Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 3 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 17. Jänner 1936 DIE WAHRHEIT DIE PENS.IONS-V E R IE I N Versicherungs-A.-G. , WIEN 1., SCHELLINGGASSE 1 Telephon: R 22-1-10 Invaliditäts-, Alters- und Hinterbliebenen-Renten Ludendorffs Chauffeur. Theodor Wolf f, der. ehemalige Chefredakteur des „Berliner Tageblatt", benützt, die ihm aufgezwungene Ruhe, um in Erinneruiigsbüchern von dien Menschen zu erzählen, m'A denen ihn sei« Beruf in Verbindung gebracht hat. Jetzt erschien bei AMert de Lange. .Amsterdam, , X> e r Marsch durch zwei Jahrzehnt e". worin Fürst Bülow, Graf M-cHits, Albert Ballin. die vier Kanzler des Weltkrieges. Ludendorff. Otto Braun uiid andere Männer der Novemberrevolution dargestellt werde«. Besonders eindrucksvoll ist das Kapitel über Ludendorff, dem wir nachfolgende Schlußzeilen entnehmen: Die Idee, daß die Juden eine Rasse seien, dienen ihr Jehova und ihr Talmud die Vernichtung des Germanentums vorschrieben, kam ihm erst, als er sich auch in diese Probleme zu vertiefen begaina. Da, unter der richtigen Anleitung, fielen ihm. wie man zu sagen pftegt, die Schuppen von den Augen, und er begriff, daß der Krieg nicht infolge der feindlichen Uebermacht, nicht durch das Eingreifen der Amerikaner, nicht durch die verspottete« Tamks, nicht durch strategische Fehler, nicht durch die Irrtümer der Westoffensive, nicht durch das Hervorbrechen der totgeglaubren französischen Armee beim Walde von Vitters-Corterets, sondern, einzig und allein durch die Gebote des Talmud verloren und zugleich er selber von einem alttestamentarischen Komplott erdolcht worden war. Damals an dem Abencl in der Wohnung unserer gemeinsamen Bekannten, war ihm das alles nur noch nicht klar, und darum kam in seinen langen Darlegungen, in denen doch nichts vergessen wurde, weder ein Dolchstoß noch eine Ras^enfrage vor. Die Angeklagten waren damals der schwache Bethmann. die Berliner Regierungen, die Nächsten, die Um *m Stiche gelassen, und ajje, die ihn geopfert hatten, um sogar noch Dank und Ehren ernten zu können. Uebrigens fehlt in dem Bericht über jenen Abend noch ein kleines Detail. Der Vollständigkeit halber mag auch das erwähnt werden, obgleich es von sehr geringer Bedeutung ist. Der — nun auch schon verstorbene —.Gastgeber verdankte seine persönlichen Beziehungen zu dem General Ludendorff dem Umstände, daß er im Jahre 1914 in das AuiLomobilkorps eingereiht und nach Ostpreußen geschickt worden war. Er war ein sehr tüchtiger Automobilist, und würde, als Hiindenburg, begleitet von Ludiendorff, das Kommando in Ostpreußen übernahm, mit seinem Auto den beiden Generalen zugeteilt. Seine Vorgesetzten konstatierten, daß er nicht nur als Chauffeur die Tugend der absoluten Zuverlässigkeit bes5itze>, und da er ihr besonderes Vertrauen genoß, wurde er gelegentlich zur Erledigung diskreter Aufträgb ausersehen. Er lenkte das Auto der Heerführer auch bei Tannenberg. Niemals pratiüte er, wie mancher andere es getan hätte, mit diesen Kriegsteriebnissen und seinen hohoi' Verbindungen, ntanals sprach er davon. Stets bewahrte er .eine Zurückhaltung, die ganz im Einklang müt seinem stillen, bescheidenen Wesen stand, und die Schlacht von Tannenherg hatte er nicht gewonnen. '.'■ Alle wußten — die Heerführer so gut wie die Ofßziersburschien —,'daß er und die Seinigen nich,t zu denen gehörten, denen die Rassenforschung das Zertifikat des Ariertunis zuerkennt. Man brauchte dabei nicht erst die alten Familienpapiere zu prüfen urld auf frühere Generaltionen zurückzugehen. _._±3L_.__._!