Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-09-06 · Heft 36 (6.9.1935) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 36 (6.9.1935)
Date
1935-09-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064590--20351-3085587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 36 — 6. September 1935 Seite Rabbi Abraham Jizchak Kook. Nach längerer Krankheit ist in Jerusalem der Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinschaft in Palästina, Rabbi Abraham Jizchak Hakohen Kook, im Alter von 69 Jahren gestorben. Unter der Judenschaft Palästinas, in der in den letzten Wochen und Tagen für die Wiedergenesung des hervorragenden religiösen Führers gebetet wurde — besonders war der Tag des Jörn Kippur kotonals Tag des Fastens und der Gebete für Rabbi Kook proklamiert worden —, hat sein Ableben tiefe Trauer hervorgerufen. Rabbi Abraham Jizchak Kook wurde 1866 in <}riva (Kurland) geboren, wurde 1886 Rabbiner in Serael, später in Bausk (Litauen) und erhielt 1903 einen Ruf nach Jaffa. In Palästina entfaltete Rabbi Kook bald eine vielseitige Tätigkeit, indem er in den mit der jüdischen Kolonisation zusammenhängenden religionsgesetzlichen Fragen (Maasser, 'Schemitta usw.) bedeutsame halachische Entscheidungen traf. In Deutschland, wo er an der konstituierenden Versammlung der Agirdas Jisroel teilnehmen wollte, woim Weltkriege überrascht, blieb er zunächst in der Schweiz und folgte 1916 dem Rufe der „Machsike Hadass"-Gemeinde in London. Dort nahm er an den Bestrebungen, die schließlich zur Balfour-Deklaration führten, Anteil. Nach Kriegsende wurde Kook Oberrabbiner der -.aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem. 1921 Vorsitzender des neugeschaffenen Bet din hagadol, d. h. Oberrabbiner der aschkenasischen Judenheit Palästinas. Die 1922 von ihm gegründete Jeschiwa merkasit olamit in Jerusalem stand seither unter seiner Oberleitung. Rabbi Kook. der stets energisch für die Stärkung der palästinensischen Einheitsgemeinde Kne9seth Jisrael eingetreten ist, stand dem M i s r a c h i nahe. Gegenüber der Regierung vertrat er immer stolz und würdig die Forderungen des palästinensischen Rabbinats. Er hat eine Reihe im rabbinischen Judentum hochangesehener Schriften halachischen Inhalts veröffentlicht, in „Roschmillin" eine Zusammenstellung der kabbalistischen Grundwarte gegeben und in „Orot", sowie „Orot hateschuwa" Abhandlungen über Palästina in Buchform veröffentlicht. Ferner erschien mehrbändig eine Sammlung seiner Briefe („Iggrot Reaja"'). Wie Rabbi Kook starb. In dem Befinden des seit Juli im Monteiiore- Hospital schwer krank daniederliegenden Oberrabbiners Kook war am Sonntag, den 1. September, morgens eine so bedenkliche Verschlimmerung eingetreten, daß sich seine Familie und seine engeren Freunde an seinem Bett versammelten. Am frühen Nachmittag verfiel der Kranke in Bewußtlosigkeit. Aber als die um das Bett Versammelten, unter ihnen der Oberrabbiner der Agudas Jisroel-Gemeinde, Rabbi Joseph Duschinsky und mehrere andere Rabbiner das „Schema Jisroel" zu sprechen begangen, erwachte Rabbi Kook einen Augenblick zum Bewußtsein und sprach die Worte „Adonai E c h o d" mit. Mit diesen Worten auf den Lippen verschied er. Das Begräbnis fand am Montag nachmittag unter ungeheurer Beteiligung der Jerusalemer Jardenheit und zahlreicher Delegationen aus dem ganzen Lande statt. Vertreter der Regierung und ausländische Konsuln wohnten den Trauerzeremonien bei. Hermann Bernstein. Ein Kämpfer für jüdische Ehre und Rechte. Der frühere Gesandte der Vereinigten Staaten in Albanien, Hermann Bernstein, ist am 31. August auf seinem Sommersitz in Sheffield, Massachusetts einem Herzleiden erlegen. Hermann Bernstein hat ein Alter von 59 Jahren erreicht. Der Leichnam wurde nach New York überführt, wo am Sonntag, den 1. September, unter zahlreicher Beteiligung der diplomatischen, politischen und der führenden jüdischen Kreise das Begräbnis stattfand. Hermann Bernstein wurde 1S76 in Sohirwint bei Wilna geboren und kam 1893 nach Amerika. Er ist der Begründer der großen jiddischen Tageszeitung „Der Tog" (The Day) und war Herausgeber der führenden jüdischen Wochenschrift in ei.glischer Sprache „Jewish Tribüne". Er verfaßte eine Reihe viel beachteter Bücher über politische Probleme Amerikas und Europas und auch eine Reihe Dramen, die über die amerikanischen Bühnen gingen. 