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Die Wahrheit · 1935-09-27 · Heft 39 (27.9.1935) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 39 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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P1E WAHRHEIT Nr. 39 — 27. September 1935 Seite Abbau des Flüchtlingsschützes des Völkerbundes. Verschleierte Ablehnung des norwegischen Vorschlags. Nach einem Bericht des schweizerischen Delegierten, Bundesrats Motta, hat die von der VI. (politischen) Kommission der Völkerbundversarnmlung eingesetzte Unterkommission zur Behandlung des Vorschlages der norwegischen Regierung auf Schaffung einer zentralen Flüchtlingsorganisation beim Völkerbund eine Entschließung gefaßt, die besagt: 1. Die VI. Kommission hat die Frage internationaler Flüchtlingshilfe, auf die die norwegische Regierung hingewiesen hat, g ep r üf t. 2. Sie stellt fest, daß Arrangements zur Liquidierung des Nansen-Amtes innerhalb einer gewiissen Zeitspanne gemäß definitiven budgetären Bestimmungen getroffen wurden. 3. Sie findet, daß der Völkerbund bereits nützliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe geleistet hat, daß aber das Flüchtlingsproblem sehr kompliziert ist und eine weitere Prüfung in den Grenzen der geltenden Entschlüsse der Völkerbundversammlung erfordert. 4. Sie findet, daß aus politischen und finanziellen Gründen diese Prüfung sich auf jene Flüchtlingskategorien zu beschränken hat, die bereits dem Nansen-Amt und dem Hochkommissariat in London unterstehen. 5. Ohne ausdrückliche Zustimmung der Völkerbundversammlung dürfen keine neuen Ausgaben übernommen werden. 6. Die VI. Kommission schlägt vor, daß die Völkerbundversammlung den Völkerbundrat ersucht, eine kleine K o m m i s s i o n aus kompetenten Personen einzusetzen, die ihm über die Flüchtlingslage berichten solle. Sodann wird der Rat in der Lage sein, sogar vor Zusammentritt der ordentlichen Versammlung im Jahre 1936 irgend VERWALTUNGEN SÄTZE - HYPOTHEKEN^jfc KÄUFE - VERKÄUFE^jfr V *t SZILAGYI 3X., ROTENLÖWENG. 3 BEB. AUT. SEISKL TEL. A 10-5-69 welche als wünschenswert erachtete Maßnahmen zu ergreifen; die Frage müsse jedoch der Versammlung unterbreitet werden. 7. Zur Ermöglichung der Bildung dieser Kommission empfiehlt die VI. Kommission die Einsetzung eines «usätzlichen Betrages von 5500 Schweizer Franken in das Budget für 1936. Die Annahme dieser Entschließung wird in Völkerbundkreisen als eine kaum verschleierte Ablehnung des norwegischen Vorschlags gewertet. Alle bisherigen Beschlüsse bezüglich stufenweiser Liquidierung des Nansen-Amtes bis 1939 bleiben aufrecht und wurden noch bekräftigt. Jede weitere, über das stufenweise abzubauende Budget des Nansen-Amtes hinausgehende finanzielle Hilf e des Volke'rbundes für Flüchtlingsschutz wurde verweigert. Die Frage, ob die bisher dem Kommissariat James MacDonalds unterstehenden Flüchtlinge aus Deutschland unter direkte Völkerbundskohtrolle gestellt werden sollen, wird eine Expertenkommission aus drei, höchstens fünf Personen zu prüfen haben. Falls der Budgetposten von 5500 Francs bewilligt wird, wird die Expertenkommission sofort zusammentreten und dem Rat während seiner Tagung im Jänner 1936 Bericht erstatten. Die Expertenkommission ist angewiesen, die dem Nansenamt beistehende „Regierungskommission für Flüchtlinge" zu befragen, deren negative Einstellung zum Problem der Flüchtlingsfürsorge bekannt ist. Die Entschließung der VI. Kommission hat immerhin die positive Seite, daß die im Jahre 1933 gefaßte Entschließung, diedeutschenFlüchtlinge außerhalb der direkten Kontrolle des Völkerbundes zu stellen, nun Chancen hat, rückgängig gemacht zu werden, und daß diese Flüchtlinge der allerdings beschränkten und auf Liquidation hinzielenden Fürsorge der Völkerbundsorgane anvertraut werden. Ein solcher Beschluß ist vielleicht vom Völkerbundsrat in seiner Session im Jänner 1936.zu erwarten. Zweite Heldengedenkfeier des Bundes jüdischer Frontsoldaten in Oesterreich. Der B. J. F., der im Vorjahre in Erfüllung einer heiligen Ehrenpflicht