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Die Wahrheit · 1935-12-13 · Heft 50 (13.12.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 50 (13.12.1935)
Date
1935-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 50 — 13. Dezember 1935 Seite 3 Um die Berliner Olympiade. AMERIKA. Am Freitag, den 7. Dezember, begann in New York die Tagung der American Athletic Union unter Teilnahme von Delegierten aller einzelstaatlichen Ausschüsse, um über die Teilnahme Amerikas an der Olympiade Berlin 1936 zu beschließen. Der Vollzugsausschuß der A. A. U. faßte vor Beginn der Tagung mit 10 gegen 5 Stimmen den Beschluß, der Vollversammlung die folgende Resolution zur Abstimmung zu unterbreiten, nachdem eine Abstimmung über Boykott oder Nichtboykott mit 7 gegen 7 Stimmen unentschieden blieb: „Eine amerikanische Teilnahme an der Olympiade würde dem deutschen Volk gegenüber als eine amerikanische Billigung der nationalsozialistischen antisemitischen und antichristlichen Politik ausgelegt werden. Die Resolution empfiehlt daher den Amerikanern, weder als Zuschauer noch als Sportausübende an der Olympiade in Berlin teilzunehmen." Am Samstag, den 8. Dezember, entschied sich die Hauptversammlung der American Athletic Union mit 61 gegen 55 Stimmen bei mehreren Stimmenthaltungen (die Zahl der Delegierten betrug 181) für die Teilnahme an der Olympiade Berlin, doch forderte die Versammlung gleichzeitig den Vorstand auf, das Internationale Olympische Komitee offiziell davon zu verständigen, daß die Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Olympiade in Berlin einzig aus dem Grunde erfolge, um die Tradition zu wahren, daß sie aber in keiner Weise als eine Anerkennung der Prinzipien der deutschen Regierung aufgefaßt werden dürfe. Der Präsident der A. A. U. Jeremiah T. Mali o n e y erklärte dem JTA-Vertreter, wenn auch ein amerikanisches Team nach Deutschland gehe, so werde es weder in der Zahl, die wahrscheinlich klein sein wird, noch in der moralischen Autorität die amerikanische Sportwelt repräsentieren. ENGLAND. „Manchester Guardian" fordert Englands Nichtteilnahme an der Berliner Olympiade und begründet dies damit, daß das Prinzip, daß alle Einwohner des Landes im sportlichen Wettbewerb gleichberechtigt sein sollen, vonderdeutschenRegierunginjeden Zweifel ausschließender Weise verletzt worden ist. Die deutschen Juden haben gar keine Gelegenheit, mit anderen Sportlern in Wettbewerb zu treten. Alle Versprechungen der deutschen Repräsentanten beim International Olympic Committee, daß die jüdischen Olympia- Anwärter unbehindert trainieren können, haben sich als wertlos erwiesen, die jüdischen Sportler wurden aus den Sport-, Schwimm- und Ruderklubs ausgeschlossen. Wer nicht ins Exil gegangen ist, lebt ein Leben der Armut und der ständigen Angst vor Verfolgung, so daß für Sport weder Gelegenheit noch Neigung bestehen könne. Die öffentlichen Sportplätze und Bäder sind den jüdischen Sportlern verschlossen. Die Einladungen an die Weltmeisterin im Florett Helene Mayer und die Hochsprungmeisterin Fräulein Bergmann, Deutschland auf der Olympiade mit zu vertreten, ergingen nur, um die amerikanische öffentliche Meinung zu täuschen. Außer diesen beiden ist kein Jude eingeladen worden. Ja man hat Tennisspiele aus dem ProgrammderOlympiadegestrichen; denn der beste Lawntennisispieler Deutschlands, Daniel P r e n n, ist Jude und lebt als Emigrant in England. Der vormalige Olympiade-Direktor gegen die Berliner Olympiade. Der Direktor der Olympiade in Los Angeles 1932, Zack F armer, erklärte Vertretern der Presse, er sei gegen die Abhaltung der nächsten Olympiade in Berlin, weil „die H i 11 e r regierung die wahre olympische Doktrine verletzt hat". „Ich selbst", sagte Zack Farmer, „werde den Berliner Spielen, falls sie stattfinden, nicht beiwohnen, well ich der Meinung bin, daß die Spiele in einer un-olympischen Atmosphäre und unter un-olympischen Bedingungen vor sich gehen werden." Klein« Tuto 