1919 ging er als Korrespondent New Yorker Zeitungen nach Galizien, um die Ursachen der dortigen Pogrome aufzuhellen. Von dort zurückgekehrt, begann er einen rücksichtslosen Kampf gegen die damals von Henry Ford, dem berühmten Automagnaten, geleitete und finanzierte antisemitische Bewegung in den USA. Durch eine Reihe von Schriften und Aufsätzen in führenden Zeitungen gelang es ihm, die öffentliche Meinung Amerikas von der Grundlosigkeit der antisemitischen Legenden und von der Fälschung ihrer Quellen zu überzeugen. Er brachte gegen Henry Ford eine Verleumdungsklage als Jude ein und zwang auf diese Weise Ford zu einer Entschuldigung und zu dem Zugeständnis, daß die von den Antisemiten gegen die Juden angeführten Quellen, vor allem die „P r o t o k o Ii e der Weisen von Zion" gefälscht sind. In der I'olge schwor Henry Ford öffentlich dem Antisemitismus ab. Erst vor wenigen Monaten hat Hermann Bernstein wiederum im Verbindung mit dem Berner Prozeß eine umfangreiche Schrift über die „Protokolle" herausgegeben, die den klaren Nachweis der Fälschung enthält. Das Buch machte in der amerikanischen Oeffemtlichkeit und in der Presse tiefen Eindruck. In den letzten Wochen arbeitete Bernstein an einem neuen Schauspiel mit aktuellem jüdischen Milieu; der Tod erreichte ihn, bevor er es vollenden konnte. 1918 hat Bernstein die berühmten „Willy- Niky"-Telegramme (Geheimkorrespondenz zwischen Kaiser Wilhelm II. und dem Zaren Nikolaus) an die Oeffentlichkeit gebracht. Das Vorwort schrieb der verstorbene Präsident Theodor Roosevelt. Bernstein veröffentlichte auch eine Reihe Interviews mit hervorragenden Staatsmännern, u. a. mit Präsident Masaryk, in Buchform. Auch als Uebersetzer Tolstojs, Gorkis und Andrejews ins Englische machte er sich einen Namen. Während mehrerer Jahre vertrat er die „New York Times" in europäischen Zentren. Er war Berichterstatter über die Friedenskonferenzen für „New York American" und andere große Zeitungen. Präsident Hoover, der ihn sehr schätzte, ernannte EPHRUSSI & C* Gegründet 1856 Baahäeschäfte «aller Ar< Abteilungen für Wertpapiere und Devisen Wien IX., WasagasseNr. 2 ihn zum Gesandten der USA. in Albanien, welches Amt er vier Jahre lang bekleidete. Er war Anwärter auf weitere diplomatische Posten in naher Zukunft. Im öffentlichen jüdischen Leben in den Vereinigten Staaten war Hermann Bernstein eine führende Figur. Eine Zeitlang war er Sekretär des American Jewish Committee. Zuletzt war er zwei Jahre lang Chefredakteur des in Verbindung mit der JTA herausgegebenen „Jewish Daily" B u 11 e t i n", der ersten in englischer Sprache erscheinenden jüdischen Tageszeitung. Seine täglichen Betrachtungen im „Jewish Daily Bulletin" waren in der amerikanisch-jüdischen Leserwelt außerordentlich populär. Vor kurzem zog er sich von diesem Posten zurück, um sich ganz der literarischen Arbeit zu widmen. ferwöhnie SirohwMwer •petten rorzotfllcft!■ Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II., Taborslraße 12, Tel. s 46-3-5? Ausgiebige Brafen-MeaQs S 1.60 <a*MW W J „ Geflügel- ., 3 2.20 Itt'-J sowie i Ix Carte, Speisen am Rost / Schöner staubfreier Guten Das Bestattungswesen. Wir erhielten folgende Zuschrift: In der jüdischen Zeitung „Die Stimme" vom 15. August 1935, Nr. 474, hat sich Herr Josef H. Wa 11 u c h als Obmannstellvertreter der Friedhofskommission mit meiner Tätigkeit als Obmann dieser Kommission beschäftigt und versucht, diese meine Tätigkeit herabzusetzen, indem er mir den Vorwurf machte, daß ich nicht den Willen hätte, jeden Akt gründlich und individuell zu behandeln, und daß ich mir meine Tätigkeit dadurch bequemer mache, daß ich alle Agenden auf telephonischem Wege erledige. Da Herr Josef H. Waltuch diese gegen mich erhobenen Anschuldigungen in keiner Weise begründete, habe ich Herrn Waltuch aufgefordert, durch Anführung konkreter Fälle vor aller Oeftentlichkeit die Richtigkeit seiner Behauptungen zu beweisen. Trotzdem ich diese öffentliche Aufforderung bereits in der Nummer der „Wahrheit" vom 16. August 1935 an Herrn Waltuch gerichtet habe, hat derselbe bisher keinerlei Antwort erteilt und keinerlei Beweise für die Richtigkeit seiner Behauptungen erbracht Ich hätte die gegen mich erhobenen Anschuldigungen einfach durch eine schlüssige Beweisführung durch Anführung konkreter Tatsachen widerlegen können. Ich habe diesen Weg aber deshalb nicht gewählt, weil ich mir bewußt war, meine Pflicht voll und ganz erfüllt zu haben, und weil ich weiter wußte, daß alle diejenigen, die meine Tätigkeit im Friedhofamte kennen, die vorgebrachten Beschuldigungen ohnehin nicht glauben werden. Mir war es lediglich darum zu tun, der Oetfentlichkeit zu beweisen, daß die von Herrn Waltuch gegen mich vorgebrachten Beschuldigungen von ihm nicht werden bewiesen werden, weil er sie nicht beweisen kann. Die in der „Stimme" veröffentlichte Zuschrift des Herrn Josef H. Waltuch hatte nur den Zweck, meine Tätigkeit als Obmann der Friedhofskommission herabzusetzen und jenen Schützenhilfe zu leisten, die das Verschulden für eventuell im Beerdigungswesen begangene Fehler auf mich überwälzen wollen. Diese Zuschrift hat aber meiner Meinung nach das Gegenteil erreicht, denn ein Gegner, der die von ihm vorgebrachten Behauptungen nicht beweisen will oder nicht zu beweisen in der Lage ist, hat durch sein Schweigen auf die an ihn gerichtete Aufforderung deutlich zum Ausdrucke gebracht, wie die wider mich erhobenen Beschuldigungen zu werten sind! Dr. Ernst Feldsberg. Keine Judenverfolgungen in der Türkei. Öie gesamte türkische Presse protestiert einmütig gegen die vor einiger Zeit im Ausland verbreitet gewesenen Meldungen, denen zufolge es in Konstantinopel zu heftigen judenfeindlichen Kundgebungen gekommen sein soll. Die Zeitung „Son Posta" veröffentlicht das Ergebnis einer bei jüdischen Führern veranstalteten Umfrage über diese Meldung. Einerder Befragten erklärt, daß solche Nachrichten von der nazistischen antisemitischen Propaganda von Zeit zu Zeit planmäßig in Umlauf gesetzt werden. Es handle sich um Versuche, eine Aenderung in der Haltung der Regierung gegenüber den Juden herbeizuführen. Diese seien mit ihrem gegenwärtigen Status durchaus zufrieden. Eine andere Antwort auf die Umfrage des Blattes lautet: „Die Nachricht ist falsch; weit davon entfernt, unterdrückt zu sein, leben und arbeiten die Juden hier in voller Freiheit." Sir Isaac Isaacs 80 Jahre. Der britische Generalgouverneur für Australien, Sir Isaac Isaacs feierte in diesen Tagen seinen 80. Geburtstag und wurde von allen Bevölkemngskreisen beglückwünscht. Der Premier West-Australiens Phillip Collier erklärte: „Es würde sich verlohnen, wenn Hitler- Deutschland Kenntnis erhielte von der tiefen Bewunderung, die Sir Isaac Isaacs seitens aller Rassen und Konfessionen des australischen Volkes gezollt wird." Sir Isaac ist orthodoxer J u d e. „Di- Kritaer-Helm" Zentralanstalt für Mädchenerciehung und Fortbildung Telephon A 43-0-77 Wien II., Malzgauc 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen. Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe. Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäschewarenerceugung. Beth Jacob Religionslehrerinnen-Seminar. Zweijährige Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. Einjähriger praktischer Fortbildungskurs rür Maturantinnen. Prospekt auf Wunsch. Internat. Streng relig. Haushalt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.