mit der Grabsteinsetzung von 100 Grabdenkmälern für die gefallenen Kameraden auf dem Zentralfriedhofe begann, hat nunmehr unter größten finanziellen Opfern dieser Aktion mit 75 neuen Steinen die versprochene Fortsetzung gegeben. Zu der Feier, welche, von einem wundervollen Herbstwetter begünstigt, am vergangenen Sonntag Tausende von Gästen auf dem Zentralfriedhofe vereinigte, waren u. a. erschienen: In Vertretung des Herrn Staatssekretärs für Landesverteidigung Gea d. Inf. Wilhelm Zehner, Herr GM. Ing. H i c k <m a n n, in Vertretung des Herrn Bundeskanzlers Dr. Kurt v. Schuschnigg dessen Personaladjutant. Herr Obstlt. B a r 11, von der Generalität der kaiserlichen Armee Gen. d. Inf. Ottomar Madie v. Lenzbrugg, Generalmajor Anton Höfer, Minister a. D., in Vertretung des Stadtkommandanten GM. Haselmayer Obstlt. Palme des I. R. 3, in Vertretung des Polizeipräsidenten von Wien Hofrat Hoschek. Stadthauptmann von Simmering, in Vertretung des Gea Inspektors der Sicherheitswache Hofrat Dr. Humpel, welcher gleichzeitig das Kommando über die ausgerückte Wache führte. Weiters waren anwesend: Das Präsidium der Isr. Kultusgemeinde mit Amtsleiter Engel. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang und der Oberrabbiner von Wiener Neustadt Prof. Dr. Heinrich Weiß, in Vertretung der Bundesbahnen Hofrat Dr. Steiner, Bundeskulturrat Hof rat Dr. Frankfurter, Prof. Dr. Kupfer, die Vorkämpferin gegen Klassenhaß und Antisemitismus Frau Irene H a r a n d, für die Bundesführung HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt für die kommende Herbst- und Wintersaison die zweckmässige Maßkleidung für den eleganten Herrn Billigste Preiserstellung und aufmerksamste Bedienung des Heimatschutzes Oberst Hugo Buzarow-Kick, in Vertretung der Landesführung des Heimatschutzes, die Delegation des Frontsoldatenregimentes der Ostmärkischen Sturmscharen, die ausgerückte Ehrenkompagnie sowie eine Deputation des Ringes österreichischer Soldaten unter Führung der Herren Oberst Baron von Rohnau, Oberstleutnant Hugo Ehrenberge r. Major Baron Grimm und Direktor H a n n i, in Vertretung des Freiheitsbundes, des Staatssekretärs Großauer und Präsidenten Staud Oberst Emil von Rosenitz, eine Deputation des Ottonia Jäger-Korps, eine Deputation der Kraftfahrbrigade des Heimatschutzes. Nachdem der in Vertretung des Generals der Infanterie Zehner erschienene Generalmajor H ick mann die Meldung entgegengenommen und die Fronten der aufgestellten Formationen abgeschritten hatte, sang der Chor der Jüdischen Sängerknaben unter Leitung von Chormeister Kurt Fuchsgelb ergreifend „Seele, was betrübst du dich", worauf Direktor Jakob Feldhammer den erhebenden Prolog von Alfred Winzer zum Vortrag brachte. Da füllte sich manches Auge mit Tränen in Erinnerung an die Freunde der Jugend, an die Gefährten, die mit hinausgezogen waren, um nicht mehr zurückzukehren. Nach einem nochmaligen Vortrage des Chors ergriff der Bundesführer Hauptmann Sigmund Edler v. Friedmann das Wort zu einer Ansprache, in der er ausführte, daß nur dann von wahrer Gerechtigkeit gesprochen werden kann, wenn mit der Methode, den besten Taten von Nichtjuden die schlechtesten Taten von Juden gegenüberzustellen, gebrochen wird und diese Gedanken von der Frontsoldatengeneration auf die gesamte Bevölkerung des Staates übertragen werdea Hierauf ergriff Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang das Wort. Auch er unterstrich, daß es leichter sei. Tote zu ehren, als Lebendigen gerecht zu werdea Er drückte den Wunsch aus, daß in unserem Vaterlande das Recht allen Lebendigen nie verkürzt werde, und gab dem freudigen Gefühle Ausdruck, daß es in dieser herrlichen Stadt möglich sei, eine solche Feier in Freiheit zu begehea Hierauf sang in ergreifender Weise Oberkantor M a r g u 1 i e s das „El mole rachamim", welchem die Anwesenden in tiefer Andacht lauschten. Danach sprach der Präsident der Kultusgemeinde Staatsrat Dr. Friedmana In seiner Rede machte folgender Hinweis auf das Leid unserer unglücklichen jüdischen Brüder in Deutschland großen