Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 47 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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01E WAHRHEIT Nr. 47 — 22. November 1935 Seite 5 Hills SelAwan D-Beslairant SS WIEN II.. Pralerslraße Teieptten B 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Räbbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners ui>d andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. -portführers von Tscliainnier-Üsten, das „Reichssport- :iiatt", bezeichnet die Proteste der Weltöffentlichkeit iegen die Olympiade in Deutschland als ..jüdische Unternehmungen gegen oas neue Deutschland". Die Denkschrift, in der erklärt wird, daß sich tu fast allen Ländern der Welt Komitees zur Verlegung der Olympiade gebildet haben, schließt mit den Worten: „Alle fortschrittlichen Kräfte des Landes müssen sich den Weltprotesten anschließen. Immer lauter ertönt der Ruf: Verlegt die Olympischen Spiele von Berlin!" Der Herr Präsident des Internationalen Olympischen Komitees ist anderer Ansicht. Er hat sich unlängst in Berlin aufgehalten, um festzustellen, ob die Olympischen Spiele im Jahre 1936 in Deutschland abgehalten werden können, und war vom dem Ergebnis seiner Erhebungen außerordentlich befriedigt: es bestünde kein Anlaß, die Spiele nicht im nationalsozialistischen Reich stattfinden zu lassen! bei «er Bücher SdiwcdcnbrOAc! DDCnnANDLlJNe SCDNCIDEBACO Wien I., rronz Joseis-Kai? Reichste Auswahl neuer Bücher bester Autoren von 20 tf, 30 £ und 50 g aufwärts Katalog gratis! Die Grenze überschritten. Unter dieser Spitzmarke hält das Organ der unter Führung des Herrn Kultusvorstehers Oberbaurat Stricker stehenden Judenstaatspartei. „Die Neue Welt" vom 19. d. M. der bösen „Union" eine Strafpredigt wegen Ueberschreitung der Grenze der „politischen Anständigkeit" in ihrem Kampfe gegen die jüdischnationalen Zionisten und erhebt das alte jüdischnationale Wehgeschrei über die angeblichen Denunziationen ihrer politischen Widersacher. Daß es dabei die „Neue Welt" an gehässigen Angriffen, Uebertreibungen und Verdrehungen nicht fehlen läßt, wollen wir der in diesen Kreisen üblichen Kampfesmethode zugute halten. Daß Herr Oberbaurat Stricker diese „Grenziiberschreitung" plötzlich entdeckt, er, der sonst in der Schärfe der Verurteilung der „Stimme" und der Allgemeinen Zionisten „Die Wahrheit" bei weitem übertraf, dieser Stimmungswechsel kann leicht dadurch erklärt werden, daß ihm bei der jetzt stattfindenden Packelei die Stelle eines Vizepräsidenten der Kultusgemeinde als Austauschobjekt für seine Zustimmung zur Bestellung des Herrn Dr. Löwenlierz zum Amtsdirektor vorläufig zumindest zugesagt worden ist. Dies trotz des inneren Widersrrebens derjenigen Allgemeinen Zionisten, die auch ein Empfinden für die jüdische Religion haben, weil sie ebenso genau wie wir wissen, daß der künftige Vizepräsident der lsr. Kultusgemeinde wohl für das . jüdische Volkstum", aber nichts für die jüdische Religion und somit für die Kultusgemeinde übrig hat. Den Anlaß zu seiner neuesten Attacke findet das Organ der Judenstaatspartei in dem in unserem Blatte unlängst veröffentlichten Artikel über die Stellungnahme des Herrn Dr. C z e r m a k zum sogenannten Judenproblem. In dem erwähnten Artikel wurde auf Grund der geltenden österreichischen Bundesverfassung sowie des Gesetzes vom lahre 1890 nachgewiesen, daß die Kultusgemeinden in Oesterreich einzig und allein zur Besorgung der religiösen Angelegenheiten berufen sind, daß aber die Vertretung der staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte der Juden nicht in ihren Wirkungskreis falle. Wir schrieben wörtlich: „Wie sollte sich also zum