Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 48 (29.11.1935)
- Date
- 1935-11-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064555-3064602--20467-3085715- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEST Nr. 48 — 29. November 1935 Seite 7 GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE t XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungetifürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Polizisten, zwei davon schwer. Einige Zeit darauf erfolgte ein zweiter Angriff auf die Polizei an der Eisenbahnstation, hiebe; wurden drei Polizeiwagen zerstört. Außerdem wurden die* Fensterscheiben einer jüdischen Glasfabrik eingeworfen und verschiedene jüdische Autos beschädigt. Dabei wurde ein Auto-Insasse schwer verletzt. In englischen und jüdischen Kreisen, ja sogar in den Kreisen der arabischen Kaufmannschaft, ist man erstaunt darüber, daß die R e g i e r u n g die offene politische Hetze der arabischen Presse anläßlich der Unschädlichmachung der Räuberbande zuläßt. Man fragt sich auch, warum die Erlaubnis zur Abhaltung eines öffentlichen Begräbnisses für die getöteten Bandenmitglieder erteilt wurde. Dieses Entgegenkommen habe die großen antienglischen Kundgebungen und Unruhen in Haifa ermöglicht, denen englische Polizisten zum Opfer fielen. Während einerseits die arabische Tageszeitung „Feiestin" auf einie Verbindung des Bandenchefs Scheich Ezz Din mit kommunistischen Kreisen hinweist, setzt die arabische Presse anderseits ihre Kampagne zur Verherrlichung der Aufruhrer fort und erklärt: „Wenn die Getöteten Räuber waren, dann sind wir alle Räuber." Gegen den Palästina-Transfer. Der palästinensische Landesverband der Neuen Zionistischen Organisation hat am 18. November eine Kampagne gegen das Transfer-Abkommen Deutschland—Palästina und für Einhaltung des strengsten Boykotts deutscher Waren eingeleitet. Im ganzen Lande wurden öffentliche Kundgebungen angesagt, in denen die jüdische Bevölkerung Palästinas zum Boykott Hitler-Deutschlands aufgerufen werden wird. In Bologna studierende jüdisch-ungarische Studenten wollen zur ostafrikanischen Armee. Wie der ,.P e s t e r Lloyd" meldet, hat im Namen der an der UniversitätBologna studierenden ungarischen Hörer, die sich fast ausnahmslos aus Juden rekrutieren, die infolge des Numerus clausus an ausländischen Hochschulen ihr Doktorat machen müssen, der Mediziner Tibor Sonnenfeld an Mussolini eine Depesche folgenden Inhalts gerichtet: „In den schweren Stunden der Heimsuchung des italienischen Brudervolkes gestatten Ew. Exzellenz, daß wir in Bologna studierenden ungarischen Universitätshörer unserem aufrichtigen Mitgefühl Ausdruck geben und zum Beweise dessen als Freiwillige unsere Einteilung nachOsta f r i k a «>r b i 11 e n. Duce! Dies ist unser innigster Wunsch!" Vom Rektor Prof. Ghigi wurde den Studierenden im Auftrage des Präfekten der wärmste Dank und die Anerkennung des Ministerpräsidenten für diese Solidair itäitskundgebung verdolmetscht. Die italienische Presse veröffentlichte den Depeschenwechsel und knüpfte hieran sehr ungarnfreundliche Kommentare. Auszeichnungen österreichisch-jüdischer Gelehrter. Universitätsprofessor Hofrat Dr. Josef S c h e y wurde wegen überragender Verdienste um die österreichische Rechtswissenschaft und Rechtspflege zum Ehrendoktor der Wiener Universität ernannt. Die spanische Medizinische Akademie wählte den Wiener Universitätsprofessor Dr. Moritz Oppenheim zum Ehrenmitglied. Bernhard S. Deutsch gestorben. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung von New York, Bernard S. Deutsch, bis vor kurzem Präsident des American Jewisli Congress, erlag im Alter von 51 Jahren einem Herzschlag. Die Beisetzung erfolgte am Sonntag, den 24. November, unter sehr großer Teilnahme der New Yorker Judenschaft und jüdischer Delegationen aus den anderen amerikanischen Zentren sowie führender Amerikaner. » Der Präsident der Vereinigten Staaten Amerikas Franklin Roosevelt, der Gouverneur des Staates New York Herbert H. L e Ii m a n und der Bürgermeister von New York La Guardia sandten an die Familie deutsche Kondolenzen. Bürgermeister La Guardia ordnete an, daß die New Yorker städtischen Gebäude zum Zeichen der Trauer zehn Tage lang Halbmast flaggen. Bernard S-. Deutsch, eine der populären Figuren des amerikanischen Judentums, ein hervorragender Jurist und Kommunalpolitiker, wurde in Baltimore, Maryland, geboren und studierte an mehreren amerikanischen Universitäten. Er genoß als Anwalt einen großen Ruf und war Führer der Gemeinde-Reform-Bewegung, die bei den letzten Wahlen in New York die Tammany-Organisation schlug. In der letzten Zeit hieß es, Deutsch werde sein Amt als Vorsitzender der New Yorker Stadtverordnetenversammlung niederlegen, um einer Berufung an den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten in Washington Folge zu leisten. Im jüdischen öffentlichen Leben entwickelte Bernard S. Deutsch eine intensive Tätigkeit insbesondere auf dem Gebiete der Wahrung deT Rechtsstellung der jüdischen Bevölkerung. In diesem Zusammenhang intervenierte er häufig bei den Bundesbehörden in Washington. Er war einer der Führer der Anti-Nazi- Bewegung in Amerika. 1934 besuchte er Mexiko, um die Lage der religiösen Minderheiten dort zu studieren. Er erhielt bei dieser Gelegenheit vom damaligen Präsidenten der Republik Mexiko, Senor Calles, der ihn empfing, das Versprechen, daß die Regierung die antijüdische Hetze der „Goldhemden", der mexikanischen Nazi-Organisation, unterbinden werde. Für den kommenden Sommer plante Deutsch eine Reise nach Polen, um die Lage der polnischen Juden zu studieren und politische Schritte zu ihren Gunsten zu unternehmen. Moderne KQcnen- Vorzhnner- Wohnzlmmer- F. HOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. MÖBEL Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer sehr eindrucksvollen Kundgebung der Trauer um den amerikanisch-jüdischen Führer. Die Bahre wurde in den Tempel Emanu-El gebracht, wo Rabbiner Dr. Stephen S. Wise seinem toten Mitarbeiter einen erschütternden Nachruf hielt: Der Trauerfeier wohnten mehr als 2500 Menschen bei, unter ihnen zahlreiche Mitglieder des New Yorker Stadtrates, Ehrenabteilungen der New Yorker Polizei, der Feuerwehr und anderer städtischer Institutionen. Die Bahre trugen der Gouverneuer des Staates New York Herbert H. Lehmann, der Bürgermeister von New York La Guardia, der frühere Gouverneur und Präsidentschaftskandidat Alfred E. Smith, Samuel U n t e r m y e r, die Präsidentin des Weltverbandes jüdischer Frauen Rebekka K o h u t u. a. m. (jemeindeehronih. New York. Die bekannte Führerin der amerikanischjüdischen Frauenbewegung und Präsidentin des Weltverbandes der jüdischen Frauenorganisationen Rebekka Kohut feierte soeben das 50jährige Jubiläum ihrer Tätigkeit auf dem Gebiete jüdischer Sozialarbeit. Aus diesem