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Die Wahrheit · 1935-09-13 · Heft 37 (13.9.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 37 (13.9.1935)
Date
1935-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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BUS ■DIE WAHRHEIT Nr. 37 '— 13. September 1935 Seite 5 ¥erwtthnte SirohwHwev speisen vonOglkb. Im Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II.. TaborstraDe 12, Tel. R 46 5 ST <■>»»•> Ausgiebige Braten-Menüs S l 60 «*»t^ iE' J „ Oellügel- ., S 2 20 ' \WJ sowie ä la Carte, Speisen am Rost / Schöner staubfreier Garten Aus der braunen Hölle. In der „Rheinischen NSZ-Front" erläßt der stellvertretende Gauleiter des Gaues Saar-Pfalz eine Bekanntmachung, daß verbrecherische Elemente den jüdischen Friedhof in Hassloch beschädigt hätten. Diese Tat sei nur aus der Absicht geboren, die nationalsozialistische Bewegung zu belasten. $ Der Freiburger „Alemanne" bringt im Inseratenteil folgende „Bekanntmachung": „Die Abgabe von Butter aus der städtischen Molkerei an die jüdische Bevölkerung von Emmendingen wird mit sofortiger Wirkung eingestellt. Das Bürgermeisteramt." 3 Aus zahlreichen Orten Hessens wird bekannt, daß die Vertreibung der Juden mit einer so drohenden Haltung der Nazis verbunden war, daß es sich um eine wahre Flucht der Juden handelte, die unter wüsten Beschimpfungen von der kommandierten „Volksmenge" buchstäblich gehetzt wurden. In Halle a. d. Saale ist den Juden verboten worden, außer in der Zeit von 12 bis 12.30 Uhr mittags Brot bei den Bäckern zu holen. In den Kreisen Hamburg und Harburg- Wilhelmsburg haben sich schwere antijüdische Unruhen zugetragen. Der Gauleiter Staatsrat Telchow forderte die politischen Leiter der Kreise auf, für Disziplin zu sorgen, und erklärte, die Gesetzgebung werde schon dafür sorgen, daß es den Juden nicht wieder gelingt, Einfluß zu gewinnen. Im Reichspropagandaministerium sprach vor in- und ausländischen Pressevertretern der Hauptgeschäftsführerder Reichskulturkammer Muralla über die künftigen Aufgaben der Reichskulturkammer. Er erklärte, wer in der Judenfrage zu Kompromissen neige, müsse heute von der Betätigung in der Kammer ausgeschlossen werden. Es handle sich darum, die letzten Schlacken zu beseitigen. Folgende Anordnung über den Vertrieb jüdischer Zeitungen und Zeitschriften gibt der Präsident der Reichspressekammer bekannt: „Das öffentliche Anbieten und der Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften, die sich ganz oder zum Teil, sei es dem Titel oder dem Inhalte nach, an die jüdische Bevölkerung richten, ist verboten. Der Verband deutscher Zeitungs- und Zeitschr^Öeflgrossisten und die Reichsfachschaft des deutschen Zeitungs- und Zeitschriften-Einzelhandels werden beauftragt, die Durchführung dieser Anordnung zu überwachen. Diese Anordnung tritt am 1. Oktober 1935 in Kraft." Die jüdische Bevölkerung wird also die Zeitungen nicht mehr im Einzelhandel erhalten, sondern nur im Abonnement beziehen können. Die Anordnung betrifft auch die wenigen jüdischen Zeitungen des Auslandes, die noch nach Deutschland hereinkommen dürfen. Die Tagung der Jewich Agency. An der Tagung der Jewish Agency in Luzern nahmen auf der nichtzionistischen Seite aus Oesterreich die Herren Prof. Dr. Ludwig Braun, Bernhard A11 m a ri n und Rabbiner Dr. A. Kaminka teil. Es wurde im Prinzip unter Zustimmung der Vertreter der zionistischen Organisation beschlossen, daß künftig in allen Körperschaften, die für den Palästinaaufbau tätig sind, die nichtzionistischen Mitglieder vertreten sein sollen. Es wird dabei vorausgesetzt, daß die nichtzionistischen Mitglieder für eine Organisation ihrer Gesinnungsgenossen in den verschiedenen Ländern wirken werden. Diesem Zwecke soll eine innerhalb des Organisations-Departements der Jewish Agency zu errichtende Stelle dienen. In das Exekutivkomitee wurden vorläufig gegenüber sieben zionistischen Mitgliedern (außer Dr. Weizmann, der gemeinsamer Präsident ist) nur drei nichtzionfstische gewählt,' und zwar die Herren Dr. Hext er, Dr. Senator und [ T3r. K a r p aus Amerika, wobei aber bestimmt wurde, daß im Falle die zionistischen. 