_ "' WIEN II.. Prafersiroöe TC|#V«9^^Mvl9 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-r.Speisen und Äjlenüs v.on'S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in ' und äußer Haus elegantest ausgeführt. Qie Korruption greift immer weiter um sieh. „Es ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären." Fast alies, was dem Eäulnisprozeß der jüdäschnationalen Parteien bisher noch entgangen war. ist im Zusammenhange mft der "Affäre Löwemherz gründlich korrumpiert worden. Die Verhandlungen mit den zionistischen Splitterparteien, den, Misrachisten usw. vollzogen sich im Zeichen des neuen Idols der jüdischnationalen zionistischen Parteien, im Zeichen der politischen Korruption. Den Reigen: hat .befcanndich Herr Oberbaurat Stricker eröffnet, der seine und seiner Parteianglehörigen Stimme für die Ernennung des Herrn Dr. Löwenherz zum Amtsdijrektor gegen das Vizepräsidüim der Kultusgemeinde eintauschte, um so den entschwindenden Gäanz der Judenstaaitspartei noch in der letzten Abendsonmls. mit dem Glorienschein des Vizepräsidenten zu vergolden. Wenn es -nicht so traurig wäre, man könnte sich über die Geschichte der'Verhandlungen der Allgemeinen Ziönisten, des Herrn Präsidenten F r i e d m a n n, des Herrn Dr. Jakob Ehrlich und des Herrn .Oberbaürates Stricker mit dem politischem Komitee der Misrachisten über den Fall Löwenherz beinahe amüsieren, über die Ünverfrorenheiti "mit weicher um die Stimmenabgabe eines Mannes zugunsten -des Herrn Dr. Löwenlierz, nämlich desKuhusvorstehersDr.Mendel Rosenberg gefeilscht wurde. Die rlerren^Misracnlst^n; 'besonders einer, <^ ^'UoSC^ffistta^ f e 1 d führt, näTjeti nicht mehr und nicht Veniger veHahgt — netteneiner Unzahl "von■•Ehrenstellen hu den Kommissionen der Kultusgemeinde — als <3rtei Beamtenstelteri der Kul/fusgeriieinde und nicht •t.ftfiin"*-!1 i;. -,-—r--... . ...im-■- Tierarzt Dr,- Tuchner üb^iede^e, nach Wien H„ Praterstraße -40, Telephon R ^°4>r24. Ordination;« «H&'npd 3r-5 Uhr.; - ••' •. die geringsten mit einem Mindestgehalt von je S 800.—, und zwar verlangte Herr Dr. Lilieniel d für sich die Stelle des Sekretärs des Rabbinates, für einlen Herrn Frostig eine Stelle im Friedhofsamt cum. jure succedendi und für Herrn Dr. Mendel Rosenberg eine Stelle in der Amtsdirektion. Das war auch Herrn Präsidenten Dr. Desider Friedrnami zuviel. Er lehnte diese Forderungen ab, Herr Oberbaurat Stricker zwinkerte aber mit den Auglen und versicherte, er werde Vizepräsident, er nehme von den „Wünschen" Kedntnis, man möge sich nur auf ihn verlassen. Dann wurde eine schriftliche ehrcnwörtliehe Erklärung des Herrn Dr. Mendel Rosenberg abgegeben, er werde für Dr. Löwenherz als Amtsdi::rektcr stimmen. Nur eine einzige rühmliche Ausnahme gibt es im jüdischnationalen zionistischen Lager, das ist Herr Dr. Leopold Plaschkes, der in Gesellschaft von maßgebenden Mitgliedern der eigenen Partei der Allgemeinen Ziönisten die moralischen Defekte der übrigen jüdjschnatiohalen Parteien verurteilt. Biajib-Klub, I., Biräunerstr^ße 7/10. Am S$mstag, den "25. Jänner, um 8 Uhr abends, spricht im großen Konzerthaussaäle, III., LofJmngerstraße 20 der berühmte jüdische Dichter Sc'hjä 1.0"rti Asch über das" Thema: „Die geistigen Bestrebungen der Jtid'en und des Judentums". :' Der neue Emigrantenhilfsplan. In einer autoritativen Erklärung wird festgestellt, daß die Mission Sir Herben Sarauels, Viscount Bearsteds und Simon M a f k s' In den "Vereinigten Staaten E r kundungsz wecken di'ent. Die Delegation wird versuchen, sich mit den in Amerika an de Frage der deutschen Juden Interessierten zu be raten, und zwar im Hinblick auf die Ausarbeitung eines Planes zur Förderung der Auswanderung von 250.000 Juden aus Deutschland und der Hilfe leistung für Ausgewanderte bei der Gründung von Unternehmungen! und dem Finden von Beschält: gung in der neuen Heimat. Es ist beabsichtigt nach Beratung mit verschiedenen jüdischen Kör perschaften