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Die Wahrheit · 1935-12-06 · Heft 49 (6.12.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 49 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 49 — 6. Dezember 1935 Seite 5 Das Dementi des Herrn Dr. Goebbels. Die Frage nach dem Wert des Dementis, das das deutsche Reichspropägandamiriisterium betr. Anbringung jüdischer Namen auf Gefallenendenkmälern erlassen hat, beschäftigt wiederholt die Presse, und auch an uns werden immer wieder Anfragen deshalb' gerichtet. Wir haben unseren Standpunkt bereits mit aller Objektivität in unserer Nr. 45 wiedergegeben. Es besteht nicht die geringste Veranlassung dafür, diesen Standpunkt zu ändern. Das beweist auch ein Artikel aus „Der Deutsche in Polen" (für christliche Politik, Kultur und Wirtschaft), der . in seiner Nummer 45 vom 10. November eine durchaus zutreffende Darstellung der ganzen Angelegenheit gibt. „In ausländischen Blättern sind Meldungen verbreitet, denen zufolge das Propagandaministerium seine nachgeordneten Dienststellen angewiesen habe, die Namen im Kriege gefallener Juden von Kriegerdenkmälern und Gedenktafeln zu entfernen. Gegenüber diesen Meldungen wird amtlich festgestellt, daß eine solche Anweisung nicht ergangen ist." Diese Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros berührt höchst sonderbar. Es wird hier etwas dementiert, was gar nicht behauptet worden ist! In der Auslandspresse, so auch bei uns, ist nämlich nicht behauptet worden, daß das Propagandaministerium Anweisung gegeben habe, die Namen zu entfernen, sondern es ist behauptet worden, daß Namen von gefallenen jüdischen Kämpfern des Weltkrieges nicht mehr anzubringen seien. Nun hatte die Presse argumentiert: Neue Kriegsgefallenendenkmäler und Gedenktafeln dürften jetzt kaum noch errichtet werden, also werde man diesen Erlaß vermutlich so auslegen, daß man auf bestehenden Denkmälern, bzw. Tafeln die Namen der gefallenen Juden entferne. Das ist etwas ganz anderes, als Dr. Goebbels dementiert! Wenn etwas hätte dementiert werden sollen, dann hätte das Dementi etwa lauten müssen: 1. Eine Anweisung, die Namen gefallener Juden auf Gedenktafeln nicht zu veröffentlichen, ist nicht erteilt worden; 2. Es ist verboten, Namen gefallener Juden von Denkmälern und Gedenktafeln zu entfernen. Das wäre ein Dementi gewesen, das Sinn gehabt hätte, das ein wirkliches Dementi gewesen wäre, das wir begrüßt hätten. Aber ein solches D e m.e n t i' ist' nicht gegeben worden und konnte nicht gegeben werden, weil folgende Tatsachen vorliegen: 1. Unter dem 21. Oktober hat Reichspropagandaminister Dr. Goebbels einen Geheimerlaß herausgegeben — von dem behauptet wurde, er sei durch Indiskretion eines Beamten in die Oeffentlichkeit gekommen —, daß in Zukunft die Namen der jüdischen Knegsgeialienen aui Gedenktafeln u. dgl. nicht mehr anzubringen seien. 2: Es ist kein Verbot erlassen, das etwa den Gemeinden, Betrieben und Institutionen öffentlichen Rechtes verbietet, neue Gedenktafeln an Denkmälern u. dgl. zu errichten, auf denen die Namen der jüdischen Gefallenen fehlen. Nach dem unbestreitbaren und unbestrittenen Geheimerlaß würde diese letzte Möglichkeit sehr wohl bestehen können und es besteht für uns kein Zweifel, daß es Kreise gibt, die von ihr Gebrauch machen werden — vielleicht ganz im Stillen, ohne daß es zunächst jemand merkt. An diesen Tatsachen ist. nicht vorbeizukommen, sie werden auch durch das Dementi des Dr. Goebbels nicht berührt, das an der eigentlichen Sache völlig vorbeigeht und nur Oberflächliche befriedigen kann, denen wir die Absolvierung eines nationalsozialistischen Journal istenkurses in Berlin empfehlen, damit sie hinter die Kniffe der Propaganda des Dr. Goebbels kommen und einiges von diesem größten — sagen wir mal Reklamefachmann aller Zeiten etwas lernen. Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II., Taborstraße 12, Tel. B 46-5-5? *M»* Ausgiebige Brafen-MeaQs S 1.60 khi« „ Geflügel- „ S 2.20 \WJ Vorzügliche Zubereitung — Sehwechater Biere Naturweine. Einwanderungsmöglichkeiten in Südamerika. Der Leiter der Kommission für Wirtschaftsplanung bei der Executive der Jewish Agency, Dr. Arthur Ruppin, der nach einer Studienreise durch Südamerika nach Genf gekommen ist, um, wie an anderer Stelle gemeldet, der Expertenkommission des Völkerbundes seine Pläne vorzulegen, äußerte sich in einem der Jüdischen Telegraphen-Agentur gewährten Interview mit großer Zuversicht über die künftigen Möglichkeiten jüdischer Einwanderung und Niederlassung in den südamerikanischen Ländern. Ich habe, erklärte Dr. Ruppin, die wirtschaftlichen und kolonisatorischen Probleme in Argentinien, Brasilien und Chile studiert. Die südamerikanischen Länder sind reich an verschiedenen Naturschätzen, die bisher erst in geringem Ausmaß erschlossen sind. Vielversprechend sind auch die Aussichten in der Landwirtschaft mit Rücksicht auf die klimatischen Verhältnisse. Diese Länder sind jetzt im Begriff, sich schnell von der wirtschaftlichen Depression zu erholen, und werden in der künftigen weltwirtschaftlichen Entwicklung eine bedeutsame Rolle spielen. Wenn auch diese Länder, fuhr Dr. Ruppin fort, ■ zurzeit faktisch für die Einwanderung verschlossen sind, so besteht doch Grund zu der Annahme, daß die Einwanderungsbeschränkungen allmählich mit fort- Wien IL, Praterstraße 30 das Haus für elegante Wohnungseinrichtungen ja^^V k Bacher E Sdiwedenbrfldfc! BUCHHANDLUNG SCONCIDCRAC* Wien I., rranz Josels-Kal? Reichste Auswahl neuer Bücher bester Autoren von 20 tf. 30 g und 50 g aufwärts Katalog gratis! schreitender wirtschaftlicher Gesundung werden aufgehoben werden. Die Juden aus Deutschland, von denen einige Tausend sich bereits in diesen Ländern niedergelassen haben, passen sich den Lebensverhältnissen ziemlich leicht an und finden ihren Platz in den Wirtschaftssystemen der Länder. Die in den südamerikanischen Ländern lebenden Juden polnischer und anderer Herkunft sind ebenfalls mit ihrem gegenwärtigen Schicksal zufrieden. Neuen Siedlern bieten sich in den südamerikanischen Ländern zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, doch werden gut ausgebildete erfahrene Handwerker vermutlich besonders gern aufgenommen werden. Dr. Ruppin, der während seines Aufenthaltes in Südamerika wichtiges Material über die dortigen Verhältnisse gesammelt hat, arbeitet jetzt einen umfassenden Bericht über die Aussichten jüdischer Einwanderung nach Argentinien, Brasilien und anderen südamerikanischen Gebieten aus. Es ist von großem Interesse und symptomatischer Bedeutung, daß der alte, erfahrene Z i o n i s t Dr. Ruppin die Einwanderungsmöglichkeiten außerhalb Palästinas so optimistisch beurteilt und nicht wie manche Jüdischnationale bloß Palästina für die Einwanderung in Betracht zieht. Er liefert damit einen Beweis für die Richtigkeit der Ansicht jener, die wirtschaftliche und politische Bedenken gegen die These „Nur Palästina als Auswanderungsland" haben. Nur kurze Zeit hat die Fragestellung „Palästinawanderung oder Uebersee?" gelautet, die jetzt die Antwort „Palästina und Uebersee" gefunden hat. Denn es steht außer Frage,, daß das Tempo, in dem die Aufnahmefähigkeit Palästinas' gesteigert werden kann, mit der Zahl der Auswanderungswtlligen seit langem nicht mehr Schritt hält. Die Jugend-Union, die Jugendgruppe der „Union österreichischer Juden" veranstaltet Samstag, den 7. d. M., um ^9 Uhr abends, fm Festsaal des Cafe de France, I., Schottenring 3, eine gesellige Zusammenkunft m i t T a n'z. Gäste willkommen! Greuel aus der braunen Hölle. Dr. Wilired Bade, der vom Propagandamini sterium in das Exekutivkomitee der Olympiade delegiert wurde, hat alle Hausfrauen in Berlin, die Zimmer zur Vermietung an Gäste