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Die Wahrheit · 1935-09-27 · Heft 39 (27.9.1935) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 39 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 Nr. 39 — 27. September 1935- DIE WAHRHElg \ SpMtialham fa> Volle wd Btrlekgara« Moritz Nagel 'Wien» 2. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69__ Die heilige Bundeslade von Abessinien. Aus alten Chroniken. Von Josef Grob. Daß sämtliche Abessinier einst jüdischen Glaubens •waren, ist in ihren Lebensgewohnheiten und Traditionen "begründet. Insbesondere ist es die bei allen Abessiniern gemeinsame Tradition, welche die Abkunft ihrer Herrscher auf Salomo zurückführt und den geheimen Besitz der heiligen Lade aus dem Tempel zu Jerusalem behauptet. Wie in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde, -datieren die Herrscher Abessiniens ihren Stammbaum bis auf M e n e 1 i k, den sie als einen Sohn Salomos und der Königin von Saba bezeichnen, zurück; dieser soll bei seiner Flucht aus Jerusalem die Bundeslade mitgenommen und sie nach Abessinien gebracht haben, wo sie sich, ungeweihten Augen unsichtbar, im Tempel zu Aksum befindet Ein bekannter Forschungsreisender des vergangenen Jahrhunderts, namens Rohlfs, hatte seinerzeit über diesen Punkt mit dem Nebreid, einem der höchsten Geistlichen von Aksum, eine interessante Unterredung. Als Rohlfs diesen fragte, ob denn die Bundeslade bei der Ausbrennung der Kirche durch die Mohammedaner unversehrt geblieben sei, antwortete der Geistliche: „Wie können Sie nur so fragen? Als Mohammed Granje die Kirche ausbrannte, war die Bundeslade seinen Augen entzogen, Gott gestattet keinem Ungläubigen, sie zu sehen." — „Also ist die Bundeslade immer noch da und wie früher nur den Falaschas sichtbar?" — „Ja, wir, die Diener des Höchsten, sind im Besitze des Schatzes, die echte Bundeslade ist hier: keineswegs eine gewöhnliche Nachbildung, wie man sie im innersten Raum der Kirche findet, sondern eingemauert in der Kirchenwand, und nur bloß durch eine nur uns bekannte Tür kann man zu ihr gelangen." — „Würde es mir, o heiliger Vater, nicht gestattet sein", fragte der Forschungsreisende, „dieses altehrwürdige Denkmal des Bundes zwischen Gott und dem erwählten Volke zu sehen?" — „Unmöglich. Nicht einmal der Kaiser, nicht einmal der Etschege (hoher Geistlicher), ja nicht einmal der Abuna (höchster Geistlicher) bekommt die Bundeslade zu sehen, sie würden auch gar nicht den Anblick derselben ertragen können!" — „Aber, o höchster Priester, ist denn nicht den übrigen Geistlichen der Kirche der Anblick der Bundeslade vergönnt?" — „Nein, nur mir, dem Hüter derselben und meinem Nachfolger, wenn ich sterbe. So war es vor tausenden von Jahren, und so wird es bis zum jüngsten Tage sein!" — „Wenn nun aber Gott nach seinem unerforschlichen Ratschluß Ihrem Leben ein plötzliches Ziel setzt, wie erfährt dann der neue Nebreid den geheimnisvollen Zugang zur Bundeslade?" — „Sehen Sie hier", sagte er, indem er an blauseidener Schnur eine kleine silberne Kapsel aus seinem Gewände hervorzog, „diese Kapsel trug Moses selbst Mein Testament liegt darin oder vielmehr nur die Anweisung, wie man zum Eingang der Kammer gelangt, in der sich die Bundeslade befindet" — Nach dieser Unterredung hatte Rohlfs Gelegenheit die Kirche noch einmal unter Führung des Nebreid zu besichtigen, aber alle seine Bemühungen, beim Rundgang den geheimnisvollen Eingang zur Bundeslade zu