'Mitglieder in einem wichtigen Gegenstand gegen die Meinung der Nichtzionisten einen Beschluß fassen sollten, diese das Recht haben, ihn zu sistieren und eine Entscheidung des Administrative Councils anzuj rufen. In diesem verfassungsgemäßen Administrative Council wurden 20 zionistische und 20 nichtzionistische Delegierte gewählt; das Fifty-fifty- Prinzip wurde also entgegen allen jüdischnationalen Widerständen beibehalten. Unter den Ersatzmitpiedern befinden sich auch die genannten drei Wiener Delegierten; Wir werden auf die prinzipielle Bedeutung der Beschlüsse der Tagung nächstens zurückkommen. Nach wie vor: Mißstände im Beerdigungswesen. In den „Feststellungen", die seinerzeit der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde zu unserem ersten, die jüdische Oeffentlichkeit über die Mißstände im Beerdigungswesen der Kultusgemeinde informierenden Artikel vornahm, wurde erklärt, „daß der Kultusvorstand durch seine Weisungen an die Beamtenschaft wiederholt zum Ausdrucke gebracht hat, daß alles vermieden werden muß, was im amtlichen Parteienverkehr dem Publikum Anlaß zu Beschwerden geben könnte." Die folgende uns zur Verfügung gestellte Erklärung, die einen Fall betrifft, der sich nach unseren wiederholten Veröffentlichungen ereignet hat, beweist den geringen Wert der „Weisungen" des Kultusvorstandes. Meine Erlebnisse bei der israelitischen Kultusgemeinde Wien im August 1935. Am Dienstag, den 6. August, starb meine arme Frau, am Mittwoch, den 7. August, verhandelte ich in Gegenwart meines Schwagers Karl Mandl, III., Hauptstraße 82, mit dem Friedhofsbeamten Kaiser über das Begräbnis, für das S 920.50 verlangt wurden. Ich fand diesen Betrag übermäßig hoch und versuchte vergeblich ihn herabzusetzen. Da der Beamte auf seinem Standpunkt beharrte, willigte ich endlich ein, ersuchte aber, da ich aus der Tschechoslowakei nur S 200.— mitbringen kann und auch in Oesterreich kein Bankkonto, auch keine Spareinlagen habe, um Ratenzahlung, was schroff a bgeleföft tl wurde. Als ich den Beamten fragte, was geschehe, wenn ich diese Summe nicht aufbringen könnte, erklärte er Den idealen jüdischen Lebensgefährten finden Sie schnell und sicher durch Die JOdlsche neiralszellomi Prag xix.. Soborshä s, csii. Weiteste Verbreitung im In- und Ausland. Reichste Auswahl an Ehegesuchen, Eioheiraten etc. Prospekt nur geg. Rückporto, neueste'Probenummer Kc 4.— Ausland 2 internation. Antwortscheine mir, daß dann meine liebe ■ Frau ein Armengrab gratis erhalten werde. Diese Aeußerung wiederholte er auch ohne Zeugen am Donnerstag, den S. August. Ich hätte gerne'die Dahingeschiedene schon am 8. August beisefceii lassen, wußte aber nicht, ob ich bis dahin die Begräbniskosten aufbringen würde, weshalb die Beisetzung erst für Freitag, den 9. August festgesetzt wurde. Die Ver- ' handlungen wurden im ruhigen Ton geführt, aber der Beamte zeigte nicht das geringste Entgegenkommen. Als ich am Donnerstag, den 8. August, diese Geldsumme bezahlte, machte ich den Kassenbeamten, dessen Namen ich nicht weiß, aufmerksam, daß sein Benennten unhöflich sei, worauf er sich entschuldigte und leutselig mit mir sprach. Natürlich bin ich durch höhere Gewalt gezwungen, die Bedingungen der Kultusgemeinde widerstandslos anzunehmen, aber der Bogen braucht nicht überspannt zu werden. MUDr. Josef Goldberge r, Graslitz. 