8 —30 Groß« Tuto S 1.40 tieklassierten, erfolglosen Menschen, — von einer Erfolglosigkeit, die durchaus nicht aus seiner sozialen Lage resultierte, sondern aus einer seltsamen Uniühigkcit, irgendeine Position im bürgerlichen Leben ordentlich auszufüllen, irgendwo einen sozialen Anschluß zu finden. Drei Jahre seiner Jugend, vom 20. bis zum 22. Lebensjahr, hat der spätere „Führer" im Männerasyl des 20. Wiener Bezirks — dem Obdachlosen-Heim — zugebracht, der junge gesunde Mensch, ehemaliger Mittelschüler, zwischen der Hefe der Deklassierten. War ihm dort wohler als unter Arbeitern? Dort, im Männerasyl, dem er erst nach drei Jahren durch die Uebersiedlung nach München entfloh, unverlöschlichen Haß gegen Wien und Oesterreich im Herzen, hat er seine stärksten Eindrücke von Menschen und Völkern bezogen — nicht zuletzt seine später so nützliche Kenntnis von der ..jüdischen Rasse". Zu den auffälligen Diskretionen der Hitlerschen Selbstbiographie, auf die Heiden hinweist, gehört auch, daß er nirgends von einer persönlichen schlechten Erfahrung mit irgendeinem Juden berichtet — obwohl er nach eigenen Angaben viel mit Juden zusammen war und sogar Diskussionen geführt hat. Ein Mittelschüler, der es nicht bis zur Abschlußprüfung gebracht hat — wie er selber behauptet: um gegen den Willen des Vaters Maler werden zu können — ein angehender Kunstschulen der bei der Aufnahmeprüfung in die Malerschule durchgefallen war. ein Gelegenheitsarbeiter, der im Wiener Männerasyl vegetierte und nie eine feste Stellung erreichte, der später in München mit kleinen Aquarellen hausieren ging, niemals mit Freunden, mit Frauen, mit Familie verbunden, nie irgendeinem „Milieu" zugehörig. — das war Adolf Hitler, als der Weltkrieg ausbrach. Zur Komplettierung des Bildes gehört der Hinweis Samstag, den 21. Dezember präzise 9 Uhr abends im Festsaal des Cafe „Altes Rathaus' I., Wipplingerstrafce 24/26 Große Chanuka-Feter der luqemMlnion Religiöse Feier — Akademie — Tanz Karten (Vorverkaufsprets S 1-50) im Sekretariat der „Union" IX,, Berggasse 4, Telephon A 19-2-77, bei allen Leitungsmitgliedern und an der Kasse des Cafe „Altes Rathaus". An der Abendkasse erhöhte Preise. Eine Hitler-Biographie. Während unter Goebbels'scher Kontrolle schon ganze Bibliotheken Hitlerscher Lebensbeschreibungen produziert worden sind, haben die emigrierten deutschen Schriftsteller, rühmlicherweise weit weniger konjunkturbeilissen, das leider so aktuelle Thema beiseite liegen lassen. Kein unabhängiger Autor hatte bisher Leben und Wesen des „Führers" zusammenfassend geschildert. Jetzt erst, nach fast drei Jahren Nazi-Regime, erscheint der Abstand gegenüber den erlebten und erlittenen Dingen groß genug, um eine objektive Hitler- Biographie möglich zu machen. Als erstes Buch, in dem in völliger Unbefangenheit der unbekannte Adolf Hitler ins nüchterne Tageslicht gerückt wird, hat der Europa -Verlag, Zürich, jetzt Konrad Heidens „Hitler, Das Leben eines Diktator s", herausgebracht. Heiden, der schon in der republikanischen Urzeit eine „Geschichte des Nationalsozialismus" verfaßt hat und dann, nach dem „Umbruch", in einem zweiten Buche die „Geburt des Dritten Reiches" beschrieb, ist schon durch seine langjährigen Spezialstudien zum Biographen Hitlers prädestiniert. In Konrad Heidens Buch wird der „Führer" sehr plastisch, sehr glaubhaft dargestellt. Wie wurde Hitler „Führer"? Man weiß, daß der Mentor der Hitlerschen Anfänge der Münchener Bohemien Dietrich Eckart war. Heiden erzählt, wie Eckart, eines Sorrcmerabends 1919, in der Schwabinger Weinstube „Brennessel" vor den Zechgenossen seine politischen Pläne skizzierte: „Ein Kerl muß an die Spitze, der ein Maschinengewehr hören kann. Das Pack muß Angst in die Hosen kriegen. Einen Offizier kann ich nicht brauchen, vor denen hat das Volk keinen Respekt mehr. Am besten wäre ein Arbeiter, der das Maul auf dem richtigen Fleck hat. Herrgott, wenn der Noske nicht solch ein . . . wäre . . . .! Verstand