erspähen, waren vergebens. Zum Verständnis des Punktes der Unterredung, den Rohlfs erwähnt, daß die Bundeslade nur den Falaschas sichtbar sei, weist derselbe auf eine Tradition hin, welche Gobat in seinem „Journal d'un sejour en Abyssinie" mitteilt: Salomo, welcher mit der Königin von Saba einen Sohn namens Menelek zeugte, der ihm so ähnlich war, daß die Bewohner Jerusalems den Sohn mit dem Vater verwechselten, schickte ihn aus Eifersucht fort und empfahl ihm, vom Königreich Abessinien Besitz zu ergreifen. Bei seiner Abreise von Jerusalem nahm Menelek die Bundeslade sowie eine große Anzahl von Juden mit Unterwegs aber setzte er sowie ein Teil seines Gefolges am Sabbat über einen Fluß, und seitdem war er Christ, sowie die, welche mit ihm den Fluß passiert hatten. Die Falaschas sind die Abkömmlinge jener, welche dem Gesetze Mosis treu blieben und den Fluß am Sabbat nicht überschreiten wollten. Die Bundeslade ist seitdem in Aksum. aber für die Christen unzugänglich. Nur die Falaschas können herankommen. Wenn ein gelehrter und frommer Falascha sich dem Orte nähert, vo die Bundeslade ist teilen sich die Mauern und gestatten die Anbetung. Daß die Sage hier lange vor Entstehung des Christentums einen Teil jener Auswanderer zu Christen werden läßt darf uns nicht wundern, für die Sage existiert die Chronologie nicht. Das aber dürfte aus der bei Redaktion und Administration fi „Die Wahrheit entbieten allen Mitarbeitern, Abonnenten und Inserenten die herzlichsten Wünsche mit der Bitte, auch im neuen Jahre dem Blatte gleich treue Gefolgschaft wie bisher zu leisten. den Abessiniern sich so wunderbar gestaltenden Mythe vom Besitze der Bundeslade hervorgehen, daß die jetzigen Bewohner Aethiopiens in alter Zeit mit dem Judentum in näherem Zusammenhang gestanden haben. Das braune Netz. Dem verführerischen Titel zum Trotze ist „DasBraune Netz" — die neueste Publikation der Editionsdu Carrefour, Paris — kein Kriminalroman, sondern ein dokumentarisches Werk, in dem geschildert wird, „wie Hitlers Agenten im Auslande arbeiten und den Krieg vorbereiten". Der Liebhaber von Kriminalromanen möge sich trotzdem nicht abschrecken lassen: er findet im „Braunen Netz" Geschichten genug, die den verführerischen Titel legitimieren. Da ist beispielsweise die Geschichte, wie in der friedlichen Kurstadt Marienbad nächtlicherweile ein Mann in eine Villa eindrang, um den Professor Theodor Leasing, der ahnungslos an seinem Schreibtisch saß, niederzuknallen; von dem Mörder ward nie etwas gesehen und gehört, — wenn man von der polizeilichen Feststellung absieht, daß er einige Tausendkronenscheine in Reichsmark gewechselt hat, ehe er über die deutsche Grenze entwich. Noch kriininal-romanhafter ist die Geschichte von dem Mord an dem Ingenieur F o r m i s oder von der Entführung des nun dem Dritten Reich entronnenen Journalisten Berthold Jacob, die im „Braunen Netz" besonders ausführlich dargestellt wird. Schritt auf Schritt folgt man den Spuren einer organisierten Verbrecherbande, die unter einer geheimen Oberleitung in ganz Europa ihr Unwesen treibt und die den Produkten Wallace'scher Phantasie keineswegs nachsteht. Leider allerdings handelt es hier um politische Wirklichkeit, nicht um Literatur. Auch fehlt ein oft sehr wichtiges Spannungsmoment: man kennt von vornherein und allzu genau den „großen Unbekannten", der in dieser Organisation des Verbrechens der oberste Leiter ist. Aber nicht nur die sensationellen Gestapo- Kriminalromane