Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 48 (29.11.1935)
- Date
- 1935-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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iEiT DIE WAHRHEIT Nr. 48 — 29. November 1935 Seite 3 Sie stammeln. i. sehen als Hunächen lazu? inisa- , daß ndern villig- 1 von sleute Naziwedirby, dem beim Jean )lymtreten Präroboierem ungeii 1935 n, als nt zu de in n uns eteiliubens >ehandacht. schon beide wir in uns tusiasxeichs;n ein, tarten, id une uns, Schluß Schluß ischen onalen npiade rübert gees Versssoren, i New jegen ■ 1 i n e r Lebenslerg im Breiis nach urs und >en der e Rolle einen Unterl Juden Mindergenflicli :hsrates len den sing des ationale gewählt t Theont beirat Altsammen Reichs'; er in Zum Reden haben wir sie nicht gebracht, aber dazu, daß sie den Mund öffnen, um mit Verlegenheitsphrasen an dem Kernpunkt der Frage vorüberzugehen. Moses Rath, Dr. Josef Löwenherz und die folgenden, die in sicherer Aussicht stehen, interessieren uns als Personen nurvin zweiter Linie. Prinzipiell wichtig und maßgebend allein ist die Durchseuchung des objektiven oder objektiv sein sollenden Beamtenkörpers einer öffentlichen Verwaltung mit prononcierten Parteimännern. Wahrlich sehr bedauerlich, daß die jüdischmationalen Ziönistenorganisationen, ob sie nun als Judenstaatspartei oder als Zionistisches Landeskomitee auftreten, nicht den primitiven Takt besitzen, der ihnen sagen müßte, daß solche Transformationen ehrenamtlicher Funktionäre,- die auf ein Parteiprogramm eingeseuworen sind, in bezahlte, und zwar gut bezahlte Beamte einer öffentlichen Korporation unzulässig sind. Oberbaurat Stricker hat in der „Neuen W e 11" zuerst das Wort ergriffen und mit seinem Titel „Korruption" — wir hatten das Wort, das jedem auf der Zunge liegt, bisher nicht ausgesprochen — das mit dem richtigen Namen genannt, was in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien im Falle Löwenherz wieder vor sich gehen soll. Ist es nicht eine politische Korruption ärgster Art, wenn die mit Recht befürchtete Opposition der Judenstaats- Partei und ihres Führers, des Herrn Oberbaurat Ing. Stricker, dadurch aus der Welt geschaffen wird, daß man ihm, der nur eine jüdische Nation, aber keine jüdische Religion anerkennt, die Stelle .eines Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, einer ausschließlich religiösen Verwaltungsgemeinschaft, anbietet? Und ist es nicht politische Korruption ärgster Art, wenn die .lüdenstaatspartei auf diesen schmählichen Handel eingeht, um ihre durch das Auftauchen der Revisionisten bedrohte politische Existenz mit dem Glänze der Stellung eines Vizepräsidenten der Kultusgemeinde für ihren Führer zu umgeben? Ist es nicht Korruption, wenn die persönliche Freundschaft zwischen Präsidenten und Vizepräsidenten der Kultusgemeinde dazu mißbraucht wird, um mittels der zwei Stimmen des Präsidenten im Wege der Dirimierung dem politischen und persönlichen Freunde aus den Geldern der jüdischen Allgemeinheit die wohldotierte erste Beamtenstelle mit Pensionsberechtigung, trotz Antrittes der Stellung im 52. Lebensjahr, zu verschaffen? Und da wagt das Organ der Judenstaatspartei von einem Opfer der jüdischnationalen Partei und, risum teneatis amici, von einem Opfer des Herrn Doktor Löwenherz zu sprechen! Die Partei verankert ihren „befähigtesten Parteiarbeiter" über die Dauer ihrer eigenen Existenz in der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Denn daß Herr Dr. Löwenherz als Amtsdirektor der Kultus- Gemeinde den Parteirock ausziehen wird, daran glaubt wohl niemand, und er selbst am allerwenigsten. Und das Opfer des Herrn Dr. Löwenherz!? Darüber wollen wir nicht sprechen, weil wir die persönlichen Umstände, soweit sie nicht die Sache selbst berühren, unerörtert lassen wollen. Sowohl das Organ der Allgemeinen Zionisten, als auch das der Judenstaatspartei weisen auf die Verdienste des Herrn Dr. Löwenherz als Vizepräsident der Kultusgemeinde hin und emphatisch ruft „Die Stimme" aus: „Was immer seit Dezember 1932 von der Kultusgemeinde neu geschaffen oder ausgebaut wurde, ist in erster Linie das Werk von Or. Josef Löwenherz"! Der Präsident der Kultus- Gemeinde, das Vertreterkollegium, der ganze übrige Kultusvorstand, die Steuerträger und Mitglieder der Kultusgemeinde selbst spielen seit Dezember 1932 nur eine untergeordnete Rolle, alles Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. I*""""r* Leiter: Komm.-Rat Alexius Salz er. Eingehende Informationen für jedes Mitglied der .Union" unentgeltlich, Wien I., Kohlmarkt 8,1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. ist in erster Linie Herrn Dr. Löwenherz zu verdanken. Das wird wohl auch nicht anders werden, wenn Herr Dr. Löwenherz Amtsdirektor sein wird. Da ist es gleich am einfachsten, alle Kompetenzen der Gemeinde nach dem Führerprinzip auf den neuen obersten Beamten zu übertragen. Er wird schon alles zum Besten der Wiener Judenschaft lenken und leiten. Die jüdische Gemeinde in Wien, die in ihrer jetzigen oder in anderer Form seit mehreren hundert Jahren besteht, kommt mit ihrer ruhmreichen Geschichte und mit ihren Schöpfungen und Leistungen überhaupt nicht mehr in Betracht. „Dr. Löwenherz hat in aufreibender Tätigkeit mehr gefeistet, als Generationen unionistischer Kultusvorstieher vor ih m." Mit solchen bramarbasierenden größenwahnsinnigen Phrasen werden die Jüdischnatiormlea nicht ihre Defekte an politischen Anstandsgefühlen verhüllen können. Beide Organe der Jüdischnationalen, „Die Stimme" und die „Neue Welt", berufen sich auf die Farce der öffentlichen Ausschreibung der Stelle und daß jeder, der glaubt, die nötigen Fähigkeiten zu besitzen, sich um die Stelle bewerben kann. Ja, bewerben kann er sich, aber bekommen wird er sie nicht. Und wenn der Engel vom Himmel und nicht aus dem Beamtenstand der Kultusgemeinde käme, so könnte er an der getroffenen Vereinbarung und an dem zionistischen Klubbeschluß, der Dr. Löwenherz die Stelle zusichert, nichts ändern. Die Stelle des Bibliothekars, bei deren Vergebung eine Ausschreibung geboten war, da es sich um spezifische Kenntnisse und Studien handelte, hat trotz der Forderung der unionistiischen Mandatare die jüdischnationale Majorität nicht ausschreiben lassen. Die Stelle des Amtsdirektors, des obersten Beamten, die in keiner öffentlichen Verwaltung ausgeschrieben, sondern immer aus dem Beamtenkörper besetzt wird, die soll öffentlich ausgeschrieben werden. Durch solche Manöver werden die Jüdischnationalen die Oeffentlichkeit nicht täuschen, sie tun in jedem Falle das, was ihren Parteigenossen um so sicherer zur Stelle verhilft, einmal die Unterlassung der Ausschreibung und dann wieder die Ausschreibung. Wenn die jüdischnationalen Blätter schreiben, daß Dr. Löwenherz der fähigste Bewerber sein dürfte, so übersehen sie, daß er allein im Gelegenheitsverhältnis steht, weil kein anderer, der Präsident oder Vizepräsident der Kultusgemeinde war, es über sich brächte, selbst wenn die persönlichen Verhältnisse ihm dies rältlich erscheinen ließen, sich um die Stelle des obersten Beamten der Kultnsgemeinde, der nicht nach Parteidogmen, sondern objektiv nach Recht und Gesetz die Verwaltung zu führen hat, zu bewerben. Das Parteiregime der jüdischnationalen Zionisten in der Kultusgemeinde schreit schon ohnedies zum Himmel. Alle Einrichtungen der Kultusgemeinde, Spital, Versorgungshaus, Subventionen, Fürsorge, Anstellungen jeder Art usw. sind nur jüdischnationalen Parteigängern, gleichgültig ob Inländern oder Ausländern, zugänglich. Dieser Zustand würde sich unter Löwenherz als Amtsdirektor womöglich noch verschlechtern. Die Judenschaft Wiens versteht unseren Kampf gegen die rücksichtslose jüdischnationale Parteiherrschaft, Protektionswirtschaft und politische Korruption und wird mit uns dafür sorgen, daß diesem Treiben ein baldiges Ende bereitet wird. Deshalb begrüßen wir das letzte Wort der „Stimme", daß die Wählerschaft ihre Entrüstung über diese Vorgänge beweisen soll. * Wie wir in letzter