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Die Wahrheit · 1935-12-06 · Heft 49 (6.12.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 49 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 49 —: 6; Dezember 1935 Seite Herrenkleidersalon S. FROST HL, Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die jetzige Saison die schönsten Maßanzüge und Winterröcke in den herrlidisten Dessins Billigste Preise Feinste Ausführung Garantierte Paßform vielen Hauptstädten inner- und außerhalb Europas ein mehr oder minder gern gesehener, gewöhnlich wohl auch unbequemer Besucher gewesen ist, daß das Problem selbst aber durch seine Tätigkeit einer Lösung nicht entgegengeführt worden ist. Zwei veraltete Methoden trafen zusammen und bewirkten, daß die Zahlen in dem Bericht, den MacDonald jetzt in Genf vor der Expertenkommission des Völkerbundes erstattet hat, Reisekilometer und Unkosten, aber nicht erfolgreich angesetzte Auswanderer bedeuten. Die Methoden MacDonalds folgten einmal zu sehr den ausgetretenen Pfaden der G e h e i m d ip 1 o m a t i e. Ein Problem, das so offen von aller Welt diskutiert wird, brauchte nicht in internen Aussprachen mit den Einzelregierungen behandelt zu werden, die alle in diesem bewegten Jahrzehnt hre Aufmerksamkeit lieber ihnen vordringlicher erscheinenden Aufgaben zuwandten als diesem. So blieb schließlich jeder Regierung als Entschuldigung, daß der Nachbarstaat, den MacDonald dann besuchen würde, eine positivere Antwort erteilen werde. Man entlastete das Gewissen wegen des .Nein" durch Sympathieerklär ungen, die sehr viel Rühmendes und Ehrendes über uns Juden enthielten, aber kaum einem deutschen luden eine Existenz schufen. Der zweite Faktor, der den negativen Ausgang der Arbeit des Oberkommissariats verschulden mußte, war. daß man an Stelle eines konstruktiven Planes für brauchbare und arbeitsfähige Menschen den Fürsorgegedanken unterstrich. Zwar ist ganz allgemein innerstaatlich die Armenpflege zur Wolilfahrtspolitik gewandelt worden. Aber anscheinend kam im Oberkommissariat niemand auf den naheliegenden Gedanken, als richtig erkannte innerstaatliche Grundsätze auf eine Aufgabe anzuwenden, die über die Grenzen eines Landes, ja sogar eines Kontinents hinausragt. Denn es handelt sich ja nicht nur um die Versorgung derjenigen, die bis nun der braunen Hölle entronnen sind und nun fremdländische Wohlfahrtseinrichtungen und Fremdenpolizei und Ausweisungsstellen beschäftigen. Es muß vielmehr der Auswanderungsdruck Berücksichtigung finden, der auf den Juden innerhalb Deutschlands immer lastender ruht. Wenn die Tätigkeit MacDonalds nachträglich eine Rechtfertigung und Begründung erhalten soll, so liege sie allenfalls darin, daß man wohl allgemein und endgültig gelernt hat, wie man es n i c h t machen soll und wie es nicht geht. Die Berichte der Sachverständigen, die dem Völkerbund im Jänner 1936 vorgelegt werden sollen, werden ohne Frage die negativen Erfahrungen MacDonalds berücksichtigen und feststellen, daß die klügsten akademischen Analysen des Problems wertlos sind, daß vielmehr eine vielleicht ungewöhnliche, aber praktische und umfassende Konstruktion gefunden werden muß. Hoffen wir, daß die jetzigen Genfer Beratungen eine solche Konstruktion finden, die wertvollen, arbeitsfrohen Menschen neue Lebensmöglichkeiten erschließen. Die Juden Deutschlands waren nie' Ahnosenempfänger. Sie wollen auch keine Wohltätigkeit, sondern L e b e n s r a u m. Sie sind zu dieser Haltung berechtigt, weil sie sich ihrer Fähigkeiten, ihres Fleißes und ihrer Intelligenz bewußt sind, und weil sie wissen, daß sie in die Länder, die ihnen zur neuen Heimat werden sollen, wertvolle Wirtschaftskräfte und -Beziehungen mitzubringen vermögen. illl!llll!!!ll!l!lll!ll!l!l!l!lllllllllllll!iil!lllli!l!lll1ll!!!IIHIlUa!!!!!ll!llffl IEPHRUSSI & CsJ H Gegründet 18S6 §| 1 Bonk^esdittKe «alter Art 1 H Abteilungen für Wertpapiere und Devisen §j H Wien IX., Wasagasse Nr. 2 =j Wie Löwenherz Amisdirektor werden soll. Mit zwei Stimmen Majorität! Die von der jüdischnationalen Majorität beabsichtigte und beschlossene Bestellung ihres prominentesten Parteiführers, des Herrn Dr. Löwe nh e r z, zum Amtsdirektor und Ersten Sekretär