Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2 (10.1.1936)
- Date
- 1936-01-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE_WAHRHEIT Nr. 2 — 10. Jänner 1936 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten AbteilungetifürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Wir müssen feststellen, daß sich der Herr Präsident der Kultusgemeinde über den wesentlichsten Punkt unserer Beschwerde ausgeschwiegen hat. Wir stellen nach Rücksprache mit unserem Einsender neuerlich fest, daß dar Einsender am Samstag, den 14. Dezember telephonisch das Spital der Kultusgemeinde anrief, um die Aufnahme einer kranken Frau zu ermöglichen. Der diensthabende Beamte fragte vorerst, ohne sich über den Fall näher zu erkundigen, ob die Aufzunehmende nach Wien zuständig sei. Nach Bejahung dieser Frage eirklärte der Beamte, daß nach Wien zuständige Juden nur gegen Bezahlung im Rothschilldspital aufgenommen werden können, es sei aber möglich, daß die Aufnahme erfolgen könne, wenni statt eines Betrages von S 330.— einstweilen ein Betrag von S 165— eingezahlt werde. Daraus ergibt sich die vollständige Richtigkeit der Behauptungen des Einsenders, daß in das Spital der Kultusgemeinde spi- .alsbedürftigeKranke, dien a ch,W i c n zuständig sind, vorerst nicht aufgenommen we.rden. Die strikte Erklärung des Beamten der Kultusgemeinde widerspricht also der Behauptung des .o.ben angeführten Briefes, daß nach Wien zuständige mittellose : Juden auf den ihnen gebührenden Anspruch auf unentgeltliche Aufnahme in ein öffentliches Spital nur aufmerksam gemacht werden. Ebenso haben wir durch Erhebungen festgestellt, daß diejenige Porson, welche am Sonntag, den 15. v. M. vormittags im Rothschildspital zur Entgegennahme der Anweisung an die Fürsorge- Zentrale zwecks Aufnahme der Patientin erschienen war, vorerst wegen Abwesenheit des amtierenden Beamten im Spital einige Zeit warten mußte. Durch diese Verzögerung war es dieser Pqrson erst möglich, in der Zeit zwischen 12 und 1 Uhr mittags bei der Fürsorge-Zentrale der Kultusgemeinde zu erscheinen. Es sei festgestellt, daß also die Mittelsperson nicht nach Büroschluß, sondern vor Büroschluß bei der Fürsorge-Zentrale erschienen ist. Richtig ist, daß dieser Person erklärt wurde, daß die zuständigen Herren Kultusvorsteher bereits aus dem Büro gegangen seien und daß daher erst am nächsten Tage eine Erledigung erfolgen könne. Wir sind nicht der Meinung, daß zu Unrecht die Kultusgemeinde und ihre Organe für das Versäumnis verantwortlich gemacht wurden. Es ist ein Versäumnis der Kultusgemeinde, wenn auch qits einem Sonntag nach 12 Uhr mittags die Aufnahme von kranken Personen mit der Begründung abgelehnt wird, daß die zuständigen Herren abwesend seien. Man •kann nicht voraussetzen, daß jeder Jude in Wien den komplizierten Geschäftsgang bei Aufnahme in das Spital der Kultusgemeinde kennt. Die veröffentlichte Beschwerde ist also gerechtfertigt und der im Wortlaut abgedruckte Brief des Herrn Präsidenten ist wohl nicht geeignet, diese Beschwerde zu widerlegen. Auf die in der letzten Nummer unseres Blattes unter dem Schlagworte „Wr.-Neustadt" erschienene Notiz betreffend die Ernennung des Herrn Rabbiner Prof. Dr. Heinrich Weiß zum Relieions--Inspektor für Niederösterreich wird uns von den Rabbinaten der israelitischen Kultusgemeinden Baden. Mödlihg, GroB-Ehzefsdorf, Tulln mit dem Amtssitze in Ktostefheuburg und Stockerau berichtigend mitgeteilt: „Der Landeisschutrat für Niederösterreich fcat mit Edäfi vom 18. Dezember 1935, ZI. 1175687/8, die Kultusgemeinden verständigt, daß er genehmigend zur Kenntnis genommen habe, daß alle Kultusgemeinden das Mitglied des Landesschulrates, Prof. Dr. Heinrich Weiß, Oberrabbiner in Wr.-Neustadt, mit der Inspektion des israelitischen Religionsunterrichtes betraut haben. Dieser Erlaß besagt, daß nicht die Schulbehörde den Herrn Dr. Weiß zum Religions-Inspektor ernannt hat, sondern daß dieKultusgemeindenNiederösterreichs Herrn Dr. Weiß zur Inspektion des Religionsunterrichtes ermächtigt haben. Ob Rabbiner Dr. Weiß von der Ermächtigung der Kultusgemeinden, die er sich von ihnen ohne Wissen der zuständigen Rabbiner erwirkt hat, vom religionsgesetzlichen Standpunkte aus Gebrauch machen darf, soll erst vom Rabbinate der israelitischen Kultusgemeinde Wien entschieden werden." Gemeindechronik. 60. Geburtstag. Einer der bedeutendsten Dermatologen der Wiener Schule, Herr Professor Moritz Oppenheim, Vorstand der Abteilung für Hautkrankheiten am Wilhelminenspital, wurde am 6. d. M. 60 Jahre alt. Professor Oppenheim, Assistent der berühmten .Kliniker Neumann und Finger und Schüler des Professors Ehrmann, hat als Forscher einen weit über Oesterceich geachteten Namen. Aus seiner Feder stammt eine Reihe hervorragender wissenschaftlicher Arbeiten über die Erkrankungen der Haut. Ein Ueberlebender vom Ringtheaterbrand. Der frühere Cafetier Anton Blum beging am 6. d. M. seinen 75. Geburtstag. Als Kassenbeaniter des Ringtheaters machte er an jenem unglückseligen 8. Dezember 1881 die schreckliche Katastrophe des Brandes mit und konnte nur unter den schwierigsten Umständen sein Leben retten. Herr Blum erfreut sich besonderer geistiger und körperlicher Frische. Er ist geradezu ein Archiv der Alt-Wiener Theatergeschichte, in die er nicht nur als administrativer Beamter, sondern auch as Freund vieler, einstiger Bühnengrößen Einblick gewonnen hatte. Barmjzwahfeier. Samstag, den 4. d. M., fand im Seitenstettentempel die Barmizwah des Sohnes Albert des Ehepaares Baron Dr. Alfons R o t hschild und Baronin Ciarisse Ro t h s c h i 1 d, geb. M o n t e f i o r e, statt. Der schönen Feier wohnten Angehörige und Freunde des Hauses bei, ferner sah man den Präsidenten der Kultusgemeinde Staatsrat Dr. D. F r i e d m a n n, den Altvizepräsidenten Dr. J. O r n s t e i n, Vizepräsidenten Dr. J.Tic Ii o, zahlreiche Kultusvorsteher und prominente Persönlichkeiten. Der Barmizwah sprach die Segenssprüche und las die Hattorah in .-chöner Weise. Oberrabbiner Dr. D. Feucht wang richtete an ihn eine überaus innige Anspraciie, in der auf die ruhmvolle Tradition und das segensreiche Wirken der Familien Rothschild und Montefiore verwies und den Barmwizwah aufforderte, sich dieser großen Vorfahren würdig zu erweisen und seinen Eltern stets Freude zu bereiten. Baron Dr. Alfons Rothschild benützte den Anlaß zu Spenden für verschiedene wohltätige Zwecke. Den Eltern gingen zahlreiche Gratulationen zu, besonders herzlich war die des Merores-Waisenhauses, in dem Frau Baronin Ciarisse Rothschild als Präsidentin des Schutzdamenkomitees tätig ist. Das Präsidium der Chewra-Kad'scha XII—XV lest Wert darauf, festzustellen, dsß bei der Bar- Mizwc-li-Feier des Sohnes des Herrn Oberlandes- Kc-richtsrates Dr. Rudolf Müller nicht nur Herr Josef Bravmann, sondern vom Präsidium der Chewra- Kad'scha XII—XV auch die Herren Jakob Winter und Bernhard L e d e r e r vertreten waren. jüdischer Frauen-VVohltätigkeitsverein Favoriten. Am 12. v. M. veranstaltete der „Jüdische Frauen-Wohltätigkeitsverein X" eine Akademie, die durch ihr reichhaltiges Programm besonderen Beifall fand. Künstler wie Erwin Engel. Hella Berg, Hilda D u 1 i t zkaja, Kurt Brie, Gina Ledere r. die Tanzgruppe? u s c h : t z k y u. a. verstanden es, das Interesse der großen Zuhörerschaft bis in die Nacht hinein wach zu erhalten. Es war eine selten angeregte Stimmung, ein außerordentlich gelungener Abend und dem Vorstande des Vereines wurde besonderer Dank gezollt. Der Verein „Kinderfreunde", zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien (Sitz: XVI., Hubergasse 8), veranstaltet Donnerstag, den 16. Jänner d. ]., um 8 Uhr abends, in Stalehners Saallokalitäten, XVIII. Jörgerstraße 22, eine Akademie mit Tanz unter Mitwirkung der Jazzkapelle J. Geiger und erstklassiger Kunstkräfte. Seit 54 Jahren hat der Verein seinen Zweck erfüllt, daß es in den Bezirken Ottakring und Hernais kein einziges frierendes Schulkind geben darf. Die Vereinleitung (Obmann Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig) bittet im Interesse ihrer Schützlinge um recht zahlreiche Beteiligung. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentraffriedhof, 3. Tor, Tel. B53-0-53 „Ohel Rachel", der unentgeltliche Ausspeisungsverein jüdischer Notleidender (Präsident Herr Heinrich Kessler), veranstaltet unter Leitung der Präsidentin des Damenkomitees, Frau Henriette Fuchs, am 11. d. M., um 8 Uhr abends, im Feststaale des Hotel Continental, II., Taborstraße, eine Akademie mit Tanz zugunsten seiner Schützlinge. Nachstehende Künstler wirken unter der Conference von Erwin Engel mit: Meister d'er Vicline: Dr. Otto Kaperl, Tänzerin: Gerti Landau. Mundi Hausknecht, Chansens: Frau Ilse Popper, Herr Kramer-Königsmark, Opernsängerin: Gina Lederer, Operettensänser; Max Lichtegg, Frau Sevilla Pastor, am Klavier: Frau Grete Heller-Rado. Jazzkapelle Stark. Karten sind bei allen Damen und Herren des Vorstandes sowie an der Kassa erhättlich. 35jährigcs Dienstjubilaum. Am 1. Jänner vollendete der Oberverwalter des Israelitischen Altersheimes. Herr Josef Popper, sein 35. Dienstjahr. Nach mehrjähriger Dienstleistung im Steueramte und im Spitale unserer Gemeinde wurde Popper nach Kriegsende zur Leitung des Altersheimes in einem Zeitpunkte berufen, der für den Beginn einer neuen Tätigkeit höchst ungünstige Aspekte eröffnete. Erschwerte Verpflegsmöglichkeiten, Schwierigkeiten aller Art standen einer geordneten Betriebsführung im Wege. Im Vereine mit den Vertretern aus dem Kultusvorstande und anderen opferwilligen Männern unserer Gemeinde ist es dem Jubilar gejungen, in verhältnismäßig kurzer Zeit geordnete Zustände zu schaiien und einen ungestörten Betrieb in die Wege zu leiten. Oberverwalter Popper war stets ein warmer Freund und Förderer der ihm zugeteilten Beamtenschaft und des großen Personales. Hauptsächlich . aber konzentrierte sich seine Fürsorge auf das Wohlergehen der Pfleglinge, die ihm in herzlicher Verehrung und Freundschaft zugetan sind. Diese allgemeine Svinpathie kam am Jubiläumstage zum Ausdrucke. In den Morgenstunden versammelten sich im restlich geschmückten Anstaltssaale zu einer feierlichen Begrüßung des Jubilars: die Aerzteschait des Heimes unter Führung des Primarius Dr. I n f e I d. die Beamtenschaft und das dienstfreie Anstaltspersonale, der Direktor des Spitules der Gemeinde Generalstabsarzt Dr. R a s c h k e s, Oberkantcr Post : low. der Obmann des Be:'mtenvereines Sekretär Josef Fuchs in Bereitung der Vorstandsmitglieder des Vereines Amtsleiter Leopold Fernster, Oskar Mautner, Dr. Edmund Fried. Frl. Hedwig Rosenthal, Isidor Löbensohn. Für die Kollegenschait der Amts-direktion erschien Sekretiirstellvertreter Heinrich Hölzer. Nach Einholung des Jubilars hielt der Obmann der Kommission tiir das Altersheim. Kultusvorsteher Ur. I. H. Körner, an den Jubilar eine herzliche Ansprache, in der er die vielfachen Verdienste um den Aufbau und Ausbau der Anstalt in der Nachkriegszeit hervorhob und der persönlichen Eigenschaften des jubilierenden Oberverwalters, sein humanes Fühlen für das ersonale und seine stete Hilfsbereitschaft für die Pfleglinge, rühmend gedachte. Obmann Sekretär Josef t uehs würdigte namens des Beamtenvereines in herzliciicii Worten die Verbundenheit des Jubilars mit der Koliegeiiseltutt und überreichte die vom Anst;iltsper-ona e gemeinsam mit dem Beamtenvereine gewidmete Jub'laumsspende. Tief gerührt dankte der Geehrte "edac.ite) nach einem Rückblicke auf die schweren T-ige dei Nachkriegszeit der treuen!ii:gel;ii'ig<v0i;c,,;-be;t des Personales und versprach, auch weiterhin seine besten Kratte der Anstalt vidmu: zu wollen Mi<- rafn/^1'^1!. de.r. Pl'a-'!detl,t der Knih.sgememdc. Staatsr rstandes Emil Engel zur Begn.ISt.ng de, .l;i»iKirs Staatsrat Dr. Friedmann hob in i-'ingcrer übenus Herzlicher Ausiührung die reichen Verdienste des Oberverwalter Popper um die Anstalt hervor und überreichte das üratulationsscltreiben des Kultusvorstandes. ttkanuka-tfeiern. Besonders schön waren die Chanukaieiem. die in ÜV^'U v! I[ 10rlen Und jene" Vereinigungen stattfanden, ii Lp'hp uf- Fursorfe Jüdischer Kinder, namentlich judischer Waisen Widmen. Raummangel zwingt uns zu obwnh^U,rSOnSChen S^Werung dieser Veranstaltungen.!v°'™. wf«en ihrer besonderen Innigkeit eine eingehende Würdigung verdienen würden M.r* \$*™* Fe'em fanden am 21. v. M. statt im!h! u!V"",ha"ä 1,nd im Springerinnen Watfsenhaus-Theoctor La<ssnerh.;™ i b?ien so sese"sreich wirkenden Institutionen mnden sich prominente jüdische Persönlichkeiten zu den mit viel Liebe vorbereiteten Veranstalhin- C ffiÄttSK VE"ieÄÄnPädag0CTn ei"e WS Dr ^rifJT/T"- wie lmmer war die ^ier im ur. Krüger-Heim, auch in der Isr. Kinderbed*n h«?-%l'al Schiffamtsgasse, trug "d„ Pest den gleichen mntgen Charakter wie in den früheren Jahren Oberkantor Postolow sang mit seiner schöin.i)hmTn!e dle Chanuka-Lieder, die herzigen Kinder führten Tanze und Spiele auf. Am 23. v. M. fand im Cafe City, IX., Porzeüangasse I, eüie Chan uka-Jause statt toei der viel« Kinder nach einer religiösen Feier unter Mitwirkung von Rabbiner Dr. Schwarz und Oberkantor Postolow und nachdem sie en roiiende» Ktaderkabsrett erfreut hatte, reichlich bewirtet wurden. Das Kute Backwerk hatten die röhrigen Damen des Vereines Tr n p L'" , »*ras:aent der Knitusgemeiiide. Staats- ^n^.riedman" »• Begleitung des Obmannes der 1 ur....,r.geao.nm.ss;;m Dr. Leo Landau und des Amts-