Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 48 (29.11.1935)
- Date
- 1935-11-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 48 29,'November-1935 ■ DIE WAHRHEIT Französische Staatsmänner und Politiker. Unter dem Vorsitz"des früheren UnterrichtsmöHSters Senator Justin Godart wurde in Paris ejne Protestversammlung gegen die Verfolgung und Entrechtung der Juden in Deutschland abgehalten, die von französischen Staatsmännern und Parlamentariern stark besucht war. Der frühere Finarrcrninister Deputierter Paul Reynaud erklärte im Namen des Komitees für die Verteidigung der Rechte der Juden in Mittel- und Osteuropa, die gesittete Welt müsse sich vereinigen, um den Rassenwahnsinn, der zu einem ernsten internationalen Problem geworden ist, zu bekämpfen. Das französische Volk sei einig in der Verurteilung der den Juden angetanenen Schmach. Der Deputierte Marcel Deat erklärte: Die Rassenlehre sei für Frankreich eine absolut unfaßbare Idee. Prof. Hadamard und Pastor Boegner forderten die Versammlung auf, den Kampf für die verfolgten Juden entschlossen fortzusetzen. Der Pariser Grand Rabbin Julien W e i 11 gab eine erschütternde Darstellung der Paria- Lage der geistig und sittlich so hochstehenden jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Der frühere Außenminister Paul Boncour, der am Kommen verhindert war, erklärte sich in einem geschriebenen Appell an die Versammlung mit den Vorkämpfern für die Menschenrechte der Juden solidarisch. In einem Brief gab Domherr Desgranges der Hoffnung Ausdruck, daß die Protestkundgebung starke Wirkungen auslösen möge. Führende protestantische Geistliche Amerikas. 138 führende protestantische Geistliche Amerikas veröffentlichen eine Kundgebung, in der gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland protestiert und das Fernbleiben der Vereinigten Staaten von der Berliner Olympiade gefordert wird. Wir sehen, heißt es in der Erklärung weiter, mit Abscheu, wie die deutsche Regierung die Juden in ein mittelalterliches Ghetto zwingt, sie der Bürger- und Menschenrechte beraubt, ja ihnen das Recht zum Erwerb des Lebensunterhaltes aberkennt und sie aus dem sozialen und kulturellen Leben des Volkes verbannt. Im Rahmen einer Veranstaltung der Anti- Nazi-Federation demonstrierten am Abend des 21. November 15.000 Personen in den Straßen New Yorks gegen die Judenverfolgungen in Deutschland. Manifestation der Züricher Völkerbundvereinigung Die Züricher Vereinigung für den Völkerbund veranstaltete eine öffentliche Kundgebung „Gegen Rasse Verfolgung", der mehrere Tausend Personen beiwohnten. Der Rechtslehrer der Züricher Universität Prof. Dr. E g g e r gab eine tief erschütternde Darstellung der Tragödie der deutschen Juden, die seit bald drei Jahren einem ununterbrochenen, sich stets steigerndem Martyrium ausgesetzt sind. Wir stehen, sagte der Redner, tief erschüttert vor diesem Kampfe, der kein Kampf mehr ist, sondern die Vernichtung Unschuldiger. Es ist Menschen- und Christenpflicht, seine Stimme dagegen zu erheben. Wir gedenken dieser Menschen, deren Leiden wir nicht fassen können. Wieviel Leid und Not verbirgt sich in den jüdischen Häusern, wieviele mögen schon den Weg'in die Finsternis genommen haben, ohne daß jemand ihren letzten Schrei vernahm. Wir gedenken aber auch des deutschen Volkes, das verstummt ist, jenes Teiles, welcher die Taten verübt, sie aus kranker Seele und verarmtem Geiste verüben muß, wir gedenken des ganzen deutschen Volkes, das nicht zum ersten Mate in die Irre geht. Als Schweizer haben wir das Recht und die Pflicht, Stellung, zu beziehen. Eine Nachahmung der Rassenlehre würde Dynamit für die Selbständigkeit und die Existenz der freien Schweiz bedeuten, — Prof. Dr. William Rappard aus Genf, ein geistiger Führer der französischen Schweiz und Delegierter der Schweiz beim Völkerbund, gab der Meinung der welschen Miteidgenossen Ausdruck und sagte: Trotz der beklagenswerten Nürnberger Gesetze glauben wir an das deutsche Volk und an seine Rückkehr zu den Ideen der Menschlichkeit. Die Selbstverstümmelung, die Deutschland sich jetzt durch Ausmerzung der jüdischen Energien> zufügt, wird ähnliche bedenkliche Folgen haben, wie die Widerrufung des Ediktes von Nantes. Rappard umriß die Geschichte der Judenemanzipation der Schweiz, um darzutun, daß mit der Entwicklung des Freiheitsgedankens auch das Vorurteil