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Die Wahrheit · 1936-01-17 · Heft 3 (17.1.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 3 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 3 — 17. Jänner 1936 Seite 5 Selbstwehr gegen Stricker. Immer wenn eine der vielen jüdischnationälen Gruppen der blau-weißen Konkurrenz ein Spiegelbild ihrer Irrungen und Wirrungen entgegenhält, bekommt man ein naturgetreues Gesamtbild der politischen Entartungserscheinungen, mit denen der ganze jüdischnationale Parteifanatismus das jüdische Leben vergiftet. Von der Treffsicherheit dieser innerzionistischen Kunst des gegenseitigen Abkonterfeiens gibt eine Schilderung des nun im Wege des Kuhhandels zum Vizepräsidenten der Wiener Kutasgemeinde avancierten Führers der Judenstaatspartei, des Oberbaurats Robert Stricker, und seiner uns längst wohlvertrauten Taktik im politischen Kampfe, die wir jüngst in der „Selbstwehr", dem Prager Organ der Allgemeinen Zionfeten, mit großem Vergnügen lasen, eine besonders gelungene Probe. Dr. H. B. Zador veröffentlichte dort anläßlich eines deklamatorischen Ausfluges des Herrn Stricker mach Ostrau folgenden „Katechismus erfotereicher Werbung, frisch von Wien zu unser aller Erbauung importiert": 1. Zeichnet von der anderen Partei, egal welcher, ein primitiv-verzerrtes, schwarz in schwarz gehaltenes Bild. Weiset dann triumphierend nach, wie verdammenswert eine solche Partei und wie einzig richtig euer Weg sei. 2. Spielet den Märtyrer, Freunde. Nehmet mit edler Leidensmiene das Opfer der Lächerlichkeit auf euch, denn die Wahrheit wird immer verlacht, und je kleiner die Partei, desto sicherer die Richtigkeit des Programms. Die Mehrheit Ist immer im Unrecht. 3. Sprechet vom Endziel, immer wieder vom Endziel, donnert das Wort Judenstaat einmal, zehnmal, hundertmal in den Saal und der Beifall der Zuhörer ist euch sicher. Hütet euch dagegen, davon zu sprechen, wie man am besten dieses Endziel erreicht, denn hier wird die Sache knifflig und erfordert Arbeit und Tatsachenkenntnis. 4. Lüget seelenruhig. Lüget, was euch gerade paßt. Gegen Zwischenrufe habt ihr eine dicke''Haut und selbst wenn man euch ins Gesicht sagt, daß ihr lügt, ficht euch das wenig an. Eine Debatte findet nicht statt und selbst wenn sie stattfände — ihr habt ja das Schlußwort. 5. Vergesset nicht das stärkste Argument, das ihr habt, das stärker wirkt als jede Zahl und jede Tatsache. Machet eine wirkungsvolle Pause, blicket versonnen vor euch hin und saget dann langsam und feierlich: „Ich sage Ihnen . . ." Hier offenbart sich eine. Porträttreue von geradezu Albrecht Dürenscher Vollkommenheit. Diese Feststellung wird wesentlich erleichtert durch den Zufall, daß Stricker selbst in einer der letzten Nummern seiner „Neuen Welt" an die anti-assimilatorischen Grundsätze erinnert, die er schon vor 15 Jahren im österreichischen Nationalrat verfochten hat. Den Anlaß zu dieser selbstbewußten Reminiszenz sab dem Wiener Zionistenführer der UmfaH des reichsd'eutschen „Israelitischen Familienblatts", das unter dem Zwange des jetzigen Regierungssystems die einst von ihm selbst angewandten Methoden der Apologetik des Judentums ablehnt und, aus der Not eine Tugend machend, die inquisitorische Frage stellt: „Was haben denn die Vereine zur Abwehr des Antisemitismus bewirkt* was haben sie — verhindert?" Nun ist diese Frage keineswegs so schwer zu beantworten, wie ihr Steller öfferrbar glaubt. Speziell die Geschichte des Deutschen Reiches bietet treffliche Belege für den praktischen Wert der Entkräftung des Antisemitismus durch aufklärende Apologetik. Im 19. Jahrhundert hat die zähe Aufklärungsarbeit unbeirrbarer Vorkämpfer der jüdischen Gleichberechtigung die langsame und schrittweise, aber unaufhaltsame Emanzipation der deutschen Juden durch die Gesetze von 1812, 1854, 1878 bewirkt und letzten Endes als reife Frucht die Weimarer Verfassung von 1919 geerntet. Daß diese Verfassung und der in ihr lebendig gewordene Geist der Menschlichkeit jetzt einem System reinsten und brutalsten Terrors unterlegen ist, beweist doch nichts gegen die spirituelle Methodik der Aufklärung. Herr Stricker hingegen begrüßt die, wie man sich vorstellen kann, nicht ganz freiwillige oder gar aus innerer Ueberzeugung erfolgte Abwendung des „Israelitischen Familienblatts" von den zu ihrer Zeit unleugbar erfolggekrönten Abwehrmethoden alten Stils als einen Triumph seiner seit 15 Jahren gepredigten Ablehnung der „assimilatorischen" Apologetik und stellt mit jener Vermeidung der Tatsachenkenntnis, die die „Selbstwehr" als einen der zugkräftigsten Schlager des neuen Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde aufzählt, fest: „Namen von Antisemiten, die nach dieser Lektüre (der dem Antisemitismus desavouierenden Aufklärungsschriften) ihren Judenhaß abgeschworen und in Sack und Asche bereut haben, sind büs jetzt nicht bekannt." -—!