Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 38 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064555-3064592--20368-3085606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nr. 38 — 20. September 1935^ DIE WAHRHEIT JÜDISCHE ELT£BI! Kauft Schulbücher für Eure Kinder im Antiquariat Hermann TUCHNER Wien II., Eck« Taborstrate 52 Lehrbücher in den richtisen Auflasen für: Volksschulen, Hauptschulen, Mittelschulen und alle Fachschulen Aach ANTIQUARISCH in größter Auöwabl zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos, spesenfreie Zusendung - . überallhin. FÜR AUSKÜNFTE: TEL. R 41-4-20 nien 1992, Rußland 286, Schweden 6, Schweiz 17, Spanien 11, Tschechoslowakei 539, Ungarn 168. Wie man sieht, bilden die Einwanderer aus Deutschland bloß 8 Prozent der Immigration gegen 50 Prozent Polen. Diese 8 Prozent Deutsche kommen aus einem hochzivilisierten Milieu in zum größten Teil ganz primitive Verhältnisse, wo nur die grotesk gesteigerten Bodenpreise an Europa erinnern. Die unglücklichen Flüchtlinge, die sich im „Jüdischen Nationalheim" ansiedeln, müssen ein Stück Wüstenboden teurer bezahlen als ein Grundstück im asphaltierten ...Berlin.. Der obenerwähnte Tätigkeitsbericht "der Jewish Agency stellt fest, daß in den beiden letzten Jahren die B o d e n p r e i s e in Palästina, besonders in den Städten und in der Citrus-Zone, außerordentlich gestiegen sind. Die Bodenspekulation mit all den ihr anhaftenden liebeln habe sich in noch nie dagewesenem Maße entwickelt. Trotz lebhafter Bewegung auf dem Boden markt war der reine Zuwachs an jüdischem Landbesitz verhältnismäßig klein. 1933 wurden 37.000 und 1934, abgesehen vom Hule-Gebiet, 62.000 Dunam erworben. Der durchschnittliche Preis pro Dunam, der 1931 und 1932 23 Pfund betrug, stieg 1933 auf 35 und 1934 auf 54 Pfund. Dabei fürchten die Einwanderer den Doppelsinn künftig drohender Erkenntnis: „Ach, auf dem Sande habt ihr gebaut ..." MATURASCHULE „Aula" IX., LlactitenstelnstraB* 3 Tel. R 52-5-80 Leitung Real-Gymn.-Dir. i. P. Or, Zellweker. — Unentgeltliche ütndienberatung. — Sprechstunden von »Ml—»/»2 und 4 — 7 Uhr. Samstag von 11—2 Uhr Das Flüchtlingsproblem. Die sechste (politische) Kommission der Völkerbundversammlung hat unter dem Vorsitz des irländischen Ministerpräsidenten Edmond de Valera den ihr zur Behandflung zugewiesenen Vorschlag der norwegischen Regierung, ein Zentralamt zu schaffen, dem die Fürsorge für alle Kategorien der Flüchtlinge unter direkter Aufsicht des Völkerbundes unterstellt werden soll, erörtert. Obwohl der Plan von zahlreichen Kommissionsmitgüedern grundsätzlich gebilligt wurde, stand man der Frage seiner unmittelbaren Verwirklichung im allgemeinen mit ziemlicher Reserve gegenüber. Es wurde sogar die Ansicht geäußert, daß das Amt des Oberkommissars MacDonald nicht nur nicht in ein völkerbundsunmittelbares Amt eingebaut, sondern daß umgekehrt ihm auch die bisher dem Nansenamt unterstellten Flüchtlinge zugewiesen werden sollten. Dieser Anschauung entsprechend sollte es somit nicht nur zu keiner Entlastung der Privatorganisationen kommen, die das MacDonald'sche Oberkommissariat bisher getragen haben, sondern diese Organisationen hätten sogar auch noch die Sorge für die russischen, armenischen, assyrischen usw. Flüchtlinge zu übernehmen. Ueber den Verlauf der Aussprache hat die Informationsabteilung des Völkerbundsekretariat einen Bericht ausgegeben, aus dem zu ersehen ist, daß der norwegische Außenminister Koht die sofortige Einsetzung eines Subkomitees zum Studium des Vorschlages und Berichterstattung an die sechste Kommission beantragte, nachdem er verlangt hatte, daß die Arbeit der privaten Organisationen ermutigt und fortgesetzt werde und daß der Völkerbund auf die Regierungen dahin einwirke, daß den Ausgewanderten die für ihre endgültige Niederlassung notwendigen Papiere ausgestellt werden. Viscount Cranborne (England) sprach die Sympathie seiner Delegation für den norwegischen Antrag aus und betonte, daß es wichtig sei, keine Klasse dauernder Flüchtlinge entstehen zu lassen. Feldmans-Lettland meinte, das Londoner Oberkommissariat