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Die Wahrheit · 1935-09-20 · Heft 38 (20.9.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 38 (20.9.1935)
Date
1935-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT •S^-^a^^ __Nr. 38 — 20. September 1935___ Seite 5 Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II., TaDorsiraöe 12, Tel. ß 46-5-51 huti« Ausgiebige Bralen-Menfls S 1.60 MMk -> .. Genäsel- .. S 2.20 lE'J Vorzügliche Zubereitung. — Schwechater Biere. Naturweine. 4» VERWALTUNGEN ^» SÄTZE - HVPOTHEKEN^Sfr CK KÄUFE - VERKÄUFE ► r w SZILAGYI BEI. AKT. SEISAL IX., ROTENLOWENG. 3 ttBffWBBHl>MnnUWftHH1B1uigy'^ TEL. A 10-5-69 Jüdischnationale Desperadopolitik in Polen. Das Ergebnis der letzten Wahlen zum polnischen Sejm bedeutet für das Judentum Polens als Ganzes einen schweren M i ßerfolg. Die neue Wahlordnung hat ja schon von Haus aus keine Hoffnungen auf eine stärkere jüdische Vertretung aufkommen lassen, doch hat die Regierung immerhin noch die Möglichkeit geboten, zumindest sechs jüdische Kandidaten mit ausschließlich jüdischen Stimmen hereinzubringen, fün derartiges Ziel war allerdings nur dann zu erreichen, wenn das Judentum Polens geschlossen aufgetreten wäre. Diese Chance hat jedoch der unselige jüdische Parteikampf jäh zerstört und das Ergebnis ist, . daß das polnische Judentum, mit 3,3 Millionen zahlenmäßig 10 Prozent der polnischen Bevölkerung, im Sejm mtt nur vier Abgeordneten von 208, also kaum 2 Prozent, vertreten sein wird. Die Schuld an dieser schweren jüdischen Niederlage trifft in erster Linie, wenn nicht gar ausschließlich die Zionisten, die nicht nur gegen die nichtzionistischen Gruppen, sondern sogar gegen ihre eigenen Kandidaten, die ihnen aus parteipolitischen Gründen nicht genehm waren, vorgingen. Die Auswüchse zionistischer Landespolitik haben diesmal ganz groteske Erscheinungen gezeitigt. In Krakau, wo der Zionist Dr. Thon schon von Haus aus durchgefallen war und als Kandidat überhaupt nicht aufgestellt wurde, bestand immerhin die Möglichkeit, ja die Gewißheit, mit Hilfe allen jüdischen Stimmen einen Juden, und zwar den Führer der dortigen Frontkämpfer, Leopold Spira, durchzubringen. Aber die Krakauer Zionisten haben eine andere Parole herausgegeben. Ihr Blatt, der .,Nowy Dziennik", brachte es sogar fertig, in Haß- und Schimpfartikeln gegen Spira, der als verdienstvoller Kämpfer um die polnische Sache und guter Jude überall größtes Ansehen genießt, ziemlich unverhohlen zur Wahl der christlichen Kandidaten aufzufordern! Diese Hetzkampagne hat ihre Früchte gezeitigt:? p i r a ist im Kampfe erlegen und die zionistischen Stimmen kamen dem christlichen Abgeordneten zugute . . Noch stärker trat der ganze Jammer der zerfahrenen inner jüdischen, richtiger: innerzionistischen Situation in Warschau und in Wilna zutage. Für die Reichshauptstadt waren der Zionist Gottlieb und der regierungsfreundliche Agudist Wislicki aufgestellt, während für Wilna nur ein einziger Kandidat, nämlich der Zionist Rubinstein in Frage kam. In Warschau und Wilna hatten also die Zionisten schon die Möglichkeit, die Repräsentanten ihrer eigenen Richtung zu wählen. Es beweist die Verlogenheit des Schlagwortes von der zionistischen „Einigkeit", daß die zionistischen Organisationen diese zwei zionistischen Kandidaten, die ihnen nicht radikal genug schienen, in rücksichtslosester Weise bekämpften, mit dem „Erfolg", daß Gott lieb in Warschau durchgefallen ist — es fehlten ihm im ganzen 200 Stimmen — und auf den Trümmern der jüdischen Position der antisemitische Abgeordnete Urbanski, Präses des Beschluß des ThzatBPdir^btDPBOBBPbandBS: Inder Spielzeit 1935/36 