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Die Wahrheit · 1935-12-20 · Heft 51 (20.12.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 51 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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ME WAHRHEIT Nr. 51 — 20. Dezember 193S Seite Der Fall Lö Einte Plenärvejrsanimlung! des Kultusvorstandes hat am 16.. d. M., am Tage des Ablaufes der Frist für die Einreichung der Bewerbungen um die Stelle eines Amtsdirektors, eine Verlängerung bis zum 31. d. M., gegen die Stimmen der unionästischen Kultusvorstehdr beschlossen. Daraus geht hervor, daß wir diese Verlängerung nicht als einen Erfolg ansehen, den wir im Kampfe um die Verhinderung der Bestellung des jetzigen Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz zum Amtsdirektor der Israelitischen1 Kultusgemeinde Wien erzielt haben. : Wir trauen dem Landfrieden nicht. Wir wissen, daß Herr Dr. Josef Löwenherz selbst, dem von seinen Parteigenossen schon lange die Zusage gemacht wurde, daß er Amtsdirektor der Israelitischen Kultusgemeinde wird, trotz aller Vorstellungen, die auch aus dem Kreise seiner Parteigenossen erhoben werden, auf seinen Schein besteht. Er kann sich von dem Gedanken nicht trennen, wohlbestallter Amtsdirektor der Kultusgemeinde zu werden und bis an sein Lebensende versorgt zu sein und gleichzeitig dieses Amt im Sinne seiner Partf>idogmen zu führen und so diese für die Kultusgemeinde und für die Juden Wiens schädlichen Prinzipien zu befestigen. Es gibt eine maßgebende Gruppe der jüdischnationalen Zionisten, die der Parole, die Herr Oberbaurat Stricker ausgegeben hat, nachbeten: „Wenn es schon zu Neuwahlen kommen soll, so ist es am besten, daß Herr Dr. Josef Löwenherz als Amtsdirektor über den Wahlapparat verfügt." Deshalb erblicken wir in der Verengerung der Frist für die Bewerbung um die Amtsdirektorstelle keine endgültige Abkehr von dem absurden, in einem egozentrischen und parteiegoistischen, engstirnigen Gehirn entstandenen Gedanken, den „besten Parteiarbeiter", den Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz zum Amtsdirektor der Israelitischen! Kultusgemeinde Wien zu machen. In den jüdischnätionalen zionistischen Parteien: ist man noch nicht allseitig zur Erkenntnis gekommen, daß man der jüdischen Bevölkerung Wiens ohne Unterschied der Partelstellung durch diese vAbsicht ^erträgliches zumutet, ,daß. die-.materielle und moralische Belastung, die die Gemeinde durch diesen Anschlag erfahren soll, die Grenzen überschreitet, die der Verwaltung einer jeden öffentlich-rechtlichen Körperschaft und insbesondere der einzigen jüdischen Öffentlich-rechtlichen Körperschaft Wiens durch ungeschriebene Gesetze des Anstandes und der Moral gezogen sind. Mag es im allgemeinen so sein, wie es ein prominenter Führer der jüdischnätionalen Zionisten in einer der letzten Plenarsitzungen ausgesprochen hat: „Es ist das Schicksal einer Minorität, von der Majorität überstimmt zu werden." Es gibt aber Abs'fchten und Handlungen, die von einer Majorität, auch wenn sie noch so groß ist (hier handelt es sich bekanntlich nur um eine Majorität von 1 bis 2 Stimmen), keinesfalls durchgeführt oder vorgenommen werden können. Das sind eben jene Fälle, wo die ungeschriebenen idealen Gesetze der politischen Moral und des politischen Anstandes mit der materiellen Stimmtenmacht vergewaltigt werden sollen. Und zu diesen Fällen gehört der „Fall Löwenherz". Der Zentralvorstand der „Union" hat in einer neuerlichen Plenarsitzung, diesmal einstimmig, beschlossen, die äußersten Konsequenzen zu ziehen, daß nämlich die unionistischen Kultusvorsteher ihre Mandate niederlegen, falls Dr. Josef Löwenherz von seiner Absicht, sich um die Stelle eines Amtsdirektors der Kultusgemeinde zu bewerben, nicht zurücktreten sollte. Wir wollen trotzdem hoffen, daß die bessere Einsicht siegt, daß es der Israelitischen Kultusgemeinde Wien erspart bleibt, die Verwandlung eines jüdischnationalen ehrenamtlichen Vizepräsidenten in eurem wohlbestallten Amtsdirektor der Kultusgememde, der riJcht parteimäßig eingestellt sein darf, zu erleben. Möge die Gemeinde von dieser schwerem Beeinträchtigung ihres Ansehens in der OeffentMchkeit bewahrt bleiben!! Neueröffnung 1 Am 22. Dezember wird in dem wetberühmten Thermabad und Winterkurort mit prachtvollem Skigelände Hofgastelll (Osterreich) eine streng rituell« "Vtt?3 Pension unter Aufsicht der Wiener „Adass Jisroel Gemeinde" (Schiffsdiu), im Karhotel .