Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-10-04 · Heft 40 (4.10.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 40 (4.10.1935)
Date
1935-10-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064594--20391-3085631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 40 — 4. Oktober 1935 Seite 3 Goering kommentiert Hitler. Das Organ Goerings, die Essener „N a t i on a 1 z e i t u n g", gibt einen als parteiamtlich aufzufassenden Kommentar zu der durch den Reichskanzler Hitler in seiner Nürnberger Rede, mit der er die Judengesetze einbegleitet hatte, ausgesprochenen dunklen Drohung an die Adresse der Juden. Das Organ Goerings führt aus: „Es scheint uns, was das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre anlangt, ein Punkt vielleicht doch noch nicht genügend hervorgehoben zu sein, der die außergewöhnliche Tragweite dieses Gesetzes für die Gestaltung des Zusammenlebens des deutschen und jüdischen Volkes innerhalb der deutschen Grenzen kraß beleuchtet. Wir meinen die Tatsache, daß der Führer ausdrücklich betont hat, er hoffe, durch die Annahme dieses Gesetzes vielleicht doch eine Ebene schaffen zu können, auf der es dem deutschen Volke möglich sein werde, ein erträgliches Verhältnis zum jüdischen Volke zu finden. Aber, 'So hat der Führer hinzugesetzt, wenn sich diese Hoffnung nicht erfüllen sollte, so werde eine neue Ueberprüfung der Lage stattfinden und im Falle eines abermaligen Scheiterns dieses Versuchs zur gesetzlichen. Regelung des Problems werde diese L ösung dann durch Gesetz der nationalsozialistischen Partei übertragen werden . . . Während bisher überall sowohl die Gesetzgebung wie die Ausfühmng der Gesetze und die Ueberwachung dieser Ausführung in den Händen der Staatsorgane liegt, würde hier also der Fall eintreten, daß' die Fortsetzung des deutschen Kampfes gegen die jüdische Vormachtstellung und die Versuche des jüdischen Volkes, neuen Einfluß in Deutschland zu gewinnen, nicht mehr vom Staate selbst, sondern von der Organisation übernommen werden würden, die dem Staat seit der Machtübernahme durch Adolf Hitler ihren politischen Willen aufzwingt. In einem solchen Falle müßte allerdings das jüdische Volk gewärtig sein, daß die Partei, die NSDAP, über deren Aktivismus in dieser Frage wohl bei niemandem ein Zweifel -besteht, die Dinge im Rahmen ihrer parteimäßigen Organisation in ihre Hand nehmen würde. Auf dem Wege über die Gau- und Kreisleitungen und die Ortsgruppen würde dann also der Kampf gegen die Judenschaft aufgenommen und durchgeführt werden. Die Maßnahmen, die die Partei als solche dann ergreifen würde, wären Maßnahmen gesetzlicher Art und der Staat hätte ihnen durch seine beamteten Organe dabei Hille zu leisten. Diese Auffassung des Führers muß deshalb also um so bemerkenswerter festgehalten werden, als zweifellos in der letzten Zeit von Teilen innerhalb des riesigen Staatsapparates bestimmten politischen Zielen der Partei gegenüber eine gewisse Zurückhaltung (?) sich bemerkbar gemacht hat, welche die Dienststellen der Partei im Lande gelegentlich zu ernsthaftem Kopfschütteln veranlassen mußte. Es könnte also sein, daß eines guten Tages der nicht schnell und gründlich genug arbeitende Staatsapparat durch die Parteiorganisation in ein Tempo der Arbeit eingelenkt würde, die den ans natürlichen Gründen manchmal bürokratisch träge und schwerfällig arbeitenden „Vater Staat" belehren würde. Darüber hinaus wäre es auch möglich, daß zur Lösung bestimmter Probleme der Staatsapparat ausgeschaltet werden und die Partei als solche ihren politischen Willen unmittelbar durchsetzen könnte." Zum Schluß heißt es, es stehe zu hoffen, daß allein die Erörterung der Möglichkeit einer solchen Entwicklung durch den Fülirer die Kreise, die es angeht, zur Einsicht bringen wird. „.ludenschaft und im Beamtentum gelegentlich noch vorhandene iiberalistische Reaktion werden dies ernstlich zu überdenken haben." illlllllllllllllllllllllllllllllllH IEPHRUSSI6C0J § Gegründet 1856 || | Banh^esditifie aller AiK 1 Abteilungen für Wertpapiere und Devisen §§ g Wien IX., Wasagasse Nr. 2 j [imiHiimffniHiiHHiiiiiKuniHUiHniiHi Roschhaschonoh 5696. Grußbotschaften an das Judentum. Präsident Franklin D. Rooseveit, Mitglieder der