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Die Wahrheit · 1935-12-06 · Heft 49 (6.12.1935) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 49 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 49 — 6. Dezember 1935 DIE WAHRHEIT WIEN II.. Praiersfroße Telepftan D 47-4-4» Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. daß kein der derzeitigen Funktionsperiode ange höriger Kultusvorsteher sich um diesen Posten bewerben dürfe. Es wäre allerdings zielführender gewesen, wenn der erwähnte Zionist seiner Ansicht dadurch Nachdruck verliehen hätte, daß er den Beschluß durch seine Abwesenheit vereitelt hätte. Von den Unionisten wurde schließlich betont, daß sie sich vollkommen im klaren darüber befinden, daß hier Argumente und Vor Ii alte nichts nützen. Bestimmt und beschlossen sei die Ernennung des Dr. Löwen herz, und wenn man noch so eindringlich und in noch so beredten Worten alle Argumente vorbringe, die gegen eine Bestellung eines Parteimannes zum obersten Beamten der Kultusgemeinde sprechen, so sei dies vollkommen wirkungslos. Obwohl diese Ueberzeugung vorliege, halten die Unionisten sich doch für verpflichtet, der Mehrheit vor Augen zu iühren, daß sie diese altehrwürdige Kultusgemeinde in ihrem Ansehen auf das schwerste schädige, wenn sie ihre A b s i c hfen verwirkliche. Diese Gemeinde, deren Verwaltung ein Muster an Reinheit und Sauberkeit war. habe gerade, weil Juden allein und ausschließlich diese Verwaltung ihrer Gemeinde führen, die ganz besondere Pflicht, die ihr vom Gesetz eingeräumte Autonomie in der Weise zu wahren, daß sie, trotzdem sie selbständig ihre Angelegen Ii eiten verwaltet, jeder Kritik standhalten kann. Gerade die Israelitische Kultusgemeinde muß so geführt und so verwaltet werden, daß niemand, wer es auch immer sei, gegen dieselbe Vorwürfe erheben könne. Und deshalb müsse man sagen, daß das, was hier geschieht, dem Ansehen der Kultusgemeinde schwer abträglich sei. Das Ansehen werde nicht nur in den Augen der Juden, sondern auch in den Augen der Nichtjuden herabgesetzt. Seitdem die Kultusgemeinde besteht, sei es noch nicht geschehen, daß ein von der jüdischen Bevölkerung frei gewähltes Vorstandsmitglied, das noch überdies zu dem Ehrenamte des. Vizepräsidenten berufen wird, dieses bisher angesehene hohe Ehrenamt einfach wegwerfe, um dafür eine bezahlte Stelle bei der Kultusgemeinde in Empfang zu nehmen. Die Unionisten würden sich in ihrem Gewissen schwer bedrückt erachten, wenn sie in dieser letzten Stunde nicht ihre warnende Stimme erheben würden, um das zu sagen, was sie auf dem Herzen haben, auch wenn es erfolglos sein sollte. Der Antrag der jüdischnationalen Majorität, die öffentliche Ausschreibung dieser Stelle vorzunehmen, wurde mit 15 jüdischinationalen Stimmen gegen 11 unionistische angenommen. Hiebei stimmte der jüdischnationale Zionist Dr. P1 a sc h k e s mit der Majorität, da auch er für die Ausschreibung war. Sein Zusatzantrag, daß die Nachsicht der Altersgrenze, welche durch das Statut festgelegt ist, in der Ausschreibung weggelassen werde, wurde von der jüdisohnationalen Majorität m i t 14 gegen 12 Stimmen — also mit zwei Stimmen Majorität! — abgelehnt, ebenso der Zusatzantrag, daß sich Kultusvorsteher dieser Funktionsperiode um dieses Amt nicht bewerben dürfen. Sämtliche jüdischriationalen Kultusvorsteher, mit einer Ausnahme, lehnten diesen Zusatzantrag ab. Die unionistischen Kultusvorsteher stimmten selbstverständlich für diesen Zusatzantrag. So wurde dem Dr. Löwenherz die' Möglichkeit gegeben, sich um die Stelle des Amtsdirektors zu bewerben und sie zu erhalten. Als Endfrist für die Ausschreibung, bis zu welcher die Gesuche einzureichen sind, sollte nach Vorschlag des Präsidenten Dr. Friedraann der 9. Dezember festgesetzt werden. Dies war selbst den jüdischnationalen Kultusvorstehern eine zu kurze Frist und so wurde diese bis zum 16. Dezember verlängert. Es ist auch hieraus offenkundig, .daß