werden ermäßigte Karten ausschließlich durch die KunststeUen abgegeben. Ihre Kunststellenorganisation ist die Jüdische JCidtucsteiie (angeschlossen an die österreichische Kunststelle), Wien I., Franz Josefskai 3. R-28-2-36 Melden Sie sofort Ihren Beitritt an! Warschauer Nachtwächterverbandes, der sich im Wahlkampfe offen judenfeindlicher Agitation bediente, die Siegesfahne aufpflanzte. Die Zionisten wußten, ja mußten wissen, daß sie bei einer entsprechenden Unterstützung ihren Kandidaten Gottlieb ganz bestimmt durchkämpfen könnten, während im anderen Falle eben der Antisemit Urbanski ans Ruder kommen müsse. Die Hetze der Zionisten gegen den Mann aus ihren eigenen Reihen halt auch in Wilna .das Mandat Rubi nste ins stark gefährdet, und nur einem Wunder ist es zu verdanken, daß er zur Not noch die vorgeschriebene Mindeststimmenzahl erreichen konnte. Unumstritten und großartig war der Sieg des Agudisten Mineberg in Lodz, der die größte Anzahl der jüdischen Stimmen (17.000) auf sich vereinigte. Die Ergebnisse der letzten Wahlen und die hiebei in Erscheinung getretenen krassen Mißstände bei den fast dreieinhalb Millionen zählenden Juden Polens geben zu den ernstesten Befürchtungen für die weitere innnerjüdische Entwicklung Anlaß. Eine derartige Zerrissenheit ist wohl bei keiner jüdischen Gemeinschaft in allen fünf Erdteilen zu finden. Konnte man früher wenigstens 1EPHRUSSI & CoJ Gegründet 1856 I Bonktfesdhaiie aller Art j| H Abteilungen für Wertpapiere und Devisen ^| j Wien IX., Wasag as s e Nr. 2 j| IiuniuuitiiiinMMi^ von zwei Hauptfronten sprechen: Nichtzionisten und Zionisten, so haben sich -in den letzten Jahren die großen Parteien in so viele kleine Gruppen und Grüppchen gespalten, daß jeder Versuch, eine auch nur lose Einheit in den wichtigsten jüdischen Fragen herzustellen, als illusorisch angesehen werden muß. Diese politischen Zerwürfnisse greifen allmählich auch auf Lebensfragen der polnischen Juden über und selbst dort, wo es sich um rein ökonomische Hilfsaktionen handelt, sind Intrigen und Quertreibereien an der Tagesordnung. Dem polnischen Judentum fehlt ein jüdischer PUsudski, der mit eisernem Besen den jüdisch-politischen Augiasstall säubert. Aus der braunen Hölle. Im Dritten Reich nimmt die Beunruhigung in den jüdischen Kreisen täglich zu, da aus der Provinz immer neue Meldungen über den völligen Boykott jüdischer Geschäfte eintreffen und in zahlreichen Fallen auf jüdische Familien in einem Maß ausgedehnt wird, daß diesen nicht einmal mehr Lebensmittel verkauft werden. Hilfsaktionen können sich schwer entfalten, da sie die Oett'enÜichkeit scheuen. Dennoch hat man damit begonnen, die boykottierten jüdischen Familien in der Provinz durch Lebensmittelsendungen aus Berlin zu versorgen. Reichswirtscbaitsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der bisher .in der Judenirage einen Standpunkt eingenommen hatte, der sich von dem nationalsozialistischen wesentlich unterschied, hat sich während des Nürnberger Parteitages offensichtlich anders orientiert Während er noch in seiner Königsberger Rede vor der Ausdehnung der Judenverfolgungen auf wirtschaftlichem Gebiet ernstlich warnte, hat er nun sämtliche Angestellte der Reichsbank und ihrer vielen Zweigstellen durch ein Rundschreiben aufgefordert, den Ariernachweis zu erbringen. Ferner soll Doktor Schacht vor Beamten der Reichsbank eine Erklärung abgegeben haben, derzufolge die Anwendung des Arierparagraphen innerhalb eines Jahres auch in der deutschen Wirtschaft in weitgehendem Maße zu erwarten sei. Klein« Tut» S —SO Grate Tute S 1.40 Der Rektor der Bonner Universität Proi. Kipp und der Dekan der Bonner