der ü 1 y in p i a d e bei der Behörde angemeldet haben, ersucht, besonders für sie eingerichtete P r o pi'gandakurse zu besuchen, in denen sie unterwiesen werden, wie sie unter ihren ausländischen Mietern nationalsozialistische Propaganda betreiben, u. a. ihnen die Bedeutung der N ürnberger Judengesetze erklären sollen. Den Berliner Juden wurde behördlicherseits das Benutzen der städtischen und sonstigen öffentlich zugänglichen Schwimmbäder verboten: ein einziges kleines Schwimmbad steht ihnen an Samstagen zwischen 6 und 8 Uhr abends offen. Die etwa 5000 jüdischen Sportler Berlins sind somit jeder Möglichkeit zu Schwimm-Training beraubt. Nach Erlaß der Ausrühntng.sbestimmungen zum Reichsbürgergesetz hat der R e i c h s t i n a n zminister nunmehr die Bestimmungen über Kinderbeihilfen an kinderreiche Familien den neuen Vorschriften angepaßt. Jeder Anwärter aui eine Kinderbeihilfe muß jetzt durch Erklärung versichern, daß ihm nichts bekannt sei, woraus geschlossen werden könnte, daß der Vater oder die Mutter eines der Kinder, iür die Beihilfen beantragt sind, von mehr als zwei voltjüdisdien Großeiternteilen abstammen oder nach den gje s e t z 1 i c h e n Bestimmungen als Juden gelten oder gegolten haben. Im amtlichen Berliner Polizeiorgan ..Der deutsche P o I i z e i b e a m t e" werden Richtlinien zu Paragraph 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes gegeben, nach welchem der Polizei die Abwehr von Gefahren obliegt, durch die die öffentliche Sicherheit und Ordnung bedroht wird. Einige dieser Richtlinien lauten: Wenn ein deutsches Mädchen rn öffentlichen Lokalen mit einem Juden zusammen sitze, liege ein Verstoß gegen völkisches Empfinden und somit gegen die öffentliche Ordnung vor. Unanständiges Tanzen sei als Verstoß gegen die Rassenehre polizeiwidrig. Beim Verkauf deutschen Grundbesitzes an Juden durch arische R e i c h s a n g e h ö r i g e könne die Polizei einschreiten, wenn der Grundbesitz als wesentlicher Teil des deutschen Volksvermögens zu betrachten ist. — Diese „Richtlinien" sind bei einer Polizei nicht verwunderlich, deren Präsident nun endgültig — Graf H e 11 d o r f ist. Die „R e i c h s p o s t" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über den Fortgang der Ausschaltung der Juden aus der deutschen Wirtschaft und teilt u. a. mit. daß in einzelnen Gegenden Deutschlands, wie z. B. in Hessen und Pommern, bereits 40 bis 50 Prozent sämtlicher jüdischen Geschäfte in arische Hände übergegangen sind. Daneben gibt es auch viele Kleinstädte, in denen die letzten Reste jüdischer Geschäftstätigkeit liquidiert sind. Daher auch die Tatsache, daß jüdische Kultusgemeinden ihre Synagogen zum Verkaufe anbieten müssen. Auch innerhalb der Industrie haben in den letzten Wochen Besitzänderungen zu Ungunsten des Judentums stattgefunden. Die Frage der Beschaffung des notwendigen Finanzkapitals auf arischer Seite ist durch Gründung der Auffanggesellschaften leichter zu lösen. Die andere Frage aber, nämlich die Frage, was mit den Juden geschehen solle, ist etwas (?) schwieriger. Das Blatt verweist auf das Projekt der Gründung einer internationalen Transferbank, mit deren Hilfe die jüdischen Kapitalien ins Ausland transferiert werden sollen. Man könne sich jedoch nicht verhehlen, daß auch dieser Transfer mit Vermögensverlusten für das Judentum verbunden sein würde. ,,Ihr Menschen*' Professor Ludwig Köhler von der Universität Basel hielt vor einer zahlreichen geladenen Hörerschaft am 17. November einen Vortrag über Geschichte und Wesen des Judentums und seine Verfolgungen. Der Vortrag des angesehenen Gelehrten schloß: „Wir Nichtjuden schämen uns namenlos für unsere .Blutsgenossen' und hoffen für sie, das Judentum und alle Menschheit, daß eine Stimme von oben uns wieder einmal vernehmlich zurufe: Ihr Menschen!"

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