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Die Wahrheit · 1935-10-25 · Heft 43 (25.10.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 43 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 — 25. Oktober 1935 Sei teJT Cuzisten gegen Juden, mehrere jüdische Straßenpassanten wurden angegriffen, der jüdische Schneider Josef Tropner wurde dabei durch Messerstiche schwer verletzt und mußte in bedenklichem Zustand ins Hospital überführt werden. Die Huligans griffen auch das Lokal der Poale Zion an, zertrümmerten die Fenster und demolierten die poalezionisti'sche Volksküche. In einem hauptsächlich von Juden bewohnten Stadtviertel schlugen sie in mehreren Häusern die Fensterscheiben ein. Am Jörn Kippur sollte, wie letzthin berichtet, in Czertiowitz eine Reichskonferenz der Cuzisten-Partei stattfinden, >sie wurde aber auf jüdische Beschwerden hin behördlich verboten. Höllenmaschine in Stanislau. Von unbekannter Seite wurde gegen das L okal der revisionistischen Partei in Stanislau eine Höllenmaschine geworfen, durch die das ganze Haus zerstört wurde und in Flammen aufging. Menschenleben sind nicht zu beklagen. ERKLÄRUNG. In der Nr. 35 der „Wahrheit" enthält der Artikel „Klaber als Erzieher" folgenden Passus: „Leute, die solcher Art ein einmal „erobertes" Pöstchen für alle Ewigkeit behalten wollen, bezeichnet man in Wien mit einem Worte, das sich aus einer Vokalauswechslung im Namen des genannten Herrn leicht ergibt." Herr Dr. Klaber hat sich durch diesen Passus beleidigt gefühlt und in der Sitzung des Elternbundes vom 3. September mit Worten repliziert, welche eine Beleidigung für den ihm damals unbekannten Verfasser dieses Artikels beinhalteten. Ich habe mich nun als Verfasser dieses Artikels deklariert und ziehe hiemit, da meine Anwürfe gegen Herrn Dr. Klaber jeder Grundlage entbehren, dieselben mit dem Ausdrucke des Bedauerns zurück. Wien, 21. Oktober 1935. Oskar H i r s c h i e 1 d. In einer der letzten Nummern der „Gerechtigkeit" wird die Berliner Schriftstellerin Gusti Hecht wegen eines in der Bielitzer „J ü d isehen Wochenpost" erschienenen Artikels „Psychologie der Wiener Juden'" angegriffen. Dieser Artikel wurde, wie wir erfahren, im. Auftrag der Berliner „C. V.-Zeitung" von Gusti Hecht geschrieben, in derselben veröffentlicht und ohne ihr Wissen in der „Jüdischen Wochenpost" nachgedruckt. Gusti Hecht hat erst durch die Glosse in der „Gerechtigkeit" von diesem Nachdruck erfahren. Es ist also unrichtig, daß sie zu dem Mitarbeiterstab der genannten Zeitung gehört. Gemeindedkronifk. Berlin. Professor Dr. Hermann Großmann, früher Privatdozent an der Universität Berlin, dann an der Hochschule in Brüssel, ist einem Rufe der Regierung von Persien gefolgt, der medizinischen und philosophischen Fakultät der Universität Teheran eine naturwissenschaftlich-technische Abteilung anzugliedern. Prof. Großmann selbst erhält einen Lehrstuhl der Chemie. Die Berufung ist auf fünf Jahre erfolgt. ßethamidrasch, II., Tempelgasse 3. Montag, den 21. Oktober, 6 Uhr abends, wurde das neue Studienjahr bei Anwesenheit der Vorstandsmitglieder, def Lektoren und einer großen Anzahl prominenter Gäste feierlich eröffnet. Herr Oberkantor M a r g o I i e s verrichtete in sehr würdiger Weise das Maariv Gebet und fand in seinen künstlerischen, seelenvollen Vortrag allgemeine Anerkennung. Der Vereinsobmann, Herr Alt-Vizepräsident der Kultusgemeinde Doktor Jakob O r n s t e i n, begrüßte sodann die Anwesenden und führte eine Parallele zwischen Simchas Thauro und dem Bethamidraschin sorgfältig durchdachter Weise aus. Er erwähnte, daß an Stelle des ausgetretenen Lektors Rabb. Dr. Murmelstein, der