Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-09-27 · Heft 39 (27.9.1935) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 39 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064593--20383-3085622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 Nr:-39 — 27: September 1935 DIE WAHRHEIT STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, TeL B 53-0-53 tische Geistliche Drost aus Rotterdam erklärte: Wir Christen spüren das Böse, das den Juden angetan wird, als wäre es uns selbst zugefügt Der protestantische Geistliche J. J. Buskes erklärte, der Gott, in dessen Namen Goering spricht, sei ein Popanz, der nichts zu tun hat mit dem Gotte Abrahams, Isaaks und Jaakobs. Der Vizepräsident des Obersten Gerichts im Haag Dr. L. E. Visse r erklärte, die Nürnberger Gesetze seien keine Gesetze, sondern nur eine Kodifizierung des Hasses. Nach einer Ansprache von Prof. Dr. C. C o h e n wurde eine Resolution gefaßt, in der an alle Völker appelliert wird, das Unrecht, welches in Deutschland einer wehrlosen Minderheit zugefügt wird, wieder gut zu machen. Sympathie-Kundgebungen MATURASCHULE „Aula" MC, Ll*cfct«nstalnstrai>e a Toi. R »2-0-80 Leitung Real-Gymn.-Dir. i. P. Or. Zeilwakar. — Unentgeltliche aradienberatnng. — Sprechstunden von '/»II—»/i2 und 4—7 U&r. Samstag von Ii—2 Uhr von der Gemeinde der Juden Niederländisch-Ostindiens, von der liberalen Staatspartei und der Sozialdemokratischen Partei wurden verlesen. * Der Oberste Rat der Jüdischen Kultusgemeinde-Verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien übersandte der tschechoslowakischen Regierung, der Schweizerische Israelitische Gemeindebund dem Bundesrat Motta eindrucksvolle Protestresolutionen gegen die Nürnberger Judengesetze. Neue Terrorwelle im Dritten Reich, Die Verkündigung der Judengesetze in Nürnberg wird — obwohl sie von Mahnungen begleitet war, nunmehr Einzelaktionen gegen Juden zu unterlassen — von den nationalsozialistischen Kreisen in der Provinz, auch in den größeren Städten, so aufgefaßt, daß der Jude nunmehr vogelfrei ist und daß man ihn ungestraft terrorisieren darf. Aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands treffen Nachrichten über neue Terroraktionen gegen den jüdischen Bevölkerungsteil ein. Namentlich dehnt sich die Aktion zur Aushungerung der Juden in einem Maße aus, das zu tiefer Beunruhigung Anlaß gibt Hand in Hand mit der steigen- Caf€ Pension Eckstein Semmering Ab 1. Oktober Pension bei Mindestaufenthalt für 3 Tage komplett inkl. aller Abgaben 8 10.— tfigl. den Boykottierung der jüdischen Geschäfte mehren sich die Fälle, wo den jüdischen Familien auch die notwendigsten.' Lebensmittel nicht verkauft werden. Aus Meldungen der nationalsozialistischen Zeitungen geht hervor, daß bereits in mehr als 70 Städten sämtliche Lebensmittelgeschäfte von der SA daraufhin kontrolliert werden, ob sie Lebensmittel an Juden verkaufen. Oft ist die jüdische Bevölkerung dieser Städte in einer nicht zu schildernden verzweifelten Lage, da eine Aktion, sich mit Lebensmitteln aus anderen Distrikten zu versorgen, leicht als „Greuel-Propaganda" ausgelegt werden könne, auf die schwere Stjrafe steht Berliner jüdische Kreise, die von der Not solcher jüdischer Famüien aus der Provinz durch Nichtjuden erfuhren, haben begonnen, Lebensmittelpakete an die Notleidendem zu senden. Aber auch in Berlin selbst macht sich bereits der Lebensmittelboykott spürbar; jüdische Lebensmittelgeschäfte der Reichshauptstadt begegnen beim Wareneinkauf immer