Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 45 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 45 — 8. November 1935 Seite 3 Herrenkleidersalon S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die jetzige Saison die schönsten Maßanzüge und Winterröcke in den herrlidisten Dessins Billigste Preise Feinste Ausführung Garantierte Paßform den Ausführungsbestimmungen zu den Judengesetzen würde den Juden verboten werden, als Vorstand oder stimmfähiges Mitglied einer Aktieinigesel 1 schaf t zu fungieren oder die M eh rh ei t der Aktien einer solchen Gesellschaft zu besitzen. Möglich ist natürlich, daß solche Annahmen wirklich Gesetz werden. Sie genügen aber im Augenblick vollauf, um die entsprechenden jüdischen Kreise zu Verkäufen zu veranlassen. Gehen diese Verkäufe so weiter wie bisher oder tritt gar eine gesetzliche Maßnahme der gekennzeichneten Art ein, so ist damit die jüdische Beteiligung oder gar die Inhaberschaft von Großbetrieben im wesentlichen erledigt. Ueber dieVernichtungderjüdischen Detailgeschäfte in den Klein- und Mittelstädten ist Neues nicht zu sagen. Sie geht planmäßig weiter. Zwar gibt es immer noch eine Reihe von Städten, in denen die Inhaber jüdischer Detailgeschäfte mehr oder weniger auskömmlich leben können, aber der Boykott gegen jüdische Geschäfte wird in jeder Form weitergetrieben. Zwangsverkäufe sucht man mit allen Mitteln herbeizuführen. Erscheint der zuständigen Wirtschaftsstelle der Nationalsozialistischen Partei der Verkaufspreis zu hoch, so behält sie sich das Recht der Nachprüfung Und 'einer erneuten Preisfestsetzung vor. Denn für diese Zwecke ist die „Beratungsstelle für Geschäftsverkäufe im Einzelhandel" geschaffen worden. Dabei wird ein Ueberr.ahmepreis von 30 Prozent des Einkaufspreises für Waren als erträglich angesehen. Ob man tatsächlich dazu übergehen wird, wie dies von nationalsozialistischer Seite mehrfach verlangt wurde, alle Geschäfte und Unternehmungen, die sich in jüdischem Besitz; befinden, zu zwingen, ihre Läden, aber auch ihre Produkte mit einem besonderen Kennzeicheini — etwa dem Davfdsstern — zu versehen, steht auch noch nicht endgültig fest. Unter der Ueberschrift „Juden wollen ihre Betriebe verkaufen — Eine Warnung an allzu Geschäftstüchtige" nimmt der „Westdeutsche Beobachter" zu der segenwärtigen Bewegung am Firmenmarkt Stellung. Es handelt sich, schreibt das Blatt, hauptsächlich um jüdische Kaufleute in kleineren und mittleren Städten des Reiches, während a. B. die Berliner nichtarischen Geschäftsinhaber und die in größeren Städten des Reiches sich zur Zeit nur ganz vereinzelt mit Verkaufsabsichten tragen. In Berlin habe man sogar die Beobachtung machen können, daß ein prozentual großer Teil der Anträge auf Genehmigung zur Gründung neuer oder Uebernahme 'bestehender Einzelhandelsunternehmungen von Niohtariern gestellt worden sei, die aus Klein- und Mittelstädten des Reiches nach Berlin gekommen seien. Diese Anträge sind abschlägig b eschieden worden, Aveil die Beantwortung der Fragen nach der Zuverlässigkeit in politischer und auch in moralischer Beziehung zu solchen Entscheidungen geizwungen habe. Die Führung des Reichshundes des deutschen Textilernzelhandels stehe auf dem Standpunkt, daß bei Nichtariern in jedem Fall die Frage nach der politischen Zuverlässigkeit verneint werden müßte. (!) Die Ausscheidung der jüdischen Angestellten hat weitere Fortschritte gemacht. Das Vorgehen erstreckt sich sowohl auf leitende als jauch auf mittlere und untere Angestellte unterschiedslos.. Die Reihe der judenreinen Betriebe nimmt ständig zu. In einem Artikel „Die jüdischen Geschäftsverkäufe" im .»Völkischen Beobachter" vom 23. Oktober verlangt der führende Wirtschaftsredakteur dieses Blattes, Dr. Fritz Nonnenljruch, nicht nur, daß „die jüdischen Verkäufer bei ihrem Auszug aus Deutschland einen Teil des Verkaufserlöses in Deutschland stehen lassen sollen", sondern auch, „eine Auflage an den Käufer, daß er alle jüdischen Angestellten zu entlassen hat". Dieser Forderung schließen sich neuestens auch die deutschen Gerichte an. Um auch jeden kaufmännischen oder Handwerkernachwuchs von Juden unmöglich zu machen, beginnt nunmehr der „Stürme r'\ die christlichenGeschäftsinhaber anzuprangern, die jüdische Lehrlinge ausbilden. Soeben wird offiziell bekanntgegeben, daß a b Jänner 1936 keine Lizenzen an jüdische Handelsreisende mehr ausgegeben werden. Ehemalige jüdische Frontkämpfer werden Lizenzen erhalten, aber sie werden arische Firmen nicht vertreten dürfen. . Die Folgen dieses wirtschaftlichen Vernichtungskrieges gegen die deutschen Juden sind noch nicht zu übersehen. Vorderhand setzen die Nazis ihren Raubzug auf das zwölf Milliarden Reichsmark betragende jüdische Vermögen, das auf vier Prozent des gesamten deutschen Nationalvermögens (300 Milliarden Reichsmark) geschätzt wird, in einer Weise fort, daß sogar der „Frankfurter Zeitung" angst und bange wird. In ihrer letzten Sonntagsnummer schreibt sie: Die wirtschaftlichen Folgen dieser Vorgänge seien vielseitig und schwer zu übersehen. Die Insolvenzveröffentlichungen deuten auf ein gewisses Ansteigen jüdischer Zahlungseinstellungen hin. Größere volkswirtschaftliche Bedeutung habe der Druck, der von den Liquidierungen und Geschäftsverkäufen auf dem Grundstück- und Effektenmarkt ausgeübt werde, weil er die Unternehmungslust beeinträchtige. Die Geschäftsverkäüfe selbst erfolgen, wie das Blatt ausführt, natürlich meist entsprechend dem bereits eingetretenen Absatzverlust zu niedrigen Preisen, und dieser Preisdruck könne nicht ohne psychologische Rückwirkungen auf die gesamte Wirtschaft bleiben. Für den Erwerb Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägliche Pflege mit ODOL- Zahnpasta. Kleine Tube S —SO Große Tube S 1<40 Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II., Taborstrafie 12, Tel. R 46 5 51 Ausgiebige Braten-Menüs S 1.60 *mi« \S£/jJ „ Geflügel- ., S 2.20 Vorzügliche Zubereitung Sehwechater Biere Naturweine. von Fabriksanlagen kommen in erster Reihe Großunternehmungen in Betracht, was aber leicht eine Steigerung der unerwünschten Konzentrationstendenz und eine Verminderung des von der Reichsregierung selbst besonders gepflegten mittel ständischen Unternehmertutties ergeben könne. Von weittragender Bedeutung sei die Ausschaltung der Juden imHandel, besonders in jenen Zweigen, die sich bisher vor-$ nehmlich in jüdischen Händen befunden hatten. Hier erwachse für die Wirtschaftspolitik eine ernste Aufgabe. Die herrschende Unsicherheit, auf welche das Blatt als einen „Herd der Beunruhigung" besonders hinweist, habe bereits zu A u f t r a g s a u s f ä 11 e n geführt, die sich in einzelnen Zweigen der Fertigindustrie fühlbar machten. Großhandelsgeschäfte, bei welchen die Beziehungen des Inhabers häufig den eigentlichen Kern des ganzen Unternehmens bilden, seien oft ohne langsame Einarbeitung des Geschäftsnachfolgers überhaupt nicht übertragbar. Im Export und Import könnten deutsche Auslandsbeziehlingen auf die Dauer verlorengehen. Es sollte alles geschehen, um die Gaschäftsübertragung, soweit sie unvermeidlich ist, von Staats wegen zu unterstützen und zu erleichtern. Die Stellenjagd der Jüdischnationalen. „Ausgepackelt