10 Millionen 'Dollar für produktive Flüchtlingshilfe. Die von der JTA unlängst angekündigte Gründung der Refugee Economic Corporation unter Rührung von Felix M. W a r b u r g ist soeben in New York vollzogen worden. Die Gründer der Gesellschaft hoffen, das nominelle Kapital von 10 Millionen Dollars in absehbarer Zeit beisammen zu haben. Der leitende'.'Gedanke des Unternehmens ist, produktive Hilfe deri|' Auswanderern aus Deutschland zu leisten. Dementsprechend rechnet die Gesellschaft damit, daß ihre Anlagen sich bezahlt machen; reine Wohltätigkeit will sie nicht leisten. Entgegen irrigen Annahmen wird die REC nicht einzelnen Menschen helfen, sondern ausschließlich, und zwar vorwiegend durch die Vermittlung bestehender Organisationen, Gruppen .unterstützen. In Frage kommen Schaffung. und Förderung von Hilfskassen, soweit ^sie gesund fundiert sind, Ansiedlung in geeigneten Gebieten, vielleicht auch Erleichterung - gewisser palästinensischer Pläne. Vor lästigen Verfärbungen schätzt O DO L-Zahnpasta Ihr« Zähne. OOOU Zahnpasta rainigt gründlich. OOOU Zahnpasta macht Zähne wie Parier» t y> tt Die Wissenschaft ist menschheitsgebunden Eine internationale Mediziner-Tagung findet diese Woche in Montreux statt. Sie sollte ursprünglich nicht den Vorzug haben, von deutschen Teilnehmern besucht zu sein. Der „Reichsärzteführer" hatte ihnen nämlich den Besuch verboten. Warum? Der Kongreß hat ein vorbereitendes Sekretariat. Das Sekretariat domiziliert zu Basel in den Redaktionsräumen der „Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift". In dieser „Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift", in der Nummer vom 13. Juli, erschien ein Artikel, der dem Reichsärzteführer nicht gefiel. Folglich — wegen des Artikels, der in dem Blatt stand, bei dem das vorbereitende Kongreß-Sektretariat einquartiert ist — sollte kein deutscher Mediziner zum Kongreß. Was hatte in dem Artikel gestanden, der den „Reichsärzteführer" nötigte, da mal scharf durchzugreifen? Er'hatte einen österreichischen Verfasser, den Wiener Professor Dr. Bauer! Der österreichische Professor hatte in der schweizerischen Fachzeitschrift erklärt, Begriffe wie Rasse, Rassenreinheit und dergleichen seien „gefährliche Schlagworte" und Prozeduren wie die „eugenische Sterilisation" seien wissenschaftlich fragwürdig. Er^ hatte-mit einem Satz geschlossen, den der Erlaß des Reichsärzteführers voller Abscheu zitiert: „Diei Wissenschaft und damit die Wahrheit kann, niemals national, sie kann immer nur international, menschheitsgebunden und daher immer nur unpolitisch sein." Das konnte der deutsche Reichsärzteführer Dr. Wagner natürlich nur „eine echt jüdische Formulierung" nennen. Und weil ihm diese „echt jüdische Formulierung" nicht paßte, verbot er den vierzig deutschen Gelehrten, die zum Kongreß eingeladen waren, die Teilnahme an demselben und teilte der Kongreßleitung mit, er ziehe das Ausreiseverbot für die deutschen Gelehrten zurück, wenn Professor Dr. Julius Bauer sein Referat auf dem Kongreß nicht halte. Professor Dr. Julius Bauer, von dieser Drohung in Kenntnis gesetzt, zog es vor, Montreux zu meiden. Der bekannte Wiener Gelehrte hat einer Einladung der internationalen Fortbildungskurse der Tomarkin-Foundation Folge geleistet und wird in Brüssel und Spaa Vorträge über sein engeres Forschungsgebiet halten. Die These aber, daß die Wissenschaft international und unpolitisch sein muß, scheint trotz der Kapitulation von Montreux in der Welt noch immer gültig. Alle wahren Wissenschaftler bekennen „Dr. KrQqcff Hcim" Zentralanstalt für Mädchenerziehung und- Fortbildung Talephon A 4S-S-77 Wien n., Malaf aase 7 Volksand Hauptschule für Mädchen. Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe. Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäschewarenerzeugung. Beth Jacob Religionslehrerinnen-Seminar. Zweijährige Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Macurantinnen. Prospekt auf Wusch. Internat. Streng' reUf. HrasfcaM.

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