gegen die Juden überwunden wurde; alle freiheitsfeindlichen. Bewegungen sind antisemitisch. Möge die Schweiz immer ein Asyl der Freiheit.bleiben! — Kirchenratspräsident J. R. H a u r i erklärte, im N amen des Evangeliums müsse man gegen den Geist des Rassenhasses auftreten. — Der Bischof von St. Gallen Dr. A. S c h e i w i 11 e r gab in einem Brief den Standpunkt der katholischen Theologie zur Rassenfrage bekannt und wies auf die religionsgeschichtliche Verbundenheit von Judentum und Christentum hin. — Oberrichter Dr. "Otto Lang erklärte, der Antisemitismus - habe alle Menschen ärmer gemacht. — Der ehemalige Präsident des Schweizerischen Kassationsgerichtshofes Dr. Eugen C u r t i erklärte, wohl darf man sich nicht in die inneren Vorgänge anderer Staaten einmischen, aber man darf sich einmischen, wo es sich um Menschlichkeit und Kultur handelt. — Die Dichterin Marie Waser sagte, das Schlimmste sei der Hohn der Mächtigen, die sich aus de^m Leiden wehrlos Verfolgter noch einen Hei den kränz winden. — Als letzter Redner sprach der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich Saly B r a u n s c h w e i g. Die deutschen Juden, sagte er^gehen wirtschaftlich zugrunde und müssen hungern.;,Man verweigert ihnen die Lebensmittel, man hälf^die? fqgG^ä *vjih ^jetf er ^Berufsausbildung' fern. Nicht einmal das5 Blut von 12.000 jüdischen Gefallenen schützt die Juden vor empörenden Beschlüssen. Wir müssen hoffen, daß den Aermsten der Armen bald ein Asyl geschaffen wird. Es ist nicht zweifelhaft, wem das Weltgericht das Mal der Schande an die Stirne brennen wird. Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Greuel aus der braunen Hölle. Reichskanzler Hitler hat einem amerikanische« Journalisten eine Unterredung gewährt, in der er unter anderem erklärte: Die Notwendigkeit der Bekämpfung des Bolschewismus sei auch einer der Hauptgründe fÜT die Judengesetzgebung in Deutschland. Sie sei n i c h t a n t ijüdisch, sondern prodeutsch. Der Reichskanzler betönte, daß die J u d e n g e s e t zgebung auch dem Schutze der Juden diene; ein Beweis hiefür sei, daß seit den einschränkenden Maßnahmen die antijüdische Stimmung im Lande sich gemildert habe. (Diese Erklärung ist wohl das Zynischeste, was man sich vorstellen kann. D. Red.) * Der Reichsjustizminister und Reichsjuristenführer Dr. F r a n k kündigte auf einer in Berlin zusammengetretenen Konferenz der Führer des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen die vollkommene Eliminierung jüdischer Rechtsanwälte aus dem deutschen Rechtsleben an. Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz, die diese Ankündigung Dr. Franks wiedergibt, unterläßt es, mitzuteilen, ob Dr.-Frank ins einzelne gehende Vorschläge zur Ausmerzung der Juden aus dem Rechtsanwaltsberuf und ein Datum für diese Maßnahme angegeben hat; der Bericht erwähnt nur, daß Dr. Frank hiebei auf die Ausführungsbestimungen zu den Nürnberger Gesetzen hingewiesen hat. aus denen sich die „Säuberung der deutschen Rechtsanwaltschaft von jüdischen Elementen" ergibt. Dr. Frank führte laut diesem Bericht weiter aus, die jüdischen Anwälte hätten das deutsche Recht zu einer Sache des Geschäftes gemacht, sie, sowie „andere unwürdige Elemente" werden aus dem Berufe ausscheiden müssen. Die Eliminierung jüdischer und „anderer unwürdiger" Anwälte aus dem Beruf, erklärte der Minister weiter, werde den nationalsozialistischen Elementen auch materiell eine bessere Chance jeben. (Wozu noch andere Gründe vortäuschen? D. Red.) * Angesichts der Tatsache, daß die vom Reichsinnenminister angekündigte Erlassung eines Reichsgesetzes über die Beschränkung der wirtschaftlichen Betätigung der Juden noch immer nicht erfolgt ist und über die endgültige Regelung dieser Frage noch völlige Ungewißheit herrscht, findet ein Urteil des Landgerichtes Rostock große Beachtung, durch das der Grundsatz ausgesprochen wird, daß es dem nationalsozialistischen Prinzip vom Grund und Boden widerspreche, wenn eine Jüdin deutschen Grund und Boden erwerbe. Nach dem Programm der N. S. D: A. P., das geltendes Recht sei, könne nur ein Deutscher im Sinne der Blutzugehörigkeit Eigentümer von Grund und Boden sein. * Der Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht hat angeordnet, daß die amtlich bestellten jüdischen Kurs mäkle r an allen deutschen Börsen mit Wirkung vom 22. d. M. aus ihrem Amt