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Die Wahrheit · 1935-11-29 · Heft 48 (29.11.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 48 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 48 — 29. November 1935 DIE WAHRHEIT .Mauschel in Palästina". Als wir vor einiger Zeit auf Grund direkter Informationen berichteten, daß die deutschen Juden in Palästina als Assimilanten angefeindet würden, warf uns die „N eue Wel t" vor, daß wir den Beweis für diese Behauptung schuldig geblieben seien.' Nunmehr liegt der Beweis vor, ohne daß wir uns darum zu bemühen gebraucht hätten. „Die Stimme" hat uns in zuvorkommender Weise diese Arbeit abgenommen. Sie veröffentlichte in ihrer' Nummer vom 26. d. M. unter dem vielsagenden Titel „Mauschel in Palästina" eine Zuschrift"von Ch. Haller, Tel-Av'iv, die eine fast drei Spalten lange wüste Beschimpfung der deutschen Juden darstellt, die es gewagt hatten, vor dem Nazi-Terror im Drillen Reiche Zuflucht in der sogenannten „Jüdischen Heimstätte" zu suchen. An diese Unverschämten richtet der Gewährsmann der „Stimme" die entrüstete Frage: „Wozu bist du, Mauschel, nach Palästina gekommen? Spürst du noch nicht, daß es hier, auf diesem Boden, für dich keinen Platz gibt? Mauschel, Mauschel, nimm dich in acht! Setze dein Ohr an den Boden und du wirst die Stimmen des aus der Tiefe aufsteigenden Unwillens vernehmen. Mauschel, du bist gewarnt!" Diese liebenswürdige Warnung steht, wie gesagt, nicht im „Völkischen Beobachter" oder im „Stürmer", sondern in der allgemein-zionistischen „Stimme" und zeigt somit, welch erstaunlicher Grad die Assimilation der jüdischnationaleoi an die natibäialsoziahstische Ausdrucksweise schon erreicht hat. Das beruht auf schöner Gegenseitigkeit: Hat sich Hiüer zur Begründung seiner Judenentirechtungsgesetzo der jüdischnationalen Terminologie bedient, warum sollten sich die Zionisten nicht der Tonart der Nazi-Presse befleißen, wenn es gegen denselben „Feind" geht: gegen die deutschen Juden? - Die groteske Assimilierungstendenz der Zionisten an den nationalen Chauvinismus, der im letzten halben Jahrhundert so viel Unheil über Europa gebracht hat, datiert ja nicht von heute, sondern ist schon so alt wie der modeirne politische Zionismus selbst. Sie fand eine Ausdrucksform in dem jüdischnationalen Kouleurstudententum, das gegenwärtig einte schwere Krisis durchmacht, weil die Verarmung der Judenheit die Nachahmung des kostspieligen Verbindungslebens der deutschen Farbenstudenten hemmt. Ein anderes Produkt der Mimikri des jüdischen Nationalismus an die nationalistische Seuchei Europas ist das Axiom einer nationalen Sprache. In Zeiten kulturellen Aufschwungs ist die Sprache als Verstand igungsmittel geschätzt und es entstehen die großen Weütsprachen als Kulturvermirtler zwischen den Gebildeten aller Nationen. Aber in Zeiten1 des kulturellen Niedergangs werden die Sprachen zur gegenseitigen Abschließung der einzelnen Völker voreinander mißbraucht. Die älteren Generationen der Oesterreicher, die noch in der Monarchie herangewachsen sind, haben die zersetzende Gewalt des Sprachenstreites, hervorgerufen durch den nationalen Ehrgeiz kleiner und kleinster Volkssplitter, die Erhaltung ihrer Idiome zu einem Staatsproblem zu machen, schaudernd miterlebt. Auf die Zionisten hat aber dieses traurige Schauspiel nicht abschreckend, sondern aneifernd gewirkt. „Palästina ist ein tausendjähriger hebräischer Boden", meint der Tel-Aviver Deütschenf eänd in der „Stimme" ohne jede historische Berechtigung. Denn das Althebräische war kein Jahrtausend lang Umgangssprache in Palästina und das Neuhebräische ist unseres Wissens noch kein Jahrtausend alt. Es ist moch immer im Anfarigssfadium seiner Bildung begriffen und man berichtet aus Palästina, daß die Absolventen zweier jüdischer Schulen sich miteinander nicht verständigen können, weil sie die „nationale" Sprache aus verschiedenen Büchern gelernt haben. Die deutschen Juden können sehr gut hebräisch, denn sie sind in der Mehrheit religiös erzogen und