Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 40 (4.10.1935)
- Date
- 1935-10-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 40 4. Oktober 1935 DIE WAHRHEIT HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die kommende Herbst- und Wintersaison die zweckmässige Maßkleidung für den eleganten Herrn Billigste Preiserstellung und aufmerksamste Bedienung Regierung bekämpft, weil sie konservativ und katholisch ist! Solches Verhalten macht aber auch dem vielgenannten scharfen Verstände der Juden wenig Ehre. Es ist von ihrem Standpunkte geradezu selbstmörderisch, gegen ein Regime aufzutreten^ das -sich als einziger wirksamer Schutz gegen den Nationalsozialismus erwiesen hat, nachdem das alte Parlament gerade in dieser Hinsicht völlig versagt hatte, und die verantwortungsbewußten, konservativen Kreise der österreichischen Judenheit haben nie einen Zweifel daran gelassen, daß sie das anerkennen und würdigen. Nur der Regierung verdanken es unsere jüdischen Mitbürger, daß sie unter dem Schutze der Gesetze stehen, statt der barbarischen Willkür brauner Prätorianer ausgesetzt zu sein. Niemand bestreitet ihnen das Recht, in allen erlaubten Körperschaften und Organisationen mitzuarbeiten. Wo öffentliche Angestellte von politischen Abbaumaßnahmen betroffen werden, geschieht dies nicht ihres Judentums wegen, sondern ihrer allzu starken Verbundenheit mit der Sozialdemokratie halber. Wirkliche Ursache zur Klage besteht also nicht Um so unbegreiflicher ist die indirekte Nazipropaganda, die von diesem jüdischen Intelligenzproletariat getrieben wird. Antisemitische Stimmungen werden durch solche staatsfeindliche Haltung geradezu gezüchtet, — es entstehen Zweifel an der Richtigkeit unserer Judenpolitik — und damit Empfänglichkeit für nationalsozialistische Einflüsterungen. Ist doch gerade der Antisemitismus die wirksamste Werbekraft, welche die Braunen zur Verfügung haben. Durch ihn gewinnt die Partei eine ganze Anzahl von „Sympathisierenden", auch , unter an sich guten Oesterreichern, denen Hitler und die 'Anschlußideologie gleichgültig sind. Alle diese Schwankenden könnten für Oesterreich gewonnen werden, wenn die Regierung versuchte, es dem Dritten.Reich in der. „Lösung der Judenfrage" gleichzütun, wenn sie einen Moment, taktischen Erwägungen zuliebe, die Konsequenzen vergäße, . die sich daraus ergeben, daß Oesterreich bewußt ein christlicher Staat sein will. Wir bringen also, auch wenn es aus grundsätzlichen Motiven und nur aus solchen geschieht, ein nicht unerhebliches politisches Opfer, wenn wir in der bisherigen Richtung verharren, — ein Opfer, das wenig Dank findet! Allen, die es angeht; ist daher im eigenen Interesse dringend zu raten, ihre Haltung zu ändern. Oesterreich steht immer , noch im Kampf um seine Unabhängigkeit und kann sich in seiner Arbeit nicht durch eine ebenso verräterische wie törichte Unterweltpropaganda stören lassen! Von sehr vielen wird heute das eine oder andere Gesinnungsopfer gefördert, — mit vollem Rechte, solange es um die Existenz des Staates geht. Und was anderen gelingt könnten die jüdischen Kaff eehaussozialisten auch versuchen. Dr. Wilhelm Böhm. Häuseradmini$tration Adolf Krall IV., ScKleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Das Neujahr der deutschen Juden. Die Gottesdienste in den Synagogen Berlins und des Reiches aus Anlaß des jüdischen-;:Nei£' jahrsfestes sind ohne Störung verlauf ejo, Die Andachtsstätten waren au.ßerrord^ntlich stark besucht es herrschte bei aller bewegten Andacht eine Stimmung der Resignation und des tiefsten Ernstes. Da die Polizei in Berlin die Abhaltung von Gottesdiensten in privaten Vereins- und Klubhäusern verboten hat, sah sich die Gemeindeleitung genötigt, in den Synagogen je zwei Gottesdienste hintereinander stattfinden zu lassen. Trotzdem also jede Synagoge das Ziel der Wanderung größerer Massen war, fanden nirgendwo größere Ansammlungen statt. Mitglieder des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten wachten darüber, daß nirgends Synagogenbesucher auf der Straße oder vor den Synagogen stehen blieben, damit der Polizei, die aus Anlaß der Feiertage ein Verbot der Ansammlungen erlassen hat, keine Gelegenheit zum Einschreiten gegeben wird. Vor einigen Tagen waren in der nationalsozialistischen Presse Andeutungen enthalten, daß die Durchführungsbestimmungen zu den in Nürnberg beschlossenen Jude n g e s e t z e n, die die in den Gesetzen niedergelegten Richtlinien schärfetens zu Ungunsten der Juden interpretieren soneif, just zum jüdischen Neujahrsfest verkündet '-werden würden. Diese Voraussage* hat sich nicht erfüllt Wie!" man hört, liegt die Ursache der Verzögerung darin, daß man sich hinsichtlich der Position der nichtjüdischen Nich tarier noch nicht klar geworden ist. Während die radikale Richtung im Nazismus diese dem protestantischen oder katholischen Glauben angehörenden, nur zum Teil von Juden abstammenden Menschen gleich