juristischen Fakultät Prof. Dölle haben ihre Aemter niederlegen müssen, nachdem der „Westdeutsche Beobachter" ihre Namen unter den Kunden eines jüdischen Schlächtermeisters publiziert hatte. Die Ausrede, daß ihre Dienstmädchen ohne ihr Wissen zum jüdischen Schlächter gingen, half ihnen nichts; der Bonner Oberbürgermeister erklärte, daß Nationalsozialisten ihre Dienstmädchen nationalsozialistisch schulen müssen. Das Presseamt der Stadt Magdeburg teilt mit: Um die deutschen Volksgenossen vor dem Zusammentreffen mit den Juden zu schützen, ist diesen der Zutritt z u r S ta d t b i bl i othek in städtischen Volksbüchereien und dem Stadtarchiv verboten worden. Die „Oberhessische Zeitung" in Marburg a. d. Lahn berichtet u. a.: „Vor einiger Zeit war es in Gladenbach zu groben Ausschreitungen gegen jüdische Einwohner gekommen. Die herausfordernden Anmaßungen der jüdischen Bevölkerung in der letzten Zeit hatten dazu geführt, daß in Gladenbach eine große Erregung entstand. Am 12. und 14. August kam der Volkswille zum Ausbruch. An den traglichen Tagen rottete sich eine große Menschenmenge zur nächtlichen Stunde in den Straßen zusammen und begann Einzelaktionen gegen einige jüdische Häuser . . ." Die Zeitung berichtet SQdann, daß sich vor dem Schnellschöffengericht drei Männer und ein junges Mädchen, die gefaßt werden konnten, wegen Eindringens in die Wohnhäuser der Juden und Zertrümmerung der Fenster zu verantworten hatten. Wegen Gefährdung der Staatssicherheit wurde die O e f f e n 11 i c h k e i t von der Verhandlung ausgeschlossen. Das Verfahren gegen den Hauptangeklagten wurde abgetrennt, die beiden anderen Angeklagten wurden wegen Mittäterschaft bei Sachbeschädigungen zu je einem Monat Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt, das Mädchen erhielt wegen Sachbeschädigung eine Woche Gefängnis. In der Begründung erklärte der Vorsitzende: „Bei der Bekämpfung der Juden muß jeder deutsche Volksgenosse mithelfen. Das tue man am besten, wenn man ihn meide und nicht bei ihm kaufe. Jede Einzelaktion schade nicht dem Juden, sondern dem Staat, der Bewegung und uns selbst . . ." Wie die „Main-Fränkische Zeitung" in Würzburg meldet, hat der Stadtrat von H a ß i u r t (Nomen est emen) den Beschluß gefaßt, daß in Zukunft alle Geschäftsleute, die noch mit Juden in geschäftlicher Verbindung stehen, von jeder städtischen Lieferung ausgeschlossen werden. Volksgenossen, die nicht Geschäftsieute sind — so heißt es weiter — und mit Juden verkehren oder beim Juden kauien, können künftighin aui die Unterstützung durch die NSV nicht mehr rechnen und werden vom Winterhilfswerk ausgeschlossen. Verboten ist den Juden das Baden an allen öffentlichen Badeplätzen. Den Judenkindern ist der Besuch derKinderbewahranstalt versagt Das Zusammenstehen der Juden auf den Märkten wird strengstens verboten. In dem Bericht über die Sitzung heißt es weiter, daß der Antrag gestellt werden soll, Juden sollen bei den Uebungen der Pflichtteuerwehr gesondert antreten, da man z. B. keinem SA.- Manne zumuten könne, mit einem Juden in Reih und Glied zu stehen. Angeregt wurde ferner, an den Bänken „Dr. Krttqer-Heint" Zentralanstalt für Mädchenerziehung und Fortbildung Telephon A 48-9-77 Wien II., Malzgaaa« 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen. Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe. Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäschewarenerzeugung. Beth Jacob Religionslehrerionen-Seminar. Zweijährige Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maturantinnen. Prospekt onf Wunsch. Internat. Streng rellg. Haushalt. tr

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