Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 44 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 44—1. November 1935 DIE WAHRHEIT! spendet alle Kleider oder I : WasdieslOdfe | zur Verteilung an warüiae verarmte 2 jfldlstne Orelsef S Bei Verständigung per Postkarte oder Telephon R 45-900 werden die Spenden abgeholt. # Verein zur Bekleidung ond Unterstützung 2 armer alier nanner lsr. Konfession Wien II., Ferdinandstraße l'i 2 m i Damit hat auch das Tarnen des Leichenschändens als nationalsozialistischer Parteibetätigung sein Ende gefunden. Der Goebbels-Krieg gegen die jüdischen Kriegsgefallenen reiht sich ganz würdig den Verwüstungen jüdischer Friedhöfe an. Vom einfachen S.-A.-Mann bis hoch hinauf in die Führerschicht zeigt sich eine merkwürdige Solidarität in der Wahl der Kampfobjekte. Der einzige Unterschied zwischen Führern und Geführten ist, daß diese mit dem Stemmeisen arbeiten, jene mit der Feder. Gemeinsam aber ist ihnen die moralische Errungenschaft der Leichenschändung als Weltanschauung. 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Man muß es Herrn Minister Dr. Czermak zubilligen, daß er sich sichtlich bemüht, sich in dieser Frage von seinem Standpunkt aus, nämlich von dem eines christlichsozialen Parteiführers, objektiv einzustellen. Es ist richtig, daß der gemeinsame „Nenner", der uns mit den übrigen Staatsbürgern dieses Landes verbindet, das unbedingte" und rückhaltlose Oesterreichertum ist. Wir fügen uns nicht nur „willig dem österreichischen Gedanken", sondern wir huldigen ihm mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Der „Zähler", der uns von den anderen Oesterreichern unterscheiden soll, ist sehr klein, er besteht nur in einem Unterschied, und zwar in dem der Religion, wobei die unsrige den christliche Religionen durch deren Schöpfer und dessen Gedanken nah verwandt ist. Vor allem gilt dies von dem Tragbalken des alten und neuen Testaments, von dem Axiom „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Den Aufbau des neuen Staates Oesterreich auf christlicher Grundlage verstehen wir so, daß die dem Christentum innewohnenden ethischen Grundsätze, die mit denen des Judentums identisch sind, die unverrückbare Grundlage des Staatsaufbaues bilden sollen. Keinem österreichischen Juden fällt es ein, das Schicksal des österreichischen Volkes maßgebend bestimmen zu wollen. Das war nach der alten und ist nach der neuen Verfassung ein Ding der Unmöglichkeit. Die Juden machen kaum 3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Nur in diesem Ausmaße können und wollen sie einen politischen Einfluß üben. Dabei lenkt sie nicht der jüdische, sondern der österreichische Gedanke. Wir wissen nicht, nach welcher Statistik Minister a. D. Dr. Czermak festgestellt hat, daß 90 Prozent der österreichischen Judenschaft im Lager des Sozialismus gestanden ist. Sicher ist, daß das Wirtschaftsprogramm des Sozialismus — und dei Sozialismus hat in erster Linie ein wirtschaftliches Ziel — der österreichischen Judenschaft nicht entsprechen konnte. Die österreichischen Juden sind zufolge einer historischen Entwicklung, für die sie nicht verantwortlich gemacht werden können, zum allergrößten Teile Händler, Gewerbetreibende, Industrielle, Rechtsanwälte, Aerzte, Ingenieure, Privatangestellte u. dgl., und nur zum geringen Teile Arbeiter. Was also allein viele Juden zur Sozialdemokratie hinzog, war der Umstand, daß sie die einzige Partei war, die keinen Judenpunkt kannte. Sehr zu Mißverständnissen geeignet ist der Passus der Rede des Herrn Ministers Dr. Czermak, der