Beispiel der gegenwärtige Vorstand der Wiener Kultusgemeinde, der mit zirka 8000 bis 10.000 Stimmen ausländischer Juden gewählt wurde, die Legitimation arrogieren wollen, sozusagen als politische Vertretung der österreichischen Judenschaft aufzutreten? Es wird doch wahrlich niemand leugnen können, daß gerade die in Wien lebende ausländische Judenschaft zu der Art der Zusammensetzung des im Dezember 1932 gewählten Kultusvorstandes im besonderen Maße beigetragen hat. Es liegt keinerlei Vorwurf darin, wenn festgestellt wird, daß die ausländische Judenschaft sich .weniger voji österreichisch-politischen als von palästinensisch-politischen Gesichtspunkten leiten läßt. Um so grotesker allerdings mutete der diesjährige Beschluß des zionistischen Landeskomitees an, wonach „die Kultusgemeinde in ihrer derzeitigen Zusammensetzung die bürgerlichen und politischen Rechte der österreichischen Judenschaft zu vertreten und wahrzunehmen hat", das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als daß die gerade infolge der numerischen Stärke der ausländischen Judenschaft diesmal siegreich aus den Wahr len hervorgegangene nationaljüdische .Majorität sich das Recht anmaßt, sich als Vertretung der staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte der österreichischen Judenschaft aufzuspielen." Das Blatt des Führers der Judenstaatspartei findet in diesen Sätzen eine offene, „an die Behörden und die nichtjüdische Oeffentlichkeit gerichtete Angeberei", einen Vorwurf, daß „der Zionismus und sein Anhang dem Vaterlande Oesterreich gleichgültig oder ablehnend gegenüberstehen." Unsere Leser werden sich vergeblich bemühen, aus der wiedergegebenen Stelle des Artikels den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit herauszulesen. Und wir fühlen aufrichtiges Mitleid mit den Herren der Gegenseite, die infolge ihres begreiflicherweise überreizten Nervenzustandes schon überall Gespenster sehen. In der Feststellung, daß der Wiener Kultusvorstand, der auch von einer verhältnismäßig großen Zahl von ausländischen Juden gewählt wird, nicht berechtigt ist, die bürgerlichen Rechte der österreichischen Judenschaft zu vertreten und daß die ausländische Judenschaft Wien XL, Praterstraße 30 das Haus £ür elegante Wohnungseinrichtungen sich weniger von österreichisch-politischen als von palästinensisch-politischen Gesichtspunkten leiten läßt, soll nach der Behauptung der „Neuen Welt" eine Angeberei liegen, die zu Attentaten auf die gesamte Judenschaft benützt werden könnte. Glauben die Nationaljuden in ihrer ghettohaften Selbsteinkreisung wirklich, daß die außerjüdische Oeffentlichkeit erst auf die „Angebereien" der „Union" warten muß, um über die nationale und staatszionistische Ideologie informiert zu sein? Sind zum Beispiel die seinerzeitigen Erklärungen des Vizekanzlers und gegenwärtigen Bürgermeisters Dr. Schmitz im österreichischen Nationalrate über das starke Wiederaufflammen des Antisemitismus als eine Folgeerscheinung der nationaljüdisch-zionistischen Bewegung, sind vielleicht auch die Hinweise der n a t i o n a 1 s o z i alistischen Regierung Deutschlands (im Zusammenhange mit den Nürnberger Gesetzen) auf die Forderungen des letzten Luzerner Zionistenkongresses eine Folge von Denunziationen der „Union"? Es ist den Herren Nationaljuden bisher nicht gelungen und wird ihnen auch in Zukunft nicht gelingen, uns durch die Vorwürfe von angeblichen Denunziationen mundtot zu machen. Herr Stricker im besonderen täuscht sich, wenn er meint, daß die „Union" den Kampf um die Wiedereroberung der Kultusgemeinde aufgegeben hat. Er frohlockt zu früh, die Wiener jüdische Bevölkerung wird den jüdischnationalen Protektionisten und den