Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-12-06 · Heft 49 (6.12.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 49 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064603--20475-3085724
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite t> Nr. 49 — 6. Dezember 1935 DIE WAHRHEIT DIE -} PENSIONS-VEREIN v.«teh.r«nB^.' WIEN I., SCHELLINGGASSE 1 Invaliditäts-, Alters- Telephon: R 22-1-10 und Hinterbliebenen-Renten Wieder ein jüdisches Todesopier in Polen. Infolge der dauernden antijüdischen Exzesse in einigen Städtchen' im Bezirke Qpoczno hatte die besonders scharf terrorisierte Judenschaft des Städtchens KTwow, 5 Kilometer von Odrzywol entfernt, das Städtchen fluchtartig verlassen und das ganze Hab und Gut zurückgelassen. Da nicht genug Fuhrwerke vorhanden waren, haben sich zehn Juden zu Fuß auf den Weg gemacht. Unterwegs wurden sie durch eine aufgehetzte Menge überfallen und schwer mißhandelt. Einige der Flüchtlinge wurden schwer verletzt. Der 66jährige Monisch Poznanski wurde sterbend in das Hospital nach Radom gebracht, wo er sofort nach der Einheferung verstarb. Ein zweiter schwerverletzter Jude, Hersch Wrublewski, wurde in Agoniezustand ebenfalls in das Radomer Hospital gebracht. Mendel Poznanski, ein Bruder des getöteten Monisch Poznanski, wurde mit schweren Knochenbrächen an der Hand eingeliefert. Frau Feige Skumska wurde das Nasenbein zertrümmert, außerdem erhielt sie schwere Wunden im Gesicht. Die rumänische Judenheit w£hrt sich. Der -rumänische Ministerpräsident Tatarescu empfing eine Abordnung der Judenheit Ru- . m ä n i e n s, bestehend aus dem Vertreter des jüdischen Kultus im Senat Landesrabbiner Dr. Niemirower, den Vertretern der jüdischen Gemeinden S. Birman (Präsident der Jüdischen Gemeinde Bukarest und des Jüdischen Gemeinderverbandes Altrumäniens) und Generalsekretär Horia Carp, den Vertretern der Union rumänischer Juden Präsident Dr. Wilhelm Fildermann, Adv. Kiva Orenstein und M. Seltzer-Sarateanu und den Vertretern der Jüdischen Reichspartei Präsident Doktor Theodor Fischer, Adv. Mischu Weissmann und Doktor Samuel Singer. Die Abordnung trug dem Ministerpräsidenten die Beschwerden und Wünsche der fast einen Million rumänischer Juden vor, wies auf die zahllosen Ungerechtigkeiten und Zurücksetzungen, die der jüdischen Bevölkerung in letzter Zeit zugefügt worden sind, hin und erwähnte insbesondere die i m Lande ungehemmt vor sich gehende antisemitische Hetze, welche bereits zu antisemitischen Ausschreitungen geführt hat. Ministerpräsident Tatarescu erklärte den jüdischen Führern, daß die Regierung die strengsten Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung im ganzen Lande ergreifen werde. Anläßlich der Semestereröffnung an der Bukarester Medizinischen Fakultät ist es zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Nach der Physik-Vorlesung des Professors Mihaescu stürzten sich die Hörer des ersten Jahrganges auf die 5 jüdischen Studenten, denen in diesem Jahr die Neuinskription an der Medizinischen Fakultät bewilligt worden war, und mißhandelten sie schwer. Hierbei wurde auch die einzige jüdische Hörerin nicht verschont. Die Repräsentanz der Union rumänischer Juden hat beim Innenministerium interveniert und Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung an der Universität gefordert. Weltpetition gegen den Antisemitismus. Im Carlton Hotel.,zu Amsterdam tagte unter dem Vorsitz des liberalen Mitglieds der Zweiten Kammer des Holländischen Parlaments Dr. 1. H. .1. V o s die 72. Jahresversammlung des holländischen Zweiges der Alliance Israelite