die Frist nicht den Zweck haben soll, geeignete Bewerber ausfindig zu machen, sondern nur um den Schein zu erwecken, als ob diese Stelle schon zur freien Bewerbung ausgeschrieben sei. Wie man ein derartiges Vorgehen, das die Täuschung der Oeffentlichkeit bewirken« soll und die Bewerber irreführt, nennt, soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Dieser Tag wird ein in der Geschichte der Wiener Kultegemeinde denkwürdiger sein. Die jüdischnationale Majorität hat der in den drei Jahren ihrer Amtsführung durch ihre Parteiherrschaft bewirkten Schädigung des Ansehens der Gemeinde die Krone aufgesetzt. Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmiihlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Ausländer fühlen sich in Deutschland nicht sicher*'. In Deutschland weilte in diesen Tagen William Citron, jüdisches Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika, um die Lage der Juden in Deutschland im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Berliner Olympiade 1936 zu studieren. In einem Gespräch mit dem Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärte Congressanan Citron, er habe feststellen können, daß im deutschen Sport eine rücksichtslose Diskriminierung gegen die Juden betrieben wird und daß jene A-merikaner recht haben, die entschieden ein Fernbleiben Amerikas von der Berliner Olympiade fordern. (Zu diesen einsichtigen Amerikanern gehört auch der New Yorker Bürgermeister La Guardia, der jüngst in einer gewaltigen Kundgebung gegen die Beschickung der Olympiade durch Amerika sprach. D. Red.) Citron kündigte an. er werde nach seinem Wiedereintreffen in Amerika eine Konferenz von Mitgliedern des Kongresses einberufen und ihnen eine genaue Schilderung dessen, was er in Deutschland gesehen und erlebt hat, geben. Das, was heute den deutschen Juden angetan wird, fuhr Citron fort, ist schlechthin Raub. Man zwingt die Juden durch Terror, ihre Unternehmungen für einen Pappenstiel zu verkaufen, und ertaubt ihnen nicht einmal, die paar erhaltenen Groschen in Deutschland selbst auf rationelle Weise zu verwenden. Während seines Aufenthaltes in Berlin hielt Congressrnan Citron mit dem amerikanischen Botschafter Mr. Dodd und den anderen Mitgliedern der Botschaft, sowie mit den Mitgliedern der amerikanischen konsularischen Vertretung in Deutschland Beratungen ab. Ich verlasse Deutschland, sagte Citron, mit dem Eindruck, daß hier nicht nur Juden deutscher Staatsangehörigkeit, sondern auch Ausländer, auch Juden amerikanischer Staatsangehörigkeit, verfolgt werden. Amerikanische Filme, die von Juden inszeniert sEnd oder in denen jüdische Künstler mitwirken, ja sogar solche Filme, deren Manuskripte von Juden stammen, dürfen in Deutschland nicht zur Vorführung gelangen. Schon allein dies bedeutet eine schwere Diskriminierung amerikanischer Juden und eine Schädigung der amerikanischen Hand elsin ter essen. Ein Ausländer, schloß Citron, kann sich in Deutschland durchaus nicht sicher fühlen. Ich habe Beweise dafür, daß man zum Beispiel mir während meiner ganzen Anwesenheit in Deutschland nachspioniert hat. Ich bin überzeugt, daß, wenn ich nicht meinen Paß als Mitglied des amerikanischen Parlaments bei mir getragen hätte, ich im Dritten Reich verschiedenen Unannehmlichkeiten ausgesetzt gewesen wäre. Gebete für Rabbiner nnö Kantoren bei Leichenbegängnissen Kantorale Rezitative Responsen und Chorgesänge bei Leichenbegängnissen von Salomön Salz er und dessen. Bild mit Unterschritt im kleinen Format) Zu beziehen durch den Heraasgeber Max Sdiwager, IL, Zirkusgasse Nr. 50 Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Eingehende Informationen iür jedes Mitglied der »Union" unentgeltlich, Wien I„ Kohlmarkt 8,1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10 —12 Uhr vormittags. Eine Nazi-Mystifikation. Einige Mitglieder der „U n i o n" haben sich an deren Leitung mit der Mitteilung gewandt, daß ihnen dieser Tage in einem