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Die Wahrheit · 1935-10-25 · Heft 43 (25.10.1935) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 43 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Das deutsche Nachrichtenbüro lügt. Edmund Baumgartner wurde doch ermordet. Das Deutsche Nachrichtenbüro hat bekanntlich die durch viele Zeitungen der Welt gegangene Nachricht, daß der junge jüdische Sportler Edmund Baumgartner, der bei einem Fußballmatch in Ratibor, Deutsch-Ober- ■schlesien, als Mitglied eines polnischen Teams aus Rybnik, Polnisch-Oberschlesien, spielte, von der nationalsozialistischen Zuschauermenge angegriffeil und tödlich verletzt wurde, glattweg abgeleugnet. Von deutscher Seite wurden sogar ausländische Journalisten veranlaßt, nach Ratibor zu reisen, um sich unmittelbar von der Unrichtigkeit dieser Auslandsmeldung zu überzeugen. Wie nun die Warschauer Jüdische Telegraphen-Agentur durch eingehende Recherchen feststellen konnte, ist dieses Dementi des offiziellen DNB irreführend: Der junge Edmund Baumgartner wurde tatsächlich von einer nationalsozialistischen Menge in barbarischer Weise überfallen und so schwer mißhandelt, daß kurz danach sein Tod eintrat. ' Der Vorfall spielte sich aber nicht in Ratibor, sondern in der schlesischen Hauptstadt Breslau ab. Daß der Vorfall nicht gleich bekannt wurde, SEflUA PASTOR KOMMT liegt daran, daß von deutscher amtlicher Seite sofort alle Maßnahmen ergriffen wurden, damit nichts über ihn in die Oeffentlichkeit komme. Der Mord an Edmund Baumgartner hat sich wie folgt zugetragen: Am 15. September d. J. wurde im Stadion zu Breslau vor etwa 50.000 Zuschauern ein Fußballmatch zwischen einem polnischen und einem deutschen Team ausgetragen. Juden war der Zutritt zu den Tribünen als Zuschauer streng verboten. In der polnischen Mannschaft spielte ebensowenig wie in der deutschen ein Jude mit. Als nach Schluß des Matches die Menge das Sportfeld verließ, kam es zu Unruhen, als Rufe laut wurden, daß sich doch Juden „getarnt" unter der Zuschauermenge befänden. Es wurden jüdische Passanten in dem dem Stadion naheliegenden Stadtteil angegriffen und blutig geschlagen. Unter den Angegriffenen befand sich auch Edmund Baumgartner, dessen Verletzungen so schwerer Natur waren, daß er kurz danach verschied. Die „Breslauer N a-c h r i c h t e n" berichteten noch am selben Tage über diesen Fall und teilten mit, daß Edmund Baumgartner gelyncht wurde, weil er trotz Verbotes des Zutritts von Juden zu den Tribünen doch als Zuschauer dem Match beigewohnt hatte. Diese Begründung war falsch; Baumgartner wurde nicht im Stadion selbst, sondern außerhalb desselben getötet. Noch während die ersten Exemplare der „Breslauer Nachrichten" mit der Nachricht von der Ermordung Baumgartners in den Straßen verkauft wurden, griff' die Geheime Staatspolizei ein und beschlagnahmte sämtliche bereits ausgedruckten Exemplare der Zeitung. Die weiteren Exemplare von diesem Tage enthielten die Nachricht nicht mehr. Die irrtümliche Meldung, daß Baumgartner in Ratibor getötet wurde, ist darauf zurückzuführen, daß am gleichen Tage wie in Breslau, nämlich am 15. September, auf dem Ratiborer Sportplatz ein Fußbalimatch zwischen einer Ratiborer und einer Rybniker Mannschaft ausgetragen werden sollte; dieses Match wurde aber in zwölfter Stunde abgesagt, weil das Ratiborer Team nach Breslau gehen mußte. Baumgartner war der Sohn eines Breslauer jüdischen Bürgers, der im Weltkriege auf deutscher Seite gefallen ist. Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 -flV.' Beste Empfehlungenvon in- und ausländischen Hausbesitzern Palästina — die Boykottlücke. Colone! Kisch gegen den Transfer. Das frühere Mitglied der Zionistischen Exekutive Oberst F. H. Kisch hat in der Palästina- Presse in Form eines offenen Briefes scharfe AngriffegestndenTransfer Deutschland-Palästina gerichtet. Er faßte seine Einwendungen in folgenden sechs Punkten zusammen: 1. Der Transfer unterstützt die deutsche Nazi-Regierung auf dem Gebiete des Handels und der Finanzen und trägt zur Verminderung der Arbeitslosigkeit in Deutschland und somit zmr Verlängerung des Nazi- Regimes bei 2. Der Transfer bricht die jüdische Einheitsfront in der Welt gegen Nazi-Deutschland und störtdieAnti-Hitler- Aktion in den außerpalästinensischen Ländern. 3. Der Transfer hemmt in einem hohen Maße die Entwicklung der jungen palästinensischen Industrie, die gegen das deutsche Dumping nicht aufkommen kann. 4. Der Transfer macht einen denkbar schlimmen Eindruck auf die britischen Kreise, die Zeugen des paradoxen Prozesses sind, daß die Judenverfolgungen in Deutschland dadurch belohnt wer- Für die Hltsneder der HÜnlonosterrelcMsflier Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salz er« Eingehende Informationen für jedes Mitglied der .Union" unentgeltlich, Wien I., Kohlmarkt 8,1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10 —12 Uhr vormittags. den, daß der Paläisstina-Jischuw immer mehr deutsche Ware hereinbringt; In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, daß die Transfer-Kommission letztens ihre Tätigkeit auch auf Aegypten, Syrien und den Irak ausgedehnt hat, wo sie deutsche Waren unterzubringen sucht. 5. Als Resultat der Transfer-Tätigkeit wird ein Teil der jüdischen Einwanderung in Palästina in eine Organisation verwandelt, die wirksam für Berlin arbeitet und die ^Bemühungen jener Juden paralysiert, die sich bemühen, die Mandatsmacht und andere Regierungen zu einer Intervention gegen die häßliche Politik und die brutalen Methoden, die die Nazi-Regierung gegen die deutschen Juden anwendet, zu bewegen: 6. Der Transfer-Prozeß, der das gesamte jüdische Wirtschaftsleben in Palästina durchdringt und Kaufleute zum Kauf oder Verkauf deutscher Waren verpflichtet (da diese im Weigerungsfalle wirtschaftlich ruiniert werden, anderseits aber Prämien für den Handel mit deutscher Ware erhalten), demoralisiert das Leben des Judentums in Palästina. Deutschlands Handel mit Palästina. Eine soeben erschienene Veröffentlichung des Departements für den Ueberseehandel in London enthält den Bericht des britischen Handelsagenten in Haifa über die wirtschaftliche Lage in Palästina. Man erfährt daraus, daß (eine seltsame Folge der deutschen Judenpolitik) der deutsche Handel mit Palästina auf Kosten des britischen stark imZun e h m e n ist. Im vorigen Jahr betrug Deutschlands Anteil an der Gesamteinfuhr nach Palästina 10,95 Prozent, im ensten Vierteljahr waren es schon 13,92 Prozent. In der gleichen Periode fiel der britische Anteil von 19,54 auf 17,12 Prozent. Herrenkleidersalon S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die fetzige Saison die schönsten Maßanzüge und Winterröcke in den herrlichsten Dessins Billigste Preise Feinste Ausführung Garantierte Paßform Das ist die Folge der Bedingungen, unter denen jüdische Auswanderer aus Deutschland ihr Vermögen nach Palästina bringen können. Sie müssen dafür sorgen, daß deutsche Waren im gleichen Wert nach Palästina exportiert werden. Deutschland liefert dahin meistens Maschinen und Stahl- und Eisenwaren. Dabei nimmt Deutschland immer weniger palästinensische Waren ab; im vorigen Jahre waren es mehr als 18 Prozent, jetzt sind es nur 8,21 Prozent der Gesamteinfuhr. Die Lage der Juden Griechenlands unverändert. Durch die politische Umwälzung in Griechenland, die zur Wieder auf richtung der Monarchie geführt hat, ist die staatsbürgerliche und rechtliche Stellung der Juden in keiner Weise beeinträchtigt worden. Ihre grundsätzliche und tatsächliche Gleichberechtigung bleibt ebenso gewahrt wie unter der Herrschaft des zurückgetretenen Kabinetts Tsaldaris. Mitglieder der neuen Regierung, in erster Reihe der jetzige Ministerpräsident und provisorische Träger der königlichen Gewalt, General Kondy 1Iis, haben bei früheren Gelegenheiten ihrer freundschaftlichen Einstellung gegenüber der jüdischen Bevölkerung Griechenlands eindeutig Ausdruck gegeben. „Wi r können nicht vergessen, daß wir den Juden unseren Gott verdanke n", hat General Kondylis in Bezug auf die Juden erst vor kurzem erklärt. Der Führer der griechischen Faschisten, General M e r k u r i s, der Griechenland auf dem Faschistenkongreß in Montreux vertrat und sich dort energisch gegen judenfeindliche Tendenzen wandte, ist Unterstaatssekretär im Ministerratspräsidium geworden. Von den übrigen Mitgliedern des neuen Kabinetts hat Minister Theotokis sich vor einiger Zeit in sehr warmen Worten über die Juden geäußert. „Wir wissen", sagte er, „was Spanien dadurch verloren hat, daß es iseine J uden vertrieb, und wir wissen auch, wieviel Griechenland dadurch gewinnt, daß es sie sich erhäl t." Auch der neue Generalgouverneur von Mazedonien, zu dessen Amtsbereich Saloniki, die Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung in Griechenland, gehört, gilt als Judenfreund. Generalgouverneur Minister M a n d a s hat dieses Amt schon früher bekleidet und sich damals wiederholt in günstiger Werse über die staatsbürgerlichen und kulturellen Qualitäten der Juden geäußert. Anhänger des monarchistischen Regimes haben in der letzten Zeit wiederholt versichert, daß diese Regierungisforni die volle staatsbürgerliche und wirtschaftliche Gleichberechtigung der Juden Griechenlands in, vollem Umfang garantiere. Der Ministerpräsident und Königliche Regent General Kondylis hat in Athen eine Abordnung der Juden Griechenlands empfangen und ihr gegenüber erklärt, er sei dös Glaubens, daß die Juden zur Aristokratie der Menschheitgehören. Unabhängig von meiner Meinung über die Juden im allgemeinen, fuhr General Kondylis fort, hege ich tiefe Sympathie und Achtungfür die Juden Griechenlands. In Literatur, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft haben die Juden der Welt hervorragende Person- ■Jl

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