Universelle. Die Versammlung nahm einstimmig einen Antrag der Amsterdamer Sektion an, der dahin seht, dem Zentralkomitee der Alliance Israelite in Paris vorzuschlagen, eine W el t p e t i t io n gegen den Antisemitismus zu organisieren. Der Plan, einen Weltkongreß zur Bekämpfung des Antisemitismus abzuhalten, wurde fallen gelassen. Dr. Vos teilte mit, daß sich das Zentralkomitee der AUiance in seiner für den 11. Dezember nach Paris einberufenen Sitzung mit dem holländischen Antrag befassen wird. In der Eröffnungsansprache gedachte Dr. Vos des verstorbenen Weltpräsidenten der Alliance, Prof. S y 1vain Le v i. Der Sekretär Dr. Georges Cahn te r berichtete über die Leistunger. der Alliance zugunsten der deutschen Juden. Der Schatzmeister Dr. V. K. L. van Os erstattete den Finanzbericht und teilte mit, daß im Jahre 1934 an das Zentralkomitee in Paris 38.000 Francs überwiesen wurden. Der Grand Rabbin von Paris Maurice Liber, Mitglied des Zentralkomitees, sprach über das Thema: „Die Alliance israelite Universelle, was sie war. was sie ist. was sie sein könnte". Der bekannte Amsterdamer Jurist Dr. B. P. Oomperts sprach über die Nürnberger Judengesetze und die durch sie heraufbeschworene Gefahr internationaler Verwicklungen, besonders wenn sich der Unterschied zwischen „Staatsangehörigen" und „Reichsbürgern" in wirtschaftlicher Beziehung auszuwirken beginnen wird. Der Dozent der Universität Utrecht Dr. Boris Raptschinsky sprach über -Die Juden im heutigen Rußland" und widerlegte die Behauptung der Nationalsozialisten, daß Juden dem Bolschewismus zuneigen. Legislative Council noch in diesem Winter? Eine aus Vertretern der fünf arabischen Parteien Palästinas fcch zusammensetzende Delegaten suchte den High Commissioner Sir Arthur Wauchope auf. Die Konferenz dauerte etwa zwei Stunden .Die Delegation überreichte dem High Commissioner ein Memorandu m, in welchem die folgenden Forderungen ausgesprochen werden: 1. Einführung eines demokratischen Regimes in Palästina; 2. Verbot des Bpdenverkaufs an Juden; 3. Einstellung der jüdischen Einwanderung; 4. Beschlagnahme aller in jüdischem Besitz befindlichen Waffen. Die arabische Presse teilt mit, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope der Delegation die Antwort erteilt hat, daß er das ihm überreichte Memorandum dem Kolonialamt in London übermitteln werde; im übrigen sei er, der High Commissioner, bereit, noch im Verlauf dieses Winters den Legislative Council zu schaffen. Wie dfe arabische Presse weiter meldet, ist die Delegation von der Antwort des High Commissioner nicht befriedigt, da sie nicht die von den Arabern geforderte Aenderung der gesamten britischen Politik in Palästina zum Inhalt hat. Es sei deswegen eine Zusammenkunft der Führer der arabischen Parteien geplant in der über dfe in der Zukunft zu ergreifenden Schritte beraten werden soll. . Von anderer Settw^wirdchierzu mitgeteilt* daß der High Commissioner gegenüber den arabischen Führern die arabische Taktik der immer erneuten Aufwühlimg der Massen. wodurch das wirtschaftliche Gleichgewicht im Lande gestört wird und auch die arabischen Interessen geschädigt werden, scharf getadelt hat. Der Führer der Delegation Nashasibi soll sich durch Sir Arthur Wauchones Vorwürfe so getroffen gefühlt haben, daß er mitten im Gespräch den Raum verlassen hat.. Gememde&womR. Professor Glücksmann ausgezeichnet. Der Bundespräsident hat auf Vorschlag des Unterrichtsministeriums dem Schriftsteller Professor Heinrich Glücks mann aus Anlaß seines Rücktrittes vom Amte des leitenden Dramaturgen am Deutschen Volkstheater in Anerkennung