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Die Wahrheit · 1935-11-08 · Heft 45 (8.11.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 45 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 45 — 8. November. 1935 DIE WAHRHEIT S(kmems Uamkt an loyalen Staatsbürgern. I^monadum der^ Vereinigiuig jüdischer Aerzte an die Regierung. Die: yereijiigung jüdischer Ae^rzrt.e W Le n shat klein Bundesm in ist er f ü r s qr ziale Verwaltung ein von Prof. Bjraün und Dr. Güdemann unterzeichnetes Memorandum überreicht, in dem ausgeführt wird: c;. Seit Mai 1933 werden in -den Wiener Fohdskrankenanstalten die Ernennungen den Hilfsärzte nicht mehr nach dem Prinzip der Anciennität durchgeführt, sondern diese Ernennungen erfolgen prinzipiell mit Uebergehung aller vorhandenen jüdischen Anwärter, obwohl die noch immer in Kraft «teilende „Spitalsärzte Ordnung" die Vorrückung nach dem Rang grundsätzlich vorsieht. Als Folge dieses Vorganges werden jüdische Aerzte, die mehrere Jahre als Hospitanten unentgeltlich Dienst versehen, immer wieder übergangen, während nicht jüdische Anwärter unmittelbar oder ganz kurze Zeit nach ihrer Promotion ernannt werden. Es häufen sich sogar immer mehr die Fälle, daß jüdische Spitalsärzte nach vierjähriger Spitalstätigkeit die Anstalt als Hospitanten wieder verlassen müssen. Obwohl es also jüdischen Aerzten in vierjähriger Wartezeit nicht gelingt, Aspiranten oder Sekundarärzte zu werden,, gibt es an den Wiener Fondskrankenanstalten systemisierte Hilf särztestellen, die nicht besetzt werden, weil für dieselben nur jüdische Anwärter vorhanden sind. Zum Schluß wird der Bundesminister gebeten, das „schwere Unrecht, das loyalen Staatsbürgern nur aus dem Grunde zugefügt wird, weil sie Juden sind, ehestens aus der Welt zu schaffen". Die Vereinigung wendet sich auch mit einem Aufruf an die jüdische Aerzteschaft, in welchem sie erklärt, daß „an der seit zweieinhalb Jahren bestehenden Uebung, Juden zu den besoldeten Stellen und Stipendien an den Spitälern des Staates und der Gemeinde Wien nicht zuzulassen, sich nichts geändert hat". Da die meisten der seither promovierten jüdischen Jungärzte auf diese Weise der Möglichkeit beraubt sind, die erforderliche Spitalsausbildung mitzumachen, wird die Aerzteschaft aufgefordert, dem von der Vereinigung geschaffenen „Ausbildungsfonds für jüdische Jungärzte" durch entsprechende Beiträge zu Hilfe zu kommen. e Als Beweis für die skrupellose und unflätige Art, in welcher die jüdischen Aerzte auch von nichtjüdischen Berufskollegen angegriffen werden, sei hier ein von einem Arzte gezeichneter „Aufruf", veröffentlicht im „Neuigkeits-Weltb 1 a 11", zitiert. In dem Aufrufe hieß es: „. . . Der materialistische Geist der Raffgier, Habsucht ud Uebertölpelung hat die ärztliche Arbeit und den Arbeitnehmer Arzt herabgewürdigt. Zersetzender jüdischer Geist hatte unsere Aerzteschaft gespalten in Pauschalkassenärzte und Freipraktizierer und beide gegeneinander gehetzt, um sie beide zu beherrschen . . . Das Problem der Aerztefrage kann nicht gelöst werden, indem dem einen das . Brot aus dem Munde genommen wird, um es dem anderen zu geben, wie es jüdischer Händlergeist vordem geschehen ließ .. Für die österreichische Aerzteschaft ist daher volle Einigung das Gebot der Stunde . . . Oesterreich! Dr. Bruno Mandel (Wien)." Die Leser glaubten sicher, daß hier das Geistes- und Gemütsprodukt eines „arischen" Arztes vorliegt. Dem ist aber nicht so. Besagter Doktor Bruno Mandel kommt ganz anderswoher. Seine Personaldaten lauten: Dr. Bruno Mandel, wohnhaft Wien VIII., Florianigasse 2, geboren am 8. Mai 1896, mosaischer Konfession. Ausgetreten aus dem Judentume am 10. Oktober 1934. Laut