—'--~T*- Unter Leitung . des allgemein bekannten Cnnptlnr- Korfimahl Caf6-Restaurant Heinehof IL, Heinesttale 15 ,;■ <„- •••,>;,•; i -.■ •■ - ■ £~Warme Küche Aufmerksamste Bedienung Reiche Auswahl i&^n^g^tt^^Zei.tun&en. Da muß man schon den neuen Herrn Vizepräsidenten um gefällige Bekanntgabe der Namen jener Antisemiten bitten, bei denen die jüdischnationalen Argumente ihre angeblich größere Ueberzeugungskraft dargetari haben. Nichit geleugnet werden kann, daß der Judengesetzgebung des Dritten Reiches die jüdfischiiationale Definition des Judentums zugrunde liegt, \yas jüngst nach H i t- 1 e r eine nach dem „Angriff" „in dar zionistischen Bewegung international bekannte Persönlichkeit", Herr Georg Kareski, bestätigt hat. Um den Legislative Council Der frühere Minister für die Kolonien und heute sehr einflußreiche Staatsmann L. S. Amery hat einen Brief an die „Time s" gerichtet, in welchem er sehr gewichtige Argumente gegen die Errichtung des Legislative Council in der geplanten Form anführt und konstruktive Vorschläge zur Vermeidung einer Majorisierung der Juden im Council und zur Stabilisierung eines "vlinderheitenstatus für die Juden Palästinas in der Zukunft mächt. Es ist richtig, schreibt Amery, daß wir durch das Mandat in nicht geringem Maße verpflichtet sind, die.Interessen der arabischen Bevölkerung zu wahren und das Entstehein von Selbstverwaltungseinrichtungen'in Palästina zu ermutigen. Aber selbstverständlich müssen wir erwägen, welches die besten Mittel zur Erfüllung der ersten und welche die richtige Linie und Methode zur Erfüllung der zweiten Verpflichtung sind. Wenn wir frühzeitig an die Einsetzung einer gewählten gesetzgebenden Körperschaft herangehen wollen^ gibt es dann keine Methode; durch die wir den mit Refiht befürchteten Zustand vermeiden können, daß.die Jüden tatsächlich oder statutengemäß iür die Dauer eine Minderheit werden, die stets ü b e r s t i m m t wird und die vor Unheil nur durch das fortwährende Eingreifen der Beamtenstimmen bewahrt werden kann. Ich glaube, es gibt eine solche, aber sie kann nur gefunden werden, wenn man die Kluft zwischen den beiden Gemeinschaften nicht außer acht läßt, sondern beiden vollständige und gleiche Anerkennung gewährt. Es gehört zum Wesen des. Mandats, daß die jü-r dische .Bevölkerung Palästinas auf Grund international anerkannten und bekräftigten Rechtes dort lebt und . Anspruch hat, sich zu entwickeln, nicht aber auf Grund Restaurant Hotel Stefanie vormals Opersr II.. Taborstraoe 12, Tel. D 40-5-st •MM* Aasgiobige Braten-Menüs S 1.60. WJ .. Geflügel- ., S 2 20 llfa' — Vorzügliche Zubereitung — Schwechater Biere Naturweine. Im Theatersaal taglich THEATER BEB KOMIHER von Duldung durch die arabische Bevölkerung. Genau so wie auch die arabische Bevölkerung von Rechts wegen dort lebt. Die beiden Gemeinschaften sind rechtsgleich und unter den bestehenden Verhältnissen isfcjkein Vertretungssystem, das der eineh'Gemeinschaf t mehr Stimmrecht gibt als der anderen, mit dem Geist und Ziel des Mandats zu vereinbaren. Um dieser Gleichstellung-in einer gewählten Versammlung oder einem Rate Wirkung zu verschaffen, ist es nur notwendig, die Bestimmung zu treffen, daß keine Abstimmung über irgendeinen Gegenstand in irgendeinem Stadium der Gesetzgebung gültig ist; sofern sie nicht bei den'Vertretern jeder Gemeinschaft eine Mehrheit ergeben ha*. Durch dieses einfache Mittel würde jegliche Aktion einer Gemeinschaft gegen die ändere von Anfang an unmöglich gemacht werden* während es anderseits ein unbegrenztes Feld der Zusammenarbeit zwischen den Vertretern der beiden Gemeinschaften in bezug auf nicht strittige Gegenstände gäbe. Gleichzeitig würde das auf dem gemeinschaftlich aufgebauten Wahlsystem durch Ausschaltung des Wettbewerbs zwischen Juden und Arabern der Entwicklung wirklicher wirtschaftlicher oder politischer Fragen innerhalbjeder Gemeinschaft ein freieres Feld geben. Das Recht des High Commissioner, durch eigene Initiative oder