hochgebildete Rabbiner Z i k i e r, der mit vielem Beifall im Maimonides-Institut seit zwei Jahren Vorträge hält, für das Bethamidrasch gewonnen wurde. Und so hoffe er als Obmann, daß diese altehrwürdige Institution auch in dem neuen Studienjahre segensreich wirken werde, damit der unerschöpfliche Inhalt der jüdischen Wissenschaft den aufmerksamen Hörern der Vorträge zuteil werde. Herr Lektor Dr. S. Ruöin hielt nunmehr einen Vortrag über „Das Gottesurteil in der Bibel". In geistreicher Weise und mit profundem Wissen führte Herr Dr. Rubin sein Thema aus, das mit großem Interesse angehört wurde, war es doch ein heikles und schwieriges. Sehr beachtenswert war die erleuchtete Erklärung mancher Bibelstellen, die von der Zählung der kriegstauglichen Männer erzählen, wie auch von Zählungen des Volkes mit genauem Hinweis auf den Vater und den Stamm, dem sieangehören. Hier wies der hochgelehrte Lektor in besonders schönen Worten auf die Reinheit des jüdischen Familienlebens hin, die er in zwei agadischen Beispielen, resp. Erzählungen schön einzukleiden verstand. Herr Dr. Rubin erntete mit seinem wissenschaftlichen Vortrage wohlverdienten großen Beifall aller Anwesenden. Rudolf Kraus. Maimonides-Institut, Wien IL, Praterstraße 11 (Leitung: III. Obere Weißgärberstraße 24). Vorlesungen im Wintersemester 1935/36. Eröffnung: Samstag, den 26. Oktober, 4 Uhr nachm. durch einen Vortrag des leitenden Dozenten Rabb. Dr. K a m i n k a über „Die biblische Lehre von der Gleichheit der Menschen". Wöchentliche Vorlesungen: Montag: Rabbiner Dr. Bauer. 3—7: En Jakob; 7—8: Ikkarim. Dienstag: Dr. Sal. Rapp.aport, 6—7: Pesikta; 7—8: Aus jüdischer Geschichte und Literatur. Mittwoch: Rabbiner Dr. K a m i n k a. 6—7: Das Buch der Richter; 7—8: More Nebuchim. Donnerstag: Rabbiner Dr. Z i k i e r. 6—7: Midrasch rabba; 7—8: Jad Chasaka. Samstag: 4—5: Rabbiner Dr. Kaminka: Pentateiich-Vortrag. Isr. Kinderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15. Die 91. ordentliche Generalversammlung der Isr. Kinderbewahranstalt findet Mittwoch, den 30. Oktober, 18.30 Uhr abends, im Anstaltsgebäude, II., Schiffamtsgaisse 15, statt. Die „Einheit"", Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen und Mittelstandsküchen, welche seit nahezu 30 Jahren in allen Abteilungen vorzügliches Essen in ausgiebigen Portionen zu besonders billigen Preisen (tief unter den Gestehungskosten) verabreicht, bietet auch ihren Besuchern täglich von 6—8 Uhr abends ein Nachtmahl, bestehend aus Suppe mit Einlage und Brot zum Preise von 15 Groschen. Verein iür jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 28. Oktober, halb 8 Uhr abends. Im Klubsaale, I„ Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang. Souterrain), Vortrag des Herrn Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang: „Rabbi Abraham Isaak Kuk, Oberrabbiner von Palästina." Eintritt frei. Gäste willkommen. Trauung. Sonntag, den 27. Oktober, 3 Uhr nachmittags, findet im Pazmanitentempel die Trauung des Fräuleins Ilona Stift, Tochter des I. Kantors und Sekretärs dieses Tempels, Armin Stift" und seiner Gattin, mit Herrn Sah) U n g e r statt. Goldene Hochzeit. Samstag, den 26. Oktober, 10 Uhr vorm., findet im Bethause „Obere Landstraße", III., Steingasse 18, anläßlich des goldenen Hochzeitsfestes des Vorstandsmitgliedes Herrn Benedikt Steiner mit seiner Gattin Therese, geb. Mahrer, ein Festgottesdienst statt. Diamantene Hochzeitsfeier im Versorgungshause. Am Samstag, den 19. Oktober, begingen die Pfleglinge der Versorgungsanstalt der Kultusgemeinde, Hermann und Regine Häuser die seltene Feier der diamantenen Hochzeit. Eine ganz besondere Bedeutung wurde dieser Feier durch die Anwesenheit des Herrn Bürgermeisters der Stadt Wien, Vizekanzler a. D. Richard Schmitz, zuteil, der in Begleitung der Herren des Präsidialbüros in der Anstalt erschien und vom Obmann Doktor 1. H. Körner, Obmann-Stellvertreter Berthold Sinai, Oberverwalter Josef Popper und Primarius Dr. M. I n f e 1 d empfangen und begrüßt wurde. In Vertretung des Präsidiums der Kultusgemeinde wohnte der Feier Vizepräsident Doktor Josef T i c h o bei, für den 9. Bezirk erschien Herr Bezirksvorsteher Erban. In dem mit Blumen und Blattpflanzen festlich geschmückten Sitzungssiaale gratulierte der Herr Bürgermeister in herzlichen Worten dem von den Kindern und Enkelkindern umgebenen Jubelpaare und überreichte die Ehrengeschenke der Stadt Wien. Vizepräsident Doktor Ticho begrüßte im Namen der Kultusgemeinde den hohen Gast und beglückwünschte, anknüpfend an die Worte des Herrn Bürgermeisters, das Jubelpaar, dem er die Ehrengabe der Kultusgemeindo überbrachte. Hierauf nahm das Hochzeitspaar die Gratulationen der Angehörigen. Freunde und Mitbewohner entgegen und dankte allen tiefgerührt. Die Jubilare wurden von allen Seiten reichlich beschenkt und von der Anstalt festlich bewirtet. Am Simchas-Thora-Fest wurde der Jubilar als Chassan Maftir zur Thora gerufen und durch eine Anspracht des Herrn Rabbiners Dr. A. Z. Schwarz geehrt. 80. Geburtstag. Am Simchas Thora wurde im Pazmanitentempel im Rahmen des Vormittagsgottesdienstes der 80. Geburtstag des in weitesten Kreisen bekannten und beliebten Herrn Salomon Hoffmann feierlich begangen. Der Jubilar, der seit Jahrzehnten dem Vorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" als pflichteifriges Mitglied angehört und sich überall größter Beliebtheit erfreut, wurde als Chosen Maftir zur Thora gerufen und mit einem feierlichen Hallelujah, Wien Im Seitenstettenoasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor _SaroiUg g—chlo«»»i» i wirksam vorgetragen von Oberkantor Müller und dem Chor, empfangen. Auch bei der am Nachmittag stattgehabten Zusammenkunft im Hause des Vereinsrabbiners Dr. Z. Taubes wurde Herr Salomon Hoffmann, der in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen Geburtstag feiert, in mehreren herrlichen Ansprachen beglückwünscht. Todesfälle. Nach langem schweren Leiden verschied im 64. Lebensjahre am 19. d. M. Herr Friedrich Wechsler und wurde am 21. d. M. zu Grabe getragen. Die Beteiligung am Leichenbegängnisse war ebenso wie bei der Abholung der Leiche vom Trauerhause eine gewaltig große, was die Beliebtheit, die der Verblichene in weitesten Kreisen mit Recht genoß, bewies. Friedrich Wechsler war ,n seinem privaten Leben wie in seiner wirtschaftlichen Tätigkeit ein aufrechter Mann und erfreute sich der Liebe seiner nun so schwer geprüften Familie wie der Wertschätzung seiner Mitmenschen. Besondere Achtung genoß er wegen seines ausgeprägten jüdischen Gefühls, das er durch Mitarbeit auf vielen Gebieten des jüdischen Lebens bekundete. Cr war ein treues Mitglied der „Union österreichischer Juden", deren Bezirksorganisation II er als Vorstandsmitglied angehörte. Er war lange Zeit Mitglied der Bezirkskommission II der Kultusgemeinde und betätigte sich besonders eifrig im polnischen Tempel, wo er Vorstandsmitglied war, wie auch in der Kinderbewahranstalt. Ueberall sciiätzte man. ja liebte man geradezu Friedrich Wechsler und überall wird sein Hinscheiden auf tiefste beklagt, sein Andenken unvergeßlich bleiben. Die Trauerrede beim Leichenbegängnis hielt in überaus inniger Weise Rabbiner Dr. Z. Taubes, der ein schöne:; Bild vom Leben und Wirken des braven Heimgegangenen