geschlossenen Kouvert ein hektographiertes Schreiben zugekommen ist, in dem sie ein ungenannter „Amtswalter" der „Vaterländischen Front" mit Rücksicht auf verschiedene angebliche judenfeindliche Vorkommnisse innerhalb dieser Körperschaft vor einer Beteiligung am Winterhilfswerk der Bundesregierung warnt. Obwohl von vornherein klar war, daß es sich hier um eine von staatsfeindlicher Seite ausgehende Mystifikation handle, hat die „Union" dennoch der zuständigen Stelle der „Vaterländischen Front" eine Anzeige erstattet und dort die authentische Information erhalten, daß das erwähnte Zirkular von nationalsozialistischer Seite ausgehe und den Zweek verfolge, daia im Interesse der notleidenden Bevölkerung Oesterreichs so unterstützungswürdige Winter hilfs werk der Bundesregierung zu schädigen. Die in dem Zirkular angeführten Behauptungen sind durchwegs erlogen, der Bundesregierung wie der „Vaterländischen Front" liegt eine Tendenz, wie sie ihnen in diesem Schreiben angedichtet wird, durchaus fern; das beweisen die Erklärungen des Herrn Bundeskanzlers Dr. S c h u <s c h n i g g: „Oesterreich ist ein Staat vorbildlicher Toleranz!" und des Herrn Sozialministers Dr. Dobretsberg e r, der gegenüber der Abordnung jüdischer Aerzte betonte, daß er kein Antisemit sei. Erwähnenswert sind ferner die großzügigen Spenden der „Vaterländischen Front" für das Ferienwerk der Wiener Kultusgemeinde, sowie des Herrn Bundeskanzlers für die Winterhilfsaktion der Kultusgemeinde. Diese Worte und Taten genügen, um die Absurdität der Behauptungen in dem erwähnten Zirkular zu entkräften, das sicherlich von allen seinen Empfängern die Behandlung finden wird, die es verdient: in den Papierkorb! Denn vor allem gilt diesbezüglich das kürzlich gesprochene Wort unseres Bundeskanzlers: „Ich glaube, es wäre schon ein besonderer Grad schier unvorstellbarer Verblendung, wenn die Gelegenheit, eine Aktion wie diese zu unterstützen, vom Standpunkt der politischen Meinung beurteilt werden sollte. Weg mit den jüdischen Briefmarken! Der Terror im Dritten Reich erstreckt sich auch auf die kleinsten Dinge. Daß man aus einem Werk Sven Hedins eine Stelle herausgestrichen hat, an der er dankbar eines jüdischen Arztes gedenkt, der ihm das Leben gerettet hat, ist nach allem, was man von dem Respekt, den man im Dritten Reich vor der Freiheit des Geistes hat, begreiflich. Daß sich nun aber die Judenverfolgung auch auf — Briefmarken ausdehnt, ist des Guten denn doch zu viel. In Luxemburg wurde zugunsten intellektueller Emigranten eine Briefmarkenserie herausgegeben, worüber wir übrigens seinerzeit berichtet haben. Nun sind vor kurzem, wie „Der Morgen" berichtet, die iteuen deutschen Briefmarkenkataloge Michel. Senf und Froede für das Jahr 1936 erschienen. Bis jetzt waren diese Kataloge für jeden Philatelisten unentbehrlich, weil sie mit deutscher Gründlichkeit wirklich alle Erscheinungen auf dem Gebiete der Philatelie registrierten. Aber der Naziterror räumt mit deutscher Gründlichkeit auf. Obgleich diese luxemburgische Serie noch heute an den luxemburgischen Postschaltern verkauft wird, die Marken zur. Freimachung nach diem_In-_und Ausland, auch nach dem Deutschen Reich gültig sind, sind'sie iri keinem der angeführten Kataloge zu finden. Man hat den deutschen Katalog-Herausgebern bei hoher Strafe, nötigenfalls bei Geschäftseinstellung gedroht, diese Marken zu erwähnen. Da der schweizerische Zumstein-KataloK (Zürich), der französische „Yvert" und der englische „Scott" sowie andere internationale Preisbücher diese Serie selbstverständlich katalogisiert haben, sind die deutschen Kataloge dadurch in ihrer Bedeutung als Standardwerke bedeutend herabgesunken. Der Welt aber wurde wieder einmal bewiesen, daß im Dritten Reich Freiheit des Geistes keinen Platz mehr hat. Nicht einmal soviel, wie der Flächeninhalt einer Briefmarke. BeziehetundVEFbFeitBtDieHahFliBit!

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