amerikanischen Regierung und fast alle Gouverneure der achtundvierzig Staaten der nordamerikanischen Union stehen an der Spitze der langen Reihe iührender Persönlichkeiten Amerikas, die anläßlich des jüdischen Neujahrs 5696 durch die Jüdische Telegraphen- Agentur an die jüdischen Bürger Amerikas und darüber hinaus an die gesamte Judenlieit Grußbotschaften und Glückwünsche gerichtet haben, in denen aufrichtige Freundschaft und echte Anteilnahme an dem Geschick der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck kommen. Die Botschaft Präsident Roosevelts lautet: ..Anläßlich des Rosch Haschana-Festes möchte ich allen unseren Bürgern jüdischen Glaubens ineine aufrichtigen Grüße und besten Wünsche zum Neuen Jahr entbieten." Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Staatssekretär Corde!! Hu 11, schreibt: „Die Feier des Rosch Haschar.a bietet mir einen willkommenen Anlaß, meinen Mitbürgern jüdischen Glaubens im ganzen Land einen Gruß zu senden. Es ist meine aufrichtige Hoffnung, daß das jüdiche Neue Jahr 5696 ein glückliches und zufriedenstellendes Jahr sein wird und daß der Geist gegenseitiger Achtung, des Verständnisses und der Freundschaft, den die Amerikaner jüdischen und christlichen Glaubens in ihren Beziehungen zueinander pflegen, sich wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft erhalten und weiterhin verstärken werde." Der Gouverneur von Georgia, Eugene T a Imadge, richtet folgende Botschaft an die Judenheit der Welt: „Auf die Juden ist ein großer Teil der Weltkultur zurückzuführen. Sie haben uns die Heilige Bibel gegeben und uns gelehrt, an Gott zu glauben. Wir erkennen die große Leistung an, die sie als Mitarbeiter nn der Entwicklung unseres Landes und unseres Staates, ais treue und ausgezeichnete Bürger, vollbracht haben.'" Der Gouverneur des Staates New York, Oberst Herbert H. Lehman, der selber Jude ist, führt in seiner Neujahrsbotschaft aus: „Die Zeit des Neujahrsfestes sollte eine Zeit des Glückes und der Freude sein; aber angesichts der tragischen Situation unserer Brüder in Deutschland sind wir heute tief betrübt. Sechshunderttausend Menschen unseres Glaubens sind dort ausgesondert und zum Untergang verurteilt worden. Fanatismus, Intoleranz und Haß haben in Deutschland einen treuen '•ind patriotisch fühlenden Volksteil in die Tiefen von Verzweiflung und Not geführt. Tyrannei ist an die Stelle der Demokratie getreten, Unduldsamkeit hat das Szepter ergriiien. Gouverneur Lehman appelliert an die amerikanischen Juden zu brüderlicher Hilfe an die dieser Hilfe mehr denn je bedürftigen Juden in Deutschland. Ihnen ermutigend die Hand entgegenzustrecken und ihnen geistig und materiell jegliche Stütze zu gewähren, sei nicht nur* eine Pflicht, sondern gleichzeitig auch ein Vorzug. Das Privileg religiöser und politischer Gleichberechtigung schließe hohe Verantwortung in sich. Als Amerikaner und als Jude müsse man es als Privileg und Ehrensache ansehen, dieser Verantwortung zu entsprechen. Der ehemalige New Yorker Gouverneur Alirsd E. Smith, eine der populärsten Persönlichkeiten des üffentlichen Lebens Amerikas, fordert seine jüdischen Freunde auf. auch weiterhin Kraft aus dem Glauben der Väter zu schöpfen. Nur mit Hilfe dieses Glaubens, der in der Vergangenheit dem jüdischen Volk Lebensmut in einer Welt der Verfolgung und des Hasses gab, werde es seinen Fortbestand auch in der Zukunft sichern. Das jüdische Volk werde leben, wenn „die Hitlers längst ihr schimpfliches Ende gefunden haben werden". Dar Völkerbundskommissär für , Flüchtüngsiürsorge. James G. Mac Dona ld. erließ durch die Jüdische Telegraphen-Agentur folgende Kundgebung zum jüdischen Neujahr: „Man sagt mir. daß d;«s jüdische Neujahr mehr ein Tag des Gedenkens als ein Tag der Freude ist. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um der jüdischen Gemeinschaft in allen Ländern ein Jahr glücklicherer Erinnerungen in dieser Zeit der Prüfung zu wünschen. Es ist jetzt fast zwei Jahre her, seitdem ich die Arbeit für die Flüchtlinge aus Deutschland aufgenommen habe; im Verlauf dieser Zeit hat die Solidarität der Juden in der Hilfeleistung iür ihre Brüder und ihr nnoig bei der Ansiedlung der Flüchtlinge in Palästina und anderwärts einen immer tieieren Eindruck auf mich gemacht. Die Umschulung und Auswanderung tausender jüdischer Jugendlicher aus Deutschland ist die am meisten ermutigende Seite der Arbeit, mit der ich verbunden war. Ich vertraue darauf, daß die jüdischen Gemeinschaften ihre Anstrengungen im kommenden Jahr nicht nur fortsetzen, sondern noch verstärken werden, um den Entwurzelten neue Lebensaussichten zu eröffnen. Das ist die beste Antwort auf die verstärkte Verfolgung, und ich bin sicher, daß sie die Unterstützung des Völkerbundes bei ihrer Arbeit finden werden." Vor lästigen Verfärbungen schätzt ODOL- Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, OOOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen l Kieme Tube S —SO Große Tube S 1.40 Hofmeister, Hauslehrer, mit Kenntnissen fremder Sprachen, für sämtliche Mittelschultypen, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß. Wien IX., Alserstraße 26, Tel. A-25-2-28, von 1 bis 5 Uhr. Ein christlichsoziales Mahnwort Der folgende Artikel ist dem „Christlichen Ständestaat" entnommen. Wir können uns mit diesen Ausführungen selbstverständlich in manchen Punkten nicht einverstanden erklären, halten sie aber doch für bemerkenswert genug, unseren Lesern hievon Kenntnis zu geben. D. Red. Ueber dem Hauptkampf, den Regierung -und Volk in Oesterreich seit zwei Jahren gegen den Nationalsozialismus führen müssen, bleibt ein anderer Gegner fast unbemerkt. Dieser Gegner steht links — aber in seineu Reihen findet man keine marxistischen Arbeiter, deren leider noch nicht völlig überwundenes Mißtrauen sich meist in ruhiger Form äußert —, auch die kommunistischen Exaltados, die sich gelegentlich bemerkbar machen, seien hier übergangen. Gewisse jüdische Kreise sind es vielmehr, welche eine nicht genug zu verurteilende Politik treiben. Jener Mendel Groder, von dem die zum roten Brandbrief umgefälschten Einladungen zum Ball der Stadt Wien herrühren, ist nur ein besonders krasser Fall. Andere seinesgleichen beteiligen sich eifrig an der gegen die Regierung gerichteten „Flüsterpropaganda", wobei sie auch keineswegs verschmähen, aus nationalsozialistischen Quellen zu schöpfen. Dazu kommen höchst überflüssige Resolutionen jüdischer Verbände (?), die über mangelnde bür-~ gerliche Gleichberechtigung klagen, ohne konkrete Vorwürfe in dieser Hinsicht erheben zu können, und die trotzdem in ausländischen jüdischen Kreisen ein Echo finden, das glauben machen könnte, das Judentum habe im Moment keine dringendere Sorge in Europa als Oesterreich. Selbstverständlich nehmen nicht die eingesessenen jüdischen F a^m i 1 i e n eine derartige Haltung ein und sind nach Kräften bestrebt, dieser schädlichen selbstmörderischen Propaganda entgegenzuwirken, wozu hoffentlich auch der Verlauf des Kongresses der Neuen Zionistischen Organisation in Wien und die besonders herzlichen Worte, mit denen ihr Präsident, Wladimir Jabotinsky, ihren Dank für die erwiesene Gastfreundschaft; zum Ausdruck brachte, beitragen wird. Diese fühlen sich als üesterreic h e r und handeln darnach. Der geschilderte Talmimarxismus aber rekrutiert sich größtenteils aus „Flüchtlingen" des Weltkrieges, die von sozialdemokratischen Gemeindevertretungen das Heimatrecht ohne jede Ueberprüfung erhielten. Es sind dieselben Kreise, aus denen, soweit sie „rassenrein" sind, der Natioailsozialismus seine Reserven holt: Studenten, verkrachte Journalisten, Handelsangestellte — kurz, ganze oder halbe Intelligenzler, jedenfalls aber Leute, die schon wegen ihrer Herkunft gut täten, sich reserviert zu verhalten. Die Hinneigung der Juden zur Sozialdemokratie ist gewiß nicht unverständlich. Wiar diese doch bis 1933 die einzige politische Partei in Oesterreich, die nicht den Antisemitismus in ihrem Programm führte. Aber das Parteiweisen ist ja* beseitigt, die Notwendigkeit, eine „politische Heimat" zu suchen, besteht für niemand mehr. Dagegen muß es jeder aufrechte Oesterreicher als eine unerträgliche Anmaßung betrachten, wenn eine kleine Gruppe von zweifelhafter Bodenständigkett und ohne den leisesten Grund, einer Arbeiterpartei anzugehören, unter sozialistisch-freidenkerischer Flagge gleichsam Anteil an der Macht im Staate fordert und die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.