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Die Wahrheit · 1935-09-13 · Heft 37 (13.9.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 37 (13.9.1935)
Date
1935-09-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 37 — 13. September 1935 DIE WAHRHEIT Schülerin findet im 13. Bez. (Lainz) bei Beamtenfamilie Unterkunft, beste Verpflesimg und Aufsicht Tochter Mittelschülerin. Gesnnde Lage in großem Garten. Volks-, Haupt- und Mädchenmittelschule in der Nähe. Zuschriften unter „Gutes Heim" an die Verwaltung des Blattes. sich, wie man selbst in Deutschland wohl weiß, in immer noch überwältigender Mehrheit zu diesem Satz und nicht zu dem nazistischen Rassenunsinn. Einer Havas-Meldung aus Brüssel zufolge hielt in der ersten Arbeitssitzung des dort tagenden 16. Anthropologischen und Archäologischen Kongresses der Ordinarius an der Universität Lüttich und Leiter des Anthropologischen Instituts, Fraipont, ein erschöpfendes Referat, in dem er unter Heranziehung schwerwiegender wissenschaftlicher Argumente die Auffassung, daß die arischen Völker denjenigen semitischen Ursprungs überlegeni seien, als durchaus unhaltbar bezeichnete. Amerika für die verfolgten deutschen Juden. Die Jüdische Telegraphen-Agentur hat an eine große Reihe Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten die Frage gerichtet: „Sind Sie dafür, daß die Regierung der U. S. A. offiziell eine Aktion gegen die deutsche Regierung wegen ihrer Verfolgung der Juden unternimmt?" Von den bisher eingelaufenen 26 Antworten lauten 19 für und 7 gegen eine solche Aktion; aber auch diese 7 Parlamentarier der U. S. A. betonen alle, daß sie die Judenverfolgungen in Deutschland verurteilen. Der Premier von Kanada R. B. Bennett empfing eine Abordnung des Kanadischjüdischen Kongresses, die ihm einen Protest gegen die Judenverfolgungen in Deutschland überreichte. Der Premier versicherte der Abordnung, daß die Regierung mit den verfolgten Juden sympathisiert und sich ernstlich mit der Frage befassen wird, was sie in derAngelegenheittun könne. Das Fluchtlingsproblem. Im Zusammenhang mit dem von der Völkerbundversammlung demnächst zu erörternden Vorschlag der norwegischen Regierung zur Schaffung eines dem Völkerbund unterstellten zentralen Flüchtlingsschutzamtes wird! unter den Vertretern der sich mit dem Flüchtlingsproblem beschäftigenden jüdischen und christlichen Privatorganisationen im allgemeinen die folgende Lösung empfohlen: 1. Der Völkerbund möge einen einzigen Oberkommissar für Flüchtlinge ernennen, dessen Posten ein Ehrenposten — wie der des verstorbenen Dr. Fritjoff Nansen — sein soll Diesem Oberkommissar soll der Schutz aller Kategorien der Flüchtlinge obliegen, mit denen der Völkerbund sich direkt oder indirekt bis jetzt beschäftigt hat oder in Zukunft noch zu beschäftigen haben wird. Es sind das: die russischen, armenischen, assyrischen, assyro-chaldäischen und türkischen Flüchtlinge, mit deren Los sich bisher das internationale Nansenamt beschäftigt hat, die Flüchtlinge aus dem Saargebiet, die, soweit sie stimmberechtigte Saarländer waren, ebenfalls dem Tätigkeitsbereich des Nansenamtes untersteht wurden, und schließlich die Flüchtlinge aus Deutschland, die bisher dem Tätigkeitsgebiet des Oberkommissars MacDonald unterstellt waren: insgesamt ungefähr eine Million Menschen,1 wovon ein großer Teil staatenlos ist 2. Das Amt des so ernannten Oberkommissars soll einen integrierenden Bestandteil des Völkerbundsekretariats bilden und seine gesamten V e rwaltungsspesen sollen aus dem Budget des Völkerbundes gedeckt werden. 