Austrittsverzeichnis der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Nr. 577. Italien und die Juden. Erklärungen des Ministers Piero Parinl. Minister Piero Parini, der alle italienischen Organisationen, Schulen und Kulturanstalten in allen außeritalienischen Ländern leitet und ein naher Mitarbeiter des Regierungschefs Mu-ssolini ist, gab in einem längeren Gespräch mit dem römischen JTA-Vertreter die folgenden Erklärungen: „Die vielen italienischen Schulen in den Mittelmeer-Ländern, z. B. in Tunis, Griechenland, der Türkei, Bulgarien, Syrien. Aegypten und Palästina, werden von einer großen Zahl jüdischer Schüler besucht. Die Juden dieser Länder sind — sei es durch Abstammung, sei es durch geistige Traditionen — mit Italien verbunden und sie pflegen diese Traditionen dadurch, daß sie ihre Kinder in unsere Schulen schicken. Wie tekannt, haben wir auf unsere Kosten einige Lehrer in die hebräischen Schulen in Palästina beordert, erst in den letzten Tagen haben wir einen weiteren Schullehrer, Prof. Gattegno, nach Tel Aviv delegiert. Demnächst wird auch in Jerusalem ein Institut für italienische Kultur gegründet werden, die Leitung wird . der jüdisch-italienische Schriftsteller und Literarhistoriker Prof. Aldo Sorani innehaben. Es ist mir eine angenehme Pflicht, zu unterstreichen, daß sich zum Eintritt in die von mir geschaffene ' Fr ei willigen-Legi ö n viele italienische Juden aus allen M itt eimeer-Lände, rn gemeldet haben, die Kinder oder Enkel jener Juden aus Livornö, Pisa und ' anderen italienischen Städten sind, die Italien sogar hoch vor der Gründung des Vereinigten Italien, d. h. vor 1870, verlassen haben. Das ist wirklich ein schönes Beispiel von Patriotismus und Ergebenheit, welche die italienischen Juden ihrem alten Vaterland entgegenbringen. In unserer Legion finden sich jüdische Freiwillige, die 19il in Tripolitanien, und solche, die im Weltkrieg unter italienischer Fahne gekämpft haben. Es soll nur auf den jüdischen Patrioten Major Lionello Attias aus Tunis hingewiesen werden, der sich mit seinem Sohn freiwillig gemeldet hat. und dem die Führung eines .Bataillons unvertraut wurde." ,'; Minister Piero Paini .unterstrich den Unterschied zwischen italienischem Faschismus und Hitlerismus, die in keiner Weise miteinander zu identifizieren sind. „Das Rassenprinzip". Sagte der Minister, „wider, spricht jeder römischen und italienischen Auffassung. Bei uns gilt das Prinzip der loyalen Haltung zum Staat und, des harmonischen Zusammenlebens der Bürger ohne Unterschied der refigiöSeh üebelrzeugung und der ethnischen'Abstammung." Minister Piero Parini unterstrich den U n t erhin, daf} in Ländern mit großer jüdischer ufld italienischer Massensiedlung, wie z. B: in Amerika, A r gen ti n i e n usw., dielta- 1 ieuer und die Juden im besteh Einvernehm e n miteinander leben und gute politische und soziale Beziehungen zueinander pflegen. Unter den italienischen Kriegsfreiwilligen ist ein hoher Prozentsatz von Juden, nicht nur aus Italien selbst, sondern auch aus Aegypten, Algier,. Griechenland, der Türkei usw. festzustellen. Es handelt sich meist um Juden, deren Eltern vor mehreren Jahrzehnten aus Livornö, Ancona, Pisa usw. ausgewandert sind und die jetzt ihre Treue zur italienischen Heimat unter Beweis stellen wollen. Die in Sabaudia bei Rom aufgestellte Legion, welche durchwegs aus auslandsitalienischen Freiwilligen besteht, hat eine große Zahl jüdischer Offiziere in ihren Reihen. Ein Bataillon wird von dem oben erwähnten jüdischen Major Lionello Attias aus Tunis befehligt, der nach dem Kommandanten. den höchsten Rang in der Legion einnimmt. Major Attias ist gemeinsam mit seinem jungen Sohn , und seinem Vetter freiwillig zu den