die heilige Sprache ihrer Gebete ist das Ausdrucksmittel ihrer Gefühle und Hoffnungen, die sie in Demut ihrem Schöpfer anvertrauen. Im profanen Umgang mit Menschen ziehen sie ihre deutsche Muttersprache oder die englische Weltsprache vor. . Die Zionisten halten es umgekehrt. Religion ist für die Mehrheit der Kolonisten, wie wir auf dem letzten Zionistenkongreß gehört haben, eine überlebte Angelegenheit. In den Siedlungen, in denen es keine Sy«agogen gibt, verlernen sie das Beten1, wenn sie es überhaupt jemals gekonnt haben, aber dafür verfügen sie über hebräische Speisekarten mit nichtrituellten Speisen. Von dieser moralischen Höhe herab zetert der Gewährsmann der „Stimme" über die „niederträchtige Gesinnung"!!) der deutschen Mitbürger des jüdischen Jischuws, die dem Hebräischen zwar auf ihren Briefbogen und Geschäftskarten Konzessionen machen, aber für ihre Korrespondenz, die Reklame, die Verträge und die Bedienung in Läden und Büros sich der deutschen Sprache bedienen. Doch damit ist die abgründige Schlechtigkeit dieser verworfenen Memschengattung noch lange nicht erschöpft. Was den in der „Stimme" reproduzierten Tobsuchtsanfa'li des Ch. Haller in Tel- Aviv eigentlich ausgelöst hat, ist die ungeheuerliche Tatsache, daß die deutschen Juden in Palästina, um zu wissen, was in der Welt vorgeht, eine deutsche Tageszeitung auf Vervielfältigungsapparaten herstellen und an Abonnenten durch die Post verschicken lassen. Und weil wirkliches Kulturbedürfnis durch Zeitungslektüre allein nur höchst mangehaft befriedigt wird, hat die deutsche Kolonie in Jerusalem von jüdischen Schauspielern aus Deutschland jüngst ein deutsches Schauspiel aufführen lassen. Hebraisten, die diese Vorstellung nach dem Vorbild der S.-A.-Mannen in den jüdischen Kinos von Berlin zu stören versuchten, f- Setif ld, Tirol, 1200 m Wintersport— Höhensonne Erstklassige Verpflegung in der streng Abteilung der Geschwister SCHEER im Hotel Hochalm Fahrpreisermäßigung. .,JOdls(h öescmcWl. Stötten In Wien nnd in den ost Bundesländern" von Joaef Pick die erste und beste jüdische Heimatkunde, unentbehrlich für Lehrer und Schiller, reich illus'rirrt, schönstes Bannizwab- Keschenk, Leinen gebunden S 3.9>. Verlag Josef Bell, Wien I.. Rabenstaig. 3 wurden von der Polizei abgeführt, statt wie die Hitler-Gardisten nach erfolgreichen Stinkbomben- Attentaten auf dem Kurfürstendamm belohnt zu werden. Muß das dem Tel-Aviver Gewährsmann der „Stimme" nicht über die Hutschnur gehen? Aus dem seelischen Gleichgewicht geraten, beschimpft er die Juden, die auch in der jüdischen Heimstätte Goethe und Schiller genießen wollen, als _ Mauschel . . . Welch seltsame Begriffsverwirrung! Und in verblüffender Uebereinstimmung mit Hitler geißelt er die jüdische Prätention, den Kulturbringer zu spielen. So wie der deutsche Nationalsozialismus den „jüdischen Intellektualismus" verächtlich gemacht hat, so warnt Ch. Haller in Tel-Aviv vor dem „Mauschel vom Kurfürstendamm", der die Kulturmission des Westens gegen die verhaßten „Sitten" des Ostens, die in Palästina in Reinkultur zu finden seien, betätige, und schimpft ihn „Fliegengeschmeiß, das sich an den Körper des Arbeitenden Tieres heftet." Diese Schmeichelei ist der Dank für die Bereitwilligkeit, mit der die Emigranten den zionistischen Lockungen in die „Heimstätte des jüdischen Volkes" folgten. Sie werden sich gründlich läutern müssen, indem sie sich die zionistischen Führer zum Vorbild nehmen, die nur anderen die „Alija" predigen, selbst aber wirtschaftlich und politisch in der „Gallith" verwurzelt bleiben. Alle diese edlen Führer werden niemals als „Mauschel in Palästina" qualifiziert werden können. Denn sie gehen nicht nach Palästina . . . Die sorgsame Erhaltung der Milchzähne ist auch Im Interesse der Zähne dringend erforderlich. Die heranwachsende Jugend schützt ihre Zähne am besten durch tägliche, mehrmalige Pflege mit Odol-Mundwass er. Odol-Mundwasser. ist antiseptisch, wohlschmeckend,, aromatisch und bildet noch stundenlang nach Gebrauch einen Schutz