3, Für die Seßhaftmachung der Flücht-; linge und ihre Versorgung mit Arbeit in verschiedenen Ländern soll ein aus privaten Mitteln gespeister, aber unter den Auspizien des Völkerbundes ins Leben gerufener Fonds unter dem Namen „Nansen-Flüchtlingsf oirds" . geschaffen werden. Diesem Fonds könnten auch die Regierungen der an. der Lösung des Flüchtlingsproblems interessierten Länder Beiträge zukommen lassen. Die Haupttätigkeit dieses Flüchtlingsamtes soll bestehen: a) im rechtlichen Schutz der Flüchtlinge durch Beschaffung von Identitätspapieren, Aufenthaltsbedingungen und Arbeitserlaubnissen für sie; b) in einer politischen Aktion zwecks Förderung der Wanderungen von Flüchtlingen und ihrer entsprechenden Verteilung auf die verschiedenen aufnahmefähigen Länder; c) in materiellem Beistand durch Beschaffung von Arbeit in einem ständigen Heim und durch temporäre Unterstützung in der Zeit, in der die Flüchtlinge der dringendsten ersten Hilfe bedürfen. * James MacDonald in Moskau. Der Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge beim Völkerbund, James Q. MacDonald, erklärte dem JTA-Korrespondenten, er sei nach Moskau gekommen, um mit dem Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten über die Frage der Reorganisierung des Flüchtlingsamtes beim Völkerbund in der Weise, daß auch die Obsorge für die deutschen Flüchtlinge direkt dem Völkerbund unterstellt wird, zu verhandeln. Die Frage einer Seßhaftigkeit deutscher Flüchtlinge in Ländern der Sowjetunion wurde, sagte MacDonald, tficht berührt. Judenverfolgungen an der Saar. Der JTA-Berichterstatter, der vorübergehend ander Saar weilte, konnte an verschiedenen Beispielen feststellen, daß die nationalsozialistischen Machthaber nicht daran denken, die dem Völkerbund gelegentlich der Rückgliederung der Saar an Deutschland gegebenen Zusagen, keine antijüdische Propaganda und Verfolgung zu betreiben, zu erfüllen. Vor der Synagoge in Saarbrücken wurden, zwei grpße Transparente angebracht, deren Inschriften eine Aufforderung an die Bevölkerung enthalten, die deutsche Saar von Juden zu reinigen. Die Zufahrten zu der Stadt Merzig zeigen Tafeln mit der Inschrift: „Juden sind hier unerwünscht". Die Behörden von Merzig zwangen den Besitzer eines Wo fehlt ein »künftiger Schwlegersohal Suche für meinen einzigen 21 jähr. Sohn ans Deutschland, sehr gut aassehend, 1.80 an groß, höh. Gymnasialbildung, passende Heirat Hein Sohn, Manufakt, möchte in dieser oder ähnl Branche, Fabrikation, Konditorei, Botel etc. einheiraten. Mein Sohn ist alleinig. Erbe meines großen Vermögens. Refl. wird auf lukr. Unternehmen und gute Familie. Reell. Vermittl. angenehm. Gen. Off. unt. Chiffre „Lebensglück" a. d. Ezp. d. Ztg. Hotels, das auch von jüdischen Reisenden frequentiert wird, eine Tafel mit der Aufschrift „Juden sind hier nicht erwünscht" am Hoteleingang anzubringen. Im Nichtbefolgungsfalle wurde der Besitzer mit dem Entzug der Hotellizenz bedroht. In Dinningen wurden auf behördlichen Befehl drei jüdische Angestellte eines Warenhauses entlassen, nachdem dieses in nichtjüdische Hände übergegangen war; für den Fall der Weigerung wurde dem Besitzer mit Boykott gedroht. In Fölklingen wurden die Hotels gezwungen, Plakate „Juden unerwünscht!" anzubringen. Der alte Wilnaer Judenfriedhof bleibt erhalten. Die Wilnaer Stadtverwaltung beabsichtigte, wie wir vor einiger Zeit berichteten, den historischen Judenfriedhof, auf dem sich die Gräber zahlreicher Thoragrößen und Geonim befinden, u. a. die Gräber, des Wilnaer Gaons und des „Ger Zedek", aus Anlaß des Baues eines großen Sportstadions einebnen zu lassen. Auf die Schritte, die daraufhin die Wilnaer Gemeinde unternommen