Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 43 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.aas Seite 6 Nr. 43 — 25. Oktober 1935 DIE WAHRHEIT GROSSFLEISCHHAUEREI UEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 Filiale i xviii., «Ahringerstrasse 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht de« ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Wohl seines Volkes auszurichten und dessen Belangen sich unterzuordnen. Dieser Satz ist bindendes, geltendes Recht des Dritten Reiches und, vis oben dargelegt, bereits in grundlegenden Gesetzen eindeutig zum Ausdruck gekommen. Mit diesem Rechtssatz steht die Eheschließung eines deutschblütigen Mannes mit einer Jüdin in unlösbarem Widerspruch. Eine solche Eheschließung kann daher nicht mehr zugelassen werden und der Standesbeamte Iiat mit Recht den Erlaß des vom Antragsteller begehrten Aufgebots abgelehnt" Professor Georg Bernhard 60 Jahre. Professor Georg Bernhard, der bekannteste Publizist des Vorhitler-Deutschland, Jetzt Chefredakteur des „Pariser Tageblatt", vollendete am 20. Oktober sein 60. Lebensjahr und war, obwohl er sich jeder persönlichen Ehrung entzog, aus diesem Anlaß Gegenstand respektvoller Aufmerksamkeit seitens der publizistischen Welt und Kreise der deutschen Emigration. Prof. Georg Bernhard, der neben seiner publizistischen und politischen Tätigkeit auch als Nationalökonom Hervorragendes geleistet hat, wurde am 20. Oktober 1875 in Berlin geboren. Seine Vorfahren waren, wie urkundlich erwiesen, in einer Kleinstadt in der Nähe von Berlin seit 300 Jahren ansässig. Er lernte anfangs das Bankfach, betätigte sich seit 1896 schriftstellerisch und schrieb unter dem Pseudonym „Gracchus" für die „Welt am Montag" viel beachtete Börsenkritiken, was den Besitzer der damaligen „Berliner Zeitung". Leopold U11stein, veranlaßte, Bernhard als Handelsredakteur dieses Blattes anzustellen. Nach Studium der Volkswirtschaft und des öffentlichen Rechtes an der Berliner Universität wurde Bernhard Redakteur des volkswirtschaftlichen Teiles der „Morgenpost", dann volkswirtschaftlicher Mitarbeiter an Hardens „Zukunft". 190S kehrte er zum Verlag Ullstein als Verlagsdirektor der „Morgenpost" und dsr „B.-Z. am Mittag^' zurück und wurde 191.3 Chefredakteur der damals von Ullstein übernommenen „Vossischen Zeitun g". Später wurde er Dozent an der Handelshochschule zu Berlin, sodann Professor an dieser Anstalt und Mitglied des Reichswirtschaftsrates. Er bekleidete hohe journalistische Würden, vor einer Reihe von Jahren wurde er zum Präsidenten der Internationalen Föderation dei Journalisten gewählt 1930 schied er im Zusammenhang mit einem Konflikt mit der Familie Ullstein aus der „Vossischen Zeitung" und dem Verlag Ullstein aus und wurde Präsidialmitglied des Verbandes deutscher Waren- und Kaufhäuser. Nach der Machtergreifung durch Hitler ging er in die Emigration. Georg Bernhard war eine Reihe von Jahren Stadtverordneter von Berlin, demokratischer Reichstagsab geordneter, Präsident des Ausschusses für Währungs- und Finanzfragen, deutscher Sachverständiger auf der internationalen Konferenz in Genua usw. Der Verein Berliner Presse und der Reichsverband der deutschen Presse wählten ihn zu ihrem Präsidenten. Von seinen Werken sind hervorzuheben: „Der Verkehr in Wertpapieren", „Geld und Kredit", „UebergangsWirtschaft", „Probleme der Finanzreform", „Wirtschaftsparlamente". In seinem großen Werk „Dilettanten am Kapitalismus" gibt er eine Darstellung der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands von 1878 bis zum Hitler- Umsturz, in seinem letzten Buche „Die deutsche Tragödie", aus der wir an anderer Stelle ein Kapitel zitieren, eine packende Geschichte der Entstehung des Dritten Reiches. In Paris ist Bernhard im Interesse der deutschen Emigration tätig, er ist Präsident der Vereinigung deutscher Journalisten in der Emigration, Mitglied der Deutschen Kommission für Hilfeleistung und Beratung der Emigranten usw. Er ist einer der wenigen deutschen Emigranten, die in voller Oeffentlichkeit ohne Furcht vor irgendwelchen Repressalien und