entwarf. Mit Ergriffenheit lauschte seinen warmen Worten die Trauergemeinde. unter der sicli Kultusvorsteher Geza Klinger. eine starke Abordnung der „Union österreichischer Juden", Deputationen des polnischen und des Paztnaniten-Tempels u. v. a. befanden. Namens des Vorstandes des polnischen Tempels sprach Herr T a r 1 e r Worte des Abschieds. Besonders innig war der Nachruf, den der Obmann der Bezirksorganisation II der „Union österreichischer Juden", Herr Direktor Gustav K o 1 m i n, dem Freunde und Vorstandskollegen Friedrich Wechsler am orienen Grabe widmete. Er rühmte die schönen menschlichen und jüdischen Qualitäten des Heimgegangenen, dem die „Union" stets ein ehrendes Andenken bewahren wird. Die kantorale Funktion hatte Oberkantor Frankel inne. — Abermals hat ein schwerer Schicksalsschlag die in weitesten Kreisen bekannte und geschätzte Familie Back getroffen. Nachdem erst vor kurzer Zeit Herr Adolf Back nach lagern schweren Leiden seine Augen geschlossen bat, ist am 23. d. M. dessen Bruder M a x einem jähen Tode erlegen. Die Trauerbotschaft hat überall, wohin sie drang, große Teilnahme ausgelöst, man beklagt den plötzlichen Heimgang eines Mannes, dessen Leben dem Wohle der Seihen gewidmet war. und bekundet das innigste Beileid gegenüber der so schwer geprüiten Familie, insbesondere seiner Gattin Rosa, geb. Lindenbaum, und seinen Geschwistern. Das Leichenbegängnis findet Freitag, den 25. d. M., II Uhr vormittags, IV. Tor, statt. Neunkirchen. Am Montag, den 21. Oktober, fand in Neunkirchen das Leichenbegängnis des Kultuspräsiclenten Adolf P r e i B statt. Eine vielhundertköptige Menge folgte dem Sarge des hochverdienten 78jährigen Rosch-Hakohol. Im imposanten Leichenzuge, welcher vor dem weit geöffneten, hellbeleuchteten Tempel vorbeizog, sah man die Vertreter der Bezirkshauptmannschaft, des Bezirksgerichtes, des Steueramtes, des Bürgermeisteramtes, der städtischen Polizei, der Gendarmerie, der Ortsheimwehr und der Kaufmannschaft. Die Kultusgemeinde Wiener-Neustadt war durch Herrn Kuittispräsidenten Hugo R e i n i n g e r und Vorsteher S. F r a n k I, die Kultusgemeinde Baden durch Herrn Vorsteher Oedenburger vertreten. Tiefen Eindruck auf alle Anwesenden machte der Nekrolog des Oberrabbiners aus Wiener-Neustadt, Prof. Dr. Hillel W e i ß, der meisterhaft über den konfessionellen Frieden sprach. Für den Kuftusvorstand sprach Herr Ignatz Drec ii s- 1 e r tiefbewegte Worte des Dankes. Die kantorale Funktion versah Herr Kantor Biumenfeld ganz ausgezeichnet. In Budapest verstarb dieser Tage, ziemlich unbekannt und unbemerkt, der 81jährige „Donath bäesi", Benjamin Donath, ein Privatbeamter, der sich fast aussehl'eLilieh mit der ..Ehrenrettung" des Judentums, mit der Widerlegung der falschen Meinung von dem ..Raehegctte" der Bibel befaßte. Zu diesem Zwecke hat er eiae Unmenge von Büchern. Bibliotheken studiert, wobei ihm seine stupenden Sprachkenntnisse von Nutzen waren, und erreichte endlL-h. daß ihm die im Vatikan eingesetzte KardiiiaJkonim'ssion, aui Grund der Empfehlung des jetzigen Fürstprimas von Ungarn. Seredi. empfing und sich seinen Erläuterungen und Motiven zugänglich zeigte. Histadruth Ivrith. Samstag, den 26. Oktober. 8 Uhr abends, eröffnet Herr Rektor Prot. Dr. S. K r a t: s s im Heime der Histadruth, 11., Kl. Mohreng. 3. das Wintersemester der Histadruth mit einem Vertrag über d.s Thema „Injane mada ivrim beeret* Chawasch". Samstag, den 2. November. 8 Uhr ibends, findet im Heime. II.. Kl. Mohreng. 3. die Geü^raiVersammlung der Histadruth.Jvrith statt. Besondere Einladungen werden nicht ausgeschickt.

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