den Juden behandelt wissen will, gibt es eine geliegt die Ursache der Verzögerung darin, daß man um schwere Auseinandersetzungen mit den Kirchen und gewissen ÄeseYlschaftlichen Schichten zu vermeiden, diesen Nichiariern die Chance geben soll, siele-endgültigmit dem deutschen <Blut zu vermischen. Daß aber die Durchführungsbestimmungen die Volljuden mit rücksichtsloser?. Härte treffen werden, darüber gibt man sich keinem Zweifel hin, und gewisse Beschlüsse wirtschaftlicher und Berufskörperschaften, die in den letzten Tagen in Anlehnung an die Nürnberger Gesetze gefaßt wurden, geben hierzu das richtige Vorspiel. Jedenfalls sind die verflossenen jüdischen Neujahrstage mit die ernstesten, die das Judentum je erlebt hat. Zwei jüdische Mitglieder des polnischen Senats. Als Vertreter der jüdischen Bevölkerung Polens hat Präsident Moscicki' den Warschauer Oberrabbiner Prof. Moses Schorr und den agudistischen Präsidenten des., Rates der Warschauer jüdischen Gemeinde, Jacob T r o k e nh e i m zu Mitgliedern des Senats ernannt. „C. V.-Zeitung" wieder erschienen. Die „C. V.-Zeitung" ist nach Ablauf der mehrmonatigen Verbotszeit nun wieder erschienen. Der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mußte seinem Namen in Centraiverein der Juden in Deutschland abändern. Hingesendet. Wir erhalten folgende Zuschrift: Ich bitte um Veröffentlichung der Feststellung, daß ich bei der Administration der „Stimm e" keinen Neujahrswunsch bestellt und daß dessen Publikation ohne meine Zustimmung undgegen meinen Willen erfolgtist. Hochachtungsvoll Geza Klinger, Obmann des Klubs der unionistischen Kultusvorsteher. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA, ERÖFFNUNGSANZEIGE ERIKA HOFBAUER .unter fcew&hrter Leitung ihres Vaters n« Holbauer Seide u. Sdinelderzatfehttr nur WIEN ■.. Landshrontfasse i . (Ecke Bauernmarkt) Telephon D zi-S-94 Samstag geschlossen 'TVTTVTTTTTTTTTTTTVTTVTTVTtMf Sachverständigenaussdiuß des Völker-? bundes für Flüchtlingswesen. Der Völkerbundrat, der sich.am Ende der Vorwoche für ein bis zwei Wochen vertagt hat, nahm vorher noch den Bericht des Vertreters Equadors über die von der norwegischen Regierung angeregte und in der Völkerbundversaromlung erörterte Frage des internationalen Flüchilingsschutzes entgegen. Der Vertreter Equadors teüte dem Rat mit, daß er ihm noch vor Beendigung der jetzigen Tagung (d. h. noch in der.ersten Hälfte des Monats Oktober) eine Kandidatenliste für den in der Entschließung der Versammlung vorgesehenen Expertenausschuß unterbreiten wird. Als Experten sollen Persönlichkeiten gewählt werden, die einerseits die nötige Erfahrung und Kenntnis des Flüchtlingsproblems besitzen, anderseits jedoch unabhängig sind, d. h. zu den Organisationen, die sich mit Flüchtlingsschutz beschäftigen, in keiner direkten Beziehung standen oder stehen. Wie der JTA-Vertreter erfährt, soll das Expertenkomitee aus einem Engländer, einem Franzosen, einem Norweger (genannt wird Prof. Hansen), einem Tschechoslowaken und eventuell einem Schweizer bestehen. Diesem Komitee wird nach seine Ernennung zunächst ein ausführliches ■und umfassendes schriftliches Material zum Studium vorgelegt werden. Die Budgetkommission der Völkerbundver- .sammlung hat ihre Bewilligung gegeben, daß der von der politischen Kommission verlangte Kredit von 5500 Schweizer Franken für das Expertenkomitee für Flüchtlingsschutz aus dem dem Völkerbundrat zur Verfügung stehenden außerordentlichen Fonds vorgeschossen wird. Auf diese Weise kann dieser Betrag schon gleich verfügbar gemacht werden. Die Identitätskarte. b Im Staatsrat wurde in der Vorwoche das von der Regierung eingebrachte Gesetz über die Einwohnerverzeichnung verhandelt, welches u. a. die Einführung einer Identitätskarte, die jedermann ständig bei sich tragen soll, vorsieht In der Bevölkerung wurden Befürchtungen laut, daß damit eine gewisse Einteilung nach rassischen oder konfessionellen Gesichtspunkten, bzw. nacbJ der früheren Staatsbürgerschaft der einzelnen Bewohne? beabsichtigt sei. Bei der Behandlung des Gesetzes im Staatsrat erklärte Minister F e y, Oesterreich leide unter der großen Zahl unerwünschter Ausländer und Staatenloser. Die Regierung müsse durch eine genaue Evidenz der zuziehenden Personen eine Uebe rf remdung verhindern. Mit der Erkennungskarte würden keinesfalls irgendwie versteckte Evidenzfü'hrungeh erfolgen, was schon daraus hervorgehe, daß die Erkennungskarte an Personaldaten hur Name, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit enthalten wird. Befürchtungen bezüglich der Einschränkung staatsbürgerlicher Rechte oder irgendwelche andere Befürchtungen seien daher unbegründet. Für die Hitslieder: der „Union österreichischer Juößnu Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Kat Alexius Salz er. Eingehende Informationen für jedes Mitglied der .Union" unentgeltlich, Wien I., Kohlmarkt 8,1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags.