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Die Wahrheit · 1936-01-10 · Heft 2 (10.1.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 2 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 2 — 10. Jänner 1936 DIE WAHKHEIT ShrMhÜHM. - 'f==> scUovt *3hh.44cuoJL Sorelak sparsam S&ok&sckäjmt cLaMMf JpCOUMJdjWfoh soll nicht undankbar sein und etwa übersehen, daß den Juden in Deutschland nur der Selbstauch eine positive Errungenschaft sichert: Sem § 4 gewährt den „jüdischen Farben" staatlichen Schutz! Dazu heißt es in dem Kommentar, daß es dem jüdischen Volke überlassen bleiben müsse, welche Farben und welche Flaggen es sich wähle; bis dahin würden die Farben der Zionisten-r-blau- .weiß mit den Symbolen der verschiedenen zionistischen Richtungen — als jüdische Farben zu gelten haben. So erscheint denn auch die wichtigste Sorge, die die deutschen Juden gegenwärtig haben, gelöst und man muß den Jüdischnationalen neidlos den Triumph lassen, hier schöpferisch vorgebaut zu haben. Der ehemalige Kommissär für Flüchtlingswesen hält allerdings andere Fragen zur Linderung der jüdischen Not für dringlicher. Er protestiert gegen die Enteignung der Auswanderer aus Deutschland und es scheint fast, als ob dieser Protest nicht ganz wirkungslos geblieben ist. Der diplomatische Berichterstatter des Pariser „O e u v r e" erfährt, daß deutsche Agenden im Auslande an einer Neuregelung des jüdischen Problems arbeiten, deren Ziel die Organisierung einer MassenausWanderung der deutschen Juden mit einer gleichzeitigen Förderung des deutschen Exportes ist. Zu diesem Zwecke sollen Fonds zur Förderung der deutschen Ausfuhr geschaffen werden, die mindestens das Doppelte des Kapitals betragen sollen, über welches die deutschen Juden verfügen. Der Ueberschuß, der sich ergibt, soll teils dazu verwendet wierden, den jüdischen Auswanderern ihre Kapitalien zu ersetzen, teils zur Förderung der deutschen Wirtschaft dienen. Das hedßt, die deutschen Juden sollen ihre Ausschaltung aus dem deutschen Wirtschaftsleben mit der Rettung der deutschen Wirtschaft vordem drohenden Bankrott quittieren. Aber bedeutet das nicht, dgn Juden wieder zu einem für jeden echten Nazi unerträglichen Einfluß auf die Wirtschaft und damit auf den deutschen Staat zu verhelfen? Ist das der Hakenkreuz-Weisheit letzter Schluß? Wenn die Nazi sich dazu bequemen müssen, die Wieder-Flottmachung des von ihnen zugrunde gewfrtschafteten Staates den — „zersetzenden" Juden zu überlassen, darm deklarieren sie selbst die „geistige" Grundtendenz der Nürnberger Gesetze, ihr Gefasel von „Blut und Boden", als blutleere Phrase und bodenlose Dummheit . . . Ihren Dttdierbedarf decken Sie am besten und billigsten in der Buchhandlung — Antiquarial HERMANN TBCHNER, In WlenH, Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisc zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 16 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Uebühren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! Der neue Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde Herr Oberbaurat Stricker. Der politische Oberbeckmesser Oberbaurat Stricker teilt Zensuren aus. Ganz nach dem Muster des musikalischen Beckmessers hat er für die eigenen Dissonanzen kein Ohr. Er ist taub und blind für die Aeußerungen des neuen Geistes, der die von ihm totgesagte Assimilation erfüllt. Nach alter Weise wird der zu Unrecht Totgesagte noch sehr lange leben. Stricker hört und sieht nicht, daß die englischen, französischen, italienischen, amerischen. die russischen und sogar der größere Teil der polnischen und rumänischen Juden von dem jüdischen Nationalismus nichts wissen wollen und den Zionismus nur unterstützen, soweit er heimatlosen Juden eine Heimat verschaffen will. Auf eine kleine Fälschung mehr oder weniger kommt es dabei der „Neuen Welt" nicht an. Niemals hat steh die Union als nicht-zionistisch bezeichnet, obwohl das ganz im Sinne der Jüdischnationalen wäre, die z. B. in der Jewish Agency die nichtnationalen Zionisten den Nichtzonisten gleichstellen. Aus dem gleichen Grund wollen sie der Union die Bezeichnung nichtzionistische Union andichten. Die Jüdischnationalen haben immer den Zionismus als Vorspann für ihre schlechten politischen Ziele benützt. Der Weg zum Zionismus soll nur über den jüdischen Nationalismus führen können. Das alles ist plumpe Täuschung für die Propaganda des jüdischen Nationalismus und politischen Zionismus. Der gute Zionist braucht keinen jüdischen Nationalismus. Der jüdische Franzose, Engländer, Amerikaner, etc. bleibt seiner Nation treu und unterstützt doch die Bestrebungen, den heimatlosen Glaubensgenossen eine Heimat in Palästina oder auch anderswo zu schaffen. D i e g r o ß e Mehrzahl der Zionisten — nur um Verwirrung zu stiften, nennen sie die Jüdischnationalen Nichtzionisten — sind also nicht jüdischnationale Glaubensgenossen. Mit dieser Begriffsverwirrung werden die Anhänger der Jüdischnationalen und insbesonders unsere Jugend eingefangen, die schon deshalb von den jüdischnationalen Rattenfängern' verschont bleiben sollte, wedl sie, dem Hümmel sei Dank, eine Heimat und ein Vaterland hat und wills Gott immer haben wird, unser schönes, heißgeliebtes Oesterreich. Herr Oberbaurat Stricker ist, wläe bereits erwähnt, bünd und taub für die neuen Aeußerungen des Geistes der Assimilation, er hört und sieht z. B. nicht, daß die deutschen Juden, trotz allen Elends, allen Jammers und aller Verfolgungen in ihrer überwiegenden Majorität an ihren patriotischen Gefühlen für ihr Vaterland, Deutschland, festhalten, so wie seinerzeit die ungarischen Juden an .ihrem Ungartuiru. Erliest nicht, wenn der-High Commissioner MacDonald in seinem denkwürdigen IHBOBB9BHHHHBBBH Semmsring 'BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB Brief schreibt, daß die deutschen Juden sich nicht als Nation fühlen und nicht als Minorität, auch nicht als Minorität nach Völkerbundrecht angesehen und behandelt werden wollen. Einen organisch verbundenen Teil des Volkskörpers kann man mit noch so feierlich verkündeten Gesetzen nicht aussondern und lostrennen. Keinesfalls ist das eine Operation, die von einem Tag auf den anderen durchgeführt werden kann. Dazu bedarf es des berüchtigten „säkularen" Bestandes des nationalsozialistischen Geistes. Im Weltmeer des geistigen Fortschrittes wird der Atavismus der Hitler-Lehren nicht bestehen. Das kann nur die Frage ieiiner verhältnismäßig kurzen Zeit sein. Eines Tages wird dar Spuk verschwunden sein, so wie das für die Ewigkeit bestimmte sozialdemokratische Regime über Nacht spurlos verschwand. Dann wird der Glauben und die Ueberzeugungstreue der deutschen Juden belohnt werden. Aber Herr Oberbaurat Stricker will es nicht wahr haben, daß die deutschen Juden deutsch sind, er will sie jüdischnational sehen, damit sie Hitler mit Recht aus dem deutschen Volkskörper ausgesondert hat, darum sieht und hört er nichts, darum erfindet er das Märchen vom Untergänge der Assimilatton und vom Tode der Union. Aber Herr Stricker sohlte lieber nicht viel reden. Er zieht den Vorteil aus dem schmutzigen politischen Kuhhandel. Stricker soll Vizepräsident und Löwen Ii erz Amtsdirektor werden. Ohne diese Rangerhöhung wäre ..das Geschäft" nicht möglich gewesen. Stricker will auch nicht hören, was seine Bundesgenossen über seine Eignung zum Vizepräsidenten einer Religionsgenossenschaft sagen. Aber er will ja n'fcht hören und sehen, dann sollte er aber auch stumm bleiben. Nur so kann nch unser politischer Oberbeckmesser aus der schmutzigen „Affäre" ziehen. Die Vernichtung der deutsehen Juden. Mac Donalds Denkschrift an den Völkerbund. Leset den Morgen Verbreitet den fnteifcft im Morgen €s ist €utt WM 6s füfjft mit €üdj £$ benit mit tuet €s kämpftfür€ud}l Die Rücktnttserklärung James Q Macdonalds, des bisherigen Hohen Kommissars für Flüchtlinge (jüdische und andere) aus Deutschland, datiert aus London, den 27. Dezember 1935, und gerichtet an den Generalsekretär des Völkerbundes in Genf, ist von den führenden Organen der Weltpresse als ein überaus wichtiges politisches Ereignis aufgenommen und vielfach in ausführlichen Kommentaren und Leitartikeln gewürdigt worden. Die Rücktrittserkläning, deren Inhalt wir in unserer letzten Nummer wiedergaben, ist in der Form einer Denkschrift gehalten; sie umfaßt 6 Druckseiten eines großen Folioformates, denen 34 weitere Druckseiten eines „Anhangs" angefügt sind. Dieser Anhang beginnt mit der Feststellung, daß es ein deutsches Flüchtlingsproblem erst seit 1933 gibt und daß es ausschließlich durch „die Rassenpolitik der deutschen Regierung" ins Leben gerufen wurde. Es werden dann in kurzer Zusammenfassung, aber in überaus großer Zahl die einzelnen Tatsachen zusammengestellt,, die dokumentarisch beweisen, daß den Juden in Deutschland das Leben unmöglich gemacht wird. Die Gesetzestexte beginnen mit den entscheidenden Paragraphen der Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 über die Staatsbürgerschaft Die Anwendung der hier niedergelegten Grundsätze zur Ausschaltung der jüdischen Bevölkerung von jeder Berufstätigkeit und jedem Broterwerb und ihre systematische Herabwürdigung und ständige Bedrohung werden dann in 4 Kapiteln dargelegt Kapitel 1 behandelt die einzelnen Gesetze gegen die „N ich tarier". Unterabteilungen beziehen sich auf ihre Anwendung für die Beamtenberufe, für die freien Berufe, für die Behandlung von Nachkommen jüdischer Oroßejterh. Ferner wird die Ausdehnung dieser Bestimmungen auf die Berufe der Industrie« der Landwirtschaft und des Handels gezeigt Ka p i t e 1 2 gibt eine Uebersicht über M a Brege.(n der Verwaltung und über Aktionen der Partei. In diesem Rahmen wird auch der Boykott gegen die Juden in seinen Methoden und seinen Wirkungen beschrieben. Dies geschieht an Häftd Von Zifettn aus im „Völkischen Beobachter", den! „Stürmer" und anderen nationalsozialistischen Zeitungen sowie aus anderen zuverlässigen Quellen. Es werden hier auch bezeichnende Reden und Verfügungen nationalsozialistischer Führer wiedergegeben. Man findet hier auch eine Aufzählung von Orten, die Juden den Zutritt verbieten, worunter auch Garmisch-Partenkirchen angeführt wird, mit dem Zusatz, daß es zur Abhaltung der Olympischen Winterspiele bestimmt ist. Kapitel 3 beleuchtet die Rechtsprechung in Deutschland. Die Rechtsungleichheit vor dem Gesetz und vor dem Gericht wird an Hand kennzeichnender Verfügungen, Aussprüche und Urteile gezeigt. Der zweite Abschnitt dieses Kapitels ist überschrieben: „Richter als Agenten der nationalsozialistischen Partei". Es wird damit ein Wort des Ministerpräsidenten Göring, das durch Aussprüche von Hitler und andere maßgebende Führer unterstrichen wird, zitiert. Der folgende, also der dritte Abschnitt dieses Kapitels, läßt die neuen Rechtsprechungsmethöden, denen die Rechtsgarantien des normalen Prozeßrechtes nunmehr fehlen, erkennen. Auch dieser Abschnitt stützt sich in der Hauptsache auf nationalsozialistische Quellen. Es schließen sich entsprechende Unterabteilungen über Ehe und Scheidung, über das Recht der Kinder, über die Stellung der Richter usw. an. Besonders ausführlich ist die Unterabteilung über den neuen Rechtszustand für die Geschäfte und den Handel. Die Behandlung der Nichtarier wird durch Zitate aus den deutschen jutistischen Fachblättern und anderen Quellen beleuchtet. Das Kapitel schließt mit der Feststellung, daß die deutschen Gerichte auf Grund ihrer Rassenrichtlinien selbst die offiziell den Juden noch verbliebenen Rechte außer Kraft setzen müssen, daß die ganze Rechtsprechung darauf hinausläuft den Juden und den „Nichtariern" die Grundlagen ihrer Existenz zu nehmen lind dabei „die Lücken auszufüllen, die das SystefH der Entrechtung durch die Gesetze" noch gelassen habe. Kapitel 4 ist überschrieben mit dem nationalsozialistischen Ausdruck. „Unwillkommene Gäste". Es fährt den Nächweis, däß die „Nicntärier" nich den oft wiederholten Kundgebungen nationalsozialistischer Fahrer nicht etwa nur als Fremdlinge be-

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