ohne Rücksichtnahme auf das eigene Interesse den schärfsten Kampf gegen das Hitler-Regime führen. Er, der ehedem ein führendes Mitglied des Zentral-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war, steht in der vordersten Reihe der Kämpfer gegen den Rasse-Antisemitismus. Seit tausend Jahren schon wird der Myrrhe-Extrakt, der sich gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches besonders wirksam erwiesen hat, verwendet. Odol-Mundwasser enthält neben •dem Odol-Antiseptikum. den Myrrhe-Extrakt. „Der Raum, der sich Oesterreich nennt." Im Herbst des Jahres 1929, als Dr. Schober ein „Kabinett der Persönlichkeiten" bildete, übertrug er das Unterrichtsportefeuille dem Wiener Universitätsprofessor Dr. S r b i k. Und jetzt ist derselbe Dr. Srbik als national eingestellter deutscher Mann von den Machthabern des Dritten Reiches in das Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands entsandt worden. Bei der feierlichen Eröffnung des neuen Institutes, das als erste Arbeit bezeichnenderweise eine Geschichte der Judenfrage, in der Zeit von 1789 bis 1933 herausgeben wird, wurde der Wiener Universitätsprofessor Srbik, der nebenbei erwähnt Vorsitzender des Vereines zur Geschieh teder Stadt Wien ist, vom Minister Frank sehr sinnig als den Mann geehrt, dessen Eintritt in die Geschichtsforschung des Dritten Reiches „ein . glückliaftes Symbol ist für die unzerreißbare geistige Verbindung des Deutschtums im Reich und des Deutschtums in jenem südöstlichen Raum, der sich Oesterreich nennt". Wenn man all dies hört und liest, dann erinnert man sich an ein iängst vergessenes Liedchen aus der Umgebung des Mechanikers Schneider, in dem es hieß: ,,— — — ob Böhm, Krowot, Türk, Buddhist, wenn er nur a Jud net ist---" Spectiator. Sven Hedin „ein Sechzehntel" Jude. Sven riedin erklärte anläßlich seines Wiener Aufenthaltes gegenüber Pressevertretern, es sei richtig, daß er teil weise jüdischer Abstammung sei. Sein Großvater war ein aus Deutschland eingewanderter Jude namens B r o d y, der später den Namen Berlin annahm, welcher dann in H ed i n geändert wurde. „Ein Sechzehntel meiner Abstammung", sagte der Gelehrte lächelnd, „ist zumindest nachweisbar jüdisch". Im weiteren Verlauf des Gespräches erklärte Sven Hedin, er befasse sich nicht mit Politik, sein jüngster Besuch beim Reichskanzler Hitler war ein r e i n e r Höflichkeitsbesuch. Als zur Sprache kam, daß die Nazis Sven Hedins Autorität für ihre Zwecke ausnutzen, erklärte die anwesende Schwester Sven Hedins: „Für irrtümer und Mißbrauch ist mein Bruder nicht verantw o r 11 i c h". Vier Monate Gefängnis für den Redakteur des „Danziger Echo". Der jetzige Redakteur des „Danziger Echo", der einzigen jüdischen Zeitung Danzigs, Paul Berman, der polnischer Staatsangehöriger ist, wurde vor einigen Tagen wegen eines Artikels, in dem er die Judenpolitik der Hitler-Regierung kritisiert hatte, verhaftet und nun vom Schnellgericht wegen „Beschimpfung" der deutschen Regierung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das Urteil erregt Sensation, da jeder weiß, daß von einer „Beschimpfung" keine Rede sein kann. Berman ist schwer krank. Das Urteil wird wahrscheinlich den Völkerbundbeschäftigen. Protest der Alliance lsraelite Universelle gegen Nürnberg. Die ..Alliance lsraelite Universelle" veröffentlicht folgenden Protest: „Dei Zentralausschuß der Alliance lsraelite Universelle hat sich . zum ersten Male seit Verkündung der Nürnberger Gesetze wiederversammelt; jener Gesetze, die die Deutschen jüdischer Abstammung in einen Status völliger Entrechtung versetzen, indem sie sie staatsbürgerlich und wirtschaftlich aus der deutschen Volksgemeinschaft ausschließen und sie auf den Stand von Parias herabwürdigen. Der Zentralausschuß protestiert feierlich gegen diesen Angriff auf die geheiligtesten Rechte des Menschen" . 