seiner Verdienste um das Theater und die Literatur in Oesterreich das Ritterkreuz des österreichischen Verdienstordens taxfrei verliehen. Enthüllung einer Votivtafel in der Brigittenau. So.mtag, den 24. November, fand im Brigittenauer Tempel in der Kluckygasse die Enthüllung der vom „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" gestifteten Votivtafel für die gefallenen jüdischen Soldaten des XX. Bezirkes im Rahmen einer eindrucksvollen Feier statt. Vor Beginn der Feier schritt Generalmajor O d e 1 g a die Front der ausgerückten Formationen des B. J. F. ab. Unter den Anwesenden bemerkte man: Den Bezirks hauptmann der Brigittenau mit mehreren Herren der Bezirksvertretung, den Stadlhauptmann der Brigittenau, Polizeioberstleutnant T s c h o f e n, die Vertreter der alten Armee unter Führung des Generalmajors Baron Odelga, Vertreter der Wehrverbände. Oberleutnant A u vom Frontsoldatenregiment der O. S. S. XX. eine Deputation des „Ring österreichischer Soldaten" unter Führung des Herrn Dir. Hanui, Deputationen des Wiener Heimatschutzes und des Jägerkorps „Ottonia", ferner Hochwürden Pfarrer Klinger, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, das Ehrenmitglied des B. J. F. Generaloberstabsarzt Univ.-Prof. Dr. Alois Pick, den Bundesführer des B. J. F. Hauptmann a. D. Siegmund Edlen v. Friedmann und seinen Stellvertreter. Oberleutnant i. d. Res. Ernst Stiaßny, die gesamte Bundesführung mit allen Funktionären des Bundes, Vertreter der jüdischen Organisationen und den gesamten Tempelvorstand mit Obmann Dr. Kohn an der Spitze. Nach dem Vortrage eines Psalms hielt Bezirksrabbiner Dr. B. Murmelstein eine inhaltsvolle Gedenkrede, in der er insbesondere ausführte: In allen Sprachen riefen die Menschen zum gemeinsamen Gott. So ist der Unbekannte Soldat ein Symbol der Verbrüderung und der Gleichheit aller Menschen. Wir Juden haben aber auch einen Unbekannten Soldaten, der aus der Verneinung der Gleichheit aller Menschen, aus der Ablehnung der Menschenverbrüderung entstanden ist. Wir haben es erlebt, daß 12.000 Juden, die als Verbündete Oesterreichs an unserer Seite ge- GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALEi XVIII., WAHRINGERSTRASSE 37 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant fär Heilanstalten AbteilungenmrKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrw Rabbinates der Isr. Kultnsgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorlen von ausschließlich i Prima-Quaiiiat zu den billigsten Marktpreisen j kämpft haben und gefallen sind, deren Namen bekannt sind und auf zahlreichen Tafeln verewigt wurden, zu Unbekannten Soldaten geworden sind! Wenn wir nun hier in Oesterreich jüdische Helden ieiem, so gedenken wir gleichzeitig jener, deren in ihrem Vaterlande nicht gedacht werden darf. Nach einem Choral, ausgezeichnet vorgetragen von Oherkantor D. G r ü n b a u in, hielt der Bezirksführer der B. O. G. XX des B. J. F., R o s t h o 1d e r, eine tiefempfundene Ansprache. Kameraden, geschmückt mit dem Kronenordten und der Goldenen Tapferkeitsmedaille, bezogen die Ehrenwache bei der Gedenktafel. Nach einer zündenden patriotischen Ansprache des Obmannes des Tempelvereines Brigittenau. Dr. Kohn, der dem Frontbund für die Ehrung der gefallenen Helden dankte, nahm der Bundesführer, Hauptmann a. D. Edler v. F r i e d m a n n, die Enthüllung der Votivtafel vor und würdigte in einer Ansprache die Leistungen der jüdischen Soldaten im Weltkriege. Im Namen der alten Armee sprach Generalmajor Baron Odelga Worte des Dankes an die überlebenden Kameraden, die durch die Errichtung