Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 51 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 51 — 20. Dezember 1935 DIE WAHRHEIT DIE V Ilaren Biicherbedarf decken Sie am besten und billigsten in der Dudmandlang — Antiquariat BEPMAMN TUCH NEB, In Wien II, Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 18 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Uebühren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! Daß die Juden den Kommunismus finanzieren, ist eine der dumm-dreistesten Lügen, die die antisemitische Propaganda erfinden konnte. Wenn die Nazis auf der einen Seite behaupten, daß die Juden das ganze Geld der Welt besitzen und in demselben Atemzug hinzufügen, daß der Kommunismus durch das jüdische Geld froßgeworden ist — gibt es in der Geschichte des chwindels etwas Groteskeres als die Behauptung: die Juden unterstützen mit ihrem Reichtum den Kommunismus, der weltanschauungsmäßig auch ihren Reichtum vernichten will? FI. Frühzeitige Zurückweisung des Kommunismus. Die größte Organisation der deutschen Juden war und ist der im Jahre 1893 Begründete Central verein deutscher tatsbürger jüdischen Glaubens. Ziel und Zweck dieser Vereinigung, der über die Hälfte der wahlfähigen Juden Deutschlands angehörte — ihr amtliches Organ erschien in einer Auflage von 60.000 — wird im §1 derSatzungen bezeichnet: Tatkräftige Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte und unbeirrte Pflege deutscher Gesinnung. Im Jahre 1921, als von Hitler noch wenig zu hören war, wandte sich der Centrai-Verein bereits mit folgender Erklärung an die Oeffentlichkeit: „Man wirft uns Bolschewismus vor. Was haben die deutschen Juden damit zu tun? Ebensowenig wie die deutschen Christen! Es ist bezeichnend, daß vereinzelte jüdische Kommunisten, wie Eisner und Trotzky, ihre Zugehörigkeit zum Judentum weit von sich gewiesen haben. Wir verbitten es uns, daß wegen des Auftretens einzelner unsere ganze Gemeinschaft verdächtigt wird." Diese kraftvolle Ablehnung des Kommunismus durch die deutschen Juden ist seitdem immer richtunggebend geblieben. Auch die zionistische Partei in Deutschland war zu 90 Prozent eine bürgerliche Partei. Die Poale Zion (die zionistische Arbeiterpartei) konnte nur einen Bruchteil der Zionisten in Deutschland um sich sammeln. Dutzende von öffentlichen Versammlungen des Centrai-Vereins für den inneren Frieden versuchten die Kommunisten gewaltsam zu sprengen. Einer der Führer des Vereins mußte im Herbst 1929, um nur ein Beispiel zu erwähnen, nach einer Versammlung in Eilenburg in Sachsen von der Polizei in sein Hotel gebracht werden, weil Kommunisten ihn in der Versammlung mit Totschlag bedroht hatten. Der Führer der Gesetzestreuen in Deutschland, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, hat in einer Reihe von Broschüren gegen den Kommunismus und die Verfolgung des gläubigen Judentums in Rußland geschrieben. Und man vergesse nicht, daß, so unglaublich das klingt, die Führer der mit dem katholischen Zentrum und den Demokraten in Preußen in eine Koalition zusammengeschlossenen Regierungssozialisten, Heilmann und K u 11 n e r, beide Juden, die von den Kommunisten am meisten gehaßten Politiker waren. Kuttner hatte in Notwehr einen Kommunisten erschossen; Der Haß gegen Heilmann, der heute noch im Konzentrationslager sitzt, war so groß, daß bei seiner Einlieferung ins Lager die dort bereits befindlichen Kommunisten sich wild auf ihn stürzten und ihn lynchen wollten. 1 III. Nazis Arm in Arm mit Kommunisten. Auf der anderen Seite haben die führenden Nationalsozialisten seit Bestehen der Partei keinen Hehl daraus gemacht, daß sie Feinde jedweden Bürgertums sind. In Hunderten von Beispielen könnte das bewiesen werden. So schreibt Goebbels in einer 1927 erschienenen Schrift: „Fragen und Antworten für den Nationalsozialisten" wörtlich: „Anstatt der abgewirtschafteten bürgerlichen Klassen wird das Arbeitertum der Faust und der Stirn das Neue Deutschland bauen. Die Stirn wird die Faust lenken." In den „Nationalsozialistischen Briefen" schrieb im Juli 1929 der Reichstagsabgeordnete Gregor Strasser (später ein Opfer des 30. Juni 1934): „Alles, was der bestehenden Ordnung der Dinge schädlich ist, findet unsere Unterstützung. Mit einem Wort: wir treiben Katastrophenpolitik, weil nur der Zusammenbruch des liberalen Systems die Bahn freimacht für unseren Nationalsozialismus." Der weit bekannte Publizist, Reichstagsabgeordneter Graf Reventlow lärmte in der „Schleswig- Holsteinischen Tageszeitung" am 9. Juli 1930: „Das Bürgertum bedeutet für die nationalsozialistische Umwälzung eine Gefahr. Was wir erreichen, können wir nur im Kampf gegen das Bürgertum erreichen." Das ist derselbe Graf Reventlow, Hitlers Freund und Kampfgenosse, der als Führer der Nazipartei in einem Artikel der Berliner kommunistischen „Roten Fahne" die Frage erörtert hat, ob beide Parteien nicht ein Stück Weges zusammengehen können. Die Artikelserie ist später in Buchform erschienen unter dem Titel: „Ist eine Einigung mit dem Kommunismus möglich?" Auf Seite 74 heißt es wörtlich: „Beide Parteien wollen eine völlige Umwälzung der bestehenden Verhältnisse, sozial, wirtschaftlich und politisch. Beide wollen eine Umwälzung mit bestimmt formulierten Zielen. Dadurch unterscheiden sich Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern beide von allen anderen - "politischen Parteien, . die im besten Falle nur' FJickwerk, wollen. Wir beide haben begriffen, daß in die Zukunft nur ein radikaler Weg mit radikalem Endziel gehen kann, und daß die Richtung durch den sozialen Gedanken, gegeben werden muß." Es ist also eine unwiderlegbare Tatsache, daß ein nationalsozialistischer Reichstagsabgeordneter, ein intimer Freund Hitlers, eine Einheitsfront zwischen Nazis und Kommunisten verlangte in einer Broschüre, die bis heute noch nicht zurückgezogen worden ist. Wir fordern Herrn Adolf Hitler auf, uns eine einzige gedruckte Zeile zu zeigen, in welcher von verantwortlicher jüdischer Seite oder von jüdischen Organisationen irgendwie eine Verbindung mit den Kommunisten gesucht worden ist. (Fortsetzung folgt.) Um den Legislative Council. Die falsche Einstellung der JOdischenationalen. Die halboffizielie Londoner Zeitschrift „Q r e a t Britain and the East" wendet sich im Leitartikel ihrer letzten Nummer gegen den ablehnenden Standpunkt der Jüdischnationalen in der Frage des Legislative Council für Palästina. „In Bezug auf die Araberfrage", heißt es in dem Artikel, „sprechen die jüdischen Publizisten im allgemeinen in einem, wenn auch nicht einheitlichen, so doch nur in der Tonart verschiedenen Sinn. Dem geplanten Legislative Council z. B. haben sie in letzter Zeit aufs neue eine feindselige Aufmerksamkeit geschenkt und erklärt, daß die Verwirklichung dieses Planes verhängnisvoll wäre für die zionistische Sache; sie haben gedroht, sich an ihm rächt zu beteiligen und ihn damit (nach ihrer Ansicht) zunichte zu machen. Ein derartiges non possumus läßt jedoch Leset den Morgen Verbreitet den Morgan Inseriert im Morgen es ist euer Watt es füßft mit eud) es öenßt mit eud} es ßdmpft für eud}/ die Tatsache vollstättdig außer Acht, daß es seit längerer Zeit der ausgesprochene Wille und Wunsch der Mandatarmacht war, einen Legislative Council ins Leben zu rufen, und daß die Schaffung e^nesi solchen Council nicht auf unbegrenzte Zeit hinausgeschoben werden kann. Würde dies geschehen, so würde der gesamte Standpunkt der Regierung — der ihirer Unparteilichkeit gegenüber Arabern und Juden — zusammenbrechen. LT.nd dies wäre in der Tat verhängnisvoll für die zionistische Sache." „Ein altes und nicht ganz richtiges Wort be- Jiauptet", heißt es in dem Artikel weiter, „daß ein Orientale, wenn er Gerechtigkeit verlangt, in Wirklichkeit Bevorzugung meint; rrit ihrer gegenwärtigen Haltung tragen die Zionisten kaum dazu bei, dieses Wort zu widerlegen. Es gibt jedoch auch klügere Köpfe im jüdischen