ist, daß der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwenherz, die fette Pfründe des Amtsdirektors und I. Sekretärs der Kultusgemeinde erhalten wird." Das haben wir in unserer letzten Nummer behauptet und nun wird von der jüdischnationalen Mehrheit des Kultusvorstandes der Wahrheitsbeweis für unsere Behauptung erbracht. So wie wir angekündigt haben, wird diesmal die Stelle des Amtsdirektors und I. Sekretärs öffentlich ausgeschrieben, obwohl diese Stelle bisher niemals ausgeschrieben wurde, da ihre Besetzung nur mit einem Beamten erfolgen kann, der das Triebwerk der Kultusgemeinde genauestens kennt, sich durch jahrelange Beamtentätigkeit im Dienste der Kultusgemeinde für diesen Posten bewährt hat und die zur Führung dieses Amtes unbedingt notwendige Objektivität besitzt und bewiesen hat. Die Ausschreibung verfolgt daher lediglich den Zweck, dem bereits mit Klubbeschluß der jüdischnationalen Mehrheit zum Amtsdirektor bestellten Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Löwenherz, den scheinbar geraden Weg zu weisen, wie er diesen Posten erhalten könne. Die Ausschreibung verfolgt aber vor allem den Zweck, der Welt Sand in die Augen zu streuen und sich diesmal den im Protektionsfalle Rath gemachten und damals berechtigten Vorwurf zu ersparen, daß die Besetzung' eines Postens ohne Ausschreibung erfolgt. Dabei übersieht jedoch die jüdischnationale Mehrheit, daß es bereits längst allen Wiener Juden bekannt ist, daß noch vor der Ausschreibung der Stelle die Besetzung derselben mit Dr. Löwenherz von den Vertrauensmännern der Partei und vom Klub der Zionistischen Kultusvorsteher beschlossen wurde, nachdem die Zustimmung des den allgemeinen Zionisten bei solchen Anlässen immer unangenehm gewordenen Herrn Oberbaurates Stricker durch Verleihung der "nun frei werdenden Vizepräsidentenstelle erschachert wurde. Die Ausschreibung des Postens, für den in der Gemeinde ein tüchtiger Beamter vorhanden ist, der ihn bereits jetzt provisorisch zur Zufriedenheit aller versieht, ist also eine Komödie, die niemand ernst nimmt. Es ist gleichgültig, ob sich Wiener Juden um diesen Posten bewerben oder nicht, sie werden ihn nicht bekommen. Unverständlich bleibt, daß sich die Wiener Judenschaft ohne Rücksicht auf ihre jüdisch-politische Schattierung in einer solchen Weise von den Jüdischnationalen zum Besten halten läßt. Es gibt in Wien hunderte von jüdischen Anwälten, die zu den hervorragendsten Mitgliedern des Barreaus gehören und die sich für den Posten eines Amtsdirektors der Kultusgemeinde mindestens genau so eignen würden wie Vizepräsident Dr. Löwenherz. Diese Anwälte können, auch wenn sie sich um den ausgeschriebenen Posten bewerben, ihn nicht erhalten, weil sie nicht die Unverschämtheit besitzen, sich auf Grund ihrer parteipolitischen Einstellung ein Recht auf Pfründe in der Kultusgemeinde anzumaßen, und weil ihnen die Schleichwege nicht bekannt sind, die zu den Stellen in der Kultusgemeinde führen. Sie können daher keinen Anspruch darauf erheben, bei Besetzung der Amtsdirektorstelle in Konkurrenz gezogen zu werden. Die Wiener Judenschaft muß aber zur Gänze aufgeklärt werden. Die folgende Aufklärung wird die „Objektivität" des derzeitigen Präsidenten Dr. Desider Friedmann ins richtige Licht stellen: Das Vertreterkollegium des Wiener Kultusvorstandes, dem vier Nichtzionisten und vier Zionisten, sowie das aus drei Personen bestehende Präsidium angehören, war, als die Ausschreibung des Postens gegen die Stimmen der „Unionbeschlossen wurde, nicht vollzählig. Es feIi 11e bereits der zukünftige Amtsdirektor Dr. Löwenherz. Der Be-