für Auswandererfürsorge habe sehr Gutes geleistet, und man müsse erwägen, ob nicht der Völkerbund die Arbeit dieses Kommissariats jetzt ausdehnen sollte. Er sei nicht gegen den norwegischen Vorschlag, glaube aber, daß der Völkerbund nicht zu weit gehen sollte. Raphael-Griechenland glaubte ebenfalls, daß die Frage studiert, aber nicht zu eilig (!) behandelt werden sollte. Der Verwaltungsrat des Nansenamtes habe sich noch nicht zu der Sache geäußert. Vougt- Schweden unterstützte den norwegischen Antrag. Aiitoniade-Rumänien wies auf die Kompliziertheit des Problems hin. Seine Erledigung noch auf dieser Völkerbundtagung dürfte nicht möglich sein; mit dem Antrag, es zu studieren, erklärte er sich einverstanden. Oeri- Schweiz wies als Vertreter eines Landes, das an mehrere Länder grenzt, aus denen Auswanderer kamen, darauf hin, daß es sich .um eine dringende Frage handle, deren menschliche und rechtliche Seite berücksichtigt werden müsse. Patijn-Holland befürwortete. den Antrag auf Studium der Frage. Damit würde jede Reibung vermieden werden. Der Antrag sei nicht unvereinbar mit den vor zwei Jahren gefaßten Beschlüssen. Astaito-Italien erinnerte damn, daß das Auswandererproblem seinerzeit einer autonomen Organisation zugwiesen wurde. Für den Völkerbund sei die Behandlung der Frage politischer Flüchtlinge eine besonders heikle. Er glaube, daß die von der Völkerbundversammlung bei Schaffung des Oberkommissariats für Flüchtlingsfürsorge befolgten Grundsätze nicht geändert werden sollten. Juristische Fragen seien hier mitverknüptt. Nach Aeußerung dieser Ansicht widersetze sich seine Delegation nicht dem norwegischen Antrag, die Frage zu studieren. Kulski-Polen erklärte, seine Regierung sei an dieser Frage außerordentlich interessiert. Sie sei für die Koordinierung der Arbeit der verschiedenen Organisationen, die sich jetzt mit dem Problem befassen. Hymans-Belgien trat für den norwegischen Antrag ein und wünschte, daß die Unterkommission, bevor sie ihre Vorschläge macht, sich mit den interessierten Organisationen ins Benehmen setze. Montschiloff-Bulgarien gab der Befürchtung Ausdruck, daß der Vorschlag neue finanzielle Belastungen des Völkerbundes mit sich bringen könnte. Er gab zu bedenken, ob es nicht besser wäre, die gegenwärtige Organisation beizubehalten. Kunzl-Jizersky-Tschechoslowakei stimmte der Einsetzung einer Unterkommissiön zu. Potenkim-USSR meinte, es bestehe kein wesentlicher Grund, die früheren Beschlüsse des Völkerbundes zu revidieren. Dennoch sei seine Regierung einverstanden, daß eine Unterkommission gebildet werde, vor der er den Standpunkt der Sowjets ausführlicher darlegen werde. Auch Puric-Jugoslawien behielt sich die Stellungnahme vor der Unterkommission vor. Es handle sich um eine heikle Frage, bei der Vorsicht am Platze sei. Herriot-Frankreich erklärte,, seine Regierung sei sowohl an der tatsächlichen, als an,.der rechtlichen Seite der Frage interessiert. Es handele1seil um ein seinem Wesen nach internationales Problem,*»bezügliph dessen dem Völkerbund viel Verantwortung ■■ zufalle. Die ganze Frage er- Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern fordere ein sorgfältiges Studium. Er unterstützte den norwegischen Vorschlag. Dr. Tsien Tai-China erklärte, es gäbe in China viele Flüchtlinge. Seine Delegation stimme dem norwegischen Vorschlag zu. Frangulis-Haiti, der ebenfalls für den norwegischen Vorschlag eintrat, forderte, daß Erwägungen politischer Art beiseite gelassen werden und daß man das Problem von seiner humanitären Seite betrachte. Der Vorsitzende de Valera faßte das Ergebnis der Aussprache dahin zusammen, daß es sich um ein offensichtlich kompliziertes Problem handle, das seine juristischen, humanitären, politischen und administrativen Seiten habe. Da die Mehrheit der Redner für die Schaffung der Unterkommission eingetreten sei, schlage er ihre Zusammensetzung aus den Vertretern folgender Länder vor: Großbritannien, Chile, China, Tschechoslowakei, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Holland, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweiz, USSR und