Lager. Erfrischend ist es z. B., den Rat des bekannten pa'ä-' stinensischen Landwirts und Schriftstellers Mosche Smüansky zu den arabisch-jüdischen Beziehungen zu hören. Er sagt: wenn wir nicht mit der gegenwärtigen arabischen Unter Leitung des allgemein bekannten Cafetier Kornmahl Caf6-Restaurant Heinehof IL, Heinestraße 15 Warme Küche Aufmerksamste Bedienung Reiche Auswahl in inu. ausl. Zeitungen. Generation zu einer Verständigung gelangen, dann besteht wenig Aussicht auf eine Verständigung zwischen unseren Söhnen und der jüngeren arabischert Generation. Den jüdischen Erklärungen über Verständigungsbereitschaft gegenüber den Arabern Hegen nur schöme Worte ohne wirkliche Bedeutung zugrunde. Bedauerlicherweise haben Aeußefungen wie die Smilanskys (gegen die sich jüngst merkwürdigerweise Weizmann sehr scharf wandte, D. Red.) die Walrrheit für sich, und die gegenwärtige jüdische Feindseligkeit gegenüber einem Legislative Council bestätigt nur das Argument dieses alten Landwirts, der den Weg erkennt, den Palästina gehen sollte, und Befürchtungen hegt über den Weg, den es jetzt geht." „Zu Ende des vorigen Monats", so wird in dem Artikel schließlich ausgeführt, „haben Vertreter der verschiedenen arabischen Parteien in Palästina beim High Commissioner vorgesprochen. Ihre hauptsächlichen auf offizielle englische Dokumente sich stützenden Beschwerden bezogen sich auf Einwanderung und Boden — die noch immer die Hauptaspekte des Problems sind — aber sw* befaßten sich auch mit dem Legislative Council. Sie verlangten — bei Nichtanerkennung des Mandats — des Privilegs einer demokratischen Regierung teilhaftig zu werden. Sofort wurden Proteste gegen die Verwirklichung eines solchen Council im nichtarabischen Kreisen laut. Offensichtlich gehört es rttcht zu staatsmännischer fCnnst, Priviltegiett^unter. dem: Druck 'der; Gewaltandrohung zu gewähren: Offensichtlich ist es die Pflicht der Regierung, die genaue Zeit für die Gewährung von Privilegien zu wählen. Aber zu behaupten, daß Palästina für ein weiteres Maß der Selbstverwaltung erst dann reif sein wird, wenn die Zionisten die Mehrheit im Land bilden, ist von allen die am wenigsten Staatsmännische Haltung; und anzunehmen, daß die englische Regierung sich nach einem solchen interessendiktierenden Vorschlag richten werde, würde in der Tat einem Verzweifeln an Ihrem guten Glauben gleichkommen. Es kann kaum erwartet werden, daß die Androhung der NoCT-cooperation seitens einer Minderheit Eindruck auf eine Verwaltung machen wird, deren Grundprinzip fair play und nicht Diskriminierung ist. Zugegeben: Der Philosoph mag erhebliche Zweifel darüber hegen!, ob die Einführung eines demokratischen Apparates im Orient klug sei; aber Politiker und Verwalter können in ihren öffentlichen Handlungen selten wie Philosophen vorgehen. Hinauszuzögern! und Ausflüchte zu gebrauchen, wäre nicht nur Wahnsinn, sondern auch absichtliche Täuschung." Die Jerusalemer revisionistische Tageszeitung „Hajarden" veröffentlicht einen sensationellen Bericht „aus zuverlässiger Quelle", wonach der High Commissioner die Einsetzung des Legislative Council für Pailästina im Februar 1936 p r o k 1 a m i e r e h werde. In englischen Kreisen sei man der Ansicht, daß der Council den Charakter einer beratenden Körperschaft tragen solle, während die Araber fordern, daß ihm alle Prärogativen eines Parlaments zugestanden werden. „Hajarden" weiß auch von einer „geheimen Vereinbarung" zwischen dem High Commissioner und der Jewish Agency über den Anteil der Juden am Legislative Council zu erzählen. Danach soll der High Commissioner darauf eingegangen sein, daß die Juden sich ein Jahr lang an dem Council nicht beteiligen; er erwarte, daß sich die Juden im Laufe dPeser Zeit davon überzeugen würden, daß die jüdischen Interessen durch den Legislative Council nicht geschädigt werden: Der Vorsitz im Legislative Council solle dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofes übertragen werden.