hat, ist jetzt eine Antwort des Starosten erfolgt, in der mitgeteilt wird, daß das Innenministerium entschieden habe, der Friedhof dürfe, nicht beseitigt werden, weil dies das jüdische Gesetz nicht zulasse. Die Gemeinde hat auch angefragt, ob für die Erhaltung des Friedhofes gesorgt sei und ob besondere Geldmittel hierfür zur Verfügung ständen. Ein Jude Rektor Magnificus in Groningen. Der berühmte jüdische Physiker Professor Dr. L. Polak Daniels ist für das Jahr 1936 zum Rektor Magnificus der Staatsuniversität Groningen gewählt worden. Tempelsitze. Im türkisch-israelitischen Tempel, Wien II., Zirkusgasse .22, werden für * die hohen Feiertage Sitzkarten.in allen Preislagen abgegeben. Kanzlei von 2 bis 4 Uhr, Telephon R 43-3-35. Sic ersparen fiel zeit und field, wenn Sie zu Rot ch-Hai chonoh statt spezieller Gratulationen allen Ihren Verwandten, Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in der Neujahrs-Festnummer der nWAHRHEIT" viel Glück sagen. Nur bis Freitag, den 20. September können Aufträge berücksichtigt werden. Um allen Jenen, die durch „Die Wahrheit" grata- , Heren, die Gewißheit zu sehen, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien oder Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden. Je ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. -Ausschneiden!-— Bestellschein An die Administration »DIE WAHRHEIT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glückwunsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6'— *) Doppelfeld zum Preise von S IT— welchen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende *) Nichtzutreffendes bitte streichen. / Textangabe:............................................................... Unterschrift: Gedanken im Elul Aufs Neue stets Vom ersten Sohn der Erde an, Das Wunder der Belebung Wird dem schlammgeformten Körper, Der sich regt .... dann lebt Und denkt und kämpft .... Und der bereit, Zu Erde wieder zu verfallen, So Todeswunder ihn umfängt. Dies ist der ganze Mensch. Um diese Schöpfung Schon vor Zeiten wissend, Errang Israel einst Den Sieg des Glaubens seinen Kindern. Und da zu Ende Seine Leidensjahre, Gab Segen er den Söhnen, Doch er starb nicht, Lehren unsre Weisen. Ewig lebt sein Geist Im Kaddisch fort, Welchen seine Kinder 'sagen. Oskar Rosenzweig. Sinkender Lebensstandard der amerikanischen Juden. Auf einem Empfang, den die Gesellschaft ORT zu Ehren des amerikanisch-jüdischen Arbeiterführers B. Vladek gegeben hat, erklärte Vladek, daß sich in den letzten fünf Jahren der Lebensstandard der amerikanischen Juden sehr verschlechtert hat. Einst hatten Hunderttausende jüdische Arbeiter in Amerika einen Wochenlohn von je 40 bis 50 Dollar, der jüdische Mittelstand sparte Geld. Man erbaute für Mülionen Dollar Prachtsynagogen und Jewish Centres. 16 große jiddische Theater existieren. Noch'vor 15 Jahren lebte die Hälfte der New Yorker Juden von Handarbeit, in der Sohneiderbranche waren 90 Prozent Juden, ihre Produktion betraf zwei Millionen Dollar jährlich, heute haben 30 Prozent der Schneiderarbeiter ihre Branche verlassen. Auch für die jüdischen Aerzte, Juristen, Kaufleute usw. haben sich die Existenzmöglichkeiten infolge der Wirtschaftskrise und des Antisemitismus stark verringert. Die wirtschaftliche Struktur der Juden Amerikas ist unorganisiert, was sich rächen müsse. Seit tausend Jahren schon wird der Myrrhe-Extrakt, der sich'gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches besonders wirksam erwiesen hat, verwendet. Odol-Mundwasser enthält neben dem Odol-Antiseptikum den Myrrheextrakt.

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