für Zähne, Mund und Mandeln. Außerdem e.nthä!t Odol-Mundwasser neben dem Odol-Antiseptikum den Myrrhe-Extrakt, der gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksa'm verwendet wird. Biidierr'r Sdiwedcnbrfldfer DUCIMANDLUNG SCHNEIDER A Co Wien I., rranz Josels-Kal T Reichste Auswahl neuer Bücher bester Autoren von 20 g, 30 g und 50 g aufwärts Katalog gratis! Der gelbe Fleck. Unter diesem Titel erscheint in den 'nächsten Tagen in den „Editions du Carrefottr'\ Paris, eine dokumentarische Darstellung der deutschen Judenpolitik. Lion Feucht wanger hat zu diesem. Buch das folgende Vorwort geschrieben: „Dieses Buch stellt mit vorbildlicher Sachlichkeit das Material zusammen über das, was man im Dritten Reich „Die Lösung der Judenfrage" nennt. Man liebt es heute, dieses Reich mittelalterlich zu nennen. Wer das Buch „Der gelbe Fleck" gelesen hat, wird daran zweifeln, ob diese Charakterisierung stimmt. Die dumpfe Grausamkeit-mittelalterlicher Judenverfolgungen wirkt menschlich, mißt man sie an der organisierten Brutalität, an der disziplinierten Narrheit des heutigen Deutschland. Sicher geschehen in diesem Deutschland noch scheußlichere Dinge als die Judenverfolgungen, von denen dieses Buch berichtet, Dinge, welche die Zivilisation der Welt gefährlicher bedrohen als die systematische Vernichtung einer halben Million hochzivilisierter Europäer. Aber die Narrheit und Lumperei des Systems verbirgt sich in jenen arideren Ereignissen tiefer unter der Oberfläche: hier, in dem großen fortgesetzten, behördlich organisierten und geförderten Pogrom, liegt sie klar zutage, der ganzen Welt sichtbar. Denn dieser Pogrom wird ja nicht nur aus wirtschaftlichen, sozialen und politischen Motiven unternommen: zum größten Teil geschehen die bestialischen Dinge, die er mit sich bringt, aus tiefer Feindschaft gegen die Vernunf t, aus schierem Wahn, aus reiner Freude an der Brutalität, an der Besudelung der Menschenwürde, an der Erniedrigung des anderen, aus Nächstenhaß. Geschichte ist der Kampf "der vernünftigen Minorität gegen die gewalttätige Majorität der Dummheit. Wie ungeheuer schwierig dieser Kampf ist, dafür gibt das Buch „Der gelbe Fleck" äußerst illustratives, dem Historiker aller Zeiten wichtiges Material. Tröstlich bleibt Eines. Immer wieder finden sich in den hier zusammengestellten Berichten kleine Geschehnisse verzeichnet, die beweisen, daß weite Teile der Bevölkerung nichifc einverstanden sind mit dem, was sich heute' in Deutschland ereignet. Verweilen Sie bei diesen Episoden, Leser. Lesen Sie nicht über sie hinweg. Verallgemeinern Sie nicht. Wenden Sie. nicht mitleidig und verächtlich auf das ganze deutsche Volk jenen Satz an. den einst Friedrich Nietzsche seiner Schwester schrieb: „Armes Lama, jetzt bist du bis zum Antisemitismus hinabgesunken." Das deutsche Volk ist nicht identisch mit den Leuten, die heute vorgeben, es zu vertreten. Es wehrt sich gegen sie. Der Tag wird kommen, an dem es die Narren und Lumpen wegfegt, von deren Untaten in diesem Buch die Rede ist." Lion F e u c h t w a n ge r. Arabisches Bandenunwesen i/i Palästina Nach einem, heftigen F e ü e r k a m p i wurde in J er\in,.etwa 70 Kilometer nördlich von JerüsaJem, die' a ra bis che Räuberbande, die vor einigen Tagen den j ü d i s che n P o i izei.sergeanten Mos che Rosenfeld im OrahgenhätnJ der jüdischen Kolonie Ajn Charod ermor d"e' t hat, gestellt. Die Aufforderung der englischen Polizeitruppe, die die Rätiber umzingelte, sich zu ergeben, beantworteten die Räuber mit Eröffnung des Feuers, das die englischen Polizisten mit Maschinengewehrfeuer erwiderten. Ein englischet Polizist wurde getötet und einer verletzt. Von den Banditen wurden fünf getötet, fünfter gaben sich. Anläßlich der Beerdigung von drei der getöteten Araber überfiel eine etwa tausendköpf ig e Menge, die an der Beisetzung teilgertommen hatte^ die Hau p t s t a t i o w der Polizei von H a i f a, zertrümmerte sämtliche Fenster" und verwundete mehrere

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