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Die Wahrheit · 1935-09-20 · Heft 38 (20.9.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 38 (20.9.1935)
Date
1935-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT ■i^^-^i^^^ä^mm^m&m^^mmm^^m^^m^>wmm^^^m:- _Nr. 38 r- 20. September 1935__Seite 3 leichtverdaulich Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt halt« bar und kann von jedem Strengglaubigen ohne Bedenken zur Zu« bereitung von Milch- und Fleisch« speisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwurden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. HÜEHäfll Das100%reine Kokosnußfett HT5 Nur echt in Originalpackung 1 Reden und Taten. Glücklicher "Besitzer dieses Bades ist "die Stadt Dresden. Der Stüter, Ge h e rm rat Georg Arnhold, i st gestorben. Lebte er, so wäre ihm heute der Besuch seines eigenen Bades verwehrt, denn in Dresden ist Juden, wie in anderen deutschen Städten, der Zutritt zu den Gemeindebädern verboten. Wie mancher jüdische Bürger hat Stiftungen gemacht, die heute alle, nur seine engeren Schicksalsgenossen nicht genießen .dürfen! Es ist ein Beispiel für viele. Der Tote, dessen Großherzigkeit einst die gesamte Presse besang, hat sei» Bad der Gemeinde vermacht, damit es allen, ohne Untierschied, zugute komme. Der Titel Arnhold-Bad wurde gestrichen, Güntzwiesenbad heißt es heute. Für jenen Teil des Volkes, der noch Sinn hat für Sauberkeit und Gerechtigkeit, bleibt es das Arnhold-Bad. Transjordanien gegen jüdische Ansiedelung. Wie die Jerusalemer Tageszeitung „El Karmel" mitteilt, hat der transjordanische Premierminister Ibrahim Pascha Hascham auf eine Frage des Vertreters des Blattes nach der Stellung der transjordanischen Regierung zu der geplanten Ansiedlung von Juden folgendes erklärt: Als Chef der Regierung kann ich keine Verantwortung für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit übernehmen, wenn es Fremden gestattet werden sollte, sich in Trans Jordanien niederzulassen. Eine der meistgebrauchten zionistischen RedeiloSkeln ist die, durch die Balfourdeklaration sei der Zionismus vom Stadium der Redepolitik zu dem der Tatpolitik fortgeschritten. Man soHte demnach glauben, daß der Eifer der zionistischen Führer eine Läuterung vom Rededrang zu gesteigertem Tatendrang., durchgemacht habe. Es ist aber das Gegenteil zu beobachten. Während der Tatendrang der zionistischen Anhänger durch den Widerstand der englischen Mandatarmacht sehr beengt wird, erscheint der Rededrang der Führer unheimlich gesteigert. Nach dem Luzerner Zionistenkongreß tagte jetzt der Wiener Jabotinskykongreß und der Brünner Makakbi-Kongreß und von all diesen drei Tribünen ergoß sich über die Welt eine hemmungslose Flut jüdischnationalen Phrasenschwalls. Aber damit begnügen sich die Herren keineswegs. Noch heiser von den Redeschlachten des 19. Zionistenkongresses setzten sich mehrere Teilnehmer desselben zusammen, um vor einem neuen Tribunal ihre oratorischen Leistungen fortzusetzen. Die Mitglieder der Exekutive des Comite des Delegations Juives und des Exekutivkomitees zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses hielten in Luzern unter dem Vorsitz von Dr. Nahum Goldmann eine gemeinsame Sitzung ab. Einen der Hauptpunkte der Beratung bildete die Frage der Einberufung des Jüdischen Weltkongresses. Es wurde eine Resolution angenommen, daß die Vorarbeit für den Kongreß tunlichst bis zum Frühjahr 1936 durchgeführt sein möge. Das Comite des Delegations Juives wurde nach dem Weltkrieg von Jüdischnationalen verschiedener Länder mit dem Zweck gegründet, die „nationalen Minderheitenrechte" der Juden überall in der Welt zu schützen. Mit weichem Erfolg dies geschehen ist, haben wir schaudernd in verschiedenen Ländern, die sich teils offen, teils getarnt die Entrechtung ihrer Juden zum Ziele gesetzt haben, nun auch in Deutschland erlebt. Man sollte glauben, daß das beispiellose Fiasko ihrer Bemühungen die Herren zu einiger Zuräckhaltung veranlassen würde. Speziell für erftes füdischen Weltkongreß ist der jetzige Zeitpunkt der denkbar ungünstigste. Es ist bekannt, Saß sich ifie türkischen, persischen und bnchaifecneh Jaden «egett die Erörterung ihrer ■Lage auf <iem '^onistferikojigreB energisch ver- ■«raftst teafren. CHe deutschen Kottgreßdefegierten Italien ge£ e» -dte "Rösbfertion, die -gegen die fint- Teäfctung aer tientsdhen Juden protestierte, ,ge- &imriÄ. KSten&tö* bat ihnen, "wie Sae seither m fcffirftberg bese'Mossfööen Jfcöengesetze beweisen, "w«eäe"r Sfre eigene lx>yaäität 'noch <3fer Eifer der Delegierten aus den anderen Ländern. Ist irgend jemand so naiv, von einer Wiederholung der Luzerner Groteske in einem anderen fashionablen Rendezvousort derselben Persönlichkeiten einen günstigeren Effekt zu erwarten? Erhofft sich der Präsident des American Jewish Congress Dr. Stephen Wise, der in Luzern zum Präsidenten des Comite des Delegations Juives gewählt worden