„Alte Post" ^|^?VBenq(,l^4^^«^^^BfMK; Zentralheizung Tfiermalbader ßn Hawe",J ÄhTp*elsermJlßigung t Anfragen: Frau H. Wolff, Hofgastein, Alte Post, oder G. Wolff, Wien I., Freyung cj, 6 Sü'ege. Tel. ü 23-9-55 Gewaltakte gegen deutsdi*jüdische Führer. Rabbiner Dr. Ignatz May bäum, Frankfurt am Main, der bekannte jüdische religiöse Führer und Verfasser eüner Reihe wissenschaftlich-religiöser Schriften, ist — wie aus Frankfurt a. M. mitgeteilt wird — wegen einer in einer jüdischen Versammlung gehaltenen Rede von der Gestapo in Haft genommen worden. Großes Aufsehen erregte vor etwa einer Woche die Verhaftung des hervorragenden Bankiers Dr. Sigmund Wassermann, einer auch im jüdischen Leben führend tätigen Persönlichkeit. Die Verhaftung steht offenbar in Zusammenhang mit dem Feldzug zur Liquidierung der jüdischen Privatbanken, der vom „Angriff" vor kurzem mät drohenden Worten an die Adresse der jüdischen Privatbankiers signalisiert worden war. Nach den an der Berliner Börse umgehenden Oerüchten soll die Festnahme Wassermanns auf Diffenenzen mit nationalsozialistischen Börsenmaklern zurückzuführen seffin. Wie der JTA-Vertreter erfährt, ist Dr. Sigmund Wassermann nach siebentägiger Haft wieder in Freiheit gesetzt worden. Die Geheime Staatspolizei hat Schalom Adleir-RudeT, einem Führer der jüdischen sozialen Fürsorge und der Auswandererfürsorge in Deutschland, einen Ausweisungsbefehl zugestellt; er muß innerhalb zweier Wochen Deutschland verlassen. Ein Grund' für den Ausweisungsbefehl wurde nicht gegeben. S. Adler-Rudel ist Chanuka-Premiere In den Jüdischen Künstlerspielen. Mittwoch, den 25. Dezember, findet die Erstaufführung der lustigen Komödie aus dem Chassidischen Milieu „Tanzt J ü d a l e c h, tanzt" statt. Diese mit reizenden jüdischen Volksweisen und Original chassidischen Tänzen ausgestattete Novität hat auf allen jüdischen Bühnen einen durchschlagenden Erfolg gehabt. Donnerstag, den 26. Dezember, wird „Tanzt jüdaiech, tanzt" wiederholt. Bei beiden Nachmittagsvorstellungen (Mittwoch, den 25., und Donnerstag, den .26.) wird bei ermäßigten Preisen Getzl Schlimasl" gespielt. österreichischer Staatsangehöriger und war viele Jahre Direktor der Arbeitsnachweisämter der Berliner Jüdischen Gemeinde und der ZentralwohlfahrtsSteHe der deutschen Juden, später war er einer der Leiter des Wohlfahrtsamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde. Als nach dem Machtantritt durch Hitler die Auswanderungsbewegung unter den deutschen Juden sich verstärkte, wurde S. Adler-Rudel eine der leitenden Persönlichkeiten dieser Auswanderungsbewegung und betätigte sich auch führend in der Bewegung für Berufsumschichtung unter den deutschen Juden. In jüdischen Kreisen herrscht Bestürzung über die Ausweisung Rudels; man befürchtet, daß nach dem Abgang dieses hervorragenden Fachmannes Hemmungen m der jüdischen AuswanderumKsbewegung eintreten werden. (K a r e s k i wird Präsident der jüdischen Kulturbünde, Adler-Rudel wird ausgewiesen! D. Red.) Nazl-Ueberiall In Danzlg. In das Foyer des Danziger „Jüdischen Theaters" drangen in der Vorstellungspause 15 halbuniformierte Nationalsozialisten ein und mißhandelten sechs Besucher schwer. Ein Bi 11 e11eur wurde durchmehrere Messerstiche verwundet Bevor Polizei eintraf, waren die Huligans verschwunden. Weihnachtsgeschenk für Streicher. Die Stadt Nürnberg hat Julius Streicher den prachtvollen altertümlichen Craraer- Klett-Palast in Nürnberg mit 50 Wohnräumen, die in größter Eile mit den letzten Errungenschaften des Komforts bei hohen Kosten adaptiert werden, zum Geschenk gemacht. In der offiziellen Ankündigung wird gesagt, das Geschenk erfolge in Anerkennung der Verdienste Streichers um den Nationalsozialismus, namentlich um die Verbreitung des Antisemitismus. Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II., Taborstrane 12. fei. D 46-s-M •tN« Ausgiebige Braten-Menüs S 1.60 mm« IlfifJ „ Oeüugel- „ S 2.20 l£f J Vorzügliche Zubereitung — Schwechater Biere Naturweine. Den deutschen Glaubensb rüdem zu Chanukkah Wenn in der Fremde bei der Lichter Schein Die Schatten der Vergangenheit Euch winken Mit ihren Schmerzen, ihrer tiefen Pein Und Eure Augen schwer von Tränen blinken, Denkt an der Makkabäer Heldenmut, Ihr Gottvertrauen in den trübsten Tagen. In Euren Adern fließt das gleiche Blut Und Ihr seid stark noch im Ertragen. Im Unglück steht der Mensch allein. Auch Euch hat eine Welt verlassen. Doch Gott wird Eure Stütze sein. Er hütet Seelen und nicht Rassen. Und eh das Makkabäerlied verklingt, Laßt Eure Herzen Hoffnungsglanz umwehen. Daß einst des Hasses Nacht versinkt. Wir uns're Kinder in der Freiheit sehen. Beate B a u m ga r t e n. Noch immer: Unruhen in Polen. Ein neues Todesopfer. In Kattowitz wurde das Mitglied des Hechaluz, Jizchak Turteltaub, von nationaldemokratischen Huligans durch Dolchstiche getötet. An der Lemberger Tierärztlichen Hochschule überfielen nationaldemokratische Studenten ihre jüdischen Kollegen und verletzten insbesondere den Studenten Hawnes sehr schwer; er befindet sich in Lebensgefahr. Ein Professor, der sich seiner annahm, wurde ebenfalls mißhandelt. Der Professor am Lemberger Polytechnikum, Bartoszewicz, unterbreitete eine Verordnung, daß die jüdischen Studenten zwecks Vermeidung von Zusammenstößen mit den Nichtjuden Plätze in den Hörsälen nur rechts einzunehmen haben; Zuwiderhandelnden droht Ausschluß. Die jüdischen Studenten protestierten gegen diese degradierende Absonderung bei der oberen Hochschulbehörde. Der frühere Premier, Prof. B a r t e 1, erwiderte ihnen, es sei einerlei, wo einer sitzt, wichtig sei, daß der Lehrbetrieb in einer ruhigen Atmosphäre vor sich geht. Am 18. Dezember wurde sogar eine Mitteilung ausgegeben, daß die jüdischen Studenten des vierten und fünften Studienjahres nicht nur gesonderte Plätze einnehmen, sondern in einem besonderen Saal arbeiten sollen. Einer Abordnung der jüdischen Studenten, die gegen diese neue Degradierung Protest einlegte, antwortete der Dekan: „Tut, was ihr wollt!" Beim Rektor des Por lytechnikums erschien eine Abordnung der Jüdischen Gemeinde, geführt vom Gemeindevorsitzenden, und erklärte, der jüdischen Bevölkerung bemächtige sich Unruhe angesichts der neuen Diskriminierung. Der Rektor erwiderte, die Absonderung der Juden geschehe eben zum Zwecke der Sicherung des ruhigen Verlaufs der Studi.en. Der Rektor, Prof. Nadolski, wurde vom Unterrichtsminister telegraphisch nach Warschau zur Berichterstattung bestellt. New York. Der bekannte jüdische Industrieile, Lucius Nathan L i 11 a u e r, früher Mitglied des Kongresses der U. S, A.. spendete 2 Millionen Dollar für eine Graduate School für Verwaltungswissenschaft an der Harvard-University. Herr Dr. Arthur Mandel, Wien VIII., Langegasse 13, legt Wert auf die Feststellung, daß er mit dem in unserer Nummer vom 5. November genannten Dr. Bruno Mandl, VIII.. F1 o r i a n igasse 2 weder verwandt, noch identisch ist. JÜDISCHES KULTURTHEATER 1. Kai 3. Tel.: R 28-2-36 Sonntag, 23. Dezember, 5 Uhr nachmltag: K mm n z « ■■ t „jadlacfea Miniaturen" Kurt Fnehsgelb (Violine) Robert Splfx (Klavier)- Karten von S — .80 bis S 1.50 in der Jadlachen Kulturstelle (1., Kai 3) erhaltlich.

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