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Die Wahrheit · 1935-11-08 · Heft 45 (8.11.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 45 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 45 ~ 8. November 1935- Seite Generalversammlung der „Union". Donnerstag, den 24. v. M. fand.- wie letzthin kurz berichtet, im. überfüllten Festsaale des Handelsmuseums die Generalversammlung der .^Union" statt. Der Vorsitzende, Präsident der „Union" Dr. Hermann O p p e n h e i m, begrüßtezunächst die Erschienenen, insbesondere die anwesenden Herren des Zenträlvorstandes und Klubs der „Union" und rührte in seiner mit großem Beifall aufgenommenen fröffiiungsrede u. a. folgendes aus; Die Judengesetze in Deutschland vom 15. September 1935 bilden den formalen Abschluß'dessen, was schon seit dem Amtsantritte Hitlers in Deutschland den ■ Juden gegenüber praktiziert wurde, nämlich ihre Verfolgung und Entrechtung auf allen Gebiete«!. Wir hoffen, zuversichtlich, daß der Tag kommen wird, an dern das heuteirregeleitete .deutsche Volk erkennen wird, welch untilgbare Schmach ihm jene angetan haben, die aus dem Körper des . deutschen Volkes die Juden aussondern wollen, welche mit diesem durch sechzehn Jahrhunderte Leid und Freud , geteilt haben. Reg.- Rat Dr. Oppenhelm beschäftigte sich eingehend mit den tüchtigen Begründungen, die den Juden- Gesetzen gegeben wurden und stellte fest, daß" yön allen 25 Punkten!, die Adolf Hitler im Jahre 4920 als Parteiprogramm proklamiert hatte, er nur den Punkt 4 erfüllt hat, .alles übrige, : : was er versprochen hat, ist er dem deutschen Volke schuldig geblieben.. Dieser Punkt 4 stellt die Juden in Deutschland als Gäste unter Fremdenrecht, in Wahrheit sind sie durch die Gesetze vom 15. Sep- Tember. außerhalb jedes Rechtes gestellt worden und ist man mit den Nürnberger Gesetzen viel weiter gegangen als im Jahre 1920. : Die ganzegesittete Welt ist empört über die Dinge, die in Deutschland geschehen, entrüstet darüber, daß man Jüdischen Kranken keine Arzneien v erabreicht, daß man Juden den Kauf von Lebensmitteln verweigert, daß man die Ehre der gefallenen jüdischen Helden besudelt und daß man ein Element,- das zum Aufstieg der deutschen Wirt- | schaft so viel beigetragen, nun aus Konkurrenziründen in. brutaler Weise aus dieser Wirtschaft j ausstößt. j'.Aj^|!^1;,^hi9fti!:Re».sJ?at,-'Dr.'-- 'Oppen- '■ I heim seine eindrucksvolle. Rede, wird die deutschen luden nicht abhalten, sich nach wie vor mit ihrem I Vaterlande in unerschütterlicher Treue und Liebe verbunden zu fühlen, sof|wie.jsie es in Tagen der Freude getan haben..(Unser;a!ler Hoffnung aber ist, daß die Erniedrigimg derjdeultselien Juden bald ein 1 Ende finde.. , nsr. iii*.' - Sekretär QskfiriH i r;s;c'hf ei d Erstattete nun jclen Rechenschaftsbericht,- der" die Zeit seit der tarn 4. März stattgehabten X. ordentlichen Deleisiertenyersammlung der „Union" umfaßt. Er beirichtete einleitend über die Arbeiten der verschiejüenen Komitees, insbesondere des Exekutiv-Komi- Itees, des politischen und des Wirtschafts-Komiltees, rwelch letzteres die unterder ausgezeichneten Leitung des Herrn Kommerzialrates' Alexius-Salzer verdienstvoll arbeitende Beirat u ngss teil e, für wirtschaftliche [Angelegenheiten 'ms Leben rief. Der Be- Iriehc fährt dann fort: Der Abhaltung von Vereinsversammlungen Island das im heurigen Jahre besonders zeitlich lerkissene Sommer-Versammlungsverbot entgegen. IVot Erlassung dieses Verbotes, durch das wir in lunserer Propaganda arg gehemmt' wurden, fand [noch die uns allen unvergeßliche M a i'm o n i d e s- [Gedenkfeier statt, bei der tmser hochverehrter Herr Ehrenpräsident Dr, Jakob Ot litte i n die eindrucksvolle. Festrede hielt .Die [Feier darf mit Fug und Recht als die schönste |ier in Wien zum Andenken an den großen iüdi- Kiiert Philosophen abgehaltenen bezeichnet werben, sie hat bei all den vielen Teimeliunern,: unter. r Kienen wir htiF^enugtüüng;.hl^qr.räj&njde, f $uist$>. piche PersSriltOTkeiten begrüßen k^nnte^i^tartefiir pndruBc ausgelost; rriftbesonderem Stolze kan.--. pien wir ein Dankschreiben registrieren, das der hei der Gedenkfeier anwesende , Herr spa,rwv,;e ue G e?saifdte, Edüardo' G ä r'ci a - Cöiriii£ p1" Auftrage -seiner Regierurig an die „Union" berichtet " hat.-. Auch bei dreser Gelegenheit "sei' puiserem Herrn Ehreripräsideihteri': für seine gewaltige Leistung unser innigster -Dank bekundet"; Stürmischer Beifall.)' Sein so geistvoller, tiefrüudiger Vorttfag wird deinnä6hstk im V'erage deT^,,Union"J -als<!©röscfhüre er- '^-'h einen; wir sind überzeugt, daß diese' Publikation, nicht nur bei unseren Mitgliedern, sondenn auch in weitesten Kreisen lebhaftestem Interesse begegnen wird. Zeitlich fiel mit der Maim'onides-Gedenkfeier unsere Purim-Feier zusammen, die auch heuer wieder dank intensiver Bemühungen des Vergriüguhgs-Korriitees und mehrerer Damen der „Union" ein schöner Erfolg war. Auch, die Jugend-Union darf recht schöne Veranstaltungen in. der Saison 1934/35 verzeichnen. Eingeleitet wurden dieselben durch den Vortrag unseres Herrn Präsidenten; Reg.-Rat Dr. Hermann Opp.enheLm „Palästina ohne lUuston", der. die Gefahren, von denen dort die jüdischen Siedlungen umdroht sind, aufzeigte. Von diesen Gefahren sind seither leider einige besonders . aktuell geworden. Außerdem wurden von der Jugend-Union fn dieser Saison ein großes Propaganda-Meeting und mehrere Diskussions- Abende, . schließlich im Sommer ein Gartenfest veranstaltet; Die Jugend-Union hat übrigens kürzlich eine Neuwahl ihres Präsidiums vorgenommen; an Stelle des Herrn Dr. Spiel ma nn, dem für seine Tätigkeit der herzlichste Dank ausgesprochen wurde, ist Herr Dr. David zum . Obmann gewählt worden, unter dessen Führung diese Vereinigung gewiß schöne Erfolge erzielen wird. : . Einen Ersatz für den Entfall der Vereinsversammlungen boten im Sommer und im Frühherbst die allwöchentlich am Mittwoch stattgehabten Zusammenkünfte im Prater, die, gewöhnlich sehr gut besucht waren und Gelegenheit zu schönem Kontakt zwischen'unseren Mitgliedern ' und Freunden boten.' ',*";e >*t Bücher» ' SdiwcdenbrQdfe! BDCmANMJIN« SOMCIM» *€• um i., rrau JMds-ifai i Reichste Auswahl neuer Bacher bester Autoren von 30$, M 6 und 50 g aufwärts Katalog gratis! Wien IL, PraterstraAe 30 das Hans für elegante Wohnungseinrichtungen Die durch Schaffung. eines Redaktions-Komitees herbeigeführte Aktualisierung des Inhaltes der „Wa h r h e i t" ist, wie wir mit Genugtuung feststellen können, bei unseren Mitgliedern und Freunden mit gesteigertem Ipiteresse aufgenommen worden.. Es erübrigt sich;: wohl, hier einen Ueberblick über unsere zahlreichen kritischen Publikationen zu geben, deren propagandistischer Wert in der ständigen Herausarbeitung des unionistischen Standpunktes gelegen ist. Wir hatten insbesondere wiederholt Veranlassung, die Tätigkeit der derzeitigen jüdischnationalen Kultusvorstandsmehrheit kritisch zu beleuchten. Viel Beachtung in der allgemeinen, namentlich in der katholischen Presset und starke Polemik in den jüdischnationalen Blättern rief die am 21. Juni erfolgte Vorsprache einer Abordnung der „Union" beim Volksbildungsreferenten der Gemeinde Wien. Herrn Prof. Dr. L u g m a y e r, hervor. Es öst verständlich, daß die Tatsache, daß dieser einflußreiche Mann sich nach einer mehr als einstündigen Unterredung mit den Grundsätzen der „Union" voll kommen ein- 'verstaiidtn erklärte, bei unseren jüdisch- Hatienalen GeKrtern HefleiEmpoVirng*^ukFÖste!i '• •" - :? j f. - C!< 1 4 -.-V> s •■ -.9'- V: Der ..Berich^ - befaßtsich ydana mit ■ den viele.tr Aktionen») die, der Ze»tralvorstand der „Unio^" t,.im. - Interesse der; .