sich auf die Judenfrage in Deutschland bezieht. Denn was soll es heißen, wenn der Minister sagt, „daß auf dem Gebiete der Judenfrage im Deutschen Reich großeFehler gemacht wurden, daß man vor allem nicht alles erreicht hat, was geplant war"? Das sieht beinahe so aus, als ob Herr Minister Czermak fände, daß das, was in Deutschland geschehen ist, hinter dem nationalsozialistischem Programm zurückbliebe. Das Gegenteil ist der Fall. Von den 25 Programmpunkten der Nationalsozialistischen Partei, die im Münchner Hofbräuhaus am 24. Februar 1920, also vor mehr als 15 Jahren, verkündet wurden, lautet der Punkt 4: „Staatsbürger kann nur sein, der Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, der deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Call Pension Echstcin Semmering Pension bei Mindestaufenthalt für 3 Tage komplett inkl. aller Abgaben S 10.— tägl. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein", und der Punkt 5 dieses Parteiprogramms fordert: „Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetzgebung stehen." Eine feine Gastfreundschaft ist das, die den Juden im Dritten Reich zuteil wird. Die ganze kultivierte Welt ist einmütig in der Verurteilung der Greuel, die den patriotischen deutschen Juden, die 16 Jahrhunderte in deutschen Landen leben und von denen 12.000 im Weltkrieg für ihr Vaterland das Leben ließen, zugefügt werden. Die Idee, die Herr Minister Dr. Czermak seit vielen Jahren verficht, ist die Auseinandersetzung mit den Juden. „Auseinandersetzen" heißt, wörtlich genommen, sich trennen. Wir sitzen beisammen und wollen auch weiterhin beisammen sitzen und uns nicht auseinandersetzen. Wir halten uns an den überwertigen gemeinsamen ..Nenner" und nicht an die trennenden „Zähler". In der Arbeit für Oesterreich und in der Liebe zu unserem gemeinsamen Vaterland haben wir uns immer gefunden und werden wir uns auch in Hinkunft finden. H. O. Jüdischnationale Tollheit. In der letzten Nummer der „Stimme" schüttet ein toll gewordener Jüdischnationaler, obwohl er für „reinliche Scheidung" plädiert, eine Flut von Dreck und Schmutz über die österreichischen Assimilanten aus und verlangt ganz in der Diktion der Nationalsozialisten, mit denen die Jüdischnationalen von der Art dieses Schimpfboldes scheinbar nicht nur die Ziele — Schaffung eines nationalen Judenstaates —, sondern, wie figura zeigt, auch die Methoden gemeinsam haben, nicht mehr und nicht weniger als die Todesstrafe für die Assimilanten, zumindest aber ihre gesellschaftliche Aechtung. Anlaß für diesen Ausbruch nationaler Tollwut bildet eine angeblich von assimilatorischer Seite begangene Denunziation, die darin bestehen soll, daß von dieser Seite aus vollster Ueberzeugung verlangt wird, daß alle österreichischen Juden sich ebenso einstellen, wie dies die französischen, die italienischen, die englischen, die amerikanschen Juden, kurz die Juden aller Kulturländer selbstverständlich tun. Der Umstand, daß wir dementsprechend immer wieder der Ansicht Ausdruck geben, daß die wahrhaft österreichisch fühlenden Juden sich ausschließlich, unbedingt und rückhaltlos dem Lande zugehörig fühlen, in dem sie seit Jahrhunderten verwurzelt sind, und daß sie mit dem dem deutschen Kulturkreis zugehörigen Volke dieses Landes sich verbunden fühlen, diese den Jüdischnationalen anscheinend unangenehme Feststellung veranlaßt die „Stimme" zu ihrer Schimpforgie. Auch dieses wüste Gezeter wird uns nicht daran hindern, nach wie vor für unsere Prinzipien einzutreten und alle Kraft daran zu setzen, daß unsere Jugend nicht durch die inhaltslosen