werden im „Braunen Netz" beschrieben. Der größere Teil des Buches handelt von der Klein- und Kleinstarbeit der Hitlerschen Auslandsagenten, die im allgemeinen nur den Eingeweihten (oder den zufälligen Opfern) bekannt sind. Aus den unzähligen Fakten, die von den Herausgebern des „Braunen Netzes" in der ganzen Welt festgestellt worden sind, setzt sich ein wahres Kolossalgemälde der Spitzelei zusammen. Es scheint, daß die berühmte deutsche Systematik alle früheren Rekorde auf diesem Gebiete, auch die der zaristischen Ochrana, noch übertrumpft. Im „Braunen Netz" wird ein Protokoll erwähnt, aus dem hervorgeht, daß die Gestapo im Ausland nicht weniger als 2450 Agenten beschäftigt . . . Für edle Zwecke hat Schachts Reichsbank offenbar immer noch Devisen genug. Das „braune Netz", das Hitler um die ganze Erde geschlungen hat, setzt sich nicht nur aus bezahlten Gestapo-Agenten zusammen. Neben den Polizisten stehen die Propagandisten — eine ganze Armee, in Friedensizeiten vorgeschickt in das Territorium des Feindes. In dem Buche der Edi- Hutiienlsdics Königlich! Seit vielen Jahren das anerkannt beste . KD^-fWJ Man achte auf die gas. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschangasssa S Telephtn R 35-5-98 tions du Carrefour ist zum ersten Male geschilde wie dieses gigantische Propagandisfenheer zusat mengesetzt ist und wie es bisher in den einzelm Ländern — selbstverständlich hauptsächlich n antisemitischen Waffen — operiert hat. Für al Gegner des Dritten Reiches wird dieses Buch i Kampf gegen die nationalsozialistische Hintertre penarbeit im Ausland eine wertvolle Waffe sei Vor 9emeinde€tkronift._ Stockholm. Professor Dr. Markus EhTet p r e i s ist zum G r b ß r a b b i n e r ernannt worde^ g Parjs. im Alter von 92 Jahren verstarb in Pannden der weit über die Grenzen Frankreichs hinaus berühm kün Rechtsgelehrte Charles Lyon-Caen. Er war ständigkond Sekretär der Akademie der moralischen und politischjd er Wissenschaften und der älteste Professor aVebei der Pariser Sorbonne. Seit 1893 war er Mitglifier j der Französischen Akademie. Er repräsentierte Frankn \ reich bei fast allen internationalen Kongressea S* eni 1910 war er Präsident des Instituts für internationalkß ai Recht. Nach dem Kriege wurde er in die Kommissiersch gewählt, die die Möglichkeiten der Gründung des VqhlieO kerbundes studierte, die völkerrechtlichen Grundlagetime auf denen der Völkerbund beruht, sind von ihm festjl*ndt< legt worden. Prof. Charles Lyon-Caen war Mitglijiaus zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften Frai tum reichs und des Auslands, so insbesondere Präsident ojlre l Kuratoriums der Akademie für internationales Recht "Änein Haag (Carnegie-Stiftung für den Weltfrieden). Seiiine wissenschaftlichen Werke hatten autoritative Bedeutun iren< sein Lehrbuch des Handelsrechts gilt als klassisch im S Werk. Prof. Charles Lyon-Caen war ein guter Jud i und betätigte sich auch intensiv auf den Gebieten d;rich jüdischen sozialen Schutzes. Er war Präsident des Hilf o f n werks für die jüdischen Waisen des Weltkrieges uirauei Präsident des Komitees zum Schutze jüdischer Au 1(i jy Wanderer. 