der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde wird so durchgeführt, wie wir es vorausgesagt haben. Die erste Plenarsitzung, welche die öffentliche Ausschreibung dieses Postens beschließen sollte, war beschlußunfähig. Die unionistischen Kultusvorsteher haben durch ihren Obmann. Herrn Oeza K1 i n g e r, gleich bei Beginn der Sitzung den Antrag gestellt, diesen Punkt, nämlich die öffentliche Ausschreibung der Stelle des Ersten Sekretärs von der Tagesordnung abzusetzen, und als dieser Antrag von der Majorität abgelehnt wurde, haben sie zum Zeiclien des Protestes die Sitzung verlassen, welche dadurch beschlußunfähig wurde. Die zweite Sitzung, deren Tagesordnung unter anderem auch die Beschlußfassung über diesen Gegenstand enthielt, behandelte denselben nicht, da der Präsident die Erklärung abgab, daß er mit Rücksicht auf die Abwesenheit des Herrn Dr. P1 a s c h k e s, welcher sich in der Trauerwoche um seinen Vater befand, diesen Gegenstand absetze. Der Präsident war sich darüber im klaren, daß die Abwesenheit des Herrn Hr. Plaschkes die Verhandlung und Beschlußfassung über diesen Gegenstand verhindere, wenn die unionistischen Kultusvorsteher abermals durch ihren Abgang aus dem Sitzungssaale die Sitzung beschlußunfähig machen. So fand denn endlich am 27. NQ^gmbe/ jene denkwürdige Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt, in der zum Beschlüsse erhoben wurde, daß die Stelle eines Amtsdirektors und Ersten Sekretärs er Kultusgemein,de öffentlich ausgeschrieben erde, ein Beschluß, der eineoffensichtliphe äuschung der Oeffentlichk^eit beinhaltet, da bei Ausschreibung einer Stelle erst unter den Bewerbern nach Einlangen ihrer Gesuche die Wahl zu treffen ist, während im vorliegenden Falle gar kein Hehl daraus gemacht wird, daß Dr. Löwen herz der Bestellte sein wird. Die Parteiherrschaft der derzeitigen Majorität in der Kultusgemeinde hat es mit sich gebracht, daß die Fassung von Beschlüssen über die Besetzung von Posten nicht auf Grund von Argumenten und Gegenargumenten, die in einer Sitzung vorgebracht werden, erfolgt; die jUdischnationale Partei beschließt außerhalb des Kultusvorstandes, was zu geschehen habe, lud alle Reden und Gegenreden sind zwecklos. Es wird tauben Ohren gepredigt, Barrierestöcken, die schon vor der Sitzung von dem Zionistischen Landeskomitee oder den Vertrauensmännern darüber Weisung erhielten, wie sie abzustimmen haben, und dieser Weisung entsprechen, auch wenn die Stimme ihres Gewissens noch so laut dagegen sprechen würde. Gegen die als einzigen Punkt;mf der Tagesordnung der vertraulichen Sitzung stehende Ausschreibung sollen die unionistischen Kultusvorsteher der Majorität traurige Wahrheiten gesagt haben, die sie sich leider nicht hinter den Spiegel schreiben wird. In eindringlichen und ernsten Worten wurde unter anderem gesagt, daß diese Ausschreibung eine Farce sei, weil kein anderer die Stelle bekommen könne als Dr. Löwenherz, daß Leute hiedurch zur Bewerbung veranlaßt werden könnten, obwohl von vornherein feststehe, wem die Jüdischnationalen diese Stelle geben werden. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Amtstätigkeit des Ersten Sekretärs in allgemein belobter Weise von Herrn Engel versehen werde und daß dieser jetzt nur deshalb nicht bestellt werden sott, weil eben Dr. Löwenherz „in dieses Gebiet eindringen wolle". Selbst eine Bewerbung unseres Lehrers Moses wäre aussichtslos, Dr. Löwen- Iierz würde trotzdem bestellt werden. Von den Jüdischnationalen werde jetzt zugegeben, dall die Bestellung des Moses Rath zum BibliptUeJcar ein F e h re r gewesen sei. Trotzdem verfallen sie jetzt in einen noch gr58eVei» f efcler. indem sie die ISatlgan Verfärbung«« ach atzt O DO L-Zahnpasta Ihr» Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpaata (nacht Zähne wie Perlen I VffWjf1»»' ffsn ■ Kleine Tuba S — SO Große Tuba 3 1.40 Kuliusgemeindc mit der Versoisungsunstalt verwechseln. In schaden Worten wurde der Kuhhandel gegeißelt, der mit dem Ehrenamt eines Vizepräsidenten getrieben werde, indem Oberbaurat Stricker, der wegen seiner areligiösen Einstellung zu Jiesem Amte absolut nicht geeignet sei. diese Vizeprä- ■identenstelle nur ueshalb erhalte, weil ohne ihn und .;;egen ihn die Bestellung des Dr. Liiweuherz zum Amtsdirektor unmöglich ist Es wurde insbesondere auch daraui verwiesen, dai! es in einer Organisation nicht anständig sei, ein der artiges wichtiges Amt mit einem Parteigänger gegen den Willen einer großen Minorität zu besetzen. In der Rechtsanwaltskammer ist die Bestellung eines Sekretärs schon deshalb unterblieben, weil, trotzdem gegen den hiefür in Betracht kommenden Anwalt gar keine Bedenken vorgebracht werden konnten, der Präsident der Kammer diese Bestellung, obwohl er sich auf einen Majoritätsbeschluß stützen konnte, abgelehnt habe, da ihm diese Majorität in einer Personalfrage zu gering schien. In der Kultusgemeinde aber hat der objektiv und unparteiisch sein sollende Präsident der Kultusgemeiiide nur durch seine Stimme den Beschluß des Vertreterkollegiums zustande gebracht, daß die Stelle ausgeschrieben werden solle, um seinem persönlichen Parteifreunde Dr. Löwenherz diese Stelle zu verschärfen. Im Vertretelkollegium hatten fünf unionisiische Knltusvorsteher gegen die Ausschreibung gestimmt, für welche nur vier Stimmen jüdischnationaler Mitglieder des Vertreterkollegiums abgegeben worden waren. Der Präsident hat zu diesen vier Stimmen seine Stimme hinzugefügt und mit seiner Stimme, welche als Präsidenten- Stimme doppelt zählt, zugunsten der Au s- Schreibung d i r i m i e r t. Ein Präsident, der zu diesem Amte mit allen Stimmen gewählt wurde, indem damals die unionistischen Kultusvorsteher der Erklärung glaubten, daß er sich größter Objektivität befleißigen werde. Es soll auch dargelegt worden sein, welche Summe die Bestellung eines 52jährigen Mannes, der doch mit Pcnsionsfähigkcit ausgestattet werde, die Gemeinde kostet Auf Grund eingeholter Gutachten und Zugrundelegung des Soziaiversicherungsgesetzes wurde eine Ziffer von S 300.000 festgestellt. Gegen diese unwiderleglichen Argumente bemühten sieh die Wortführer der Zionisten vergeblich, eine Sache zu verteidigen, die nicht verteidigt werden kann. Man beschränkte sicii darauf, dein Präsidenten der Gemeinde, dem vorgeworfen worden war, daß er im Vertreterkollegium zugunsten der iüdischnationalen Majorität dirimiert hätte, dahin zu verteidigen, daß man erklärte, daß die unionistischen Kultusvorsteher vier Vertreternir.ndate eingeräumt erhalten hätten, während ihnen nur drei gebühren würden, und vermeinte offenbar, daß bei einer anderen Verteilung der Vertreterinandate der Präsident nicht in der unangenehmen Lage wäre, dirimieren zu müssen. Aber davon sprach man nicht, wieso es komme, daß der Präsident immer zugunsten seiner Partei dirimiere. und davon sprach man auch nicht, daß die Einräumung der vier Vertretermandate auf Grund eines Vertrages erfolgte, gemäß welchem die Unionisteii einhellig den Präsidenten wählten und auf die von ihnen stets innegehabte Obmannstelle in der Unterriehtskommission verzichteten, daß also die Einräumung des vierten Vertretermandate.s nur auf Grund eines von den Unionisten im Interesse des Friedens gebrachten Opfers geschehen war. Daß inzwischen Herr Moses Rath, von dem die jüdischnationale Majorität erklärte, daß sie ihn unbedingt zum Obmann der Schulkommission machen wolle, weil nur durch ihn die jüdischen Kulturinteressen gefördert werden könnten, mit dem Amte eines Bibliotheksdirektors betraut wurde, auch davon wurde nicht gesprochen. Ein einziger jüdischnationaler Ziuiiist. Herr Doktor Plaschkes, legte in eindringlichen Worten dar. daß die Bestellung des Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor unstatthaft sei. Er erklärte ausdrücklich, daß Doktor Löwenherz dann nur der bezahlte Vizepräsident sein werde und daß ein derartiger Vorgang nie in der Kutusgemeinde geübt worden sei; er sei für die Ausschreibung der Stelle, weil dies eine Forderung des zionistischen Programmes bedeute, daß jede Stelle auszuschreiben wäre, verlangte aber ausdrücklich, daß aus der Ausschreibung die in dieselbe bezeichnenderweise aufgenommene Altersdispens — es darf kein neu zu bestellender Beamter der Kultusgemeinde laut Inhalt des Statutes das 40. Lebensjahr überschritten haben gestrichen werde, und verlangte insbesondere den Zusatz.

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