größeren Schwierigkeiten. Eine der Folgen der Nürnberger Rassengesetze ist die, daß die arische Bevölkerung namentlich in den kleineren Orten jeden Kontakt mit den Juden meidet, aus Furcht der Verletzung der Rassengesetze bezichtigt zu werden. Ji]»IS€HE ELTEBS! Kauft Schulbücher für Eure Kinder im Antiquariat Hermann TUCHNER Wien II., Ecke TaborslreB« 52 Lehrbücher in den richtigen Auiiagen für: Volksschulen, Hauptschulen, Mittelschulen und alle Fachschulen Auch ANTIQUARISCH in größter AuOwabI zu sehr maßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos, spesenfreie Zusendung Oberallhin. FÜR AUSKÜNFTE : TEL. R 41-4-20 Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Eingehende lnformationen für jedes Mitglied der .Union" unentgeltlich, Wien I„ Kohlmarkt 8,1. Stock. Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10 — 12 Uhr vormittags. Das jüdische Nationalheim in Palästina — „Eine kleine Insel im großen arabischen Meer". In der Zeitschrift „Near East and India" veröffentlicht der ehemalige stellvertretende Sekretär der Palästinaregierung Lionel G. Archer Cust einen Artikel, in dem er zwecks Ermöglichung einer Lösung der der.. Palästina Verwaltung gestellten Probleme eine klare Erfassung der durch „unrichtige Darstellung oder auf Unkenntnis beruhenden Bewertung oft verdunkelten Sachlage" seitens aller beteiligten Faktoren, der Engländer, Araber und Juden, sowie eine Revision der Zielsetzung bei allen! dreien fordert. Die englische Regierung, erklärt der Verfasser, muß ihre Politik auf der Voraussetzung aufbaueoiii daß zumindest! iür absehbare Zukunft die Oberherrschaft über Palästina im ihrer Hand bleiben muß. Der gegenwärtigen negativen Politik bloßen Zusehens muß ein Ende gemacht und es müssen Mittel gefunden werden, um die legitimen Ansprüche der Bevölkerung Palästinas soweit wie möglich zu befriedigen, gleichzeitig aber die Kontrolle in einem wesentlichen Grad in Englands Hand zu behalten;. Der erste Schritt, der getan werden muß, besteht darin, das wiederholte Versprechen, irgendeine Foehi einer Vertretungskörperschaft einzusetzen oder dies wenigstens zu versuchen, zu erfüllen; denn in diesem Punkt beschuldigeni^die Araber die Mandatarmacht eines ausgesprochenen Treuebruchs mit Rücksicht auf einen Druck von außen — eine Beschuldigung, die zu hören, jeder englischen Regierung unangenehm ist, besonders, wenn es nicht leicht ist, sie zu widerlegen. Der Artikel wendet sich sodann der Betrachtung des arabischen Standpunktes zu. Es wird als durchaus gerechtfertigt bezeichnet, daß die Araber der Veräußerung ihres Landes Widerstand entgegensetzen. Der Verfasser behauptet, daß die Araber, die Boden an Juden verkaufen, dies teils aus Unkenntnis der zionistischem Politik, teils aus Habgier tun. Es sei vielleicht Sache der englischen Verwaltung, diese Araber vor ihrer natürlichen Begehrlichkeit und Unvorsichtigkeit zu schützen. Allerdings, meint der Verfasser, müßten die Araber einsehen, daß das Mandat, welches die Balfour-Deklaration einschließt, ein international sanktioniertes Instrument sei, das eine feststehende Tatsache geworden ist. In Bezug auf die jüdischen Forderungen anerkennt der Verfasser die bedeutenden Vorteile, die der Zionismus Palästina gebracht hat. Andererseits wird darauf hingewiesen, daß die Araber Palästinas ebenso gültige Rechte hätten und daß, was immer geschehen möge, das Jüdische Nationalheim nur " eine kleine Insel in einem großen arabischen Meer sein könne. Die Zionisten müßten einsehen, daß