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Die Wahrheit · 1935-11-08 · Heft 45 (8.11.1935) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 45 (8.11.1935)
Date
1935-11-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 45 — 8,,November. 1935 DIE WAHRHEIT •pncialhaM ttr Voll« mm* «M«K«araa Moritz N«9el Wien, Z~ Bez., Tabon&rafic Nr. 17 Fabriksniederlape. Wflrku. Strickmoden Telephon A>4?-3-69 .. s c h 1 u ß k o n n te n u r m i t d e r d i r i m i e-r e nden Stimme des Presidenten Doktor Fri«dtnann gefaßt werden. Von diesem Rechte Jiat der Präsident Gebrauch gemacht, obwohl er wußte, daß die intimen freundschaftlichen privaten Beziehungen zwischen ihm und. Dr. Löwehherz der OeffentHchkeit bekannt sind. Dr. Löwenherz wird also bei seinem unzulässigen Versuche, sich in den Besitz der Stelle des ersten Beamten der Kultusgemeinde zu setzen, von seinem besten Freunde, dem „objektiven" Präsidenten der Kultasgernemde, -unterstützt. Besser konnte der derzeitige Präsident der Kultüsgemeinde seine bisherige „objektive" Tätigkeit nicht beweisen. Die der „Union" angehörigen Mitglieder des Vertreterkollegiums haben, wie wir erfahren, in einem Minoritätsvotum die Entscheidung überodie Ausschreibung des Postens durch den Kulans vor stand verlangt Der von der jüdischnationalen Mehrheit neuerlich versuchte Anschlag auf die Reinheit der VerwaJtung der Kultüsgemeinde wird von. uns mit den schärfsten Mitteln bekämpft werden. Die Herren seien eindringlichst gewarnt, wir. werden jedes gesetzliche Mittel anwenden, um. die durch mehr als hundert Jahre peinlichst gewahrte Korrektheit der Verwaltung der Israelitischen Kultüsgemeinde Wien auch in Zukunft sicherzustellen. Wir sind in diesem- - Kampfe der Unterstützung aller Juden Wiens phneu Unterschied der Parteistellung sicher. ' ~ *x Von einem Kenner des Statuts, und der Ge-^,, schäftsordnung der Kultusgemeinde erhielten wir 7 folgende" Zuschrift: „Das Verrreterkollegium der Kultusgemeinde, hat gegen die Stimmen seiner unionisttschen Mitglieder '. den Beschluß gefaßt, die frei gewordene Steile des Amtsdirektors im Wege der öffentlichen. Ausschreibung zu vergeben. Dieser..'Beschluß widerspricht den.klare« Bestimmungen des Statuts und der Geschäftsordnung der Kultüsgemeinde. Gemäß § 14, lit. g, des Statuts gehört die Ernennung der OberteairJten; unbedingt in den Wirkungskreis des Kultusvorstandes und gemäß § "20, lit. f, des Statuts und § 28, Abs. 2, der Geschäftsordnung hat das Vertreterkollegium in solchen Angelegenheiten, welche unbedingt der Beschlußfassung des. Kultusvorstandes zu unterziehen sind, nur das Recht der „Vorberatung und Antra.gs tellung". .; Im konkreten Falle„natte sich daher die Tätigkeit des Vertreterkollegiums bloß auf die Yorberatung und Antragstelluing zu beschränken, das heißt: es konnte nur an den Kultusvorstand den Antrag stellen, die Besetzung der frei gewordenen Stelle entweder ohne Ausschreibung durch Ernennung eines gleichzeitig '5namhaft gemachten Beamten des bestehenden Beamtenkörpers sofort vorzunehmen oder aber eine Ausschreibung zu verfügen. Das Recht, zu jentscheiden, daß eine Ausschreibung zu erfolgen habe, stand dem Vertreterkollegium nicht zu, da seine Vorberatungstätigkeit nur in die Stellung eines Antrages im vorbezeichneten Sinne, niemate aber in die Fassung des Beschlusses auf Ausschreibung der Stelle einmünden konnte." Hiezu bemerken wir folgendes: Gemäß § 25, Abs. % des Statuts ist der Präsident der Kultusgememde verpflichtet, weiin er der Ansicht ist, daß ehi Beschluß des Vertreterkollegiums dessen Wirkungskreis überschreitet, die Entscheidung des Kultusvorstandes einzuholen. Wir legen! dem Herrn Präsidenten nahe, die Frage der Gültigkeit des vom Vertreterkollegiüni -gefaßten Beschlusses zu: überprüfen und hiezu Stellung zu nehmen. Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmtihlgasse 1| Beste Empiej$diu|||& •:^n::inwi|d-! ausländischen Hausttesitzern * . : , WS jfeicfteitscftäridif ng als WeUansdkauun^ r-. . -pmj+mim Wir haben hi: tkiserer' letzten Nummer das im „Neuen Wieher Tagbläu" veröffentlichte Schreiben '., wiedergegeben, in dem Feldmarschaileutnant Franz Ritter Wei h s - T i h a n y i von Mainprugg, im Wehkrieg Kommandant der 47. Infanterie-Truppendivision, der Empörung Ausdruck «ab, die der Nazi-Krieg gegen tote Helden in einem österreichischen Offizier auslösen mußte. Die „Union österreichischer Jude n" hat an Feldmarschalleutnant Ritter W e i Ii s- Tihany folgenden Damkbrief gerichtet: Eure Exzellenz! Es lag bestimmt nicht in der Absicht Eurer Exzellenz, mit den Ausführungen, die in der sonntägigen Ausgabe des „Neuen Wiener Tagblattes" an leitender Stelle veröffentlicht wurden, den Dank der österreichischen Judenschaft herauszufordern, die durch den entsetzlichen Anschlag auf das Andenken der im Weltkriege gefallenen deutsch-jüdischen Helden aufs schwerste betroffen wurde. Wir sind uberzeugt davon, daß diese mannhaften Worte von Eurer Exzellenz geschrieben wurden, ohne -daß Sie an Dank oder Anfeindung gedacht haben.; Dennoch drängt es uns, Ihnen aus tiefstem,JHerzeti Dank für diese Worte zu:i sagen, die Sie.yals .wahrer Katholik, alsHiösterrei«hischer. Offizier sj; voll Empörung über ,dieses Seh.andtat eines Mannes geschrieben;habenöder;, tatsächlich nie an der .Front gestanden ist. : ä- Die kürzlich in einem Wiener Montagblatt pu-: blizierte — bisher noch nicht bestätigte Nachricht, daß das deutsche Reiohskriegsministerium dieungeheuerliche Maßnahme inhibiert hat, würde beweisen, daß auch bei deutschen Soldaten der Sinn für Gerechtigkeit und -der Kameradschaftsgeist nicht verlorengegangen sind. ÜnvelrÄessen aber bleibt es, daß sich in I3eutschlat!d ein Mann gefunden hat ■ der diese abermalige <3otang von Männern, die im Ringen um' -dasgeliebte -Vaterhinid ihr Leben ließen, anregte, ebenso unvergessen aber bleibt es, daß sich in Oesterreich em Offizier von höchstem Range gefunden hat, der mit Worten, aus denen seelischer Adel spricht,' seiner Entrüstung über eine solche Greueltat Ausdruck gab. Die „Union österreichischer Juden", die als Organisation der: unbedingt und rückhaltlos vaterländisch fühlenden österreichischen Judenschaft seit fast fünfzig Jahren; unermüdlich den Kampf gegen den Judenhaß führt, entbietet Eurer Exzellenz den tiefst gefühlten Dank für diese mannhafte Tat.; - \ Genehmigen Sie den Ausdruck unserer besonderen Ergebenheit! f. d. „Union österreichischer Juden" Reg.-Rat Dr. H..0 p p e nh ei m, Präsident. Reg.-Rat Dr. M. Lenk, Schriftführer. Goebbels dementiert aber die Tatsache bleibt bestehen. Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro übersah der Auslandspresse die folgende Erklärung: „In au^ländi^heuj^lättern sjgd M^imgeflkvera,: breitet, denen zufolge das Propagandamini 'S t er i u m sei ri'e n a c'tffj e oVfr'it e t e'n 1) i e a s t s t-e 11 e n tf«9ge w'ies^en habe', die Na1?' men im Kriege gefaflfcner JüderP; vöfi: Kriegsderik*- mälern und Gedenktafeln zu entfernen! Gegenüber diesen Meldungen wird amtlich festgestellt, daß eine solche Anweisung nicht ergangen ist." Dieses Dementi versucht, ^eine bereits weltbekannt gewordene Tatsache zu verschleiernd Am 23. Oktober hat der Reichspfopagandaminister Dr. Goebbels-das folgende Ru'ndschreibeir:erläs%en: „Hiermit ^"ebe ich den Ländesstelleri 'ü:nd' 'äJlen nacligeordneteifr Dienststellen des Miriisteriärrßi davon Kenntnis, daß es verboten ist, die Namen gefallener Juden auf Ehrentafeln. und Denkmälern für die Gefallenen des Weltkrieges anzuführen. Ich bitte, für die-Beachtung dieses Verbots innerhalb des Dienstbereichs Sorge zu trägen." Gleichzeitige sind die Betriebszellenleiter verschiedener Unternehmungen