ist, von einer Wiederholung seiner auf dem 19. Zionistenkongreß gegen das Dritte. Reich geschleuderten Invektiven auf einem „Weltkongreß" eine bessere Wirkung auf Hitler? Die überwiegende Mehrheit der Juden der ganzen Welt, insbesondere die Amerikas und Englands, ist der Ansicht, daß ein jüdischer Weltkongreß derzeit mehr Schaden als Nutzen anrichten würde. Trotzdem macht das famose Comite des Delegations Juives alle Anstrengungen, die Einbemfung ihres nun schon mehrfach verschobenen jüdischen Weltkongresses in die Wege zu leiten. Dr. Wise begründet dies folgendermaßen: „Der Zionistenkongreß muß sich notgedrungen auf die Behandlung rein zionistischer Angelegenheiten beschränken. Man darf aber nicht vergessen, daß 97 bis 98 Prozent der Weltjudenheit immer noch in der Diaspora leben. Die Rechte der Diaspora-Juden müssen gewahrt und verteidigt, auch müssen ihre Rechte ails Minderheitengruppen gewahrt werden." Nun, was die rechtliche Anerkennung der Juden als Minderheitengruppe betrifft, haben ja die Zionisten gerade in Deutschland einen „säkularen" Erfolg zu verzeichnen, wo Hitler ihnen ein „völkisches Eigenleben" unter dem staatlichen Schutz einer eigenen nationalen Fahne bereitet hat. Angesichts dieses „Erfolges" erscheint die „GahittT-Politik der Luzerner Kongreßzionisten — milde ausgedrückt — reichlich naiv. Die Wiener Jabotinsky-Kongreßler waren eifrig bemüht, ihnen wie auf allen, so auch auf diesem Gebiet, den Rang abzulaufen. Mit welch unleugbarem Erfolg, geht aus der Rede des Delegierten Dr. Wolfgang von Weisl hervor, soweit sie die „kleine Außerrpolitik" des Revisionismus betraf: „Ich bin der Meinung, daß unsere Aufgabe setn muß, unverzüglich die Fühlung mit allen christlichen Parteien herzustellen und vor allem mit den antisemitischen Parteien in Beziehung zu treten. Unser Programm heißt ja: Bekämpfung des Antisemitismus durch Mtassenauswand«?uag der Juden nach Palasti.aa. Wir haben also gewisse Grun.dJagen, auf denen wir uns mit G.egn.ern4er J udenin Europa verständigen können. Auch Herzl ist zu PJebw.e gefahren. So muß es unsere Aulgabe sein, den Haß und des Gegensatz «u den Juden (dadurch zu verringern, .daß wir die politischen Parteien der verschiedenen Länder darüber aufklären, was wir wollen und daß unsere Ideale und Ihre Wünsche sich bis zu einem gewissen Grade variieren lassen. Ich bin der Meinung, daß es ein schwerer Fehler der alten Zionistischen Organisation war, nicht mit Hitler verhandelt zu haben, ehe er an die Macht kam, und nicht damals mit ihm ein Programm der jüdischen Evakuatjon Deutschlands verabredet zu haben — für den Fall seines Sieges. Diese Unterlassung, diese strafbare Kurzsichtigkeit hat das jüdische Volk teuer bezahlt." Dem gegenüber wird wohl jeder Unbefangene die Leiden der deutschen Juden eher der Tatsache zuschreiben, daß Hitler von sich aus bestrebt ist, seine Ideale und die zionistischen Wünsche „sich bis zu einem gewissen Grade variieren zu lassen", was ja seine Nürnberger Reichstagsrede zur Genüge beweist. Der Vorwurf, daß Verhandlungen zwischen Hitler, bevor er an die Macht kam, und der alten Zionistenorganisation durch deren Kurzsichtigkeit verhindert wurden, ist ganz ungerecht. Eher war Weitblick auf beiden Seiten das Hindernis. Denn einerseits war es Hitler klar, daß er niemals zur Macht käme, wenn er sich in Verhandlungen mit Juden einließe, andererseits wußten die Zionisten, die ja unter den seit Jahrhunderten in Deutschland bodenständigen und mit der deutschen Kultur verwachsenen, auch heute noch heimattreuen Juden niemals besonderen Anklang fanden, daß sie sich dort ganz unmöglich gemacht hätten, wenn sie mit antisemitischen Parteiführern jüdische Evakuationspiäne verabredet hätten. Und wie hätte Hitler, dessen Informiertheit Weisl offenbar unterschätzt, solche Evakuationspiäne ernst nehmen können, da er doch wußte, daß bei ihrer Durchführung auch England ein gewichtiges Wort mitzureden habe? In dem Tätigkeitsbericht der Exekutive der Jewish Agency, der anläßlich des 19. Zionistenkongresses veröffentlicht wurde, wird darauf hingewiesen, daß die Einschätzung der Aufnahmefähigkeit des Landes durch die Regierung weit niedriger ausfällt als die Schätzungen der Jewish Agency und daß die Größe der bewilligten Einwanderungsquoten mir 56,4 Prozent -der von der Agency vorgenommenen Schätzung betrug. Nach den Mitteilungen der Statistischen Abteilung der Jewish Agency in Jerusalem wanderten in «ien Monaten Jänner-Juni 1935 30.474 Personen nach Palästina ein. Die Einwan.der.er verteilten sich nach ihrer Staatsangehörigkeit auf folgende Länder: Belgien 54, Bulgarien 177, Danzig 12, Deutschland 2395, Dänemark 1, England 134, Estland 17, Finnland 7, Frankreich 69, {Griechenland. 1081, Holland 54, Irland 2, Italien 49, Jugoslawien 113, Lettanti 451, Litauen 973, Oesterreich 405, Poten J4.557, Portugal 11, Rumä-

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