Schlagworte „Jüdische Nation" und „Errichtung eines Judenstaates in Palästinia" gefährdet wird. Ein charakteristisches Zeichen der Tollwut ist auch die Verdrehung, als ob wir uns jemals gegen Palästina gewendet hätten. Jedem halbwegs Gebildeten ist es bekannt, daß Rom der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche ist und daß diese Tatsache mit der nationalen Einstellung der Katholiken nichts zu tun hat. Die gläubigen Juden verrichten ihr Gebet nach Jerusalem, nach dem Osten gewendet. Damit bringen sie aber nicht ihre nationale Gesinnung, sondern ihr religiöses Empfinden zum Ausdruck. Im zionistischen Palästina aber gibt es jüdische Kolonien ohne Synagogen und leisten jüdische Einwanderer der Durchführung der religiösen Satzungen den größten Widerstand, auch wenn es sich um so soziale Wohltaten wie die Sabbatruhe handelt. Den dicken Trennungsstrich zwischen unserem Programm und dem der jüdischnationalen Zionisten haben wir schon längst gezogen; wenn er jetzt von jüdischnationaler Seite gefordert wird, so kann er dadurch nicht besser sichtbar werden. Der angedrohte gesellschaftliche Boykott kann nur dazu führen, daß — eine anständige Gesellschaft unter sich bleibt. Wie die Jüdischnationalen die Majorität in der Kultusgemeinde erobert haben, worauf sie sich so viel zugute tun, das weiß vielleicht doch noch nicht die ganze große Oeffentlichkeit. Nur so viel sei gesagt: das Wiener Judentum hat diese Majorität nur zum geringsten Teile gewählt, das Wiener Judentum in seiner überwiegenden Mehrheit besitzt zu dieser Majorität kein Vertrauen, weil sie sicli von jüdischnationalen Prinzipien leiten läßt, die dem österreichischen Judentum fremd sind. Eines steht fest: die jüdischnationale Mehrheit hat in die bis dahin mit peinlichster Sauberkeit geführte Verwaltung der Kultusgemeinde die Stellenjägerei für „verdiente" Parteigenossen eingeführt, die gerade jetzt, wie wir an anderer Stelle hervorheben, das beste Wild zur Strecke bringen soll. Wahrscheinlich stehen auch diese Absichten mit dem Ausbruch der Tollwut in der „Stimme" im Zusammenhang. Die Herren sollten' doch schon wissen, daß wir uns nicht einschüchtern lassen. Mit dem Begriff „Zionismus" treiben die Jüdischnationalen seit Anbeginn Mißbrauch. Diesem Mißbrauche gilt der Kampf der „U n i o n" und der „W a h r h e i t", den sie trotz der bedrohlichen Situation des Judentums zu ihrem größten Bedauern gegen Glaubensgenossen wegen der mit der jüdischnationalen Einstellung verbundenen Gefahren führen müssen. Dieser Kampf richtet sich, das sei wiederholt festgestellt, nicht gegen den ehrlichen Zionismus und gegen Palästina als Auswanderungsziel heimatlos gewordener Juden, sondern nur gegen die reaktionäre Idee der Schaffung einer jüdischen Nation, der „Volkswerdung", wie dies Adolf Hitler ausgedrückt hat, und gegen die Phantasterei eines allumfassenden Judenstaates in Palästina. Bornierter Haß. Das katholische „Linzer Volksblatt" schreibt: Der Wanderer durch Deutschlands Gaue wird künftighin vor mancher Gedenktafel stehen und mit Staunen bemerken, wie da und dort Namen nachträglich herausgekratzt worden sind. Auf seine Frage wird er die Auskunft erhalten, da>ä seien Namen von Juden gewesen, die im Weltkrieg im Kampf für Deutschland gefallen sind. Von Goebbels ist der Befehl ausgegangen, diese Namen von den Ehrentafeln und Denkmälern zu entfernen. Sie durften zwar für Deutschland ihr Leben lassen, aber ihren Namen darf kein Stein, kein Heldendenkmal künden. Bornierter Haß übers Heldengrab hinaus! Oerlanfll in Cafes osw. „Die Wahrhein