Fahnen geeilt. Von den freiwilligen jüdischen Offizieren sind ferner zu erwähnen Leutnant Mpdiano aus Saloniki, Leutnant Sacuto, Hauptmann Bensason und Hauptmann Disegni, die auch im Weltkrieg in der italienischen Armee gekämpft haben. Als Freiwilliger hat sich auch der junge Rabbiner Catarinas, Salomone, gemeldet. Zum abessinischen Kriegsschauplatz, Erythrea- Front, haben sich soeben die beiden ersten jüdischen Feldräbbiner,; Aldo Sonnino und Amadeo Terracina, begebend Ein dritter Feldrabbiner, E. Catarivas, der sich freiwillig aus dem Ausland gemeldet hat, geht Ebenfalls demnächst zur Erythrea-Front ab. Herr. Dr. Isidor Klaber hat, wie wir erfahren, in der am 5. d. M. stattgehabten Ausschußsitzung des „Jüdisch-Kulturellen Elternbundes"- die seinerzeit von.ihm gegen^..unseren Chefredakteur Oskar Hirsch.feld im Zusammenhang mit dem Artikel „Klabe.r.als Er zieh er", gemachten beleidig enden An w ürie mit dein Ausdruck des Bedauerns zurückgezogen. 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Das sind Selbstverständlichkeiten, die nur einem liberalistisch-marxistischen System nicht eigen waren. Selbstverständlich, wenn ich alles in der Gleichmacherei gleich anerkenne, darin ist die logische Folgerung, daß ich schließlich auch jeden Juden zum Reichsbürger zu stempeln habe. Wenn aber ein Reich und ein Volk rassebewußt in der Erkenntnis der Zusammengehörigkeit seines Blutes ist, dann muß dieses Volk es selbstverständlich als richtig empfinden, die Leitung seiner Geschicke nur rasseeigenen Menschen anzuvertrauen. F r i c k. In der Hauptmitgliederversammlung der Gaufachschaft der Berliner Gemeindebeamten erklärte Reichs¬ und Preußischer Minister des Innern Dr. Fr ick: Das Reichsbürgergesetz unterscheide zwischen Staatsangehörigen, die es schon bisher gegeben habe und solchen Deutschen, denen das Reichsbürgerrecht zustehe, das mit dem Wahlrecht verbunden sei und welches nur auf Grund besonderer Leistungen und nur an Deutschblütige verliehen werden könne. Das Reichsbürgergesetz habe die Judengesetzgebung automatisch zur Folge gehabt. Ausführungsbestimmungen zu diesen Gesetzen seien in absehbarer Zeit zu erwarten. Sie würden u. a. zu erkennen geben, daß der Jude nicht Träger von Aemtern und politischer Rechte sein könne. Wir haben keineswegs die Absicht, den Juden zu quälen (?), aber es sei eine klare Trennung erforderlich. Der Jude sei als Fremder zu uns gekommen, und er werde immer Fremder bleiben. Wir haben nicht den Ehrgeiz, uns in interne jüdische Angelegenheiten einzumischen. Wenn aber die reine Scheidung durchgeführt werde, so werde es in Zukunft schließlich auch keine Beschwerden mehr seben, sondern ein wahrer Friedenszustand (!) eintreten. * Frank. Reichsminister und Reichjuristenführer Dr. Frank kündigte in einer Rede an, es werden vollkommen neue Betrachtungen und Begriffe über die Eheschließung sich durchsetzen müssen: er deutete; an, daß gesetzliche Möglichkeiten geschaffen werden, um eine von früher her bestehende Rassen -Mischehe (bekanntlich berühren die Nürnberger Gesetze, die Rassenmischehen verbieten, nicht bereits bestehende Mischehen) auch jetzt noch zur Auflösung zu bringen. Im weiteren Verlauf seiner Rede sagte Reichsminister Dr. Frank, daß die Einführung des Reichsbürgergesetzes einen wesentlichen Fortschritt:bedeutet. „Es war ein Wahnwitz sondergleichen, durch die Emanzipation der Juden die Verfälschung des Begriffes „Staatsangehöriger" zuzulassen. Es ist nicht wahr, daß das deutsche Volk eine Gemeinschaft von Staatsangehörigen ist Das deutsche Volk ist eine Rassen- und Blutsgemeinschaft." Ihr Mund ist der Vorraum zu Ihrem ganzen Organismus. 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