Eindruck: „In dieser ernsten Stunde, in der wir einen Dienst der Liebe erfüllea jener Liebe, die allen Menschen ohne jeden Unterschied gilt, vor allem aber jenea die Leid und Verfolgung erdulden, entbieten wir aus der Tiefe unseres mitfühlenden Herzens unseren jüdischen Brüdern und le kauen Ihre« ¥ er wandten. Bekannten and freunden in durch T0RÖSIN w (Warenhäuser in allen Städten der UdSSR) alle gewünschten Labwismlttel, Bakl«idungsg«fl«nstand« und Bedarfsarllkal ausfolgen lassen. Auskünfte und Preislisten in der Handelsvertretung der UdSSR Wien III., Relsnerstraoe 45 Telephon B 59-5-40 Ferner: Oesterreichische Credit-Anstalt, Wiener Bankverein und Mercur-Bank Schwestern in Deutschland, die mit bewundernswerter Würde ihr hartes Los tragen, unseren brüderlichen Gruß. Wir ruien für sie das Gewissen der Welt und die Völker auf, im Glauben an die Gerechtigkeit als der ewigen Grundlage der sittlichen Ordnung und der Kultur der Menschheit" Nach Generalmajor H ick mann unterstrich in seiner eindrucksvollen Rede der Personaladjutant des Herrn Bundeskanzlers Dr. Kurt von Schuschnigg die Bedeutung der Tradition und ihren Inhalt: Kameradschaft, Pflichtbewußtsein, Vaterlandstreue. Er sagte: „Wenn Seine Exzellenz, der Herr Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg, ein wahrer Frontsoldat und der bestausgezeichnete Reserveoffizier der schweren Artillerie, mich hierher delegiert hat, um Ihrer wunderbaren Feier als sein Vertreter beizuwohnen und seine Grüße zu übermitteln, so tat er dies, weil er als Frontsoldat im Herzen alle in fremder Erde ruhenden Toten ehren wollte, und heute insbesondere, um den toten jüdischen Frontsoldatea die lerne der Heimat in fremder Erde ruhen, seine Ehre zu erweisen. In diesem Sinne habe ich Befehl des Herrn Kanzlers, in Ehrfurcht der toten jüdischen Frontsoldaten zu gedenkea in diesem Sinne habe ich auch Befehl, Ihnen allen seine Ueberzeugung zu übermitteln, daß Tradition, so wie sie hier gepflegt wird, mehr heißt als bloßes Zusammengehörigkeitsgefühl, daß Tradition vor allem bedeutet Kameradschaft, Pflichtbewußtsein und Vaterlandstreue und Liebe zu unserem Vaterlande Oesterreich!" Als letzter Redner sprach der Landespropagandaleiter Alired Weidinger in Vertretung der „Ottonia" Steiermarks, Landesleitung Graz. Es folgte unter den Klängen des Liedes „Ich hatt' einen Kameraden" die Kranzniederlegung am Heldendenkmal. Das Bundesheer gab die Generaldecharge ab und intonierte die Bundeshymne. Dann kam die Defilierung vor den Ehrengästen und der Bundesführung aui der Simmeringer Hauptstraße. Konferenz für Weltfrieden in Jerusalem. Die Jerusalemer Gesellschaft für Weltfrieden hat eine Weltfriedenskonferenz für April 1936 nach Jerusalem einberufen. Führende englische Politiker sowie der indische Dichter und Philosoph Rabindranath Tagore haben bereits telegraphisch ihre Teilnahme zugesagt. Man erwartet die Beteiligung auch anderer bekannter Vorkämpfer des Friedensgedankens. In ihrer Mitteilung über die geplante Konferenz gibt die Vereinigung für Weltfrieden gleichzeitig auch ihrer Trauer über das Ableben des palästinensischen Oberrabbiners K o o k Ausdruck, der Mitglied des Rates der Vereinigung und einer der energischesten Friedensfreunde war. Zwecks Errichtung eines Friedenstempels als Zentrum der Friedensbewegung hat die Jerusalemer Vereinigung auf dem Skopus-Berg in der Nähe der Hebräischen Universität ein Grundstück von dreißig Dunam erworbea Demnächst soll mit der Herausgabe einer mehrsprachigen Zeitschrift unter dem Titel „Haschalom" begonnen werdea Künstlerakademie. Sonntag, den 29. September findet im Hotel Continental unter Leitung des bekannten jüdischen Schauspielers Markus Herschkowicz eine Künstlerakademie mit folgenden Mitwirkenden statt: die Damen Klara Zucker, Irenka Getreu und Frau Schwarz, die Herren Radioliebimg Albert Feller, Simon Fostel und Leopold Jungwirth, S. Zucker. Grimminger und der siebenjährige Mundi Hausknecht Am Klavier Max Lubetzky. Restliche Karten an der Abendkassa.

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