Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 3 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064606-3064609--20519-3085772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nr. 3 — 17. Jänner 1936 DIE WAHRHEIT DIE Herrenkleidersalon S. FROST II/"., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die jetzige Saison die schönsten Smoking- und Frack-Anzüge für den eleganten Herrn Billigste Preise Feinste Maßarbeit Garantierte Paßform kämpft den anderen, weil er angeblich angreift, obwohl er gar nicht angegriffen hat, und greift sofort seübsit an. Und das soll jemand verstehen, und da soll ein Jude der Ansicht sein, daß die „Neue Welt" jüdische Interessen solcherart wahrgenommen habe! Die „Reichspost" hat sofort in einem Leitartikel am 11. Januar 1. J. unter der Ueberschrift „Um das Heilige Land" erwidiert. Beschämenderweise — für die Wiener Zionisten — kann die „Reichspost" die Berliner „Jüdische Rundschau" zitieren, welche den Aufsatz vom 22. Dezember versitandm und die katholische Forderung selbstverständlich anerkannt hatte, und dann setzt sie fort: „Doch wir erleben eine Ueberraschung. Bereits in der Vorwoche veröffentlichte das Wiener Organ des österreichischen Führers der Judenstaatspartei. des :gewesenen Nationalrates Stricker, eine Glosse, die den Aufsatz der .Reichspost' als ungehörigen .Alarmtuf bezeichnete, der den .Weihnachtsfrieden'-störe, eine Auslegung, der heute.jenes Organ eine Meldung eines Londoner Korrespondenten folgen läßt, die besagt, dn Londoner politischen Kreisen hätten die Angriffe der Wiener .Reichspost', die als katholisches österreichisches Regierungsorgan gelte, gegen die englische Palästinaregierung große Mißbilligung hervorgerufen; man glaube, daß diese Angriffe von einer Seite stammen, die daran interessiert sei, in Palästina Verwirrung zu schaffen, unter den Bewohnern Palästinas Unzufriedenheit zu stiften und der englischen Palästinaregierung Schwierigkeiten zu bereiten; auch in katholischen Kreisen Englands frage man erstaunt, was denn in Palästina vorgefallen seLwo-., durch das österreichische Blatt genötigt sei, den Katholizismus gegen schlechte Absichten der Palästinaregierung verteidigen zu müssen; die Londoner kompetenten Stellen hätten deshalb die Absicht, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen und den Quellen dieser Aktion nachzugehen. Es seihiernichtu n tersucht. inwieweit ein Wiener Wunsch der leibhaftige Vater desGedanken dieserLondoiier Korrespondenz geworden ist Es ist ja klar und uns wohlbekannt, daß unsere loyalen Aeußerungen im Interesse der palästinensischen Katholiken keinen ernsthaften Menschen in England aufgeregt haben. Nur in einem gewissen, stets nervös gereizten Kreise der Wiener Judenschaft besteht die aus England gemeldete Erregung und nur dieser enge Kreis geht offenbar darauf aus, jede selbständige Regung zum Schutz katholischer Interessen in Palästina unter eine gewisse internationale Kontrolle zu stellen." Peinlich wird dann die Bemerkung der ,rReichspost": „Doch gibt es zu dem Schlüsse Anlaß, wieviel Grund iür unsere Darlegung, bestand." Hätte man nur das Mißverständnis wegen der Silvesterfeiern und die daraus abgeleitete Behauptung von einer „Intoleranz der palästinensischen Juden" wideriegt; dann hätte der katholische Vorstoll die Atmosphäre freundlich gestaltet. So gerät jetzt die „Reiclispöst" zu dem Schluß, daß diese Art einer Entgegnung, wie sie die politisch so selbstbewußte „Neue Welt" geradle in einem Zeitpunkt für richtig befunden hat, da ihr Chef Vizepräsident der Wiener Kultusgemedwde geworden war, ihren Befürchtungen giarade bezüglich der palästinensischen Juden recht gegeben habe! Und dann wird in nicht ungefährlicher Ironie von der „Redchspost" ein, Wort der „Neuen Welt" gebraucht, das Wort vom „Hausherrn": „Dieses Anrecht kann nicht ausgelöscht werden, und wenn dies neue .Hausherrn' versuchen, werden sie sich überzeugen müssen.' daßsie ihre Sache in einen aussichtslosen Gegensatz zur christlichen Welt h r i n g e n." Man möchte meinen, daß die „Neue Welt" jetzt ihren argen Fehler eingesehen und korrigiert hätte. Keineswegs. Oberbaurat Stricker antwortet nun persönlich am 14. ds. und beteuert, daß er immer loyal gewesen sei. Mit keinem •Wort aber geht er auf die eigentliche Sache ein und redet weiter nur von einer „Anklage" gjegen die palästinensische Juden schaft. Es wäre zu erwägen, ob die Juden Palästinas keinen besserem Verteidiger auftreiben konnten. Die jeitet aus der Wienter Qememdepolitik so eng befreundete „Stimme" zeigt sich gleich dieser Freundschaft würdig,: indem sie wohl sachlicher auf das Merirum eingeht aber daran vor befriedet, daß die Katholiken das . wollen, was die Juden für sich gewollt haben: völkerrechtliche Sicherung einer Exterritorialität der Kultstätten. Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleift|ühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Und dann am Schluß bricht wieder dje Unsachlichkeit duirch und die. Freundschaft siegt: ..Gemäß dieser Anerkennung (historische Verknüpitheit der Juden mit Palästina in der Präambel des Mandates) vollzieht sich das'jüdische Werk und es hängt nur von uns, unserem Willen, unserem Opfermut ab. nicht aber vop Intrigen und Verdrehungen." Völkerrechtliche Kodifizierung ist eine „Intrige" und eine „Verdrehung"? Das sollte ein Zionistsichde n n d och zehnfach überlegen. Diese verunglückte Polemik zeigt so recht deutlich, daß' manche Personen offenbar in den Unglücksjahren, die wir Juden jetzt so vielfältig erleben, den klaren Kopf verloren haben. Aber darum bleibt es doch wahr, daß nur ein klarer Kopf zur Führung, gerade in schwierigen Zeiten berufen sein darf. Die Läge vom Bolschewismus der deutschen Juden. (Schluß.) VII. Die jüdische Presse einig im Kampfe gegen den Kommunismus. Die von den Juden in Deutschland am meisten gelesenen und daher von den Antisemiten als „Jude ub l ä 11 e r" verschrienen Tageszeitungen waren vor dem Beginn des Hitler-Reiches: „Berliner Tageblatt", „Vossische Zeitung" und „Frankfurter Zeitung". Diese drei Blätter lagen ständig in offener Fehde mit dem Kommunimus. Der Chefredakteur des .„Berliner Tageblatt", Theodor Wol.ff. hat in seinen bekannten politischen" Wochenübersichten jedesmal eine Abrechnung mit der törichten Agitation der Kommunisten, die nur Hitler zugute komme, gehalten, und von keinem ist idarer und sachverständiger der wirtschaftliche Unsinn des kommunistischen Programms bewiesen worden -als von dem Handelscbefredakteuj des „Berliner Tageblatt". Georg Pinner. der denn auch noch den Händelsteil des Blattes öeiten durfte,riachdem die nichtarischen Kollegen Pinners längst iatten das. Feld räumen müssen. Jn der „Vossischen Zeitung". die Georg Bernhard jahrelang leitete, der dann Abgeordneter der Demokratischen Partei und Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser ,wurde. war Julius El bau als Leitartikler einer der angriffslustigsten Kommunistengegner der Berliner Presse überhaupt Und die „Fränkfurter Ze it u « g", berünmt geworden durch das größer Maß ihrer Besonnenheit in: stürmischesten politischen Situationen Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salz er. Eingehende Informationen für jedes Mitglied der .Union" unentgeltlich, Wien I„ Kohlmarkt 8,1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. und die Ablehnung alles Sensationellen, hat den Kommunisten in ihrer Spalte „Bemerkungen" den Spiegel ihrer gefährlichen undeutschen>und undemokratischen Politik vorgehalten, wo immer nu,'r Gelegenheit dazu war. Es darf nicht vergessen werden, daß angesehene jüdische Journalisten bis zum Beginn des Hitler-Reiches in nationalen Zeitungen, die. im Kampf gegen den Kommunismus tagtäglich Spalten; schrieben, an leitender Stelle beschäftigt waren. Dr. A.yBt e sl au e r war zwanzig Jahre hindurch Ohefredakteur des „Hugenbergschen „Berliner Lokalanze-iger")5und Georg Freund jahrelang stellvertretender Chefrediucteur des Organs der Schwerindustrie der „L)$uts..chen Allgemeinen Zeitung". Breslauer war auch die treibende Kraft in dem über das ganze Reich verbreiteten „B ü rgerbund". dessen Hauptziel die Bekämpfung des Kommunismus gewesen ist. VIII. Zusammenarbeit der Kommunisten und National* ' Sozialisten. Jeder Kenner der deutschen Parterverhältnisse vor Hitlers Drittem Reich muß^estätigen. daß in den Parlamenten der Städte, Länder "und des Reichs Kommunisten und Nationalsozialisten zusammenarbeiteten. Am 29. Oktober 1929 schrieb.der ^Völkische Beobachter" Adolf Hitlers: , . . „Wir Nationalsozialisten sind bereit;' wenn es gegen die internationalen Finanzhyänen (Juden) und ihre Zutreiberparteien (Katholisches Zentrum und Sozialisten) geht, uns mit Kommunisten . . . zusammen zu tun." Diese nationalsozialistische Begünstigung der kommunistischen Propaganda entstammte natürlich rein taktischen Erwägungen. Hitler hätte es sero gesehen, daß ein Kommunistenputsch ihm Gelegenheit gegeben hätte, sich als den Retter des Vaterlandes aufzuspielen. Und als er erkennen mußte, daß die Kommunisten ""ein solches Revolutionsabenteuer aiemals wagen würden, ließ Goering den Reichstag in Brand stecken, um Hindenburg glauben zu machen, daß dieses Feuer das Signal für den wohlvorbereiteten Aufstand der Kommunisten sei. Somit ist Hitlers prahlerische Behauptung, er habe Deutschland und damit die Welt vor dem Schrecken des jüdischen Kommunismus bewahrt, eine doppelte Lüge. Die Juden in Deutschland haben von Anbeginn an den Kommunismus aus religiösen, politischen und wirtschaftlichen Gründen bekämpft, und die. Kommunisten in Deutschland haben nicht im entferntesten daran gedacht, einen zu sicherem Mißlingen verurteilten Putsch zu riskieren. Hitler hat auf Seite 370 seines Standardwerkes „Mein Kampf" gesagt: „Objektivität ist gleichbedeutend mit Schwäche." Wir wissen, daß Hitlers Stärke in seiner Agitation vor der Machtübernahme war, zu lügen und zu verleumden. Diese Stärke, objektiv; wahre Tatsachen lügnerisch zu verfälschen, scheint ibrs auf den heutigen Tag seine Stärke geblieben zu sein. Die hiemit abgeschlossenen Darjegugen des „A m e r i c a.n H e b r e w" sollten auf die zivilisierte Welt in weitestem Umfange doppelt aufklärend wirken. Eine Regierung, deren Existenz von solchen handgreiflichen Fälschungen und Verleumdungen abhängt und deren leitender Kopf diese wahrheitswidrigen Behauptungen sogar im Druck erscheinen läßt, kann schwerlich Anspruch auf Achtung haben oder Vertrauen von den Nationen erwarten. Neudeutsche Statistik. .-...-.v.; ■ ..■■;■£**> i-.fi.v.--i:--!fv« fuZ&r.*1 Eine amtliche Emigrationsstatistik ist soeben in Deutschland publiziert worden. Sie ist eines der schönsten Beispiele für neudeutsche Statistik! Ihr Autor ist Obesrwegierungsrait Dr. Schmidt, Direktor der Reichsstelle für das Auswanderungswesen, und sie ist veröffentlicht Sn. der letzten Nummer der Zeitschrift; „Der Arbeitsmann", repiroduzfert in der „Frankfurter Zeitung" vom 6. Januar. Der Völkerbundskommissar MacDonald hat die Zahl der deutschen Flüchtlinge bekanntlich mit mehr als 80.000 angegeben. Was weiß dagegen der Direktor der ReichssUeäfe für Auswanderung mitzuteilen? Folgendes: Die Gesamtzahl der deutschen Auswanderer habe 1932 rund 10.000 betragen. In den folgenden Jahren, 1933 und 1934, sei sie auf je 13.000 gestiegfan. 1935 sei sie wieder auf 9600 zurückgegangen. Die Zahl der Auswanderer seit Hitler würde also insgesamt rund 36.000 betragen. Wenn man aber die jährliche Normälauswanderung, wie 1932, mit 10.000 jährlich annimmt, so ergäben sich für die eigentüchjeln Flüchtlinge, für die anormale Mehrauswattderung („die ihre Ursache in der zunehmenden Auswanderung d er Juden hat", sagt Herr SchmMit) gar nur ganze 6000 Köpfe seit 1933. Sechstausend Emigranten! Die übrigen vierundsiebzigtausend hat Mr. MacDonald sichtlich hinzugelogen. Es ist dem ObörTtegierungsrat leider nur entgangen, daß in diesem Fall das Ausland, Gelegenheit hat, die Richtigkeit na!zistischer Zahlen selbst nachzuprüfen. Erschwerung der Einwanderung nach Palästina? Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt daß die Palästina-Regierung einschneidende . Aenderungen . der Einwanderungsvorschriften durchzuführen beabsichtigt. Es soll der für die Einwanderung in der Kategorie A bihser als Eigenkapital geforderte M i n d e s t betrag von 1000 Pfund-auf; 2000 Pfund erhöht werden. Gleichzeitig wirdvdie Erhöhung der von Touristen verlangten Kaut i on von 60 auf 80 Pfund erwogen. Außerdem yhd erwartet, daß durch die neuen Vorschriften auch die Möglichkeit der Ausnutzung von Einwanderungszertif ikaten zeitlich begrenzt werden wird; und zwar sollen Zertifikate von Einwohnern europäischer Länder drei Monate nach ihrer' Ausgab,'Zertifikate für Amerikaner nach vier Monaten und solche für Bewohner der fernöstlihcen' Länder nach füm Monaten ihre Gültigkeit verlieren.