entscheidende Autorität tote Punkte zu überwinden, müßte selbstverständlich aufrecht erhalten werden. . . . Zum Schluß heißt e% in der Zuschrift: Ob nun dieser Vorschlag angenommen werden sollte oder nicht, für alle Fälle können wir nur, durch k 1 a r e. B e k u ndung des gleiohen Rec-htes der jüdischen nationalen Gemeinschaft in Palästina und entsprechende Anwendung in der Praxis die beiden Verpflichtungen des Mandats erfüllen und miteinander in Einklang bringen, ferner den Weg zu der endgültigen Lösung des Palästina- Problems bahnen, nämlich den Weg zum Entstehen eines gemeinsamen Gefühls eines palästinensischen Patriotismus. An dieser Lösung brauchen wir nicht zu verzweifeln, wenn wir nur an unseren Grundsätzen festhalten und geduldig sein wollea (Die „Wahrheit'" hat schon vor Monaten eine Art Kuriensystem für den Legislative Council vorgeschlagen. Anm. d. Red.) * Regierungsbeamte an Stelle der Juden im Council? Die als gut informiert geltende Londoner Zeitung „The Scotsman" führt aus, der High Commissioner Sir Arthur Wauchope habe sich bei seiner Aktion zur Errichtung des Legislative Council in Palästina die volle Zustimmung der Londoner Regierung gesichert Die Regierung hoffte, daß die Zusammenarbeit von Juden und Arabern in den Stadtverwaltungen den Weg bereiten werde für eine Zusammenarbeit im Legislative Council: diese Erwartung habe sich bis heute nicht erfüllt Meute betrachtet es die Regierung als ihre Aufgabe, den Legislative Council — falls nicht anders möglich —auch ohne jüdische Repräsentanz in Funktion treten zu lassen; bis zur Herbeiführung einer Mitarbeit der Juden werden die iür die Juden bestimmten Mandate durch vom High Commissioner ernannte Regierungsbeamte ersetzt werden. „Ein palästinensisches Einheitsvolk." Ein Aufsatz.', in der halboffiziellen Zeitschritt „Great Britain and the East" befaßt sich mit der Verlängerung der Amtszeit des High Commissioners Sir Arthur Wauchope und weist in diesem Zusammenhang auf die Bemühungen der Palästina-Verwaltung hin. „die verschiedenen Gemeinschaften zu einem einheitlichen Volk zu vereinigen". Für die kommenden Jahre — schreibt „Great Britain and the East" — wird Palästina, das vor dem Kriege von der Welt im allgemeinen vor allem als religiöses Zentrum angesehen wurde, voraussichtlich im Sc Ii ein werferlicht stärkster Publizität stehen. Seine Stellung hat sich infolge des Krieges, zum Guten oder Schlechten, grundlegend geändert. Es ist jetzt unlöslich mit strategischen und kommerziellen Erwägungen verknüpft, die für einen weit größeren Teil der Welt als das östliche Mittelmeergebiet von Interesse sind. Es hat seinen Platz im System des britischen Reiches; es hat seinen Platz in einem größeren arabischen System; es hat seinen Platz in dem jüdischen System; es hat seinen Platz in dem internationalen Handelssystem. Unter diesen Umständen nehmen gelegentlich Entwicklungen in dem Heiligen Land eine Bedeutung an, wie sie ihrer eigentlichen Wichtigkeit nicht entsprechen. Man nehme z. B. den gepanten Legislative Council, der von gewissen Kreisen angegriffen wird. Die Kritik von zionistischer Seite rührt zum großen Teil von der Behauptung her, daß der Council Menschen außerhalb von Palästina selber berühre. Dennoch ist der Council, wie die Geschichte der englischen Ueberseebesitzungen zeigt, eine durchaus natürliche Entwicklung. Wieder eine Nazi-Mystifikation. In der Schüttelgegend waren in den letzten Tagen an mehreren Stellen oberhalb von Aufrufen der „Vaterländischen Front" eine Affiche der. „Ostmärkischen Sturmscharen" aufgeklebt worden, in der es hieß: „Arisches Oesterreich, kämpfe mit uns!" Die ,yUnion österreichischer Juden" hat sich deshalb an eine kompetente Stelle der „Ostmärkischen Sturmscharen" gewendet und den Bescheid erhalten, daß derartige Flugzettel von keiner Gruppe der „Osi|tmärk ischen Sturmscharen" ausgegeben wurden und es sich im vorliegenden Falle um eine getarnte Sache handeln dürfte. Die betreffende Stelle der „Ostmärkischen Sturmschairen" hat steh auch mit der Bundespolizeidirektion in Verbindung gesetzt, damit derartiger Unfug für die Zukunft vermieden wird. Agende Iii Trannngen Unentbehrlich für Rabbiner und Kantoren (Die Gesänge mit Noten Ton S. Salzer) Sinniges Erinnerungsgeschenk an Brautleute Zu beziehen beim Herausgeber: Na« SdWWgf Wien II., ziriMssass« SO «Schir Zlon* und „Wadak." bei mir zu haben!

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