Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 35 (30.8.1935)
- Date
- 1935-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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'»^^äiitaaSEät " ^M^aF^a^s?5«*«^ DIE WAHRHEIT Nr. 35 — 30. August 1935 Seite 7 Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, Z. Bez., Taborsfraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69_ <ler Aufklärung der Mitbürger und des rumänischen Volkes. Die Union rumänischer Juden erklärt, dali für die rumänischen Juden die volle Einigung das Gebot der Stunde ist. Nur die Gewissenlosen können außerhalb der Aufgabe bleiben, an der mitzuarbeiten sie aufgefordert wurden. Das Geheimnis der Moskauer Nächte. Man sage nicht, daß im Dritten Reich keine Talente gefördert werden. Da ist dieser Tage in Berlin ein neuer Filmregisseur entdeckt worden. Er heißt M a r c i 11 y, und obwohl niemand bisher seinen Namen kannte, wurde sein Film „Natascha" in einem der repräsentativen Ufakinos am Kurfürstendamm uraufgeführt. Wer ist Marcilly? Woher kommt er? Man weiß es nicht. Auch der sonst so gut informierte ..Film-Kurier" erwähnt den Namen des Regisseurs mit keiner Silbe. Und das nicht ohne Grund. Denn hinter dem etwas verschrobenen Pseudonym verbirgt sich niemand anders als — Alexander Qran o w s k i, der frühere Leiterdes Moskauer Jüdischen Theaters, eine jener fremdrassigen, kulturbolschewistisch suspekten „Systemgrößen", mit denen, wie man weiß, für die nächsten tausend Jahre abgerechnet worden ist. Was jedoch nicht hinderte, seinen letzten, in Paris gedrehten Film „M oskauer Nächt e", der jetzt in Wien einen so großen Erfolg errang, unter obenerwähntem Titel laufen zu lassen. Man hat ja nicht mehr viel, um die Kassen zu füllen. Die Filme, die selbst produziert wurden, haben vom Rhein bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt einen Gähnkrampf erzeugt, den kein ..SA.-Mann Brand" und kein „Hitlerjunge Quex" zu heilen vermögen. Warum also nicht zu den bewährten Methoden zurückkehren und aus dem ..Galizianer" Granowiski einen Monsieur oder Mister Marcilly machen! Als vor einem Jahr „La 1VI a t e r n e 11 e" des ebenfalls nichtarischen Jean Benoit-Levy in Deutschland lief, begnügte man sich damit, das kompromittierende „L e v y" wegzulassen. Diesmal ließ man gleich den ganzen Mann weg. Ja wenn die Berliner Kinos leer stehen, nimmt man's mit der Blutanalyse nicht so genau. Die man zur einen Tür herauswarf, holt man zur anderen — unter falschem Namen — wieder herein. Die Menschlichkeit wurde beleidigt! Benedetto Croce, der große italienische Philosoph und Historiker, schreibt in „La Critica, Zeitschrift für Literatur, Geschichte und Philosophie" : „Welchen Wert hat die Verfolgung der Juden in Deutschland? Uns zu zeigen, daß ein sehr großer und seht wichtiger Teil dessen, was wir als deutsches Geistesgut in der Kritik, Geschichte, Philosophie, Philologie, Naturwissenschaft, Mathematik. Technik, Medizin und in der Literatur, Musik und Malerei schätzten, jüdisches Werk ist. Wir haben es nicht gewußt, wir haben es i'.icht gemerkt, aber die Verfolgung hat uns gezwungen, die Spreu vom Weizen zu sondern und aufzuzählen, und die Ziffern der Zählung erhöhen .sich von Tag zu Tag und täglich entdeckt man, daß Persönlichkeiten, die man für D e u t s c h e hielt, weil sie Deutsch schrieben, Juden sind. Niemand dachte, daß die sogenannten Arier in Deutschland .so viel Hilfe brauchten und so viel von Nichtariern angenommen hatten. Welche Schande die Arbeit des Fremdlings derart auszunützen und damit — wie sie es bisher taten — die eigene Geschichte zu bereichern. Was ist da Julius Streicher für ein würdiger, stolzefc-, unbestechlicher Geist, da er jetzt fordert, daß christliche Kranke nicht mehr mit den ärztlichen Errungenschaften eines Wassermann, eines Frankel, eines Neisser und anderer jüdischer Gelehrter behandelt werden sollen, daß man sie lieber sterben lassen soll, als das ekle Almosen anzunehmen. Gut: Das ist heroischer Verzicht, eines echten Ariers würdig; wobei man nur einwenden könnte (aber dies ist ein Einwand, der nicht zählt), daß auf diese Weise das Wort Arier am Ende der« Sinn von Dummkopf annehmen wird. Es erübrigt sich hinzuzufügen, daß diese Männer, die dem Wahren und Schönen dienten und die wir bewunderten, dies weder als Deutsche noch ,als Juden taten, und daß ihr Werk seinen Ursprung nicht in ihrem Volkstum, wohl aber in ihrer gemeinsamen Humanität hatte; in dieser gemeinsamen Menschlichkeit, die nun in und an ihnen und damit in uns allen beleidigt wurde. Engländer und Juden. in der englischen Zeitung „Sunday E xpress" wird darüber berichtet, daß ein Herr Beverley Baxter zum Kandidaten der Konservativen im Wahlkreis Wood Green gewählt wurde. In der Sitzung der Vertrauensmänner, die die Kandidierung vornahm, wurde Baxter von einem Vorsitzenden gefragt: „Sind Sie Jude?" Baxter antwortete: „Wollen Sie durch diese Frage erfahren, ob ich zu demselben großen Volk gehöre, aus dem Jesus Christus und Disraeli hervorgegangen sind?" „Ja", antwortete der Vorsitzende. „Dann muß ich Ihnen leider zu meinem größten Bedauern mitteilen", antwortete Baxter, „daß ich diesem Volk nicht angeh ö r e." „Dr. Krüger-Heim" Zentralanstalt für Mädchenerziehung und Fortbildung Telephon ä 4R-0-17 Wien II., Malzgasse 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen. Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe. Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäschewarenerzeugung. Beth Jacob Religionslehrerinnen-Seminar. Zweijährige Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maturantinnen. Prospekt aaf Wunsch. Internat. Streng relig. Haashalt. Die Tragödie der Juden im Saarland. Ein Sonderberichterstatter des „Pariser Tageblatt", der jetzt das Saarland bereist, schildert die Stimmung der dortigen Bevölkerung heute, sechs Monate nach dem Plebiszit, als „schwarz". Ueber die Lage der Juden in diesem Gebiet führt er aus: „Die jüdische Bevölkerung hört die Drohung mit dem 29. Februar nächsten Jahres und beherzigt >sie, soweit ihr das möglich ist. Zahlreiche Vorfälle der jüngsten Zeit beweisen, daß die J udenverfolgung auch an der Saar hundertprozentig einsetzen wird. Aushängekasten für das amtliche Organ und Leibblati Adolf Hitlers, den Streicherschen „Stürmer", werden von weißgekleideten arischen Jungfrauen durch die Straßen getragen, bevor sie an hervorragender Stelle des Ortes angebracht werden. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis so ein armer Teufel von den uniformierten Verbrechern des Dritten Reiches gefaßt, mißhandelt und wegen „Rassenschändung" durch die Stadt geführt wird. In der vergangenen Woche wurden die jüdischen Händler vom Freitagsmarkt in Saarlouis vertrieben und in Begleitung von SA-Musik weggebracht. Von den 28 jüdischen Geschäften, die sich in Völkerbundszeiten in der Bahnhofstraße in Saarbrücken befanden, sind nur noch vier vorhanden. Drei davon sind zu verkaufen. Das Saarbrückener Straßenbild istschon fast reinarisch. Die Juden wagen sich kaum noch in die Oeffentlichkeit. Die Leitung des Jüdischen Kulturbundes. Das offizielle DNB meldet: Im Einvernehmen mit der Geheimen Staatspolizei hat die zuständige Stelle im Reichsmmisterium für Volksaufklärung und Propaganda als den verantwortlichen Leiter des Refcteverbawdes jüdischer Kulturbünde den früheren Intendanten Dr. Kurt Singer und als Generalsekretär dieser jüdischen Organisationen den ehemaligen Handelsjournalisten Dr. Werner L e v i e genlehrrrigt. Unter dieser verantwortlichen Leitung haben sich bis 15. September sämtliche künstlerisch und kulturell tätigen jüdischen Verbände dem Reichsverband einzugliedern. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. B53-0-53 Zu den Ausgrabungen in Lachisch. Der bekannte jüdische Gelehrte, der Professor an der hebräischen Universität in Jerusalem. Doktor H. T o i c z y n e r, ist jetzt von London nach Jerusalem zurückgekehrt. In London, wo die ausgegrabenen Stücke aus Lachisch im Museum des Sir Henry Valcum, welcher die Ausgrabungen finanziert, ausgestellt worden, sind Versuche angestellt worden, die vollständig verwischten Inschriften mit Hilfe elektrolytischer Mittel zu entziiiern, da man annahm, daß sie mit einer metallhaltigen Tinte geschrieben seien. Es ist jedoch nicht gelungen, mehr als das herauszufinden, was bereits an Ort und Stelle in Palästina photographisch aufgenommen war. Anderseits ist es dank den angestrengten Bemühungen der Gelehrten unter Führung von Prof. Torczyner