Anlaß fand zu ihren Ehren in New York ein Bankett statt, an dem etwa 800 führende Persönlichkeiten der jüdischen Gesellschaft teilnahmen. Ansprachen hielten u. a. der Bürgermeister von New York La Ouard i a und der frühere Botschafter Morgenthau. Felix M. Warburg zeichnete auf dem Bankett 10.000 Dollar für die von Rebekka Köhut geleiteten Wohlfahrtsinstitutionen. Rebekka Kohut hat sich insbesondere auf dem Gebiet der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Schaffung jüdischer Arbeitsnachweise verdient gemacht. Einigung in der Breslauer Gemeinde. In Anwesenheit führender Persönlichkeiten der Reichsvertretung ist es in Breslau, wo Neuwahlen der Gemeindekörperschaften notwendig waren, zu einer Einigung zwischen den verschiedenen Gruppen gekommen. Der Vorstand wird künftig aus 5 Liberalen, 5Zionisten und 2 Konservativen bestehen. Die Gemeindevertretung wird sich aus 9 Liberalen, 9 Zionisten, 3 Konservativen und 2 W i rt s c ha f t s p a r t e i I e r n zusammensetzen. Der bisherige Vorsitzende der Breslauer Jüdischen Gemeinde, Stadtrat i. R. L e ß, der der religiös-liberalen Richtung angehört, bleibt im Amte. Jüdischer Festgottesdienst. Anläßlich des 23. Geburtstages Otto von Habsburgs veranstalteten die unter seinem Ehrenprotektorate stehenden „Legitimistischen jüdischen Frontkämpfer im Eisernen Ring" im Seitenstettentempel einen Festgottesdienst. Als Vertreter des Kaiserhauses war Herzog Dr. Max von Hohenberg in Begleitung des Ringführers Baron Reichlin-Meldegg, der vom Bundesführer Generalmajor Sommer und dem Präsidenten der Kultusgemeinde Staatsrat Dr. Friedmann eingeholt worden war, erschienen. Unter den Festgästen sah man ferner u. a. Minister Feldmarschalleutnant von Czapp, Feldmarschalleutnant Panesch, Generalmajor Tlaskal, Generalmajor Baron Odelga, Generalmajor Czulik, Generalmajor Walzel, Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Pick, Generalstabsarzt Dr. Kauders, Oberst Baron STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: Hl.. Rennweg 112,. Tel. U 15-0-53 GRABSTEINLAGER; ZentraJfriedhof, 3. Tor, Tel. B 53-0-53 Waldstätten für den Reichsbund der Oesterreich^r, Oberst Hermann in Vertretung des Staatsrates Doktpr Kimmel, Oberst Kudernatsch und Hauptmann Heß für die Ostmärkischen Sturmscharen, Rittmeister Baron Schey für den Wehrsturm des Heimatschutzes, Generalstabsoberst Alexin, Dr. Lieben und Dr. Schwartz, Generalstabsarzt Prof. Dr. Hohenegg (Verein legitimistischer Aerzte), Dr. Singer für die Vaterländische Front, Bezirksgruppe Innere Stadt, Oberstleutnant Reicher vom Stadtkommando, eine Deputation des I. österr. Artilleristenbundes, Regierungsrat Dr. Lenk (Union österreichischer Juden), Dr. Grünbaum, Präsident der zionistischen Landesorganisation, Oberbaurat Stricker, Präsident der Judenstaatspartei, Mitglieder des Kultusvorstandes, Vertreter der Bethausvereine usw. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Fischer, die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. M. Rosenmann, welche in ein inniges Gebet für die Rückkehr der Dynastie in die Heimat auf den Thron der Väter ausklang. Den Abschluß bildete die vom Tempelchor (Leitung Fuchsgelb) intonierte und vom überfüllten Gotteshaus gesungene Kaiserhymne. Herzog Dr. von Hohenberg und seiner Suite wurden bei der Abfahrt Ovationen zuteil. Firmenjubiläum. Die mit vollster Berechtigung in Branchenkreisen größte Wertschätzung genießende Firma Sigmund Planer & Bruder (Inhaber Komm.