Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 43 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 43 — 25. Oktober 1935 Seite 3 Der jüdische wirtschaftliche „Ausverkauf" hat die folgende Maßnahme der Geheimen Staatspolizei gezeitigt: Agenten der Gestapo im ganzen Reich besuchen der Reihe nach jüdische Familien und fordern Belege, wo sie das bei Ueberleitung ihrer Geschäfte und ihres Grundbesitzes in arische Hände erhaltene Geld deponiert haben. Diese Besuche verfolgen dreierlei Ziele: erstens wird den Juden bedeutet, daß es hoch an der Zeit sei, daß isie ihre Geschäftsbetriebe und ihren unbeweglichen Besitz an Arier übergeben; zweitens soll darauf geachtet werden, daß der erhaltene Gegenwert nicht in das Ausland gebracht wird; drittens soll darüber gewacht werden, daß die Juden mittels des bei Veräußerung ihres Besitzes erhaltenen Kapitals nicht neue Geschäfte gründen. Es ist dies ein „stiller Wirtschaftspogrom", durch den die Juden gezwungen werden sollen, ihre Geschäfte und ihre Immobilien in arische Hände übergehen zu lassen, aber ihr Kapital dürfen sie zu nichts anderem verwenden als zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes. Die Gestapo kontrolliert jetzt aiksnahmslos jede geschäftliche Transaktion, bei der der eine Partner Jude ist. Hat ein Jude für einen Verkauf einen größeren Geldbetrag erhalten, so wird er regelmäßig von einem Gestapo-Beamten besucht, der ihn so lange unter Druck hält, bis der Jude das Geld bei einer deutschen Bank deponiert hat. Falls der Verkäufer nicht erschöpfende Auskunft über den Verbleib der Kaufsumme gibt, sagt ihm der Beamte, daß er dadurch in den Verdacht komme, das Geld ins Ausland geschmuggelt zu haben. Hebt ein Jude von seinem Bankkonto einen 1500 Mark überschreitenden Betrag ab, so wird dies von der Bank sofort der Gestapo gemeldet, die sodann eine Untersuchung darüber anstellt, was der Abheber mit der Summe gemacht hat. Ueber die Bankkonten der Juden wird schon längst eine Kontrolle ausgeübt, oft erstreckt sich diese Kontrolle auch auf Barbeträge in jüdischen Hanshalten. Diese Kontrolle dient nicht nur dazu, die Ausführung des Geldes in das Ausland zu verhindern, was ja bei der bestehenden allgemeinen Devisenkontrolle gar nicht möglich ist, sondern — und dies in erster Linie — dazu, den Kapitalsinhaber daran zu hindern, eine neue geschäftliche Tätigkeit aufzunehmen. Die nationalsozialistische Losung gegenüber Mussolini erklärt: In Italien existiert Das Budapes!er ungarisch-jüdische Organ ,.E g y e n 1 ö s e g" bringt in seiner jüngsten Nummer als Titelbild Mussolini inmitten der in Italien studierenden ungarischen jüdischen Jugend, die ihm ihre Aufwartung macht. Gleichzeitig veröffentlicht das Blatt den Neujahrswunsch des Duce, den er an das American Jewish Committee abgegeben hat. Darin heißt es u. a.: „Der Faszismus wünscht keinesfalls, daß das Judentum seinen religiösen Traditionen sowie rituellen Gebräuchen, seinen Iiistorischen Gefühlen und Erinnerungen entsage. Wir wünschen bloß, es möge die nationalen Ideale Italiens anerkennen und sich ihnen sowie der faszistischen Disziplin, die bei uns herrscht, unterordnen. Und dies geschieht auch, setzt die Erklärung fort. Deshalb gibt es bei uns keine sichtbaren politischen oder gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden. Seit vielen, vielen Jahren nehmen die italienischen Juden an unserem den Juden lautet heute: „Einmal heraus aus dem Geschäft, für immer heraus aus dem Geschäft!" Analog dieser Behandlung der jüdischen Unternehmer ist die der jüdischen Arbeitnehmer. Die Berliner Zeitschrift „Arbeitsrechteprechung" veröffentlicht zu dem Gebiete des Kündigungsschutzes nichtarischer Gefolgschaftsmitglieder (Angestellter) folgende grundsätzlich bedeutsame Entscheidungen: 1. Grundsätzlich finden auch auf den nichtarischen Arbeitnehmer die Bestimmungen des Ge- SEVILLA PASIOtt KOMMT setzes zur Ordnung der nationalen Arbeit über den Kündigungsschutz Anwendung. Es wird also eine fristgerechte Kündigung beachtet. Dagegen gibt es gegen eine ausgesprochene Kündigung keine Widerrufsmöglichkeit auf gerichtlichem Wege. Die Arbeitsgerichte haben wiederholt solche Widerrufsklagen abgelehnt, und zwar mit der Begründung, daß die Kündigung eines Juden nationale Pflicht sei, solange ein Volksgenosse noch ohne Arbeit ist. 2. Nach den heute herrschenden Anschauungen kann ei nicht als unbillige Härte angesehen werden, wenn arische Unternehmer zuerst den jüdischen Arbeiter entlassen, um das arische GefolgischaTtsmitglied zu behalten. Zu all dem hat der Druck örtlicher Parteifunktionäre in manchen Orten eine neue Form des Boykotts herbeigeführt, die darin besteht, daß jüdische Käufer in deutschen Geschäften nicht mehr bedient werden. Die jüdische Kultußgemeinde in Berlin sendet Lastautos mit Lebensmitteln bis nach Pommern und Schlesien, um die von der normalen Belieferung abgeschlossenen Glaubensgenassen zu versorgen. Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II Taborstraße 12, Tel. R 46 5 ST •m» Ausgiebige Braten-Menüs S 1.60 ^«««^ Ifc/J „ Geflügel- „ S 2.20 llfi'-) Vorzügliche Zubereitung — Sehwechater Biere Naturweine. Grotesk ist die Beobachtung, welchen Elementen die gegen die Juden gerichtete Enteignungspolitik der Regierung zugute kommt. Während sich die anständige Bevölkerung mit Abscheu von der Judenhetze fernhält und bedrohten Juden häufig mit eigener Lebensgefahr Schutz gewährt, fischen moralisch anrüchige Individuen eifrig im Trüben. In M ü 11 h e i m (Baden) ist der Hauptantreiber der Nazi ein Zahnarzt, der einmal die Ortskrankenkasse um einige tausend Mark betrogen hat. In Wiesbaden übernahm ein berüchtigter Judenhetzer namens Beckel ein jüdisches Trödlergeschäit, wurde aber bald darauf wegen Hehlerei zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das sind zwei Beispiele von vielen, die das Prinzip der „Rassenauslese" illustrieren, die im Dritten Reiche am Werke ist . . . keine Judenfrage. politischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leben regen Anteil. In einem Satze zusammengefaßt: In Italien existiert keine Judenfrage. Ich kenne keine. Wo ich nur die mindesten Spuren einer antisemitischen oder „rasseschützlerischen" Strömung oder Hetze im staatlichen Leben bemerkt habe, habe ich sie sofort ausgerottet. Mögen die Feinde des Faszismus was immer sagen, wir sind tolerant jedem gegenüber. Weder ich noch ein Mitglied meiner Regierung haben je eine judenfeindliche Auffassung bekundet. In diesen großen Tagen des italienischen Volkes erkläre ich es: „Die italienischen und jüdischen Ideale sind völlig ineinander verschmolzen." Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien L, Kohlmessergasse 4, TeL U 27-0-65, bittet dringendst im Hinblick auf den Ernst der Zeit und die katastrophale Arbeitslosigkeit unter den Juden im Bedarfsfalle Angestellte und Arbeiter jeder Kategorie, sowie Lehrlinge bei obigem Arbeitsnachweis anzufordern. Meinl-Tee köstlich durch Indiens Sonne Kampf gegen Kriegsgefallene. In einem Erlaß, der geheimgehalten werden sollte, jedoch durch eine Indiskretion bekanntgeworden ist, ordnet Reichspropagandaminister Dr. Goebbels an, daß in Zukunft die Namen der jüdischen Kriegs gefallenen nicht mehr auf den Gedenktafeln und in den Gefallenenlisten zu führen sind. Die Verfügung bezieht sich nicht bloß auf Gedenktafeln und Kriegerdenkmäler, die in der Zukunft errichtet werden sollen, sondern auch auf die bereits bestehenden Erinnerung«-, zeichen dieser Art. Den einzelnen Gemeinden und Betrieben wird nämlich nahegelegt, sie mögen die Namen der jüdischen Gefallenen auf den Kriegerdenkmälern „unerträglich" finden. In dem Erlaß des Reichs- Propagandaministeriums wird allen Stellen ausdrücklich das Recht eingeräumt, in diesem Fall die Aufschriften auf den Kriegerdenkmälern und die Gedenktafeln für die Gefallenen zu entfernen, um sie durch neue, auf denen die Namen der im Krieg getöteten Juden fehlen, zu ersetzen. Die 12.000 deutschen Juden, die für Deutschland gefallen sind, waren den Nationalsozialisten seit je ein Dorn im Auge. Wie kamen diese Parias dazu, für Deutschland ihr Blut zu vergießen? 12.000 Juden sind für Deutschlands Ehre gefallen, moderne (ieschichtsfälschung merzt diese 12.000 Toten aus! Sie, die der Krieg getötet, tötet nationalsozialistische Propaganda zum zweitenmal. Alle aber, die ihr Gefühl noch nicht ertötet haben, werden in diesem Befehl alles eher sehen als Propaganda für die nationalsozialistische Lehre. Denn nicht umsonst heißt es: „Wo Menschen schweigen, werden Steine reden." Und sie werden sprechen . . . Dr. Otto Hirsch in Freiheit. Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, Geschäftsführender Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, der wegen des gemeinsam mit dem Präsidenten der Reichsvertretung Rabbiner Dr. Leo Baeck unterzeichneten Jom Kippur-Aufrufes an die deutschen Juden verhaftet und eine Woche lang im Columbia- Haus festgehalten wurde, ist freigelassen worden. Es verlautet, daß die Untersuchung gegen ihn eingestellt und eine Klage nicht erhoben werden wird. Neubesetzung des Raboinafes Oer Israelitisdien Rultus» gemeinde Züridi Zufolge Rücktrittes des bisherigen Amtsinhabers per 1. September 1936 ist die Stelle des Rabbiners neu zu besetzen. Bewerber, welche den Befähigungsnachweis zur Ausübung des Rabbinates besitzen (vergl. § 132 ff. der Statuten), wollen sich mit ausführlicher Eingabe über Alter, Nationalität» Bildungsgang, etc. und unter Beischluß der sachbezüglichen Belege, wenden an das Sekretariat der Israelitisdien Kultusgemeinde Zürich Michaelersfrafle Nr. 36, Zürich 1 zubanden des Herrn Präsidenten.