außerhalb ihrer Reihen nur wenig Glauben an die Idee eines Jüdischen Nationalheims in Palästina und wenig Bereitschaft, diese Idee zu unterstützen, bestehe. Angesichts dieser Tatsachen mögen die Juden in ihrer Kritik, insbesondere gegenüber der unter schwerem Druck stehenden Palästinaverwaltung, mäßiger sein. Auch müßten sie einsehen, daß nicht immer alles nach ihrem Wunsche gehen könne, so z. B. was Transjordanien betrifft, bezüglich dessen sie auf Grund des Völkerbundsmemorandums vom Jahre 1922 keinerlei politische Basis hätten. Nach einer kritischen) Bemerkung über. „Spekulanten und Geldhändler, denen das Land untet dem Schutz englischer Bajonette zum Opfer falle", wirft der Verfasser die Frage auf, welches das Endziel der englischen) Verwaltung in Palästina sein solle. Solle das Land letzten Endes geräumt werden, wie dies im Mandat angenommen wird, solle das gegenwärtige System einer KronkolonieveTwaltung definitiv fortgesetzt werden oder solle eine Art von Föderalismus geschaffen werden, in dem unter Einschluß Transjordaniens autonome arabische und jüdische Gebiete einer von England kontrollierten Zentralverwaltung unterstellt werde? Vielleicht stelle diese letzte Möglichkeit eine Lösung dar? Sie würde einer vernünftigen Merpretation der Zusagen Englands entsprechen und keiner dieser Zusagen widerstreiten. Auch habe dieser Gedanke sowohl im arabischen wie im jüdischen Lager einen gewissen Anklang gefunden. (Z. T. A.) Besuchen Sie die HATUßASCHIILE „Universum Wien IX.. öornisonsö. S Tel. A 20-4-48 Beginn neuer Kurse im September Bruch der Danziger Verfassung festgestellt. ■.J^i^^^M^M^!^^ Ä * seiner "am 23. September begonnenen Tagung in Genf mit den von den Minderheiten in Danzig, auch von jüdischen Gruppen, beim Völkerbundshochkommissar für Danzig, Lester, eingereichten Petitionen, in welchen über Bruch einer Reihe von Bestimmungen der Danziger Verfassung durch die Regierungsorgane durch Verfolgung der Minderheiten geklagt wird. Der-Führer der englischen Delegation beim Völkerbund, Anthony Eden, der den Bericht über die Petitionen erstattete, legte das Material des Juristen-Ausschusses vor, aus dem hervorgeht, daß die Petitionäre mit ihren Klagen vollkommen recht haben und daß tatsächlich ein Bruch der Verfassung des Danziger Freistaates seitens jener Instanzen vorliegt, deren Aufgabe es ist, über die Beobachtung der Verfassung zu wachen. Der Völkerbundrat machte sich in einer Entschließung die Ausführungen und Empfehlungen des Berichterstatters Eden, bzw. des Juristen-Aus^ Schusses zueigen. . Elf Millionen Bibeln in einem Jahr. Die „British and Foreign B i b 1 e Society" hat während des letzten Jahres nicht weniger als II Millionen Bibeln in 692 Sprachen und Dialekten — Ausgaben einzelner Teile der Heiligen Schrift miteingerechnet — verkauft. Ungarischer Filmboykott gegen Deutschland. Da die deutsche Redchsfilmkammer nun schon einen zweiten ungarischen Film unter Berufung auf den Arierparagraphen nicht zulassen will, hat in der ungarischen Filmbranche eine Beweg u n g eingesetzt, den deutschen Film zu boykottieren. Es wird darauf hingewiesen, daß die ungarischen FUmunternehmungen an die deutsche Filmindustrie im Vorjahre 1,7 Millionen Pengö gezählt haben. Rabbiner Dr. Joel Pollüh und Frau wünschen allen Verwandten und Bekannten miÖ nÖTim TOTO und teilen gleichzeitig mit, daß ihr Sohn Michael am "llSW ÜP Bar-Mizwot ist und in der Rembrandt-Schul zur Thora aufgerufen wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.