braucht er nicht viel, die Politik ist das dümmste Geschäft auf der Welt, und soviel wie die in Weimar weiß bei uns jedes Marktweib. Ein eitler Affe, der den Roten eine saftige Antwort geben kann und nicht vor jedem geschwungenen Stuhlbein davonläuft, ist mir lieber als ein Dutzend gelehrte Professoren, die zitternd auf dem feuchten Hosenboden der Tatsachen sitzen." Und als letzte Weisheit verkündete Dietrich Eckart; „Es muß ein Junggeselle sein! Dann kriegen wir die Weiber!" Kurz nach dieser Prophezeiung, an die sich laut Heiden noch viele Zeitgenossen erinnern, machte Dietrich Eckart die persönliche Bekanntschaft des Gefreiten Adolf Hitler. Und der Start zu den Führer-Höhen begann. Was war Hitler vorher? Es ist eigentümlich, wieviel Dunkel über seiner Vergangenheit liegt. Schon Abstammung und Familienverhältnisse sind fragwürdig und rätselhaft. Trotz des Interesses, das man im Reiche heutzutage der Ahnenforschung und speziell den Großeltern schenkt, ist nicht geklärt, wer eigentlich väterlicherseits Hitlers Großvater war. Mütterlicherseits ist nach Heiden die „arische" Herkunft Hitlers völlig einwandfrei, obwohl der Name „Hitler" unter polnischen Juden häufiger ist als unter Deutschen. Aber wäre es möglich, daß vom unbekannten Großvater her in den Adern des Enkels jüdisches Blut iließt? Heiden hat diese Frage unerörtert gelassen. Und doch liegt es nahe, die überaus starke Gefühlsbetontheit des Hitlerschen Antisemitismus gerade auf diese Weise zu deuten. „Irgendetwas", konstatiert der Biograph, „muß nicht ganz in Ordnung sein; wäre sonst Hitler in seiner Lebensgeschichte so schweigsam?" * Nicht nur Großeltern und Geschwister sind in Hitlers Lebensgeschichte verschwiegen. Heiden weist nach, wie der Selbstbiograph Hitler in bestimmten Etappen und bei bestimmten Themen überaus diskret ist. Bis in sein 30. Lebensjahr hinein war Hitler der Typus des Heidens, daß der spätere „Führer" auch als Soldat und in vier Jahren Frontdienst ein Erfolgloser war. Er hat es, wie man weiß, nicht höher als zuni Gefreiten gebracht. Allerdings: sein Militärpaß trägt einen Vermerk, wonach ihm das Eiserne Kreuz Erster Klasse verliehen worden sei. Heiden will Zweifel an der Richtigkeit dieser Eintragung nicht gelten lassen. Irgendein fundiertes Zeugnis, wie und wann Hitler sich die Dekoration erwarb, hat aber bis heute noch niemand geliefert. Dank der Reichswehr, die den nach München heimgekehrten Gefreiten für den „politischen Nachrichtendienst" brauchbar fand und zur Berichterstattung in die neugebildete nationalsozialistische Partei delegierte, dank der Reichswehr, deren damals noch aktiver Hauptmann Roehra den unbekannten Gefreiten in sein Herz schloß und mit Reichswehrgeld subventionierte, ist Hitler groß geworden. Die Reichswehr blieb sein Schicksal. Die Zeit, da sie ihm ihre schützende Hand entzog. — nach dem Müuchener Putsch, — war sein Niedergang. Heiden stellt dar. wie nach dieser Niedergangsperiode Hitlers ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet war. wieder in gute Fühlung zur Reichswehr zu kommen. Es ist ihm gelungen. Ueberhaupt ist Hitlers Streben nach guter Fühlung mit den herrschenden Gewalten der rote Faden in seiner Lebensgeschichte. Stets und immer hat dieser Revolutionär die Revolution - - wie Heiden sagt — nur „mit dem Herrn Präsidenten" gemeinsam machen wollen. Und die Reichswehrgeiieralität. die deutschen Großindustriellen, die politische Junkerkaste, die den alten Hindenburg dirigierte — die „mächtigen Einrichtungen", die es nach dem Weltkrieg in Deutschland gab, waren genug heruntergekommen, um einem Hitler ..geneigt" zu werden. Zum Endsieg iehlte ihm danach nur noch die Verständnislosigkeit seiner Gegner. L:nd die ließ nichts zu wünschen übrig. „Ein gescheiterter Mann und ein gescheitertes Volk verbinden sich." Da.-; ganze Buch liest sich wie ein Sensatin.isroman, aber es ist tatsächlich ein ernstes Werk.

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