an die Geschäftsleitungen auf Veranlassung des Propagandaministenums . mit der; Aufforderung herangetreten, dafür Sorge zu tragen,-daß die Namen der jüdischen Kriegsgefallenetr von den Ehrentafeln versohwinden. Das Dementi des DNB kann sich seinem Wörtlaute nach.nur auf diese letztere Maßnahme beziehen, die laut Anweisung des Propagandaministeriums als geheim zu behandeln war. Die Verordnung des R e i ch sp r o p.agandaminis.ters Dr. Goebbels, daß die Namen im Kriege gefallener Juden anf Ehrentafeln und,Denkmälern nicht mehr anzuführen sind, wird nie h..t. einmal de me n t i e r t. Aber das De- ' inenti bezieht sich ebenso wenig direkt auf den Schritt der Betriebszellenleiter bei den. Geschäftsleitungen der Betriebe. Es handelt sich um em V e C.S.C h 1 ei e r u n gsdementi. das afcer nichts verschleiert. ^Cfkurtfkitt verdammt den JCitlcr-JintlscmMsmus. Durch die Zeitungen ging vor einiget! Tagen die Meldung, daß der deutsche Botschafter in London, von Hoesch, im Foreign •'Office im Auftrage der Berliner Regierung wegen eines Aufsatzes Winstö% Chujchills, des hervorragenden Publizisten und früheren Schatzkanzlers, im „S t r a n d M ag a z t n e" i n t e r v e n i e r t hat; die deutsche Regierung .erblickte in Churchills Ausführungen eine' Herabsetzung des d e ü t s ch e n- S t a a t s-" Oberhauptes. Wie nun die JTA erfährt, wurde Herrn von Hoesch im Foreign Office ein abschlägiger Bescheid zuteil. Es wurde ihm «esagt, daß Churchill, eine unabhängige Persönlichkeit sei, auf die das Foreign Office keinen Einfluß auszuüben vermöge. f. In dem erwähnten Aufsatz im November-Heft *ies..<>Sjrand Magazine">:fülirte:^GhurChiir ür a.- aus: Die Juden werden von - den Nazis beschuldigt, durch pazifistischen Einfluß zum Zusammenbruch Deutschlands am Ende des Weltkrieges beigetragen zu haben und die aUrheber zersetzender Doktrinen in jeder Form itli seih." Daher wurden die hunderttausende iJudenüßeütschlEmÜs aller Rechte beraubt, aus allen Positionen im staatlichen und sozialen Leben, und ausi den-freieh Berufen vertrieben, in der Presse mundtot-gemacht und als eine minderwertige Rasse erklärt. Das 20. Jahrhundert hat nicht nur das Entsetzen der Verkündung dieser barbarischen Doktrinen, .sondern auch deren Inkraftsetzung mittels brutaler Gewalt durch Regierung und Bevölkerung erlebt. Keine in der Vergangenheit Deutschland erwiesene Dienste, kein noch so überzeugend bekundeter Patriotismus, nicht einmal im Kriege erhaltene Wunden machten Menschen gegen diese Brutalität immun; Menschen, deren einziges Verbrechen es ist, daß jüdische EHera sie zur Welt gebracht haben. Diese Verfolgung erleiden weltberühmte Gelehrte, Schriftsteller und Komponisten bis herab zu den kleinen jüdischen Kindern in den Volksschulen. Der Haß gegen die Juden führt logisch zum Angriff auf die historische Basis des Christentums. Churchill schildert sodann die schweren Verfolgungen; denen katholische Priester und protestantische Pastoren, Sozialisten und Kommunisten ausgesetzt sind, kommt auf die Ereignisse, vom 30. Juni 1934 zurück, da das deutsche Volk, statt .sich gegen die Urheber der Metzelei zu wenden.;).dieseh sogar fast göttliche Ehren erwies", und schließt;1 da'flfarigesichts solcher Ereignisse," ... „das,1 was*bvoh europäischer Zivilisation 'mch ■jy übrig-geblieben ist. das Haupt In Scham beugen U. muß*V --'o' ■'' Redakteur des „Dabziger Echo" ausgewiesen. Die D a n zig er Re g i e r p ng . hat den Redakteur'der jüdischen Zeitschrift „D.anziger Echo". Paul 13 e r m ä h," der. unlängst, vom Gericht; wegen angeblicher Beleidigung der Hitlerregierung zu v i e r ,M o n ai e h^G etän g n i s ver u r t e i 11 .wurde, aus dem Dariziger Staatsgebiet a u sge w i ese nJ Berman ist p o 1 n i s c h e r S t a a t s a;n g eh ö r ig e r, : . ,

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