einen endgültigen Plan nicht nur für Amerika, sondern auch für Palästina und anderwärts aufzustellen. Selbstverständlich wird jeder derartige Plan die Aufbringung große Geldmittel erfordern, (Vor Abschluß der in dieser Meldung angekündigten" Beratungen läßt sich ei Urteil über das enorme Hilfswerk, das hier beab sichtigt ist, nicht fällen. Abgeseheini davon, daß man nicht unbedingt die Hoffnung aufgeben muH daß den deutschen Juden doch ein Verbleiben ihrem Vaterlande möglich sein wird, muß man be der Auswahl der Emigrationsländer sich von Ver nunfts- und nicht von Gefühlsmomenten leiten lassen und darf nicht in den Fehler der jüdisch nationalen Zioniisten verfallen, mtr nach Palästin; zu blicken. D. Red.) Warum nicht Nordamerika? Der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, empfing am 12. Jänner im Weißet Haus den Ehrenpräsidenten des American Jewish Cor üress und Vorsitzenden des Comite des Delegation* Juives Dr. Stephen S. W i s e zu einer längeren Unter redtmg. Nach dem Empfang erklärte Dr. Wise, Präsiden! Roosevelt habe seine ..tiefe Sympathie" für die Pläne der Ueberführung einer großen Zahl von Juden Deutschland nach Palästina zum Ausdruck gebracht. Der Präsident erörterte mit Dr. Wise auch den Plan de Einberufung einer allgemeinen zionistischen Reichskon icrenz der Vereinigten Staaten am 1. Februar, bei de die aus Sir Herbert Samuel, Viscount Bearsted inui Simon Marks bestehende englisch-jüdische Abordnun Vorschläge betreffend die Auswanderung und Seßhaft machung großer Massen von Juden aus Deutschland statten soll. (Warum öffnet der Herr Präsident de Vereinigten. Staaten nicht die Pforten dieses Landes, da viel mehr Möglichkeiten für Ansiedluug von emigrations bedürftigen Juden bieten würde als das kleine Palästina D. Red.) Mendele Mocher Sforim. Die Judenheit feierte in dtesletni Tagen den 100. Geburtstag des „Großvaters" der jiddischen und hebräischen Literatur, Schalom Jakob Abra mowitsch, bekannt unter seinem Pseudonym Menjdele Mocher Sforim. Brist einer der bedeutendsten und originellsten Schriftsteller, de auf die späteren jüdischen Dichter wie Bialik und Scholem Alechem den tiefsten Einfluß ausgeübt hat. Als wandernder Student mußte er im Alier von 14 Jahren, nach dem Tode seines Vaters, den Unterhalt verdienen. Von der Ukraine gings nact Litauen, von dort durch das ganze Land nach Odessa, wo er deutsch und russisch lernte und das Lehrerdiplom erwarb. Dort wurde er Lehrer, dann Leiter, der. jüdischen Gemeindeschule. Unter dem schweren Eindruck der Pogrome im Jahre 1905 begab er sich nach Genf, wo er zwei Jährt verbrachte, um schließlich wieder nach Odessa zi; rückzukehren, wo er im Jahre 1917 starb. Er hat eine große Anzahl von Erzählungen in Prosa hin! Versen hinrjeirlassen, dfe neun Bände umfasse Zuerst schrieb er hebräisch, dann fing er an jiddische Werke herauszugeben, damit er zu der weitesten Kreisen der Ostjuden sprechen konnte. Im Alter kam er auf das Hebräische wieder zurück. Sein Schaffen trägt; das Gepräge des l;c schreibenden Realismus, weshalb' er oft mi Balzac verglichen worden ist. Seine Werk sind gerragen von/abgekjäijfjem Humor, der-'ihn h die Nahe der großen: Satyrtker der. Weltliteratur bringt. Mit seiner scharfen .B^bachüingsgabe ver stand" er'es, tiefin die Leiden und Freuden, der kleinen jüäischW Welt emzudringen. Er hat wif keiner vor ihm; dps Haus, di^. Kladupg, die Mimiii und. Lebensweise, des Östju^en dargestellt WMiimtit^^ denket an die jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedari an Ajigestellten und Arbeitern aller; Kategorien beim jüdischen :".' lfJ^ffi W FÖR MIIEIITGiELTLICHEII ARBEITS ttfl CM WEIS Jfi» 3 Ii P f,7 ir TfÖ.?ür^i 3«r^'-»S««.'. W^aKA^LiWr'1 nM^~wmm mi -Sl-' ■>■ W^58^^Ä-^;:*Sh f *äj