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Die Wahrheit · 1935-09-13 · Heft 37 (13.9.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 37 (13.9.1935)
Date
1935-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 37 — 13. September 1935 Seite 3 einigten Staaten mißbrauchen kann, um den ganzen ohnmächtigen Haß seiner Rasse gegen das nationalsozialistische deutsche Volk auszulassen, ist allerdings ein ernster und bedauerlicher Vorgang. Aber weder das ehrenvolle Volk der Vereinigten! Staaten noch die mit Recht so hoch angesehene Justiz dieses Landes haben etwas mit dieser Erscheinung zu tun. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß diese niederträchtigen Gemeinheiten eines Juden unter dem Schutze eines Amtes der Vereinigten Staaten geschehen konnten. Im Namen der deutschen Justiz erhebe ich gegen diese unerhörte Verunglimpfung Protest, indem ich an den Rechtssinn des amerikanischen Volkes appelliere, das — es ist unsere feste Ueberzeugung —• es nicht als angemessen erachten wird, daß irgend ein dem Ghetto entlaufener Bursche unter dem Mißbrauch der liberalen Gesetzgebung der Vereinigten Staaten von Nordamerka sich als Richter aufführt und Schänder der deutschen Flagge freispricht." Hierzu ist zu bemerken, daß das Urteil des Richters Brodsky und seine Begründung von der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten durchaus gebilligt wird. j * ■ —« Die Polizeidirektion hat dem jüdischen Detektiv Matthew Salomen, der erheblich verletzt worden war, als er sich bemühte, die deutsche Flagge auf der „Bremen" vor Angriffen zu schützen, gestattet, einte Ehrenprämie von 150 Dollar vom Norddeutschen Lloyd entgegenzunehmen. Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von iedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol;unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. KM Das100%reine Kokosnußfetf NtfT echt In Originalpackung! ^■k ItKD Religion oder Nation? Der „Stimme" ist etwas sehr Unangenehmes passiert: Sie ist von einem bisherigen Kultussteuerzahler beim Wort genommen worden — bei jenem Wort aus dem jüdischnationalen Programm, däsi besagt, das Judentum sei keine Religionsgemeinschaft, sondern eine Nation. Der Mann zog daraus die Konsequenz: „Für mich ist das Judentum eine blutmäßig bedingte Nation, der ich angehöre, auch wenn ich die Religion verlasse". Sprach's, meldete seinen Austritt an und schickte der „Stimme", die seinen Namen in der Liste der „aus dem Judentum Ausgetretenen" veröffentlichte, eine Berichtigung, in der er erklärt, „er sei nicht aus dem Judentum ausgetreten, was er nicht könne, da seine beiden Eltern Juden sind, sondern er sei aus dem Verband der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten". Merkwürdigerweise ist die „Stimme" über dieses folgerichtige Erfassen eines der wichtigsten rabbinisches Amt wurde ihm anvertraut, und in allen Fragen des jüdischen Lebens galt seine Entscheidung. Sie nahm jedoch alle diese Ehren mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits verschaffte ihr seine Stellung wohl eine gewisse Genugtuung, weil sie aber anderseits sich nicht mehr um wirtschaftliche Dinge zu kümmern brauchte, fühlte sie sich von einer Mitarbeiterin an den höchsten Werten ihres Volkes zu einer einfachen Hausfrau degradiert Indem sie peinlichst darauf achtete, daß er in jenen Stunden, welche für die Fortsetzung seines geistigen Werkes reserviert waren, nicht gestört wurde, indem sie mit Rücksicht auf seinen infolge geistiger Ueberanstrengung angegriffenen Gesundheitszustand jede für ihn bestimmte Speise selbst zubereitete, und zuletzt in ihrer bescheidenen, zurückgezogenen Lebensweise iand sie sich wieder. Der Weltkrieg brachte das Paar in die Residenzstadt. Und als das Völkerringen vorüber war, konnte er, der zu dieser Zeit schon mehr Geist als Körper war, eine verhältnismäßig leichte Krankheit nicht überstehen. Zuerst drückte sie das Unglück vollkommen nieder. Als sie sich allmählich zu besinnen anfing, erinnerte sie sich an eine Kiste, welche, als das Göttliche an ihm zum Himmel emporstieg, zu seiner Rechten stand. Sie erinnerte sich jener Kiste, welche seinen geistigen Nachlaß enthielt, der nun von nahestehenden Freunden und Verehrern allmählich veröffentlicht wurde. Eigentlich, überlegte sie, hat sie ja immer nur das Geistige an ihm verehrt, und sein Geist lebt ja in seinen Werken, über hundert an der Zahl, fort. In patriarchalischer Ruhe verbrachte sie dann ihren Lebensabend. Und als sie sich auf die letzte Wanderung, auf den Aufstieg in die Unendlichkeit vorzubereiten begann, hatte sie nur einen Wunsch, in demselben Acker Gottes, in welchem seine irdische Hülle ruht, den ewigen Frieden zu finden. In sein Heiligtum, in sein Mausoleum eindringen wollte sie nicht. Nun ruht sie in Frieden, vom ülanze seines Tempels in jener bescheidenen Entfernung, in welcher sie im Leben das Licht seiner Sonne zu empfangen pflegte. Dies der Lebenslauf einer wahren esches chajil, einer tugendsamen jüdischen Frau, wie sie Salomo pries. M. B. Morgenstern. Punkte ihres Parteiprogramms keineswegs erbaut. Vielleicht wäre sie