jüdischnationalen Patrioten, die unsere Zukunft und insbesondere unsere Jugend gefährden, noch die gebührende Antwort geben. Die antisemitische Welle in Polen im Ansteigen. Todesopfer. — Dynamit gegen Synagoge. Die fortdauernde antisemitische Aktion der nationaldemoknatischen Studentenschaft hat bis jetzt die Universitäten und Hochschulen in Warschau, Wilna, Lemberg und Krakau ergriffen und wirkt sich darüber hinaus auf das öffentliche Leben in mehreren Teilen Polens aus. Ein vor zwei Tagen lauf dem Wege zur Lemberger Universität von Nationaldemokraten überfallener jüdischer Student Samuel Rosenberg ist den schweren Verletzung e n, die ihm beim Betreten des Universitätsgebäudes zugefügt wurden, nunmehr erlegen. Er verstarb in dem vom Rektor der Universität, Professor Nadolski, geleiteten Krankenhaus. Ein jüdischer Schneidermeister. Mosche Z w i s c h e 1, der sich in das Universitätsgebäude begab, um einem Professor einen bestellten Anzug abzuliefern, wurde im Universitätsgebäude von nationaldemokratischen Studenten überfallen und so zugerichtet, daß man für sein Leben fürchtet. Bei einem Dynamitanschlag auf eine im Bau befindliche Synagoge im Sosnowitzer Industrievorort Pogon wurde lebensgefährlich verletzt der vierzehnjährige Abraham Rosen bl um: er ist an den Folgen dieser Verletzungen im Krankenhaus gestorben. Die Dynamitladung war unter dem Haupteingang der Synagoge eingebaut und mit einer längeren Zündschnur versehen worden. Bei der Explosion wurde nicht nur der größteTeil des im Bau befindlichen Gebäudes zerstört, sondern auch in den benachbarten, von Juden bewohnten Häusern wurden Türen und Fenster zertrümmert, eine Reihe Einwohner wurde verletzt, davon drei sehr schwer. In einem anderen Vorort von Sosnowitz, in D o m b r o w a. drangen Huligans in der Nacht in die Synagoge ein, zerstörten die Inneneinrichtung, plünderten die Thoralade, zerrissen und beschmutzten die Thorarollen und stahlen den Silberschmück. Die Huligans verrichteten ihre Notdurft auf den Gesetzesrollen, die sie auf dem Boden ausgebreitet hatten. Der Ortsrabbiner hat angeordnet, daß die ganze Gemeinde einen Tag fasten solle und daß die ständigen Besucher dieser Synagoge zum Zeichen der Trauer „schiwasitzen" sollen. Es ist die allgemeine Meinung, daß, wenn es sich bei den Tätern auch nur um niedrig stehende Individuen handeln könne, solche Taten nur durch die unablässige blutrünstige Propaganda der Nationaldemokraten möglich werden können. Mildes Urteil im Grodnoer Pogrom- Prozeß. In dem in der vorigen Woche unterbrochenen Prozeß gegen die Teilnehmer an den Pogromausschreitungen gegen die Juden in G r o d n o am 7. Juni d. J. ist vom Kreisgericht in Grodno das Urteil gesprochen worden. Das Kreisgericht verurteilte den Hauptangeklagten Panasiuk zu einem Jahr Gefängnis; die Angeklagten Kozlowski, Martinczuk und Zygmanski erhielten neun Monate, Szukowa, Moszdszer. Bielski, Oleszczak, Jaroszewicz, Romanczuk und Plocki sechs Monate Gefängnis; die Angeklagten Szulkowski, Judszak, Boleckh Malejka und Lasota wurden freigesprochen. Panasiuk und Zygmanski wurde die Untersuchungshaft in die Gefängnisstrafe eingerechnet, sie wurden gegen eine Geldbürgschaft von je 200 Zloty auf f r e i e n F u ß g e s e t z t. für die übrigen neun Verurteilten wurde die Strafe auf f ü n f J a h r e ausgesetzt, sie werden dieselbe bei Wohlverhalten nicht abzubüßen haben. Dies die Sühne für einen Pogromexzeß, der die gesamte jüdische Bevölkerung von Grodno in Schrecken versetzte, zwei jüdische Tote, zahlreiche jüdische Schw erverletzte und einen unermeßlichen materiellen Schaden durch ZerstörunghunderterjüdischerGeschäf- Sauerkraut Dawid Steinhof Wien II., Haidgasse Nr. 5