gelungen, viele bisher unverständliche Stellen zu entziffern. Die bisher entzifferten Inschriften stellen zum größten Teil einen Briefwechsel zwischen dem Befehlshaber der Festung Lachisch und einem seiner Helfer in der Nähe von Lachisch über eine tragische Episode aus jener Zeit, den Fall des Propheten Uria bon Schomajahu, dar, der gleich Jeromia gegen einen Kampf der Juden mit Babylonien auftrat und nach Aegypten zu fliehen gezwungen war, von wo.er gewaltsam zurückgeholt und durch den König Jojakim ermordet wurde. Nach Ansicht Prof. Torczyners geht i'us den Inschriften hervor, daß der Prophet Uria ben Schemajahu nicht lesen und schreiben konnte, eine Ansicht, die auch von vielen Forschem bezüglich des Propheten Jeremia vertreten wird, welcher eben deshalb seine Prophetenreden seinem Jünger ben Nerija diktiert haben soll. Auf Grund der Forschungen sind alle aufgefundenen Briefe in Kirjath Jearim (unweit Kirjath^Anawim), der Geburtsstadt des Propheten Uria, gescÄeben worden. Von dort wurden sie nach Lachisch g U, und zwar als Antwort auf die Briefe, die der Been, haber von Lachisch an Hoschajahu, den Kommandari von Kirjath Joarim, gesandt hatte. Dabei stellt siheraus, daß der Kommandant von Kirjath, Jearim, viei leicht auch der oberste Befehlshaber von Lachisch. Je' tisch, auf Seiten des Propheten standen und ihn retten wollten. Wie sich weiter zeigt, besaß der Prophet auch Anhänger am königlichen Hofe. In einem der Briefe wir von einem Schreiben des Uria gesprochen, welches dem Freunde des Propheten, einem Enkel des Königs, vorgelegt wurde. Diese Tatsache wirft ein neues Licht auf die Verhältnisse und auf die Stellung eines Teiles der militärischen Führer Judäas in dieser Frage. In einer der entzifferten Inschriften wird der Name des Schemajahu, des Vaters des Propheten Uria, genannt, der den Semachjahu (einer der Befehlshaber in der Festung Lachisch, bezüglich dessen augenscheinlich der Kommandant eine Anfrage gestellt hatte) mit sich genommen, und ihn „nach der Stadt", das heißt nach Jerusalem, zum König gebracht hatte, um dort ffir seinen Sohn Fürbitte zu tun. Der Briefschreiber teilt ferner mit, daß er im „Gasthaus" gesucht habe, aber „dort ist niemand". Alle diese Inschriften zeigen eine sehr starke Aehnlichkeit mit dem, was wir im Buche Jeremia vorfinden. In weiteren in Lachisch ausgegrabeneu Briefen wird eine zweite Persönlichkeit aus jener Zeit erwähnt. Der Briefschreiber lehnt es ab, sich an der Ermordung eines Mitgliedes der königlichen Familie zu beteiligen. Der in dem Briefe genannte Tobia war, wie man annimmt. Führer einer Partei oder ein Gegner derjenigen Partei, an deren Spitze Je'usch, der Oberbefehlshaber von Lachisch stand. Prof. Torczyner wird in Kürze eine große Arbeit über die Ausgrabungen in dem im Laufe der nächsten Zeit erscheinenden „Sefer Bialik" veröffentlichen. Er hat in London mehrere Vorlesungen gehalten, unter anderem in der Gesellschaft ..Palestine Exploration Fund", im Museum sowie vor den anglikanischen Bischöfen. Während der Vorlesungen wurde auch ein Film vorgeführt, der den Gang der Ausgrabungen darstellte. Palcor. Segen deutsch-jüdischer Emigration. Das holländische Komitee für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland teilt mit. daß die jüdische Einwanderung nach Holland zur Gründung von 85 neuen Fabriken, darunter 45 Textilunternehmen, führte. Die Fabriken beschäftigen 2000 Arbeiter, darunter 1800 Holländer. Juden und Bazillen. Das Berliner „Deutsche A e r z t e b I a 11" veröffentlicht einen Vortrag „Der Arzt als Führer und Erziehe r", den Oberfeldarzt Dr. P e 11 r e t bei der Eröffnung der Führerschule der Deutschen Aerzteschatt in Alt-Rehse am 1. August gehalten hat. In ihm heißt es u. a.: „Einzeller und Menschen, die nicht zur Gemeinschat'tsbildung geschritten sind, bewahren ihr Leben nur dadurch, daß sie sich als Parasiten vom Gemeinschaftswesen erhalten. Dies gilt von den Bakterien wie von den Juden. Nahe liegt ein Vergleich der Juden mit Tuberkel b a z i 11 e n. Fast alle Menschen beherbergen Tuberkelbazillen, fast alle Völker der Erde Juden: eine chronische, schwer heilbare Infektion. Sa wenig wie der menschliche Körper die Tuberkelbazillen in die Organisation seiner Gemeinschaft aufnimmt, so