41scti Der Vorsitzende der Athener Gemeinde gestorben, ihins An der Beisetzung der sterblichen Ueberreste dcäsid vor kurzem in Wien verstorbenen Vorsitzenden d< a n i Athener Jüdischen Gemeinde, Adv. Nissim M a t a t h i a hren: haben Verkehrsminister R h a 1 i s, der Bürgermeister vc orstz Athen Kotzias und Vertreter der griechisch-orthad Ai doxen und der armenischen Kirche teilgenommen. Bü isc germeister Kotzias erklärte, der Wunsch defiede Verstorbenen, in (griechischer Eride bor \ stattet zu werden, zeuge für den patriotische räsid Geist der griechischen Juden. Während d<mtsl Begräbnisses, an dem viele tausende Menschen teiinge nahmen, blieben sämtliche jüdischen Geschäfte in Atheerr und im Piräus geschlossen. ^/ Am vorvergangenen Sabbat hat Oberrab' . -a Dr. David Feuchtwahg in seiner an den Wo''^t1';il abschnitt geknüpften Sohrifterklärung in ausfühn. .-.r Rede die Persönlichkeit und das Wirken des jüngst ~ storbenen Oberrabbiners von Palästina Abraha K u k s. A. eingehend gewürdigt aind vor der groß meinde ein lebendiges Bild seines Wesens und Scv entworfen. Stehend hörten alle die ergreifende rung an und fühlten mit dem Redner den fast uii liehen Verlust welchen die Judenheit erlitten hat j Dr. Leo Kamnltzer gestorben. In Erfurt verstarb vor einigen Tagen d, wesene Herausgeber der jüdischen Gemeindeblätter Erfurt, Magdeburg und Halle an der Saale, Dr. K a m n i t z e r, im 56. Lebensjahr an einem HerzschiZ^n'iJg Er war jahrelang Syndikus des Central; ja Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubei in Thüringen und Obmann des Reichsbundes jüdisch Frontsoldaten und KriegsinvaMden, Zweigstelle Erfui ______ Die von Kamnitzer herausgegebenen Blätter wurd^JT'j gleich nach der Machtergreifung durch Hitler vi"*! ijgi boten. Der von Kamnitzer geleitete LandesverbandJ^jj^ Centralveiteins in Thüringen wurde g e s c h 1 o s Jmq^ Band jüdischer Legionäre der Tschechoslowakei. Sonntag vormittags fand im Gregr-Saal des P Gemeindehauses unter großer Beteiligung die stituierende Generalversammlung des Freundeskt der tschechoslowakischen Legionäre jüdischer Abki statt. Nach Eröffnung der Sitzung durch Dr. O Guth folgten Kundgebungen des Generals i. R. Ras Ing. Karl Münk, Dr. Josef Becks und von Vertrete tschechoslowakischen Legionärgemeinde und des " hängigen Legionärverbandes. Zum Vorsitzendet' neuen Organisation wurde Dr. Guth gewählt, zum; sitzenden-Stellvertreter der Oberstleutnant der tsch slowakischen Legionen Obersanitätsrat Dr. B ä u ri Der Freundeskreis der tschechoslowakischen Legion* jüdischer Abkunft bezweckt die Erhaltung der Legionär tradition und die Verbreitung des Gedankens de tschechoslowakischen Abwehrkampfes im Auslande auclfin . in den jüdischen Kreisen. Barmizwah. Die neurenovierte und festlich ge schmückte Synagoge des ■Bethausvereines „Ras cht. Hilfe" war am Samstag, den 21. d. M., der Schauplat einer wirklich würdigen Barmizwahfeier des Gymna siasten Ernst Buchsbaum, Sohnes des Herrn Cafetie S. Buchsbaum und seiner Gattin Mathilde. Infolg' .„,„ der besonderen Wertschätzung, deren sich das Ehepaa Buohsbaum wegen seines allseits bekannten Wohltätig keitssinnes in weitesten Kreisen erfreut, war der Tempe bis auf das letzte Plätzchen besetzt, man sah zahlreich! Abordnungen von Wohltätigkeitsvereinen, insbesondereitise jener Vereine, in deren Vorstand Herr Buchsbaunf so erfolgreich tätig ist, so von „Hachnusas Kalu", deiferei Gesamtvorstand des Vereines „Rasche Hilfe" mit Obfvüni mann Sperling an der Spitze, die Herren Dir. M fr 1 o n und Fries von „Ohel Rachel", weiters von der Vereinen „Mathilde", „Treue Brüder" u. v. a. Als Freund der Familie hat Oberkantor J. Müller in hervorragenach •srr "nen insei übe: leka ine

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