österreichischen Judenschaft, in der Berichtsperiode unternommen hat und "diesie .können hie* natürlich nicht breit behandelt werden — beweisen, daß die „Union" gerade in dieser kritischen Zeit auf dem Posten, gestanden ist. Wir haben uns mit Erfolg bemüht, die Verbindungen, die seit jeher zwischen,-uns und ähnlich orientierten jüdischen Organisationen . des Auslandes, bestanden - haben, ■jjsu, intensivieren. Die vielfältigen fall weisen. Ab- .wehrakt^rien..sind aus unseren Veröffentlichungen in der „Wahrheit" bekannt. In der letzten Sitzung des Zentrairvorstandes wurde beschlossen, das ehemals bestandene Rechtsschutzbüro der „Union", das viel schöne Erfolge aufzuweisen hatte, zu reaktivieren, und werden in Kürze entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Auch auf literarischem Gebiete haben wir unsere Kräfte in den Dienst der heute so notwendigen Abwehr gestellt, so durch Herausgabe der viel beachteten Broschüre von Dr. Murmelst e i n „Einige Fragen an Prot- Dr. S. ü r i 11", sowie durch Unterstützung der Verbreitung der interessanten Arbeit von Chajim Bloch „Blut und Eros". Unserem weiteren, höchst wichtigen Programmpunkt: Beobachtung aller Vorgänge im Gemeindeleben, halben wir in der Berichtsperiode ebenfalls unser Augenmerk geschenkt, wie sich schon aus den Publikationen m der „Wahrheit" ergab, die mehrfache Remedurforderungen hu Gemeindebetrieb enthielten, die durchzusetzen nun Sache unsere Kuftusvorsteher-Klubs sein wird, dessen1 Führung seit kurzem Herr Geza K1 i n g e r innehat. (Beifall.) In der Berichtsperiode hatten wir Gelegenheit, |aus freudigen und traurigen Anlässen unseren Mitgliedern und Freunden unsere innige Anteilnahme zu bekunden. Aus gleichen Anlässen haben wir uns " auch mit Glückwünschen und Kondolenzen bei hochstehenden christlichen Persönlichkeiten gemeldet, so bei Präsidenten Masaryk gelegentlich seines 85. Geburtstages, bei unserem Herrn : Bundeskanzler gelegentlich des tragischen Ablebens seiner Gattin und des Hinscheidens seiner'Mutter. Besonders herzlich war unser Brief an Frau Erzherzogin MariaTheresia anläßlich deren 80. Geburtstages gehalten, die der „Union" in allen Phasen ihres Ringens um die Unschuld Leopold Hilsners Rat. "♦i.'fcfr zuteil werden iieß. Frau Erzherzogin* MärJ^fhewsia hm unseren „Beweis t r e u e n ,Qed £,nk,e n« und Anhäng 1 i c h k e i t" in .£inem 'Telegramm mit innigstem Danke quittiert. ,'; . Wir betrauern in der Berichtsperiode das Hinscheiden mancher verdienstvoller Mitglieder der „Union"; namentlich erwähnt sei hier in ehrenvollem Gedenken des Mitgliedes unseres Beirates, Herrn Adolf Back, des Obmannes unseres Kultusvorsteher-Klubs, Herrn Dr. Paul R a u m a n n, dessen wir auch schon in einer gemeinsamen Trauersitzung des Zentralvorstandes und Klubs der „Union" gedachten, und des prominenten Mitgliedes unserer Salzburger Ortsgruppe. Herrn Komm.- Rat Rudolf L ö w y. In den letzten Wochen betrauern wir das Hinscheiden dreier pflichteifriger Mitglieder unserer Bezirksorganisation Leopoldstadt, der Herren Emil Sinai, Friedrich Wechsler und Max Back, des Bruders des eben genannten Mitgliedes unseres Beirates. Adolf Back s. A. Wir werden allen diesen, um unsere Sache hochverdienten Männern, ein ehrendes Andenken bewahren. Der heutige Bericht, schloß Sekretär Hirschfeld, sollte einen Ueberblick über die gerade jetzt besonders intensive vielgestaltige Tätigkeit geben, die die „Union" im Interesse der österreichischen Judensehaft leistet; Das bestehende Versathm- .-lungsverbö* hat uns daran gehindert, von dieser . Tätigkeit unseres Vorstandesaußer auf publizisti-' ischem Wege der-Oeffentlichkeit Kenntnis zfi^ge-c;'ben; an unseren Mitgliedern liegt es nun, bei'ihrer 'jetzt aufzunehmenden Propaganda in den. Bezirken weiteste Kreise darüber zu informieren, daß die „Union", die im nächsten Frühjahr das 50jährige Jubiläum ihres Bestandes feiert, auch in dieser gefahrvollen Zeit alles tut, was für das Wohl der österreichischen Judenschaft notwendig ist. An den Rechenschaftsbericht schloß sich eine Debatte. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen, deren Ergebnis wir in unsererletzten- Nummer mitteilten.

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