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Die Wahrheit · 1935-11-15 · Heft 46 (15.11.1935) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 46 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 46 — 15, November 1935 DIE WAHRHEIT l aber h a be n es denn jene M e ns cii e n gewußt? Waren sie dessen sicher, daß ihr Versuch scheitern würde? Mußten sie nicht ihrerseits es unter allen Umständen als ihre heilige Pflicht betrachten, wenn es sein muß. mit Einsatz ihres Lebens, den Opfern der Verfolgung Hilfe zu bringen, die Gewalttätigkeiten abzuwehren und sie jedenfalls laut zu verurteilen, damit man ihr Schweigen nicht als Zustimmung ansehe und sie nicht iür Mitschuldige halte? Und vielleicht hätte die Energie ihrer Mißbilligung, die Kraft und Entschiedenheit ihrer vereinten Abwehr es dahin gebracht, daß die Gewalttätigkeit eine Erschütterung erfahren hätte undleichter zu stürzen und aus dem Wege zu räumen gewesen wäre." Darauf hatte, so sagen unsere Weisen. Gott, der Allmächtige und Barmherzige, nichts mehr zu erwidern. Er mußte der absoluten Gerechtigekit nachgeben und den Befehl erteilen, daß die ganze Stadt, mit Einschluß der scheinbar gerechten und ehrsamen Bewohner zerstört und vernichtet werde. So müssen wir sagen, daß auch in unserer Zeit die Verantwortung für alles schwere Unrecht, das geschieht, nicht bloß auf den Schultern der Täter liegt, sondern sehr schwer auf denjenigen lastet,, welche schweigen, welche in vermeintlicher oder wirklicher Ohnmacht es unterlassen, von nah und fern sich zusammenzuschließen, um mit der größten Entschiedenheit im Namen der beleidigten Menschheit dagegen Verwahrung einzulegen. Der Herr Vizepräsident a. D. und Amtsdirektor in spe in eigener Sache. Der Herr Vizepräsident Dr. Josef Löwe tili e r /. der noch immer sein ehrenamtliches Mandat festhält, wiewohl er seine Parteigenossen dazu bestimmt hat, ihm die Stelle eines Amtsdirektors der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien mittels Dienstvertrag und Pensionsberechtigung (Dr. Löwenherz ist 52 Jahre alt!) zu übertragen, hat sich durch das Taktgefühl, das „Die Stimme" und die übrigen jüdischnationalen zionistischen Zeitungen durch schuldbewußtes Stillschweigen wahren, nicht länger zurückhalten lassen und sein angesammelter Ingrimm gegen die bösen Unionisten, die ihn aus sachlichen Gründen als Aintsdirektor ablehnen, hat sich anläßlich des zehnjährigen Jubiläums des Hilfsvereines für russische Juden in Wien in einer scharfen Attacke gegen die „bodenständigen" Wiener Juden entladen. Alle Vorsicht und Klugheit vergessend, hat der ..objektive" Amtsdirektor von morgen die so mühsam festgehaltene Maske fallen lassen und so gesprochen, wie er tatsächlich denkt und fühlt, als der jüdischnational-zionistische Parteiführer, der keine besondere Verbundenheit der 'seit hunderten von Jahren in diesen Landen wohnenden jüdischen Glaubensgenossen mit dieser ihrer Heimat und besonders mit Wien anerkennen will. Herr Dr. Josef Löwenherz. der. Vertreter der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, hat bei diesem Jubiläum des Hilfsvereins russischer Juden es für richtig gefunden, folgendes zu sagen: „Es muß endlich mit dem bisher üblichen Schlagwort von der Bodenständigkeit gebrochen werden. Es geht nicht an, daß es bodenständige und nichtbodenständige Juden gibt, die von den ersteren von eben angesehen werden. Die Juden sind in Europa überhaupt nirgends mehr bodenständig, da dieselben in allen Staaten nur mehr geduldet werden, was insbesondere das Beispiel in Deutschland lehrt. Auch wir in Wien sollen endlich damit aufhören, die Bodenständigkeit hervorzuheben." Herr Vizepräsident Dr. Löwenherz hat die Vermessenheit, damit eine Frage aufzuwerfen, die die Abkömmlinge der seit vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten in Oesterreich ansässigen und mit diesem ihrem Vaterland eng und unlösbar verbundenen Juden aus Gemeinschaftsgefühl mit ihren, hauptsächlich aus dem Osten eingewanderten Glaubensgenossen bisher nie berührt haben. Dieser Teil der österreichischen Judenschaft hat es sogar ruhig über sich ergehen lassen, daß die jüdischnationalen Zionisten mit Hilfe der zirka 8000 bis 10.000 Stimmen der ausländischen Juden, die nach Oesterreich größtenteils nicht freiwillig, sondern zufolge der Kriegsnöte eingewandert sind, die Majorität der Kultusgemeinde erobert haben. Wie diese Herrschaft — um bei der Nomenklatur des Herrn Vizepräsidenten und künftigen Amtsdirektors zu bleiben — der „nichtbodenständigen" Juden über die „bodenständigen" sich auswirkt, ergibt sich für eine weitere Oeffentlichkeit aus dem Fall Rath, aus dem Fall des Herrn Vizepräsidenten selbst und aus den künftigen gleichartigen Fällen, in denen die Anstellung von jüdischnational-zionistischen ehrenamtlichen Funktionären als Beamte der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde beabsichtigt ist. Wir müssen an diese Absichten glauben, weil in gleicher Art anfänglich nur gerüchtweise von der Besetzung der Stelle des Bibliothekars und der:Stelle des Amtsdirektors gesprochen wurde. Ein Funktionär der Kultusgemeinde hat diese Erscheinungen einer ausgesprochen unsauberen Parteiherrschaft damit charak- Häuseradminisfration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern terisiert. daß er erklärte, die Israelitische Kultusgemeinde Wien werde zwei Versorgungshäuser haben, eines in der Seegassefür ihre Glaubensgenossen, die nicht das Glück haben, jüdischnationale Funktionare der Kultusgemeinde zu sein, und eines in der Seitenstettengasse nur für die letzteren. Die weniger in die öffentliche - Erscheinung tretende Auswirkung der. jüdischnationalen Parteiherrschaft in der übrigen Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde, ind er Subventionswirtschaft, in der Verwaltung des Versorgungshauses, Spitals, Fürsorgewesens usw. ist ein Kapitel iür sich, mit dem wir uns noch eingehend beschäftigen wollen. Die Juden Wiens müssen es sich merken. Herr Vizepräsident Löwenherz hat das Innere seiner Seele bloßgelegt und er war der Erste, der von „ßodenständigkeit" und „Nichtbodenständigkeit" gesprochen hat, und der mit solchen demagogischen Redensarten, wie zum Beispiel „die Juden sind in Europa überhaupt nirgends mehr bodenständig" und dem Schlagwort von der „jüdischen Nation", die von ihm „bodenständig" genannten österreichischen Juden im eigenen Hause vollständig an die Wand drücken und von der Herrschaft der von ihm „nichtbodenständig" genannten Juden abhängig machen will. Greuel aus der braunen Hölle. Das Gericht in Kassel verurteilte den 53jährigen jüdischen Arzt Paul Bmeck wegen angeblichen Versuchs, arische Frauen zu „Rassenschande" zu verführen, zu neun Jahren Gefängnis. h Die Hamburg—Amerikai-Linie hat ihren JJampfer ..Albert Ball'in" in „H a-n s a'Vu m g et a u f t. Albert 'A a 11 i n war bekanntlich J u d e. Und ein so gl ü h e nder deutscher Patriot, daß er den Zusammenbruch des Reiches nicht überleben wollte und sich am V. November 1918 das Leben nahm. Er glaubte sein Lebenswerk vernichtet: den Aufbau der stolzen deut- .schen Handelsflotte, die er aus kleinsten Anfängen hochgebracht hatte. Im deutschen Schiffsregister wird Albert Ballin siestriehen. In den Annalen der Geschichte gewiß nicht. * Die „Flammeuzeichen", Stuttgart, berichten: In Brandenburg ließ ein Pfarrer am Altarkreuz von den Buchstaben INR1 die beiden letzten entfernen. Der Mann fühlte ganz richtig, daß ein König der Juden wohl nicht gut der Heiland der Welt sein kann." Sämtliche in Nürnberg wohnhaften Juden erhielten von der Nürnberger Geheimen Staatspolizei die Aufforderun.g, ihre Pässe abzuliefern. Bei dieser Gelegenheit wurde ihnen mitgeteilt, daß sie sich ins Ausland nicht ohne eine besondere Erlaubnis der Gestapo begeben dürfen. Ein Nürnberger Jud?. der eine Auslandsreise antritt und hierzu die Erlaubnis der Gestapo bekommt erhält auf dem Paß den Vermerk, daß, falls er länger' als drei Monate von Deutschland fernbleibt, er das Land nicht wieder betreten dürfe. Er darf Deutschland nur an der von der Gestapo vorher bestimmten Grenzstation verlassen und nur über die gleiche Station zurückkehren. . Im ganzen Reich nehmen die Verhaftungen wegen sogenannter oder angeblicher „Rassenschande" einen erschreckenden Umfang an. Denunziationen sind Tür und Tor geöffnet. Verhaftungen wegen „Rassenschande" sind als Druckmittel sehr beliebt, um Geschäftsinhaber zum schnellen Verkauf ihres Betriebes um jeden Preis zu zwingen. Die zahllosen „Rassen- .schande"-Prozesse sind fürchterliche Farcen und jederzeit dem Druck des Pöbels ausgesetzt. So erscheint ab Herrenkleidersalon S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die fetzige Saison die schönsten Maßanzüge und Winterröcke in den herrlichsten Dessins Billigste Preise Feinste Ausführung Garantierte Paßform und zu Julius Streicher, das Mitglied der Akademie für deutsches Recht, höchstselbst und geräuschvoll* mit Begleitung mitten in einer Verhandlung und terrorisiert so das Gericht — falls die Richter nicht längst willfährig und vor lauter Angst zu jeder Rechtsbeugung bereit sind. Wie die „Frankfurter Zeitung" berichtet, sagte Staatssekretär Dr. Stuckart auf einer Frankfurter Tagung des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen u. a.: Für den nationalsozialistischen Staat wurzele auch das Recht in dem rassemäßigen Gemeinschaftsdenken... Ein Jude könne deshalb kein öffentliches Amt wie das eines Richters oder Notars bekleiden, ebensowenig eigentlich das Amt eines Rechtsanwaltes. Es sei jedoch nur selbstverständlich, wenn auch diese Frage (die der Tätigkeit jüdischer Anwälte) nur allmählich gelöst werde. Aber es müsse dahin kommen, daß ein jüdischer Anwalt nur noch jüdische Klienten vertreten dürfe und daß die Zahl der jüdischen Anwälte in Einklang gebracht werde mit der jüdischen Bevölkerungszahl. Vor dem Schöffengericht in Hildes-, heim hatte sich laut „Frankfurter Zeitung" wegen tätlicher Beleidigung ein Hildesheimer Jude zu verantworten, dem vorgeworfen wurde, er habe sich als Jude an einem deutschenMädchen dadurch vergangen, daß er sie umarmt und geküßt habe. Das Mädchen gab zu, daß es keinen Widerstand entgegengesetzt habe. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte drei Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf einen Monat Gefängnis. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, die Tat des Angeklagten sei eine Anmaßung des jüdischen Volkes gegenüber dem deutschen Volk. Dadurch sei nicht nur das deutsche Mädchen, sondern das ganze deutsche Volk beleidigt. Der Urteilsspruch bleibe unter dem Strafantrag, weil der Angeklagte als Frontkämpfer seine Pflicht gegenüber Deutschland getan habe und seinerzeit gleich nach Aufdeckung der Angelegenheit 8 Tage in Schutzhaft gewesen sei. Der Bürgermeister des Dorfes Mögend-o r f im Unterwesterwaldkreis wurde seines Amtes enthoben, weil er in einem öffentlichen Lokal mit einem Juden Karten gespielt hatte. König Georg der II. an die griechischen Juden. König Georg IL, der in den nächsten Tagen seine Rückkehr von London nach Griechenland vollziehen wird, hat an den Oberrabbiner von Saloniki, Dr. Zwi K o r e t z. ein Telegramm gerichtet, in dem er der jüdischen Bevölkerung den Dank für ihre Loyalitätskundgebungen ausspricht. Die griechische Judenheit hatte zu der politischen Neuordnung in Griechenland außer in Telegrammen an den König und General Kondylis auch durch eine Erklärung Stellung genommen, die von einer aus Oberrabbiner K o r e t z, dem Präsideuten der Salonikier jüdischen Gemeinde Leon Gattegno und dem Vizepräsidenten Haimaki Cohen bestehenden Abordnung vor dem königlichen Gouverneur M a n d a s abgegeben wurde. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien l., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, bittet dringendst im Hinblick auf den Ernst der Zeit und die katastrophale Arbeitslosigkeit unter den Juden im Bedarfsfalle Angestellte und Arbeiter jeder Art, sowie Lehrlinge bei obigem Arbeitsnachweis anzufordern. WIEN II.. Praiersfraße 33 Telephon R 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2 — aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt.

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