligen Boden und die menschliche Zivilisation opfern, treffen ..sollten, zurückzuweisen. ' Löwenherz-„Stimme" überschreit sich Gewisse Kreise im jüdischnationalen Lager geraten außer Fassung, bersten vor Wut, weil die „Union" allen heuchlerischen Sirenenrufen gegenüber in gleicher Weise hart bleibt wie gegenüber allen Einschüchterungsversuchen, hart und unbeugsam in ihrem Entschlüsse, die Reinheit und das Ansehen der Kultusgemeinde nicht beschmutzen, die Autonomie derselben durch die Protektionswirtschaft und Korruption politischer Parteien nicht gefährden .zu lassen. Immer zahlreicher melden sich von Tag zu Tag in den jüdischnationalen Organisationen die Stimmen, die in der beabsichtigten Bestellung des bisherigen ehrenamtlichen Vizepräsidenten und Parteiführers Dr. Löwenherz zum hochbesoldeten Amtsdirektor unsere grundsätzliche Anschauung teilen und zur Preisgabe dieses auch ihre eigene Partei gefährdenden Vorhabens drängen. Die jüdischnationalen Organe des jüngsten politischen Dioskurenpaares Löwenherz—Stricker, die das politische Geschäft einst auseinander — und nun wieder zusammenbrachte, bemühen sich, die Stimme des Gewissens, die sich bei vielen ihrer Parteigenossen regt, zum Schweigen zu bringen durch die ihnen so geläufige Methode: „Reden wir von was anderem". Und das Andere ist die „Dummheit", die „Schlechtigkeit", die „Verworfenheit", die „chronische Charakterschwäche" etc. der Assimilation. Wir werden den Herrschaften nicht den Gefallen tun — selbst wenn wir wollten, müßten wir uns erst überwinden und unsere gute jüdische Kinderstube verleugnen —, ihnen in diese Niederungen des politischen Kampfes zu folgen. Wir wollen nioht untersuchen und feststellen, wo Schlechtigkeit, Verworfenheit, Charakterlosigkeit etc. zu Hause sind, wir schlagen nicht mit denselben Waffen zurück. Sie schlagen sich selbst ins Gesicht. Der Schlußredakteur der „Stimme" hat dafür gesorgt. Er setzte auf dieselbe Seite der letzten Nummer der „Stimme", wo mit der Assimilation „abgerechnet" wird, anläßlich des 6.5. Geburtstages Felix Warburgs eine schöne Würdigung dieses Muster ex empl a re s eines — Assimilanten, der dem intimsten Kreise Louis Marshalls entstammend, ein aufrechter, prachtvoller Jude und — fanatischer Gegner des jüdischen Nationalismus ist. Er ist führend im Jewish-Americain Comittee, das in seiner Einstellung vollkommen de r „Union österreichischer J ud e n" entspricht. Die „Stimme" rühmt seine hervorragende Tätigkeit auf jüdisch-öffentlichem Gebiete, seine überragende philanthropische Wirksamkeit, seine materielle Opferbereitschaft für Palästina ... So entwirft die „Stimme" das Bild der ,,Verworfenheit" und „Schlechtigkeit" der „Assimilation" ... Beginn der Genfer Beratungen über das Flüchtlingspröblem. Der Völkerbundrat hat gleich in „der ersten Sitzung seiner neuen Session das Problem der Flüchtlinge aus Deutschland m Beratung gezogen. Den Bericht hierüber erstattete der Delegierte Ecuadors, Z a 1 d u m b i d. An den Bericht knüpfte sich eine Debatte, der vor allem auch der Bericht der zwischenstaatlichen Beratungskommission (Verwaltungsrat) für den Flüchtlingsschutz und d'Se Vorschläge des zurückgetretenen Hochkommissars James G. MacDonald in seinem Schreiben an das Völkerbundsekretariat zugrundelagen. In dem über diese erste Sitzung des Völkerbundrates herausgegebenen o f f i z i e 11 e n K o mrhuniqusa wird erklärt, daß über das Flüchtlingsproblem noch in den nächsten Sitzungen beraten werden wird und daß die Delegierten aufgefordert wurden, die Bemerkungen ihrer Regierungen vorzubereitenJL -■ -Die Assimilation der türkischen .Juden. Die Salonikier Zeitung „EI Tiempo" berichtet, der einzige jüdische Abgeordnete der türkischen Nationalversammlung in Ankara, Dr. Abrevaya. habe in einer Unterredung erklärt, der Präsident der Türkei, Kemal Atatürk, wolle aus den verschiedenen Nationalitäten des Landes eine e i nheitliche demokratische türkische Nation machen. Von den Juden verlange er darum, daß sie sich i n e r s t e r R e i h e als T ü rke n und erst in zweiter Reihe als Juden "fühlen sollen. L