Stunde eriahren, iand am Mittwoch, den 27. November I. J., eine Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt, in der, wie zu erwarten war, mit 14 gegen 12 Stimmen die Ausschreibung der schon früher dem Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz gesicherten Amtsdirektorstelle der Kultusgemeinde beschlossen wurde. Zu den 14 zionistischen Kultusvorstehern, welche für die Ausschreibung der schon vergebenen Amtsdirektorsstelie stimmten, gehörte auch der zukünftige Vizepräsident, Herr Ing. Baurat Stricker, der also indirekt selbst für seine Bestellung zum Vizepräsidenten gestimmt hat. Als äußerster Termin für die Bewerbung um die höchste Beamtenstelle in der Kultusgemeinde wurde der 15. Dezember 1935 festgesetzt (nachdem der Präsident der Kultusgemeinde sogar vorerst den 9. Dezember als Kleina Tube S —SO Groß» Tuba 9 1.40 äußersten Termin begehrte). Es soll also durch die kurze Frist der Ausschreibung lediglich einer Formalität genügt werden, die noch den Vorteil in sich birgt, daß durch die Kürze der Zeit die Ausschreibung nicht allen Personen, die für eine Bewerbung in Frage kommen, bekannt werden kann. Die Ausschreibung der bei der Kultusgemeinde aufzunehmenden Aspiranten für den Verwaltungsdienst hingegen wurde auf einen längeren Termin testgesetzt, da auf diese mit S 70.— monatlich dotierten Posten jüdischnationale Kultusvorsteher nicht reflektieren. In dem oben behandelten Artikel der „N euen W e 11" wird behauptet, daß für den verstorbenen Amtsdirektor Fuchsgelb ein gleichwertiger Ersatz in der Beamtenschaft nicht vorhanden wäre und daß in Wien „von einer Persönlichkeit mit den erforderlichen Erfahrungen und Qualitäten nichts bekannt'* sei. Diese Behauptungen widerlegt in entschiedener Weise das Schreiben, das der Kultusvorstand am 21. Februar 1921 an Herrn Sekretär Emil Engel gelegentlich seines zeitweiligen Ausscheidens aus dem Beamtendienst gerichtet hat. Der Brief, den wir im folgenden auszugsweise wiedergeben, trägt auch die Unterschrift des derzeitigen Präsidenten Dr. F r i e d m a n n. Hochgeehrter Herr Sekretär! Sie wissen es selbst, was Sie der Gemeinde gewesen sind. Das Bewußtsein eigenen inneren Wertes, das jeder gute Mensch besitzt, muß es Ihnen besser als alle Worte sagen können, wie hoch und groß die Leistungen sind, die Sie für die Gemeinde vollbracht haben. Sie haben nicht nur den Wirkungskreis, den Ihre Stellung Ihnen zugewiesen hat und den Sie aus Liebe und Treue zur Gemeinde selbst erweitert haben, mit dem Einsätze Ihrer ganzen Persönlichkeit, voll Tatkraft, Umsicht und nimmermüder Arbeitsfreude ausgefüllt, Sie haben auch weit darüber hinaus, durch Ihr ganzes Tun und Lassen, durch Ihre vornehme Wesensart, Ihre Hingabe an die Sache und Ihr großes schönes Verständnis Ihrem Amte höchste Würde gegeben und dadurch unendlich viel zur Hebung des Ansehens der Gemeinde beigetragen. Sie sind einer von jenen Wenigen, die den tiefen Sinn des Wortes voll und ganz bewahrheitet haben: Daß nicht das Amt den Mann, sondern der Mann das Amt mache. Dieses Amt, dem Sie erhöhtes Leben und Bedeutung, dem Sie ein Stück von Ihrem Sein gegeben haben und mit dem Sie darum innerlich unlösbar verknüpft und verbunden sind, haben Sie niedergelegt; das unbegrenzte Vertrauen und die Verehrung, die alle Ihnen entgegengebracht haben, die je gesehen, wie Sie dieses Ami auffassen, die den Geist warmer Menschlichkeit und selbstloser Hingabe im Dienste der Allgemeinheit, die bezwingende Macht Ihrer schlichten, gütigen Persönlichkeit empfunden haben, werden Ihnen bleiben. Diese Versicherung gibt Ihnen der Vorstand, diese Versicherung ist der Dank, den die Gemeinde Ihnen zollt. Mit dem Ausdrucke aufrichtiger hoher Wertschätzung zeichnet der Vorstand der Isr. Kultuspremeinde Wien Prof. Dr. Alois Pick m. p. Präsident Dr. A d 1 e r m. p. Dr. Friedmann m. p. Erster Sekretär Vizepräsident Herr Emil Engel führt seit dem Tode des Reg.-Rat F u c h s g e 1 b die Geschäfte des Amtsdirektors der Israelirischen Kultusgemeinde.