-Rat Sigmund Planer und Bethausvorsteher Gustav Planer) ieierte dieser Tage das Jubiläum ihres 40jährigen Bestandes. Wir gratus Heren herzlichst. Tempelverein „Aeschel Awrohom", II. Pazinanitengasse. Am Vorabende des 25. Cheschwan fand im Tempel, IL, Pazinanitengasse, eine Trauerfeier nach dem Gründer des Tempels kais. Rat Adolf Schramek statt. Es ehrten den Verstorbenen dessen Witwe und Kinder, der Vorstand des Tempelvereines, Dr. Leonhard M a i e r in Vertretung des Kultusvorstandes, Sekretär Oskar H i r s c h f e 1 d in Vertretung der ..Union österreichischer Juden", sowie eine große Anzahl Damen und Herren, welche dem würdigen Gottesdienste beiwohnten. Viele waren gekommen, die in dem Verblichenen den rechtschaffenen Menschen, den aufrichtigen luden schätzten, der mit seinem edlen Herzen viel Gutes den Armen tat. Viele waren anwesend, die in Adolf Schramek den ehrenwerten Kaufmann schätzten, der aus kleinen Anfängen es durch eigene Tüchtigkeit und Korrektheit im Handel weit gebracht hat und sein Unternehmen seinen Kindern zurückließ, welche das Andenken an ihrem Vater in pietätvollster Weise auch in kaufmännischer Ehrsamkeit bewahren. Der Verblichene war auch ein sehr arbeitsfreudiges Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde. Sein frommjüdisches Empfinden bekundete er im Gedenken an Seine Eltern, mit denen er seine Jugend in Leipnik (Mähren) verbracht hat. Besonderen dauernden Dank hat sich Adolf Schramek aber mit seinem unverdrossenen Wirken im Tempelverein gesichert, dem er die Mittel teils gab, teils beschaffte, damit im Jahre 1913 das prächtige Gotteshaus in der Pazmanitengasse errichtet werden konnte. Sein hebräischer Name ist verewigt in dem Namen des Tempelvereines, der „Aeschel Awrohom" heißt und in welchem ebenso segensvoll, wie dies der verstorbene Vater mit seinem ganzen Herzen getan hat, seit über zwölf Jahren sein Sohn Oskar als Obmann tätig ist. So bleibt das Andenken an den Verblichenen dauernd ein gesegnetes für alle, die in ihm den ehrenwerten Mann und Juden achten. Bei der Tempelfeier verrichtete Herr Kantor S t i i t das Minchagebet. Herr Oberkantor Müller rezitierte mit dem Chore ergreifend den Psalm 49 und das El mole rachamim. worauf Herr Rabbiner Doktor Taubes die schöne Gedenkrede hielt. Herr Oberkantor Müller verrichtete sodann das Maariv-Gebet. Rudoli Kraus. * In einer Festsitzung feierte der Vorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", IL, Pazmanitengasse 6, das Doppeljubiläum seines verehrten und alfbetiebten Vorstandsmitgliedes Salomon Hofiniann. der dieser Tage 80 Jahre alt wurde und 50 Jahre dem Vorstand als pflichteifriges Mitglied angehört. Im festlich beleuchteten und mit Blumen geschmückten Sitzungssaale fand sich Donnerstag, den 21. November, abends, der Gesamtvorstand ein: als Gäste waren erschienen: Frau bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottlie Politzer, die Tempelfunktionäre sowie Mitglieder der Familie des Jubilars. Nach innigen Begrüßungsworten des Obmannes Oskar Schramek wurde Herrn Holtmann ein vom akademischen Maler S. Benesch in Pastell ausgeführtes Bild überreicht, welches den Innenraum des Tempels mit der heiligen Lade darstellt. Sodann las Spezialist in Braut - Bouquets und Tafelschmuck Blumen-Salonsu Kranzbi' dereü n dr GÄRTNEREI BLUMEN-SEE Rl NO Hauptgesdtäfl und Stadtbüro / WIEN /.. STUBENRING Nr. 12