ausscheiden, da öffentliche Aemter nach der 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 Herrenkleidersalon S. FROST III,, Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die jetzige Saison die schönsten Maßanzüge und Winterröcke in den herrlichsten Dessins Billigste Preise Feinste Ausführung Garantierte Paßform nur noch von Reichsbürgern bekleidet werden dürfen. Die Tätigkeit der jüdischen Besucher bleibt unberührt Der „Völkische Beobachter" nftnmt^ür einem längeren Aufsatz zu dem Ausscheide» der amtlichen jüdischen Kursmakler an allen deutschen Börsen Stellung. Damit sei, so schreibt das Blatt, das Kapitel Bereinigung der Börsen abgeschlossen. Die Börse sei auf dem Wege sachlicher Evolution bereinigt worden. „Die evolutionäre Methode, wie sie.an der Börse angewandt worden ist", schreibt das Blatt weiter, „wird auch bei der Reinigung der Gesa int Wirtschaft gehandhabt Schauen, wir nur zurück, wie sich die Stellung des Judentums in der deutschen Wirtschaft ■n den letzten zweäetohaJb Jahren gewandelt hatl Dte zielbewußte nationalsozialistische Politik hat diesen Erfolg erreicht und diese Politik hatte wirklich keine „Unterstützung" durch zersplitterte Fensterscheiben nötig. Das Bekenntnis zum Führergedanken verlang* die Unterwerfung unter den Führerwfflen: auch bei der Frage der Brechung des jüdischen Einflusses im Wirtschaftsleben. Er wird gebrochen werden: aber das Tempo bestimmt der Führer, Es ist lächerliches Geschwätz, wenn zuweilen davon gesprochen wird, daß irgendwelche persönliche Meinungen in der Judenfrage neben dem Willen des Führers das Tempo der nationalsozialistischen Politik beeinflußten. Wir haben das sittliche Recht zur Bekämpfung des Juden, weil wir von einer anderen Rasse sind. (Das ist eine wahrhaft ethische Begründung. Anm. d. Red.) Wir wollen höhere und edlere (sie!) menschlichere Eigenschaften an die Stellen setzen, wo früher minderwertigere geherrscht haben." (Die höheren menschlichen Eigenschaften sind Rassenwahn. Haß, Untreue und1 Gewalttätigkeit «Anm. d. Red.) * Aus Kehl am Rhein wird mitgeteilt, daß"tfö'rtwjo&ef Wertheimer, ein siebzig Jahre alter Jude, wegen Rassenschändung auf Grund des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre in Haft genommen worden ist. * Dem „Pariser Tageblatt" wird aus Halle gemeldet: Der jüdische Seifenhändler S. aus Ketschen bei Merseburg wurde vor drei Monaten „wegen Rassenschan.de" verhaftet und nach Halle ins Polizeipräsidium überführt Er wurde von der S. A. zahllose Male durch die Straßen der Stadt geschleift. Tagelang mißhandelten ihn S. A.¬ Leute aufs grausamste. Er wurde mit den Füßen nach oben an die Decke gehängt und es wurden ihm die Körperhaare ausgerissen. Jetzt wurde er kürzlich entlassen, Aerzte ordneten seine sofortige Ueberfflhrung ins Irrenhaus Scherbitz an. Entlassen wurde er übrigens, als sich herausstellte, daß er niemals „Rassenschande" begangen hat. In der Erwartung des zweiten Teiles der Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen, in denen die von Mitgliedern der Regierung angekündigten .Beschränkungen der wirtschaftlichen Betätigung der Juden gesetzlich geregelt werden sollen, fahren die jüdischen Geschäftsinhaber und Grundstückbesitzer fort, sich ihres Besitzes für jeden Preis zu entledigen. Die: Hoffnung, daß die Ausführungsbestimmungen doch nicht eine totale Eliminierung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben enthalten werden, wurde durch kürzlich in Gosla gehaltene Reden von Rudolf Heß und dem Ernährungsminister Darre, die die gänzliche Ausschaltung der Juden aus dem Handel forderten, zunichte gemacht. Der „Völkische Beobachter" läßt in seinen der Wirtschaft gewidmeten Aufsätzen immer wieder durchblicken, daß die Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft eine totale sein wird; die Zeitung fordert immer wieder Vorkehrungen, daß Arier beim Erwerb jüdischer Geschäfte und Häuser nicht „übervorteilt" werden. Infolge der panikartigen jüdischen Geschäfts- und Aktienverkäufe hält der auf der Berliner Börse lastende Drück weiter an, die Aktienkurse sind in stetigem' Sinken. * Nach einem Bericht der „Frankfurter Zeitung" hatte sich das Landesarbeitsgericht Breslau in Hüls selivim-ltstiirui WIEN II.. Proterstraoe 55 Telepfera R 41-4-*» Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden In und außer Haus elegantest ausgeführt.