'und auf den Grundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetze, der bei allen zivilisierten Völkern gilt und der von Anfang an für die Tätigkeit der Alliance richtunggebend war. Der Zentralausschuß stellt fest, daß die im Zusammenhang mit den Nürnberger Gesetzen erlassenen Maßnahmen deren Tragweite noch verschärfen und eine Bevölkerung von einer halben Million Seelen mit der langsamen Ausrottung durch Hunger bedrohen. Die Alliance lsraelite Universelle ruft gegen die Nürnberger Gesetze und ihre Durchführung das Urteil des Weltgewi s s e n s au f." Appell der führenden Rabbiner Europas an den Papst. Der Herausgeber der führenden französischjüdischen Zeitschrift „L'Univers Israelite", Raymond Raoul Lambert, veröffentlicht in seinem Blatt einen Appell an die leitenden Rabbiner Europas, sich an den Papst mit dem Ersuchen zu wenden, mit ihnen gemeinsam gegen die Verfolgung der Juden und der Katholiken in Deutschland zu protestieren. Lambert teilt mit, daß diesbezügliche Vorverhandlungen bereits in London, Rom und Paris stattgefunden haben. Das Flüchtlingsproblem beim Völkerbund Das Experten-Komitee, welches die Aufgabe haben soll, dem Völkerbundsrat einen Bericht über den Stand des Flüchtlingsproblems im Zusammenhang mit dem Vorschlag der Norwegischen Regierung, das gesamte Flüchtlingsfürsorgewerk unter den Auspizien des Völkerbundes zu vereinheitlichen, zu erstatten, wurde bereits ernannt und setzt sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: Sir Horace Rumbold (England), Marcel Rolland (Frankreich!), Senator de Michaelis (Italien), Pariser Gesandter der Tschechoslowakei Stefan Osusky und Michael Hansen (Norwegen). Das Komitee wird am 28. November zu seiner ersten Sitzung zusammentreten und die Berichte und Empfehlungen des Hochkommissariats für die deutschen Flüchtlinge, des Nansen-Amtes und der anderen Fürsorgeorganisationen für Flüchtlinge einem Studium unterziehen. Voraussichtlich wird das Komitee dem Völkerbundsrat einen Bericht für dessen Jänner-Session unterbreiten. Trostlose Handelsbilanz Palästinas Die offizielle Statistik des palästinensischen Außenhandels im Monat Mai 1935 zeigt ein weiteres Ansteigen des Imports. Sein Wert betrug 1,632.736 Pfund gegenüber 1,359.938 Pfund im Mai 1934. Der Export dagegen ist im Vergleich mit demselben Monat des Vorjahres bedeutend gefallen, nämlich von 190.005 auf 87.945 Pfund. Unter den Importländern steht England mit 293.000 Pfund an erster Stelle. Es folgt Deutschland mit 162.000 Pfund. Ferner sind an dem Import beteiligt: die Vereinigten Staaten mit 151.000, Syrien mit 123.000, Rumänien mit 94.000 und Japan mit über 67.000 Pfund. Demgegenüber wurde beim Export nur bei zwei Ländern der Betrag von 10.000 Pfund überschritten, nämlich bei Syrien mit 21.000 und bei England mit 16.960 Pfund. Nach Deutschland betrug die Ausfuhr 630, nach den Vereinigten Staaten 913, nach Rumänien 891 und nach Japan ganze 9 (neun) Pfund. - Wieder ein Opfer des Dumpings. Infolge des ausländischen Dumpings mußte die Fabrik für Kleider- und Wäschestoffe „Lechedda" bei Haifa geschlossen werden, nachdem erst vor kurzem die Seidenfabrik .,Meschi" und die Wirkwarenfabrik „Gerew" dem Mangel an ausreichendem Zollschutz zum Opfer gefallen sind. Diesmal sind japanische und russische Konkurrenz die Ursache für die Betriebseinstellung. Die Ständige Kommission für Handel und Industrie ist zur Untersuchung der Ursachen der Schließung der Fabrik „Meschi" zusammengetreten, hat aber keinerlei Maßnahmen getroffen. Sie wird die Angelegenheit im November, wenn der Bericht einer Unterkommission vorliegen wird, nochmals besprechen. In Wirtschaftskrisen wird darauf hingewiesen, daß die Bemühungen der Kommission daran scheitern, daß immer nur die Einzelfälle behandelt werden, allgemeine Maßnahmen für einen wirksamen Industrieschutz jedoch außer acht bleiben. * Die reiche Palästina-Regierung. Die P a I ä s t i n a - R e g i e r u n g hat der Regierung Transjordaniens eine Subvention, und zwar für das Gesundheitswesen, bewilligt. Um welche Summe es sich handelt, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden. Es ist dies das erstemal, daß die Palästina-Regierung der Transjordanien-Regierung eine direkte Subvention gewährt. Antijüdische Ausschreitungen in Czernowitz. Am zweiten Sukkothtage kam es in Czernowitz zu Ausschreitungen von