dieser Votivtafel echtes Kameradschaftstum und Treue bewiesen haben. Er gedachte wehmütig der in seinem Regimente während des Weltkrieges gefallenen Juden, die er als Helden feierte. Dir. H a n n i vom ..Ring österreichscher Soldaten" forderte die Kameraden zur weiteren gemeinsamen Arbeit und Einigkeit zum Wohle des Vaterlandes Oesterreich auf. Mit der Absingung der Bundeshymne schloß die würdige Feier. Feier. Hilfsverein für russische Juden in Wien. Anläßlich des zelinjährgen Jubiläums des Bestandes des Hilfsvereines in Wien fand im Festsaal des Kaufmännischen Vereines am 6. v. M. eine F e s t v e r s a m in 1 u n g unter dem Vorsitz des Präsidenten des Hilfsvereines. Herrn Dr. med. S. Goldstern, statt. Außer den zahlreichen Mitgliedern und Spendern des Hilfsvereines waren zu dieser Festversammlung ' auch u. a. erschienen: Vizepräsident Dr. Jcsef Löwenherz, Ober-Rabbiner Dr. David Feucht w an g, Rabbiner Dr. Armand Kaminka von der Israelit. Allianz, Ing. Hugo Koditschek. in Vertretung des Herrn Präsidenten Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim der „Union österreichischer Jude.)*". Dr. Salomon Aschkinasy von der Agudas Israel. Dr. Nahum Blauer von der Sozialen Fürsorge der Kultusgemeinde sowie die Herren Prof. Julius Wolfsohn, Dr. Arnold Hildesheimer u. v. a. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Präsidenten wurde das Andenken der verstorbenen Mitglieder und Spender des Vereine;, geehrt, iusbesonders das des Ehrenmitgliedes des Vereines Herrn Komm.-Rat Job. K r e m enetzky. Hierauf erstattete der Sekretär des Hilfsvereines, Herr Dr. Wl. G r o s s m a n n den Bericht über die zehnjährige Vereinstätigkeit. Aus diesem Bericht geht hervor, daß in diesen verflossenen zehn Jahren der Verein S 116.289.17 an Bargeld den notleidender, russischen Juden in Wien auszahlt;, ierner eine großzügige Bcklcidungsaktion sowie eine Heizmaterialhilfe durchführte. Der Verein, der eine rein philanthropfschc Organisation darstellt, steht jedsr Politik ferne, wodurch er nicht nur die allgemeinen Sympathien der russischen Emigranten, sondern auch der Wiener Judenschaft erworben hat. Die sehr schwierige Arbeit des Hilfsvereines wurde von den Vorstandsmitgliedern in auf opfernder Weise, unterstützt durch zahlreiche Gönner, vollbracht, und gelang es, trotz verhältnismäßig geringer Zahl der Mitglieder, die Hilfe an die notleidenden russischen Juden in Wien in möglichst großzügiger Weise zu gewähren. Nach der Berichterstattung ergriff Herr Vizepräsident Dr. Löwenherz das Wort zu einer Rede, mit der wir uns bereits in einer früheren Nummer beschäftigt haben. Oberrabbiner Dr. Feuchtwane und Rabbiner Dr. Kaminka beglückwünschten den Vorstand des Vereines zu dem vollbrachten Werk und wünschte auch weiteres Gedeihen für den Hilfsverein. Zum Schluß dankte Herr Präsident Doktor Goldstern sämtlichen Rednern sowie allen Mitarbeitern, Mitgliedern des Vereines, Damenunc Jugend-Komitee sowie Spendern und Gönnern des Vereines. Der Verein „Rasche Hilfe", Wien IL. Josefinengasse 7, veranstaltet am 10. Dezember 1935, um Si Uhr abends, im Theater Reklame, |K, Pratersrraüe 34, eint; Wohltätigkeifcsvorstellung, deren Rejnerträgnis ausschließlich der Unterstützung arrisier Witwen und Waisen Dr. phil. Mfelwine Löwy Psychologische Sprechstunde von 2 bis 4 Uhr Er^ithungiberatuag uaif Erziel nm»hllfe to «hwforlgM Falte» Unterrichts- und Be$cbäJtlgijnrsnachmittaee für rernfähige. aber nicht schulfähige Kinder WIEN IX., LIECHTENSTEIN STRA8SE 81/6 rmmmmsem. i.LmmiMmmm^^mmjmMM.-.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.