Jugoslawien. Der norwegische Außenminister K o h t hatte in der Völkerbundversammlung einen bewegten Appell an die Delegierten zugunsten der Berücksichtigung des Vorschlages der norwegischen Regierung gerichtet Wenig Aussicht auf Verwirklichung des norwegischen Vorschlages. Der Unterausschuß der sechsten Kommission der Völkerbundversammlung, der sich mit der Prüfung des norwegischen Vorschlages in der Flüchtlingsfrage befassen soll, wird erst im Laufe der nächsten Woche zusammentreten. Wie der JTA-Vertrete'r erfährt,' scheint das Projekt der Schaffung einer Zentralorganisation des Völker- WlCN II.. PraterstroOe Telephon B 41-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. bur.des für Flüchtlingsschutz, wie sie der Vertreter Norwegens vorgeschlagen hat, wenig Aussicht auf Verwirklichung zu haben. Es ist wahrscheinlicher, aber auch keineswegs sicher, daß das Unterkomitee empfehlen wird, den Schutz der Flüchtlinge aus Deutschland dem bestehenden, aber nur noch geduldeten und im Liquidationszustand sich befindenden internationalen Nansenamt zu überweisen. Gemäß Beschlüssen früherer Völkerbundversammlungen soll das Nansenamt, bei stufenweiser, alljährlicher Herabminderung seines Budgets, spätestens im Jahre 1939 vollkommen liquidiert werden, Seitens des Kommissariates für deutsche Flüchtlinge werden für diese letztere Eventualität verschiedene Forderungen betreffend eine Reorganisation des Internationalen Nansenamtes erhoben, insbesondere: Ernennung einer einflußreichen Persönlichkeit als Präsidenten des Nansenamtes und Schaffung eines weniger bürokratisch zusammengesetzten Verwaltungsrates von Regierungsvertretern. Ob und inwieweit diese Forderungen Gehör finden werden, steht noch nicht fest. Hochkommissar MacDonald, der von einer Reise nach den skandinavischen Ländern und Rußland wieder in Genf eingetroffen ist, erklärte dem JTA-Vertreter: Die Möglichkeiten für eine Einwanderung und Ansiedlung von deutschen Juden in Rußland sind äußerst beschränkt. . Nur bestimmte Kategorien von Spezialisten in gewissen Zweigen der Industrie, die von Sowjetrußland gesucht werden, könnten dort Lebensmöglichkeiten finden. An die Aufnahme einer beträchtlichen Zahl von jüdischen Emigranten aus Deutschland durch Sowjetrußland sei jedoch nicht zu denken. Protest gegen die Judengesetze. Der Präsident der Völkerbundversammlung, Minister Dr. Ben esc h, empfing in Genf eine Delegation der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus. Der Liga gehören Organisationen, gebildet aus Juden und Nichtjuden, an. Die Delegation übergab Dr. Benesch eine Eingabe bezüglich der vom deutschen Reichstag am 15. September 1935 angenommenen Gesetze und ersuchte den Präsidenten der Völkerbundversammlung, den Völkerbund einerseits vom Protest der Liga in Kenntnis zu setzen und anderseits auf zahlreiche juristische internationale Schwierigkeiten hinzuweisen, welche die vom Reichstag beschlossenen Gesetze voraussichtlich auslösen werden. In der Eingabe wird betont, daß die vom Reichstag angenommenen Gesetze die Juden einiger wichtiger. Rechte beraubt hätten und daß Gefahr bestehe, daß die Tendenz solcher Ausnahmsgesetze auch auf die Gesetzgebung anderer Länder Ausdehnung finden könnte. Die Liga gab ihrem Unwillen über diesen neuen Angriff auf die Menschenrechte Ausdruck und lenkt, wie es in der Eingabe heißt, die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt, der Regierungen und des Völkerbundes auf diese schwere Beeinträchtigung des Völkerrecht eis. Katholischer Episkopat gegen die deutschen Ghetto-Schulen. Der katholische Episkopat hat bei der Reichsregierung gegen den Erlaß über die Rassentrennung in öffentlichen Schulen Verwahrung eingelegt. Der Episkopat nimm* dagegen Stellung, daß die katholischen, aber nichtarischen Schüler durch den Erlaß des Reichserziehungsministeriums gezwungen werden sollen, rein jüdische Schulen zu besuchen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß durch eine solche Regelung (übrigens auch durch die Nürnberger Rassengesetze, D. Red.) die einschlägigen Bestimmungen des Konkordates verletzt werden.