es, wenn die Verwaltung der Kultusgemeinde noch in den Händen der „Union" wäre, die das Judentum immer nur als konfessionelle Gemeinschaft betrachtet und daher jeden, der diese Gemeinschaft verläßt, mit Recht nicht mehr als Juden ansieht. Dann hätte sich das Wiener Zionistenorgan wahrscheinlich auf den Standpunkt jenes palästinensischen Arbeiterdelegierten gestellt, der auf dem Luzerner Kongreß wörtlich gesagt hat: „Man wird sich damit abfinden müssen, daß es eine Generation in Erez Israel gibt, die nicht religiös ist und die nicht dulden wird, daß man ihr religiöse Fesseln anlegt." So aber muß die „Stimme" als das Sprachorgan der derzeitigen Machthaber im Wiener Kultusvorstand daran denken, „daß die so hart ringende Gemeinde, die ein volles Drittel der Wiener jüdischen Bevölkerung in ihren Fürsorgekatastern zu führen gezwungen ist, nicht in ihren Steuereingängen verkürzt werden darf und daß sie den Austritt auch nur eines Steuerzahlers, der gewöhnlich ein paar andere nach sich zieht, verspürt. In der Mehrzahl handelt es sich ja bei den Austritten um solche finanzielle Gesichtspunkte. Aber es geht nicht an, daraus auch noch eine Tugend zu machen und sich als nationaler Jude auszugeben." Der Einsender der oben zitierten Berichtigung muß also statt des von ihm für sein verständnisvolles Begreifen der nationalen Auffassung vom Judentum erhofften Lobes einen saftigen Rüffel einstecken. Die „Stimme" sagt ihm ordentlich die Meinung: „Wer aus dem Judentum austritt, ob er nun die Taufe nimmt oder sich bloß konfessionslos erklärt, setzt damit einen Willensakt. Er bekundet, daß er das Band zwischen sich und dem Judentum zerschneidet. Das Judentum ist noch nicht als nationale Einheit anerkannt, nicht einmal in Deutschland, wo doch Jude einfach mit Verbrecher gleichgesetzt ist Das Judentum wird nur als konfessionelle Gemeinschaft betrachtet und wer sie verläßt, ist nicht mehr Jude. Kann wenigstens bei uns nicht mehr als Jude gelten. Denn er entzieht sich seiner Pflicht als Angehöriger der Gemeinschaft vor denen, die diese Gemeinschaft als Religionsgenossenschaft sehen und seine Abmeldung eben als Austritt zur Kenntnis nehmen." Welch bemerkenswerte Bezugnahme auf die Assimilanten-Auffassung, die sonst von der „Stimme" und allen ihr gesinnungsverwandten Blättern als überlebt und erledigt verhöhnt wird! Jetzt wird auf einmal das Umgekehrte verkündet. Die „Stimme" erkärt kategorisch: „Wer die jüdische Religion öffentlich ablegt, legt das Judentum überhaupt ab. Es ist ein rabulistisches Unterr fangen, eine Trennungslinie zwischen Nation und Tradition nachweisen zu wollen." Der Verfasser der eingangs zitierten Berichtigung weiß nunmehr, was ein rabulisttsches Unterfangen ist. Sein Verständnis hiefür wird noch erleichtert durch die Aufklärung, daß er, der der Meinung war, durch den Austritt aus der Kultusgemeinde einen besonders geläuterten jüdischen Nationalismus zu betätigen, in Wirklichkeit „Hitlersche Theorien auf das innere jüdische Leben projiziert hat". Wenn er nach dieser Erklärung der „Stimme" noch immer nicht erkennt, was ein „rabulistisches Unterfangen" ist, dann ist ihm einfach nicht zu helfen . . . Welche Konsequenzen der Mann aus der ihm zuteil gewordenen Belehrung zieht, hängt davon ab, zu welcher der bekannten vier Charaktergruppen er gehört. Ist er Melancholiker, dann wird er frei nach Scholem Alechem seufzen: „Schwer zu sein ein nationaler Jude!" Neigt er zum Phlegma, dann wird er auf die ärgerliche Frage der „Stimme", wie er sein Judentum dokumentiere, wenn er nicht einmal der Kultusgemeinde die paar Schillinge Steuer bezahle, ruhig und gelassen antworten, daß es jetzt billigere Methoden zur Dokumentierung des Judentums gibt, seitdem Jabotinsky eine jüdische Volksgemeinschaft auf neuer Grundlage: ohne Mitgliedsbeiträge, aber mit einer Welt-Nationalversammlung schaffen will. Ist er Choleriker, dann wird er brummig jene Kongreßberichte aus Luzern noch einmal studieren, die die auf der höchsten Warte des „nationalen" Judentums abgeführten Debatten über das Verhältnis des Zionismus zur jüdischen Religion enthalten. Am aufschlußreichsten hierüber war die sogenannte K u 11 u r d e b a 11 e, die dem Misrachi Anlaß zu schärfster Kritik bot. Rabbi A m i e I wetterte: „Der Zionismus beruht nicht auf der Seele des Volkes; denn die Thora ist nicht nur unsere Religion, sondern auch unsere Geschichte, unsere Volksseele, unser Rückgrat. Und zu allen Zeiten unserer Geschichte war unsere Literatur auf dieser Seele aufgebaut. Wenn Ihr aber diese Seele in Stücke reißt, nehmt Ihr uns auch die Geschichte. Man kann nicht den Geist unserer Geschichte erfassen, ohne das hohe Ideal des Gottes Israels und des Kiddusch Haschern. Das ist der zentrale Punkt, die Achse unserer Geschichte. Wenn Ihr den Gott Israels aus der Seele des Volkes reißt, habt Ihr nicht nur keine Religion, sondern auch keine Geschichte und keinen Zusammenhang von Land zu Land, von Erez Israel zur Ga- Iuth. Kein Wunder, wenn der Zionismus, selbst auf dem Gebiete der Geschichte, nichts Neues schuf — es \

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